Buchbesprechung

Hermogenez E. Bacareza,

Philippine-German Relations

 - A modern History,

Volume 1 + 2

Manila, 2006

390 PHP / 280 PHP

 

Als ich vor Jahren die erste Auflage des Buches „Philippine - German Relations“ (1980) von Hermogenez Bacareza in die Hände bekam, war ich begeistert. Ich hatte eine Publikation gefunden, die erstmals aus philippinischer Sicht einen umfassenden historischen Abriss der deutsch-philippinischen Beziehungen lieferte und darüber hinaus noch interessante Personenporträts aufwies. Das Bundesverdienstkreuz, das Bacareza 2006 u.a. wegen seiner fast zehnjährigen Tätigkeit als Priester bei der Philippine Community in Berlin erhielt, erschien auch aus dieser Perspektive voll gerechtfertigt.  

Mit der in 2007 erschienenen Neuauflage verband ich ähnlich hohe Erwartungen. Meine Freude über das Erscheinen der 2. Auflage in 2007 wurde jedoch schon in den Anfängen gedämpft. Nach tagelangen Recherchen musste ich feststellen, dass auch größere Buchhandlungen in Manila das Buch nicht vorrätig hatten. Nur beim Verlag selbst – dem UST Publishing House in Manila – waren einige Exemplare schließlich erhältlich.  

Der erste Augenschein war durchaus positiv. Die Publikation zeigt nunmehr ein gefälligeres Layout. Der Text präsentiert sich stärker gegliedert. Zitate und Referenzen sind nun stärker ausgebaut.  

Aber das Formale zeigt auch Schwächen. Zunächst ist zu fragen, warum die Publikation – bei fortlaufender Seitennummerierung – überhaupt in zwei Bänden erscheinen musste. Sachlogisch ergibt es hierfür kaum eine Rechtfertigung.  Bei Band 2 gewinnt man überhaupt den Eindruck, dass dieser „gefüllt“ werden musste. Doch davon später. 

Die Kapitelüberschriften (z. B. „Spingboard“, „Looking for a greener Pasture“, „Seeing Eye to Eye“ oder „Toward a brighter Future“) bringen vielleicht eine gewisse Tendenz des Autors zur konfliktfreien Betrachtung zum Ausdruck, sie sind aber poetisch-blass und erleichtern nicht unbedingt die schnelle Suche.  Das gilt auch streckenweise für den Sachindex. Wenn unter dem Stichwort „Germany“ mehr als sechzig Seitenhinweise kommen, dann erfüllt dieses Stichwort nicht mehr seine Orientierungsfunktion. Nach unserem Dafürhalten genügt der Autor auch nicht immer den strengen Zitatregeln. Im Rahmen seiner Ausführungen zu Seekapitän Schück benennt er zwar seine Referenzquelle – nämlich die Publikation von Kurt Titze „Bali, Timor, Philippinen“, wenn Bacareza aber seitenweise den Originaltext Satz für Satz nur ins Englische überträgt, dann hätte man sich doch Anführungsstriche gewünscht.  

Kommen wir zum Inhaltlichen. Es ist Bacarezas großes Verdienst, dass es ihm gelingt, in einem großen historischen Bogen die Beziehungen beider Länder eindrucksvoll und sachkundig zu dokumentieren. Die Darstellung beginnt bei den drei deutschen Kanonieren unter den Schiffsmannschaften von Magellan, den nicht wenigen deutschstämmigen Missionaren, Naturwissenschaftler und Ethnologen im 19. Jahrhundert auf den Philippinen, dem Auftauchen deutscher Kriegsschiffe in der Manila Bay (1898), der Rolle des „Deutschen Klubs“ zu Zeiten des Dritten Reiches, dem „Export“ philippinischer Krankenpfleger in den siebziger Jahren und dem Scheitern des Flughafenausbaus von NAIA III durch die Fraport AG – um nur einige wenige Bezugspunkte zu erwähnen.  

Indes wer meint, die Neuauflage zeige im Vergleich zur Erstauflage wesentlich neue Aspekte sieht sich enttäuscht. Band 1 der Neuauflage, der etwa bis 1979 geht, entspricht textlich weitestgehend der Erstauflage. Wir haben nur zwei neue deutschstämmige Figuren im Buch vorgefunden – Bischof Finnemann, der 1942 von den Japanern hingerichtet wurde  und einen Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg gegen die Japanischen Truppen mit Namen Waldo Neveling.  

Natürlich ist es für weniger Philippinenkundige interessant, was Bacareza zu Personen wie dem Jesuiten und Botaniker Kamel, dem Apotheker Johann Andreas Zobel, dem Zoologen Karl Gottfried Semper oder dem Ethnologen Fedor Jagor mitzuteilen weiß. Die Publikation von Stefan Rohde-Enslin „Östlich des Horizontes – Deutsche Philippinenforschung im 19. Jahrhundert“ ist in Bezug auf diese Personen aber oft detaillierter, zeitkritischer und weniger auf den Klerus fixiert. 

Nicht erwähnt werden  u.a. Josephs Kropfs Übersetzung der „Labor Evangelica“ von Francisco Collin von 1748 (1), die das deutsche Lesepublikum erstmals ausführlicher über die Philippinen informierte  oder die über 200-seitige Buchpublikation des konservativen Monarchisten Karl Freiherr von Hügel „Der stille Ocean und die spanischen Besetzungen im ostindischen Archipel“ von 1860 (2).  

