Auf Cebu ist uns mit Bernd Bösenberg ein Zwergen-Konsalik auferstanden und hat die bundesdeutsche Philippinen-Literatur um ein „Frauendrama" mit folgendem Titel bereichert:

 

Bernd Bösenberg: Nora - Ein philippinisches Frauendrama, Fischer und Fischer Medien, 2004, 78 S. , 9.80 €  

 

Es handelt sich um eine flache, mit bescheidenem sprachlichem Ausdrucksvermögen geschriebene Lovestory zwischen einer 15-jährigen philippinischen Näherin und einem 200 kg schweren, vermögenden norwegischen Seekapitän. Sehr schnell finden die beiden ins Bett und die schwangere Nora kümmert sich fortan rührig und emsig um das gemeinsame Haus. Nach 78 Seiten holdem Glück muss der der Seebär jedoch ins Gras beißen, weil dem Autor zu seiner naiven Aschenputtelstory nichts mehr einfiel und er dem Leser im Romanuntertitel ein „Drama" versprochen hatte. Die Handlung des Romans ist einerseits „frei erfunden" (Cover-Innenseite), andererseits „authentisch" (Cover-Außenseite).

Hier noch ein paar Stilblüten:

„Nora saß kerzengerade. Obi war erstaunt über soviel Haltung"

„Sie knapperte unbewusst große Stücke aus seinem Herzen"

„Sonst machte Nora ihrem äußeren Erscheinen mit viel Geschmack alle Ehre"

„Was kann alles aus einer kleinen Näherin werden, wenn nur die Liebe das Leben regiert" „Sonntags war die Beerdigung, wie immer auf den Philippinen"

Der Roman ist nur Herz- und Schmerz-Lesern, die mit Kelter-Romanen Schwierigkeiten haben, zu empfehlen. Für den Autor war es eine erste Schreibübung. Aus Gründen der Barmherzigkeit mit dem Leser sollten weitere vorerst wohl nur im stillen Kämmerlein erfolgen.


© Wolfgang Bethge, 2003