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Kurzporträt der Botschafterin der Philippinen, Frau Delia Domingo-Albert 

Zu den Tugenden von Diplomaten gehört neben Verhandlungsgeschick und Zähigkeit auch  persönliche Zurückhaltung. Sie agieren vielfach im Rahmenwerk bürokratischer Institutionen und in den rational gefilterten Verlautbarungen tritt Persönliches eher zurück. Der Versuch einer Personenbeschreibung stößt deshalb in der Regel auf Grenzen. 

Das gilt sicherlich auch für Frau Delia Domingo-Albert, die im Januar 2005 ihr Amt als Botschafterin der Philippinen in Berlin angetreten hat. Versuchen wir dennoch den Werdegang, die Tätigkeitsfelder  und Interessenschwerpunkte dieser durchaus herausragenden Persönlichkeit und Vertreterin des Auswärtigen Dienstes der Philippinen zu skizzieren. 

Frühe Jahre

Frau Domingo-Albert wurde am 11.8.1942 in dem kleinen Bergdorf Salcedo nahe der Stadt Baguio in der Provinz Ilocos Sur geboren. Vermutlich war die Familie nicht ganz arm, sonst hätte sie wohl nicht den nachfolgenden längeren Ausbildungsgang der Tochter finanzieren können. Einem Artikel von 2004 entnehmen wir, dass die Mutter  das hohe Alter von 99 Jahren erreichte (1)

Sie sei ein „true Baguio girl“ gewesen, äußerte Frau Domingo-Albert 2006 in einem Vortrag vor Schülern der City High School in Baguio: „In Baguio sind meine Wurzeln zu suchen. Hier wurde mein Charakter und Werthaltungen geprägt“.  Das gesunde, etwas kältere Klima röteten ihre Backen und die steileren Berge kräftigten ihre Beinmuskulatur. Sie fährt Fahrrad und skatet – Freizeitvergnügen, die für junge Mädchen zu dieser Zeit sicherlich nicht  selbstverständlich waren. Die Schule lehrt sie insbesondere das Arbeiten im Team. „In den Klassenzimmern und Schulkorridoren lernte ich, wie wichtig Teamarbeit ist, angefangen von der Reinigung der Räume bis hin zur Lösung von Physik-Aufgaben.“ In der High School ist es unter anderem Aufgabe der Schülerinnen, ihre Stühle jeden morgen vom Lehrerhaus in die Klassenräume und wieder zurück zu bringen. An diese frühe Tätigkeit fühlt sich die spätere Diplomatin immer wieder erinnert, wenn  in ihrem Wanderleben mal wieder ein Umzug mit den eigenen Möbeln in eine andere ferne Stadt oder Metropole ansteht (2)

Studium und Eintritt in den Auswärtigen Dienst 

Frau Domingo-Albert wird eine sehr strebsame und auch erfolgreiche Studentin. Auf ihren Berufswunsch und die Zielrichtung ihres Studiums hatte sie sich schon früh festgelegt. Sie wollte in den Auswärtige Dienst ihres Landes. Folgerichtig studiert sie an der renommierten University of the Philippines die Fachrichtung „Auswärtiger Dienst“ und erwirbt dort  zunächst den Bachelor-Grad.  Es bleibt aber nicht beim Studium in der Heimat. Sie besucht weiterhin eine Reihe von weithin anerkannten Institutionen im Ausland, zum Beispiel

- die Kennedy School of Government, Harvard University           

- das Public Administration Institute, London           

- die Zweigniederlassung der Boston Universität Overseas in Bonn 

- das Institut für Politische Wissenschaften und strategische Studien in Kiel           

- das Diplomatisches Institut, Salzburg, Österreich           

- und das Institut des Haut Etudes, Genf, Schweiz      

Im Rahmen ihrer Studienaufenthalte – wie auch später während ihrer diplomatischen Laufbahn - erweitert sie ihre breit gefächerten Fremdsprachenkenntnisse.

Sie soll sich in folgenden Fremdsprachen verständigen können: Spanisch, Japanisch, Französisch, Rumänisch sowie Deutsch. Zu ihren Deutschkenntnissen beigetragen haben zum einen die Aufenthalte in Deutschland und sicherlich auch ihr deutscher Ehemann, der mittlerweile pensionierte Journalist  Hans Albert. Es gibt Meldungen, nach denen die Botschafterin fließend Deutsch spricht. Der Journalist Thomas Frankenfeld vom Hamburger Abendblatt meinte nach einem Interview mit der Botschafterin jedoch, sie spräche nur „leidlich“ Deutsch (3). Die Sprachbeurteilungen gehen also auseinander. Wie auch immer -  angesichts der Tücken, die deutsche Sprache mannigfach bereithält, wird man in diesem Punkt sehr nachsichtig sein müssen. Ihre Ansprachen hält die Botschafterin hier in Deutschland  übrigens regelmäßig auf Englisch.

