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Das Bolo-Messer
Ich
ertappe meine Frau immer wieder, wie sie mit dem längsten
verfügbaren Messer versucht, eine Gurke, eine Zwiebel, ein Brot zu
schneiden. Spöttisch behaupte ich dann: „Mit dem Messer kannst du
ein Kalb umbringen.“ Meine Frau hält aber unverändert an der
philippinischen Bolo-Tradition offenbar fest, denn in der Tat hat
ein philippinischer Haushalt in der Regel mindestens zwei Bolos,
eins für die Küche und eins für das Gröbere außerhalb des Haushalts.
Mit einem Bolo kann man zum Beispiel Kokosnussschalen öffnen,
Bananenstauden fällen oder lästiges Unterholz entfernen. Bauern
sieht man häufig mit einem an einem Ledergurt befestigten Bolo.
Das Bolo
(Tagolog:“Itak“), ein überlanges Messer, gehört zur Familie der
Macheten. Standardmäßig ist die Klinge ist etwa 50 - 60 cm lang und
circa 3mmm dick.
Es gibt aber
einen außerordentlichen Variantenreichtum. Je nach Verwendung können
Bolos kürzer oder länger sein. Die Schneide präsentiert sich gerade
oder gebogen. Häufig ist ein Bolo kurz vor der Spitze verbreitert,
um dem Schlag mehr Kraft zu geben. In einer Spitze endende Bolos
wurden häufig im militärischen Einsatz verwandt.
Der verwendete
Stahl hat unterschiedliche Güteklassen - manchmal glänzt er noch,
manchmal hat er auch schon kräftig Rost angesetzt. Improvisation ist
auf den Philippinen oft angesagt, deshalb hat man Bolos auch schon
aus Blattfedern hergestellt. Der Griff kann ornamentiert, knaufig
oder gerade ausgestaltet sein: Man fertigt ihn aus Metall, (Hart-)
Holz oder billigem Plastik. Die Hüllen, in denen ein Bolo
normalerweise steckt, können schmucklos aber auch reichlich mit
Ornamenten verziert sein.
Das
Bolo gehört als Kampfinstrument zu den „Filipino Martial Arts“, die
als Kali, Arnis oder Escrima bekannter geworden sind. Es ist ein
wesentlicher Bestandteil der philippinischen Heldenmythologie,
diente es doch schon in vorgeschichtlicher Zeit dazu, Körper zu
schlitzen und Köpfe abzuhacken oder zu spalten. Für die
„Katipuneros“-Freiheitskämpfer war es oft die einzige Waffe im Kampf
gegen die Spanier. Die Volkshelden Lapu-Lapu und Bonifacio werden
oft mit einem Bolo abgebildet. Man kämpfte mit Bolos auch gegen die
Amerikaner im philippinisch-amerikanischen Krieg (1899 -1902).
Bekannt geworden ist, dass während des Balangiga Massakers (1901)
Frauen in Kindersärgen Bolos zu den Aufständischen schmuggelten
(1). Später wurde das 1.philippinische Regiment der US Armee
auch „Bolo Battalion“ genannt. Es kämpfte im 2. Weltkrieg im
Untergrund gegen die kaiserlichen japanischen Truppen.
Friedlicher ist
freilich ein anderer Einsatz. Man hat schon öfters Filipinos
gesehen, die ihr weniges Grass im Vorgarten mit einem Bolo
schnitten. Würde man mich mit einer solchen Aufgabe betreuen, wer
weiß vielleicht würde ich Amok laufen. Mit einem Bolo natürlich ….
© Wolfgang Bethge, 2007
(1) Philippine History Group, The Balangiga Massacre: Getting even,
in:
http://www.bibingka.com/phg/balangiga/default.htm
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