Der Begriff Chinoy ist eine Wortkombination aus "China" und "Pinoy" für Filipino. Alternativ - insbesondere von den Betroffenen selbst - ist auch von "Tsinoy" die Rede. Die Ableitung ist die selbe. Es ist ein weicher Begriff, der zunächst einmal nur von chinesischer Abstammung ausgeht. Manche Autoren fordern als weiteres Bestimmungsmerkmal noch, dass ein chinesischer Dialekt beherrscht wird beziehungsweise chinesische Gebräuche praktiziert werden. Die weiche Begriffsfassung hat zur Folge, dass die Zahl der Chinoys auf den Philippinen etwas unscharf ist. Aber generell geht man von etwas über einer Million Chinoys auf den Philippinen aus. Der Name Tan soll allein in Metro Manila ca. zehn, der Name Lim acht Telefonbuchseiten füllen. Wesentlich höhere Anteile liegen in Singapur ( 76 %) und in Malaysia (36%) vor. Die Zahl der transnationalen Minderheit wird in gesamt Südostasien auf  ca. zwanzig Millionen oder sechs Prozent Anteil geschätzt.

Chinesen übten schon zu Zeiten des spanischen Galeonenhandels wirtschaftliche Brückenfunktionen aus. Der Handel zwischen China und Amerika wurde ja exklusiv über Manila und Accopulco abgewickelt. Sie waren für die Handelsabwicklung notwendig, wenngleich auch von den Spaniern wenig geschätzt. 1580 hatten die Chinoys in Manila bereits einen eigenen Stadtteil (Parian). Übrigens schon im 16. und 17. Jahrhundert kam es in Manila zu antichinesischen Ausschreitungen und Ausweisungsverfügungen. Etwa zwanzig bis dreißig  Millionen Chinesen wandern im 19.und 20. Jahrhundert primär aus den südöstlichen, verarmten und übervölkerten  Küstenregionen in mehreren Wellen insbesondere nach Südostasien, aber zum Beispiel auch nach Kalifornien und in die Karibik aus. Auf den Philippinen sind die Haupterwerbsquellen der Zwischenhandel und der Geldverleih.  Nicht getilgte Schulden können zu Landbesitz führen. Eher gemieden werden jedoch klassische landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeiten. Da man zu katholischen Friedhöfen zunächst nicht zugelassen wird, begründet man - insbesondere wenn man an der Religion der Vorväter festhält - chinesische Friedhöfe (siehe auch: meinen Artikel "Der chinesische Friedhof von Manila - Stadt der Toten" unter: http://home.arcor.de/be/bethge/cemeterydt.htm ). Eigene Krankenhäuser, Schulen und Zeitungen gleichen Defizite aus und stärken den Zusammenhalt.

Ein Teil der Migranten bleibt nur kurzfristig auf den Philippinen oder sie pendeln zwischen den beiden Ländern. Andere versuchen sich zu im Lande zu assimilieren. Namensmodifikationen wie im Falle von Roxas-Chua oder Yuchengco gehören dazu. Auch die Konversion zum katholischen Glauben kommt in Betracht. Heute sind die philippinischen Chinoys zu etwa 85 Prozent katholischer Konfession. Offensichtlich lässt sich die Institution der Ahnenverehrung (1), die der christliche Glaube zunächst nicht kennt, auch in den katholischen Glauben integrieren. Einige identifizieren sich auch politisch voll mit ihrem neuen Heimatland. Die für die philippinische Unabhängigkeitsbewegung so wichtige Gruppierung der gebildeten "Illustrados"  rekrutiert sich teilweise aus chinesischstämmigen Mestizovertretern, wie sich am Beispiel von Rizal aufzeigen lässt. Stiftungen sind ein anderer Weg, um Goodwill aufzubauen.

Chinoys haben sich in der philippinischen Volkswirtschaft Schlüsselstellungen aufgebaut. Anfang der neunziger Jahre wurde geschätzt, dass sich etwa die Hälfte der tausend philippinischen Konzerne und mittelgroßen Betriebe in der Hand von Chinoys befinden. Man tituliert solche Magnaten, die ein beachtliches Vermögen kumuliert haben, auch als Tycoons oder Taipans.

Welche Faktoren begünstigten den wirtschaftlichen Aufstieg der Chinoys? Sicherlich ein vorhandener Kapitalstock - so klein wie er auch sein mag -, eine höhere Ausbildung, die Netzwerkbeziehungen der chinesischen Community und bestimmte stärker ausgeprägte Tugenden und Werteinstellungen. An erster Stelle sind hier wohl die konfuzianischen Tugenden von Fleiß - manche sprechen auch von skrupelloser Tüchtigkeit -  und Loyalität zu nennen. Flexibilität, Ausdauer und eine höhere Risikobereitschaft kommen hinzu.

