Der Cashew-Baum mit der Nuss am Fruchtapfel

Die weltweite Nachfrage nach Cashewnüssen stieg in den achtziger Jahren rasant. Auch die Philippinen gehören heute den „Top Ten“ der Produktionsländer. Der Weltmarktanteil von 3,6 % bei einer landesweiten Produktionsmenge von etwa 16.000 Tonnen (2006) ist jedoch – trotz regierungsamtlicher Propagandierung des Fruchtanbaus und generell steigendem Preisniveau – eher bescheiden geblieben (1). Man hat den Anbau der Steinfrucht in der jüngeren Vergangenheit weitgehend vernachlässigt. Die wichtigsten Hauptanbauländer sind derzeit Vietnam, Nigeria, Indien und Brasilien. Auf diese Länder konzentriert sich die Produktion. Von Cashewnüssen.

In der Umgebung der Stadt Roxas im nördlichen Palawan findet sich das Hauptanbaugebiet auf den Philippinen. Hier wachsen etwa 2,8 Millionen Cashewbäume, sie tragen zu etwa 90 % der Landesproduktion bei (2).

Der immergrüne Cashewbaum (lateinisch: Anacardium occidentale – Tagalog: Kasoy, Balubad) hat durch die Portugiesen im Verlauf des 17. Jahrhunderts seinen Weg von Zentralamerika auf die Philippinen gefunden.

Die Bodenansprüche des bis zu 12 Meter hohen Baumes sind bescheiden. Er braucht nur viel Licht und ausgeprägte Trocken- und Regenzeiten, wie wir sie oft in den Tropen vorfinden. Dank seiner tiefen Pfahlwurzel und vielen Seitenwurzeln übersteht er auch Dürreperioden. Die Baumkrone weist viele Äste auf, was kleinere Bäume strauchartig erscheinen lässt. Die ledrigen Blätter sind elliptisch geformt. Die kleinen hellgrünen, später rötlichen Blüten sind eher unscheinbar. Im Alter weist die braune Rinde des kurzstämmigen Baumes tiefe Furchen auf. Das Hartholz des Baumes produziert auch Latex und gilt als weitgehend termiten- und verwitterungsresistent. Nach 3–5 Jahren des Wachstums beginnt der Cashewbaum, in der Trockenzeit ungefähr 200–300 Früchte mit Nüssen zu tragen.

Kommen wir nun zur Frucht, die aus zwei Teilen besteht: (a) der paprika- oder birnenähnliche Cahew-Apfel und (b) die am Apfel hängende, nierenförmige Cahewnuss. Der gelb oder rot gefärbte Apfel entwickelt sich aus dem längeren Fruchtstiel. Der roh essbare Apfel ist saftig und vitaminreich und hat einen süß-säuerlichen, auch etwas herben Geschmack. Bei der sehr produktiven Mitra-Art hat der ausgewachsene Apfel ein Gewicht von etwa 150 Gramm. Wegen der sehr schnellen Fäulnis eignet sich die Frischfrucht nicht für längere Transporte. Man versucht sie deshalb, nach der Ernte schnell zu verarbeiten. Der Saft wird zu Wein, Schnaps oder Essig weiterverarbeitet. Das Fruchtfleisch kann getrocknet werden und ist als Cashnew-Prune auch in Europa erhältlich. Weitere Verarbeitungsvarianten sind unter anderem Chutneys, Bonbons und Marmeladen.

Die 10–14 Gramm schwere, nierenförmig gebogene Cahewnuss ist ein Anhängsel des Fruchtapfels. Zunächst röstet man die Nuss, um die hölzerne, harte Schale brüchig zu machen. Der Röst- und Knackvorgang muss sehr umsichtig erfolgen. Man will Cashewbruch vermeiden. Auch sollte der weiß-gelbliche, etwa 2 cm lange Nusskern beim Rösten nicht zu dunkel werden, denn Cashewbruch und dunkle Kerne erzielen niedrigere Marktpreise. Durch einen zweiten Röstvorgang baut sich auch ein giftiges Öl der Kernschale ab. Jede Cashewnuss hat nur einen Kern.

Der Geschmack der Nuss ist leicht süßlich-mild und im Vergleich zu anderen Nussarten weniger intensiv. Der Kern ist weniger fett und hat einen recht hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren. Die weicheren Kerne werden im Handel als Snack roh, gesalzen und geröstet oder gewürzt angeboten. Cashewkerne können in Eiscremes, Süßwaren Gebäck finden. Aus dem Nussbruch lässt sich ein hochwertiges Delikatessöl oder auch Cashewbutter herstellen. Ein anderes Öl ist das medizinisch und industriell genutzte Schalenöl. Es soll gegen als Insektenbekämpfungsmittel gegen Termitenfraß schützen und man hat mit ihm auch Warzen und Hühneraugen bekämpft. Andere Anwendungsbereiche können Imprägnierungsmittel, Gummiarten und Harze sein.

 

Märchen von der neugierigen Cashewnuss

Die Cahewnuss wächst also außerhalb des Fruchtapfels. Aber warum ist das so? Ein philippinisches Märchen liefert uns einen Erklärungsansatz.

Einst befanden sich auch die Nüsse im Fruchtapfel. Dort war es dunkel wie im Mutterleib. Die Nüsse konnten die Außenwelt nur über Geräusche wahrnehmen. Sie hörten das Zwitschern der Vögel, das nächtliche Zirpen der Insekten, das Murmeln des Flusses und das Säuseln des Windes, wenn er durch die Äste und Blätter streifte. Die Nüsse konnten nur erahnen, was sich draußen in der Natur so tat. Das war ihnen jedoch zu wenig. Sie konnten sich mit der beschränkten Wahrnahme der Welt einfach nicht abfinden.

Eine Fee erhörte ihr Klagen und plötzlich befanden sich die Nüsse außerhalb des Fruchtkörpers. Die Nüsse waren überglücklich. Nun endlich konnten sie ihre Umgebung sehen und sie genießen. Sie sahen den Fluss, die Vögel und Insekten und mussten feststellen, dass man den Wind nicht sehen sondern nur spüren konnte. Und noch etwas überraschte sie. Sie stellten fest, dass viele Früchte ihre Samen und Kerne innen trugen.

Bald fanden sie hierfür auch eine Erklärung. Denn sie litten. Mittags brannte ihnen die Sonne auf die Schale und nachts setzten ihnen die Fledermäuse zu. Auch hatten sie keinen Schutz gegen den Regen. Inständig baten die Nüsse darum, wieder in das Innere des Fruchtapfels zurückkehren zu dürfen. Aber ihr Wunsch wurde nicht mehr erfüllt.

Das Märchen will vermutlich die etwas konservativ anmutende Erkenntnis vermitteln, dass das Leben außerhalb der einmal vorbestimmten Existenz mit viel Leid verbunden sein kann.

© Wolfgang Bethge, 2011


(1) International Production of Cashew nuts Production in MT, in: http://agriexchange.apeda.gov.in/International%20Production/International_Production.aspx?hscode=20081901

(2)Cashew Profile, in: http://www.roxaspalawan.info/index.php?option=com_content&view=article&id=101&Itemid=144