Der Aufstieg im Außenministerium

Zurück zu ihrer steilen Karriere, deren Treppen – nicht die damit sicherlich verbundenen subjektiven Erlebnisse der Freude und Frustration - wir nur kennen. 1967 tritt die nun 25-Jährige als Assistentin in den diplomatischen Dienst ihres Landes ein. Es folgen Attache-Tätigkeiten  bei UNO-Instititutionen in Genf (1969), Wien und New York. 1973 besteht sie eine wichtige Prüfung  ihres Auswärtigen Dienstes, die sie für Leitungspositionen qualifiziert. Sie wird zunächst 1975 Erste Sekretärin und Generalkonsulin der philippinischen Botschaft in Bukarest und ist in dieser Funktion auch für die konsularischen Tätigkeiten in der DDR zuständig ist. Später wird die damalige Konsulin im Hinblick auf die Verhältnisse in der DDR folgendes berichten: 

„Ich reiste damals einmal im Monat nach Ostberlin, um im Hotel "Unter den Linden" Visa auszustellen. Und immer, wenn ich mich dort umsah, fragte ich mich: Wie lange werden die Leute hier das noch hinnehmen? Und sobald ich mit den Visa fertig war, fuhr ich rüber nach Westberlin ins KaDeWe. Und kaufte ein bis zum Umfallen" (2) . 

Es folgt ein Direktorenposten im philippinischen Außenministerium in Manila. Von 1984 – 1990 ist sie stellvertretende Leiterin der philippinischen Botschaft in Bonn  und bereitet in dieser Funktion unter anderem auch im Juli 1989 den Staatsbesuch von Präsidentin Aquino in Deutschland vor. 1992 bekommt sie von der Bundesregierung das Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen. In der Begründung heißt es, dass sie sich um die Beziehungen beider Länder sowie der EU und der ASEAN verdient gemacht habe.   

Dann führt sie der Weg wieder zurück ins philippinische Außenministerium.  Sie fungiert dort von 1991 – 1994 als Leiterin des philippinischen Asean-Sekretariats. In ihren späteren wirtschaftspolitischen Ausführungen als Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland wird sie immer wieder auf die Brückenkopffunktion der Philippinen im wachsenden Markt der Asean-Staaten verweisen.  

Von 1996 bis 2002 ist sie philippinische Botschafterin in Australien. Einer der schwierigsten Aufgaben war dort für sie die unausgeglichene Handelsbilanz beider Länder und die Öffnung des australischen Marktes für philippinische Mangofrüchte. Als das australische Parlament die Handelsbeziehungen beider Länder diskutiert, rühmt man die Botschafterin in einer Zwischenbemerkung auch dafür, dass sie die köstlich schmeckenden „Bookoo-pie“ und „Coconut-pie“ nach Australien gebracht hätte (4).  

Anschließend wird sie eine hochrangige Beamtin bei der APEC, einer internationalen Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, im pazifischen Raum eine Freihandelszone zu errichten. Ein weiterer Meilenstein in ihrer beachtlichen Karriere ist 2002 die Berufung zur Staatssekretärin im philippinischen Außenministerium mit dem Zuständigkeitsbereich „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“.  

Berufung zur Außenministerin

Am 14. Dezember 2003 verstirbt der von ihr hoch geschätzte Außenminister Blas Ople kurz vor einem geplanten gemeinsamen Zusammentreffen in Bahrain.  Einige Tage später hält sie an seinem Grab die Totenwache und kann ihre Tränen kaum verbergen. Zu ihrer eigenen Überraschung wird sie am 22.12.2003 zur neuen Außenministerin der Philippinen berufen. „Alle von uns im Außenministerium dachten, dass ein anderer berufen wird“, kommentiert sie die plötzliche Berufung (5). Sie ist die erste weibliche Außenministerin in der Geschichte der Philippinen und das siebte weibliche Kabinettsmitglied der damaligen Regierung Arroyo. 