Sich häufende Fälle von Kidnapping mit anschließender hoher Lösegeldforderung haben die chinesische Community auf den Philippinen stark beunruhigt. Zwar kam es noch nicht zu rassistischen  Pogromen, wie sie vereinzelt auf Indonesien 1998 festzustellen waren. Aber erfolgreiche Kidnapping-Fälle haben leider eine kumulative Tendenz. Präsidentin Gloria Arroyo, die zunächst als weniger chinesenfreundlich eingestuft wurde, hat jedoch versichert, dass sie alles unternehmen wird, um solche Übergriffe zu verhindern. Eine Kapitalflucht der Chinoys in andere Länder wäre für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes äußerst abträglich. Die Globalisierung der Weltwirtschaft geht so wie schon mit höherer Kapitalmobilität und auch kaufbaren Staatsbürgerschaften einher.  Mehr als zwei Drittel der Auslandsinvestitionen in die Volksrepublik China stammen gegenwärtig von chinesischstämmigen Migranten, die unter Mao noch Staatsfeinde waren, heute aber freudig begrüßt werden. Auch um Abwanderungen vorzubeugen, hat Präsidentin Arroyo 2001 ein Naturalisation Law unterzeichnet, das ethnischen Chinesen, die auf den Philippinen geboren wurden, die Einbürgerung erleichtert.

Man darf sich die Chinesen in Südostasien nicht als homogenen Block vorstellen. Mit Sicherheit weisen sie neben unterschiedlichem Individualporträt unterschiedliche Grade der gesellschaftlichen Integration, der geistig-kultureller Rückbindung an das Mutterland  sowie der Kapitalkraft auf. Nachfolgend stellen wir einige Spitzenrepräsentanten insbesondere aus dem Wirtschaftsbereich vor. Die Auswahl ist nicht repräsentativ für die gesamte Minderheit. Es gibt sicherlich auch einige Tausend Sari-Sari-, Gemüse- oder Kopra-Händler, die kein Wirtschaftsimperium aufgebaut haben, kaum wirtschaftlichen Einfluss ausüben und nur ein bescheidenes Kapital aufweisen.


Jose Rizal

Der Nationalheld der Philippinen Jose Rizal ist im weitesten  Sinne auch Chinoy, wenn auch explizit chinesischer Minderheitenvertreter. Er ist so stark in die philippinische Kultur und Geschichte integriert, dass man in seinem Falle wohl eher von einem Filipino spezieller Herkunft sprechen sollte. Dennoch hat auch er chinesische Vorfahren. Der Ur-Ur-Großvater Domingo Lamco - späterer Nachname Mercado bez. Rizal - immigrierte Ende des 17.Jahrhunderts aus China, nahm 1697 die katholische Konfession an und wurde trotz der antichinesischer Repressalien der Spanier ein erfolgreicher Kaufmann. Rizals Vater baute in Calamba das erste Steinhaus und besaß das erste Klavier und die erste Kutsche. Er konnte sich schon auf Grundbesitz stützen und betrieb eine Getreidemühle und Färberei. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte es, die Kinder auf die besten Schulen zu schicken. Rizal selbst beherrschte das Mandarin und beschäftigte sich mit der chinesischen Kultur und Geschichte, weil er unter anderem den Nachweis führen wollte, dass die Philippinen vor der Ankunft der Spanier keineswegs ohne Kultur waren.

Cojouangco-Clan

Der vielköpfige Cojuangco-Clan, der maßgeblich die philippinische Wirtschaft und Geschichte beeinflusst hat, kann an dieser Stelle nur kurz gestreift werden. Der Clan repräsentiert einen Teil der alten, vermögenden spanisch-chinesischen Grundbesitzerklasse, die unter Marcos ihren Reichtum weiter mehrte.

Die erste Generation der Cojuangco kam 1861 aus der TongAn Provinz auf die Philippinen. Es war der Ur-Ur-Großvater der späteren philippinischen Staatspräsidentin Cory Aquino. Er hieß zunächst Co Yu Hwan, änderte aber seinen Namen Im Zuge seiner christlichen Taufe in Cojuangco. 1896 übersiedelte die Familie nach Tarlac und erwarb 1957 die bekannte  Hacienda Lusita, ursprünglich eine mehr als 6000 große Zuckerrohrfarm, die heutzutage einen Funktionswandel durchläuft und um die im Zusammenhang mit der Landreform immer noch gestritten wird. Über die Person und das Wirken der Cory Aquino und ihres ermordeten Ehemann Ninoy S. Aquino gibt es eine umfängliche Literatur.

