Heinz J. Aubeck, Die Philippinen – Geschichte eines verloren gegangenen Paradieses, Verlag: Book on Demand, Norderstedt, 2006, 260 Seiten, 19 €


Die Erstauflage dieses Buches erschien bereits 1993 als kleinere Broschüre. Jetzt hat der Autor eine wesentlich umfangreichere, bebilderte Neuauflage vorgelegt, wobei er seinem früheren redaktionellen Konzept weitgehend treu blieb. Es handelt sich primär um einen Abriss der Geschichte der Philippinen (ca. 50 % Buchanteil), ergänzt um etwas unstrukturierte Ausführungen zur Geografie, Wirtschaft, Staatssystem, Religion und „den“ philippinischen Nationalcharakter.     

Das Buch führt den Untertitel „Geschichte eines verloren gegangenen Paradieses“. Aubeck  greift hier eine Formulierung von Jose Rizal auf. Wir können nur vermuten, dass der Verlust des „Paradieses“ mit den Kolonialmächten in Verbindung gebracht wird, explizit begründet wird der Untertitel jedoch nicht.  

Die Ausführungen zur philippinischen Geschichte gehören mit zu den ausführlichsten in der deutschen Literatur zu den Philippinen und reichen von der Vor- und Frühgeschichte bis zu den politischen Vorgängen im Juni 2006. Der historische Abriss geht weit über tabellarische Darstellungen hinaus, ist sachlich ausgewogen und beleuchtet auch die Hintergründe wichtiger politischer Ereignisse.  

Etwas irritiert waren wir über die Feststellung: „Der erste Europäer, der die Philippinen erreichte, war der portugiesische Seemann Francisco Serrano (S. 42)“, gilt in der Literatur doch überwiegend Ferdinand Magellan als der Entdecker der Philippinen. Weitere Anmerkungen zu Serrano liefert Aubeck leider nicht. 

Greifen wir noch eine zentrale Feststellung Aubecks zum spanischen Kolonialregime heraus: „Zwar bereicherten sich die spanischen Kolonialisten in privater Hinsicht, aber für das Mutterland Spanien blieb die Handelsbilanz mit den Philippinen stets defizitär … Vermutlich hätten die Spanier die philippinische Kolonie wegen der enormen finanziellen Verluste längst aufgegeben, wäre nicht der „Galeonenhandel“ mit Mexiko von außerordentlicher wirtschaftlicher Bedeutung gewesen ( S. 51)“. Leben und Werk von Jose Rizal ist auch in Deutschland mannigfach gewürdigt worden – bei Aubeck finden sich jedoch nur knapp fünf Buchseiten über Rizal, den ja eine enge Beziehung auch zu Deutschland verband.  

Bezüglich des Nationalcharakters der Filipinos lehnt sich stark an die klassischen Stereotype an – der Filipino ist „freundlich, loyal, duldsam, humorvoll, hilfsbereit, lebensbejahend, idealistisch … fröhlich, sensibel, selbst genügsam und zufrieden (S. 154)“.  Aubeck leitet - in Ermangelung empirischer Daten - diese Wesenszüge vor allem aus den kulturellen Leitnormen ab.  

Auch er spricht bei einer jährlichen Bevölkerungswachstumsrate von 2,3 Prozent von einer „starken Überbevölkerungstendenz“ (S. 161).  

Recht ausführlich gewürdigt werden bei ihm herausragende Filipinas, sei es in Gestalt später von den Spaniern erhängten Freiheitskämpferin Gabriele Silang oder zeitgenössischen Persönlichkeiten wie der Pop-Sängerin Regine Velasquez oder der jungen Schnellschachweltmeisterin Arianne Caolli.  

Aubecks Ausführungen über die „Kulturhauptstadt Manila“ decken kaum Neues auf. Das ist vielleicht auch ein Vorwurf, den Kenner der Philippinen-Literatur dem Buch generell machen können. Für Philippinen-Profis hält sich der Neuigkeitswert sehr in Grenzen.  

Aber es soll ja noch eine nachwachsende Generation geben, die sich ihr Philippinen-Wissen neu erschließen müssen. Insbesondere für diese Zielgruppe ist die Lektüre des Buches zu empfehlen.


 © Wolfgang Bethge, 2006