Es ist Usus auf den Philippinen, dass man bei der Übernahme eines solch hohen Regierungsamtes auch sein Vermögen offen legen muss. Es wird netto auf 37 Millionen Pesos taxiert, was etwas mehr als einer halben Million Euro entspricht. Die frisch gekürte Außenministerin gehört damit nicht zu den superreichen Politikerfamilien auf den Philippinen sondern allenfalls zur gehobenen philippinischen Mittelschicht (6)

Welche Probleme haben sich ihr vor allem in der nur 7-monatigen Amtszeit als Außenministerin gestellt? Grundsätzlich war ihr daran gelegen, ein gutes Verhältnis zu Norwegen (NPA-Friedensgespräche) und zu Malaysia und der Islamic Conference aufzubauen (Friedensgespräche mit den militanten separatistischen Gruppen im Süden Mindanaos) aufzubauen. Dann mussten Irritationen bei der amerikanischen Regierung abgebaut werden. Die philippinische Regierung hatte nämlich beschlossen, ihr noch 51-Mann starkes Militärkontingent aus dem Irak abzuziehen. Im Juni 2004, als die Philippinen in den Sicherheitsrat der UN gewählt wurden, leitet sie in New York eine Sitzung des Sicherheitsrates. 

Es sind aber insbesondere zwei stärker personengebundene Ereignisse, die ihr Engagement herausforderten. Im Juni 2004 wurde bekannt, dass drei kuwaitische Polizeioffiziere eine Filipina missbraucht hatten. Die Außenministerin drängte bei den offiziellen Stellen in Kuwait auf eine schnelle Aufklärung und Aburteilung. Sie hatte sich stets für einen weiterreichenden Schutz der Auslandsarbeiter (OWF´s)  – insbesondere der weiblichen -  eingesetzt. Das Eintreten für Frauenrechte und verstärkte Emanzipation der Frauen war für sie zeitlebens eine Selbstverständlichkeit und Herausforderung.  Weiterhin gelingt es ihr im Juli 2004 auf diplomatischem Wege einen philippinischen Lastkraftwagenfahrer, der im Irak als Geisel genommen wurde, zu befreien. Sie selbst bezeichnete diese Aktion einmal als die bedeutendste diplomatische Leistung, die sie bewirke konnte.  

Wir kennen nicht die Hintergründe, die dazu führten, dass Frau Domingo-Albert im August 2004 als Außenministerin durch den einflussreichen Innenpolitiker Alberto Romulo abgelöst wurde. Ihre Amtsführung wurde unseres Wissens in den Medien nicht kritisiert, ihre Ablösung nicht hinterfragt. Bisherige Amtsinhaberin und Amtsnachfolger verabschieden sich mit sehr freundlichen Erklärungen. Wir vermuten, dass sie einem allgemeinen Kabinett-Revirement zum Opfer fiel.     

Sie bleibt aber dennoch der Regierung verbunden. Sie wird Regierungsberaterin für multilaterale Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Promotionberaterin für das nationale Bergbauwesen. 

In diesen Jahren wird sie – die schon lange das Bundesverdienstkreuz hat – mit weiteren  Titeln förmlich überschüttet. 2003 ehrt sie die Philippine Women´s University mit dem den Doktorgrad ehrenhalber in Anerkennung für ihr Eintreten für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Den altehrwürdigen Titel eines Datus erhält sie von im Januar 2004 von  Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo. Sechs Monate später wird ihr der königliche Prinzessinnen-Titel durch die 16 Royal Houses of Lanao zugesprochen. Schließlich würdigt sie im Juni 2005 der National Council of Women als „Outstanding Woman in Public Service“.  

Botschafterin in Deutschland

Im Dezember 2005 wird sie zur Botschafterin der Philippinen in Deutschland berufen. Das philippinische Außenministerium stuft den Botschafterposten relativ hoch ein, da Berlin im „Herzen Europas“ zwischen Russland und den anderen westeuropäischen Ländern liegt. Bei der Überreichung ihrer Beglaubigungsurkunde versichert die Botschafterin: „Germany has always a spezial place in my heart“. Sie verweist auf ihren deutschen Ehemann, die vielen deutschen Freunde, die sie habe und die vielfältigen kommerziell-kulturellen Kontakte, die sich insbesondere seit dem 19. Jahrhundert zwischen beiden Ländern ergeben haben. Sie fügt aber gleichzeitig hinzu: „But moore has to be done“ (7).   

Neben ihren Pflichtaufgaben wie zum Beispiel der Einführung des neuen Konsuls in Nordrhein-Westfalen wendet sie mittlerweile viel Zeit auf, um die wirtschaftlichen Kontakte beider Länder zu intensivieren. Sie wünscht sich insbesondere mehr bundesdeutsche Investitionen auf den Philippinen. Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe, da in bundesdeutschen Wirtschaftskreisen das Menetekel der Enteignung der Fraport AG in Manila natürlich bekannt ist. 