Einen breiten Raum bei Bacareza natürlich Rizals Aufenthalt in Deutschland ein. Hier zeigt Bacareza einige Facetten auf, die bislang weniger bekannt waren. So berichtet er in Bezug auf Rizals Aufenthalt in Frankfurt davon, dass die dortige Statue von Goethe ihn eher enttäuscht hätte. „Unfortunately, for him Goethe looked more like a rich banker than a poet“(S.67).  Eine Anmerkung noch in diesem Zusammenhang: Auf seiner Deutschlandreise nimmt Rizal - von Mainz aus startend - natürlich nicht einen Dampfer nach „Kassel“ (S. 67) – sondern allemal nur nach Mainz-Kastel. Die langjährigen engen Kontakte zu Ferdinand Blumentritt und auch dessen Einflussnahme auf Rizal sind wohl eher unterbelichtet dargestellt.

Entschärft hat der Autor seine Ausführungen zum „Deutschen Klub“ in der Zeit des Dritten Reiches. Sprach er in der ersten Auflage noch insbesondere unter Bezugnahme auf Levison davon, dass  „eighty per cent of the Germans in the Philippines were pro Nazis“ und dass der Deutsche Klub „Nazi-orientated“ war, so schwächt er dies in der 2. Auflage  stärker ab und differenziert stärker.  

De Wirtschaftsbeziehungen beider Länder nehmen insbesondere in Band 2 einen größeren Raum ein. Zahlreiche Export- und Importstatistiken werden präsentiert. Man könnte sich jedoch fragen, ob dies angesichts des relativ kleinen Handelsvolumens beider Länder in diesem Umfang sachlich gerechtfertigt ist. Die philippinischen Ex-und Importe nach und von Deutschland lagen – um nur ein Jahr herauszugreifen - zum Beispiel in 2006 unter 4 % des philippinischen Außenhandelsvolumens. Überbewertungen sind hier fehl am Platz.   

Prägten im 19. Jahrhundert noch weitgehend Einzelpersonen das deutsch-philippinische Beziehungsverhältnis, so sind diese im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart weitgehend von Institutionen abgelöst worden. Dies entspricht dem Trend der Zeit.  Sehr viel Fleiß hat Bacareza investiert, um die vielfältigen Entwicklungsbemühungen deutscher Entwicklungsorganisationen und Stiftungen zu dokumentieren. Es werden aber fast nur  „successful stories“ präsentiert, die den Rechtfertigungs-Prospekten der jeweiligen Institutionen entnommen sein könnten. 

Auf das Debakel der Fraport AG im Hinblick auf den Ausbau des Flughafens geht Bacareza nur in Form der Wiedergabe von kontroversen Stellungnahmen ein. Angesichts des kaum abgeklärten Sachverhalts war auch kaum mehr zu leisten. 

Wir deuteten schon an, dass Band 2 allerlei Ballast mit sich schleppt. So begrüßenswert eine Kurzdarstellung der Geschichte Deutschlands in Band 1 für das philippinische Lesepublikum ist, so bleibt doch zu fragen, warum im Anhang zu Band 2 das „Protocol of 1877 between Spain, Germany und Great Britain General Government of the Philippines Royal Government“ abgedruckt wurde, in dem aus deutscher Sicht lediglich um die Rückstellung von drei deutschen Handelsschiffen ging.

Die gleichfalls abgedruckte Regierungserklärung des früheren Kanzlers Helmut Kohl zur deutschen Wiedervereinigung wie auch der Abdruck eines auch hier weniger bekannten Protokolls zur Deutschen Wiedervereinigung im Rahmen der „2+4“-Verhandlungen (1990) liegen nach unserem Dafürhalten schon außerhalb der Grundthematik der Publikation.  

Warum hat der Autor stattdessen nicht der deutschen Philippinen-Literatur nach 1945 mehr Raum gegeben? Es gibt ja durchaus etliche Standardwerke mit Qualitätsanspruch über die Philippinen, die eine eingehendere Würdigung verdient hätten. Zu nennen wäre hier u.a. Rüdiger Sieberts „3x Philippinen“, das „Handbuch Philippinen“ von Reese/Werning oder das in zahlreichen Auflagen erschienene  „Philippinen Reise-Handbuch Philippinen“ von Jens Peters. Zumindest einen Hinweis verdient hätten auch die deutschsprachigen Philippinen-Foren im Internet, deren Beiträge sicherlich nicht jedem Qualitätsanspruch gerecht werden, die aber  im Hinblick auf das Meinungsbild der Philippinen eine Breitenwirkung erzielen, die so genannte gehobene Literatur mit wissenschaftlichem Anspruch eben nicht erreicht.  

Mit unserer Kritik wollen wir jedoch nicht die Verdienste von Hermogenez Bacareza um die Darstellung der deutsch-philippinischen Beziehungen schmälern. Es ist überaus dankenswert, dass Bacareza sich mit seiner Buchpublikation einer sicherlich nicht ganz leichten Aufgabe gestellt hat und diese auch - mit nur kleinen Einschränkungen - vortrefflich gemeistert hat. 

© Wolfgang Bethge, 2008


 (1) Das Buch trägt den etwas weitschweifigen Titel: „Allerhand so Lehr- als Geist-reiche Brieff, Schrifften und Reise-Beschreibungen, welche von denen Missionariis der Gesellschaft Jesu aus beyden Indien, und anderen über Meer gelegenen Ländern, Meistentheils von 1730 bis 1740 in Europa angelanget seynd. Aus hand-schriftlichen Urkunden und anderen bewehrten Nachrichten zusammengetragen von Pedro Probst, einem Priester derselbigen Gesellschaft“  

(2)    Karl Freiherr von Hügel – Der stille Ocean und die spanischen Besitzungen im ostindischen Archipel, Wien 1860, Neu-Edition: Wien, 2002