Die Botschafterin wirbt aber weiter unverdrossen um ihr Anliegen. Sie regte zum Beispiel die Publikation des „Managerhandbuch Philippinen“ an und beteiligte sich als Autorin am Buch mit dem Artikel  „Von der Duldung zur aktiven Förderung … des philippinischen Bergbaus“. In der Theodor Heuss Akademie in Gummersbach und vor der IHK Baden-Württemberg stellte sie sich Wirtschaftsführern. Sie besuchte bundesdeutsche Investoren in Inland z. B.. Lufthansa Technik, Hamburg, DEDON-Möbel, Lüneburg) und Ausland  (z.B. STEAG AG, Mindanao). In Hamburg bezeichnete sie ein Journalist als „Iron Butterfly“ (3)  – wir wissen nicht, ob die Botschafterin diesen Vergleich als sehr glücklich empfunden hat, da er ja fest zum Label von Imelda Marcos gehört. Frau Domingo-Albert sprach auch vor dem German Club in Manila und genoss dort selbstverständlich auch die Weißwürste. Schließlich fand die Botschafterin auch die Zeit, Benediktiner-Nonnen in Tutzing zu besuchen um ihnen für ihr Engagement auf den Philippinen zu danken.  

Aber sie begegnet hier in Deutschland auch einfacheren Leuten. Ein Zusammentreffen anlässlich eines Zusammentreffens mit Deutsch-Filipinos in München hat sie – die Katholikin und Mutter einer mittlerweile über 20-jährigen Tochter - besonders beeindruckt und sie erzählt in diesem Zusammenhang gern die folgende Anekdote: 

„Dort begegnete ich einer deutschen Schwiegermutter, die sich um ihren deutsch-philippinischen Enkel rührig kümmerte. Als ich sie fragte, warum sie das Baby-Sitting übernommen habe, antwortete sie: „Das ist das Mindeste, das ich für meine philippinische Schwiegertochter tun kann. Sie ist doch die einzige, die mit mir noch in die Kirche geht“ (8). 

Im Übrigen betonte sie 2005, dass die philippinische Botschaft für einzelne Besucher aber auch für andere Institutionen jederzeit offen stünde (9) .Damit grenzt sie sich wohl etwas ab, von der Bunkermentalität, die man anderen Botschaften mit hohem Visa- und Auswanderungsdruck nachsagt. 

Geben wir abschließend der Botschafterin selbst das Wort. Vor Schülern in Baguio äußerte sie sich zu den Motiven ihres Engagements wie folgt:   

“Einigen von euch mag der diplomatische Dienst glamourös und exotisch erscheinen. Tatsächlich ist es ein sehr fordernder Beruf, der viel Hingabe verlangt. Als Angehörige des Öffentlichen Dienstes gehören wir zu einer „überarbeiteten und schlecht bezahlten“ Berufsgruppe. Aber ich kann euch versichern, dass es mir eine innere Genugtuung war und ist, meinem Land und seinen Leuten auf direkte oder indirekte Art und Weise zu dienen(2)

Wir wünschen Ihrer Exzellenz weiterhin viel Erfolg in ihrem vielfältigen Bemühen.

 

 © Wolfgang Bethge, 2008  


      (1)     Max V. Soliven, Foreign Secretary scolds Philippine Star, and she’s right, The Star, 13.08.2004 

(2)     Delia Domingo Albert, Building the Future, Nurturing the Roots”, in: http://www.philippine-embassy.de/bln/index.php?option=com_content&task=view&id=203&Itemid=276 (Übersetzung: W.B.)  

(3)     Thomas Frankenfeld, In Hamburg fing alles an mit den Philippinen, Hamburger Abendblatt, 25.03.2006 

(4)     House of Representatives, Parliamentary Debates, 25.08.1999, http://www.aph.gov.au/Hansard/reps/dailys/dr250899.pdf 

(5)     Star, 23.12,2003 (Übersetzung: W.B.)  

(6)     Domingo-Albert, Delia – Assets and Liabilities, in: http:// i-site.ph/Databases/Executive/Cabinet/2001-2004/SALS/domingo-albert-SAL.html 

(7)     Statement of H E. Delia Domingo-Albert during the presentation of her credentials , http://www.philippine-embassy.de/bln/index.php?option=com_content&task=view&id=248&Itemid=276 (Übersetzung: W.B.) 

(8)     Rede zum 109. Jahrestages der Unabhängigkeit der Philippinen, Stuttgart, 19. 06.2007,  http://www.philippine-embassy.de/bln/index.php?option=com_content&task=view&id=383&Itemid=276&limit=1&limitstart=5 (Übersetzung: W.B.) 

(9)     REMARKS FILCOM RE, http://www.philippine-embassy.de/bln/index.php?option=com_content&task=view&id=206&Itemid=276