Erwähnt seien aber in diesem Zusammenhang ihre beiden, oft im entgegen gesetzten Lager stehenden Cousins: Jose "Peping" Cojuangco Jr. und Eduardo "Danding" Cojuangco Jr. Letzterer wird als  trickreicher Marcos- und Estrada-Crony bezeichnet. Marcos verschaffte ihm eine Quasimonopol auf dem Kokosnussmarkt.  Das Firmenimperium wurde unter dem Einfluss der People Power Revolution  zunächst stärker zurück geschnitten, konnte sich jedoch im günstigen Milieu der Estrada Verwaltung weiter expandieren. "Peping" hält des weiteren ca. 20 % an der San-Miguel-Corporation, dem großen Getränke- und Nahrungsmittelkonzern auf den Philippinen, dem er auch als CEO vorsteht. Die San-Miguel Corporation betreibt auf den Philippinen fünf Brauereien, weitere Brauereien finden sich in Indonesien, Vietnam; Hong Kong und China. Hauptkonkurrent der San-Miguel-Corporation ist die Asian Brewerie, die im Besitz von Lucio Tan steht. Zwischen beiden Konzernen findet ein erbitterter Kampf um Markenrechte ("Ginebra") und Marktanteile statt.

Tonyboy Cojuangco - Sohn von Peping - besitzt 44 % Anteile an der Philippine Telecommunications Investment Corp., die wiederum 21 % an der bekannten PLDT ( Philippine Long Distance Telephone Company) hält.

Fügen wir in diesem Zusammenhang noch an, dass auf den Philippinen der relativ schwache Staat die Wirtschaft in ihrem monopolistischen Bestreben kaum reguliert. Die politischen Repräsentanten sind oft mehr oder minder "Gefangene" kapitalkräftiger Clans, die - in weitgehender Ermangelung einer mitgliederbezogenen Parteienfinanzierung - die Wahlkämpfe der Kandidaten finanzieren. Als Finanzier von Wahlkämpfen gilt auch der nachfolgende Vertreter.

Lucio Tan

Tan steht für den neuen, aggressiv  expandierenden Geldadel. Als "Crony" steht der Unternehmer seit Jahrzehnten im politischen Zwielicht, weil er in der Vergangenheit die Nähe zu führenden Staatsrepräsentanten suchte und sich über Hintertüren - so seine Gegner - politischen Einfluss und geschäftliche Vorteile verschaffte.

Er ist 1934 als Sohn armer Eltern in der chinesischen Provinz Fujian geboren. Die Kindheitsjahre verbringt er schon auf den Philippinen. Ein Studium der Chemie wird abgebrochen. Kurzfristig geht er dem Schrotthandel nach, steigt aber dann in den Vertrieb von Zigaretten ein. Als junger Mann lernt er den Kongressabgeordneten Ferdinand Marcos kennen und schätzen. "That was the key", schreibt ein Biograf. 1966 gründet er die Tabakwarenfirma Fortune Tabaccos, die heute mehr als die Hälfte aller Zigaretten auf den Philippinen verkauft und Marktführer ist. 1977 kauft er eine bankrotte Bank - die heutige Allied Bank - der Regierung ab. Fünf Jahre später gründet er die Asian Brewerie, die unter anderem unter der Dachmarke "Ginebra" Alkoholika vertreibt. Aufgrund dieser Geschäftsfelder wird er oft als "Mr. Cigarette" oder auch - etwas bösartiger - der "Zigaretten- und Sauf-Baron" tituliert.

Er gilt als "nearest crony" von Staatspräsident Marcos und organisiert auch "love buses", in denen seine Angestellte sitzen, die den Auftrag haben, dem Staatspräsidenten am Bestimmungsort zuzujubeln. Es gilt unter Kritikern als ausgemacht, dass er sich über Ex-Präsident Marcos Privilegien und Konzessionen verschaffte. Nichtsdestoweniger wertet ihn später nach Marcos Abgang Ehefrau Imelda Marcos stark ab und führt in diesem Zusammenhang aus: "He´s nothing, just somebody who used to buy bottles".

Die nachfolgende Präsidentin Cory Aquino ist ihm gegenüber sehr kritisch eingestellt, Tan geht aber unbehelligt seinen Geschäften nach. 1992 kauft er von der Regierung die privatisierte Philippine Airline (PAL), geht aber dort - insbesondere im Konkursjahr 1998 - mit seinen Angestellten nicht besonders freundlich um. Er bemüht sich nun insbesondere um die Freundschaft zu Vizepräsident Estrada und finanziert maßgeblich dessen Wahlkampf zum Präsidentenamt. Häufig reist Tan mit dem Präsidenten, zusammen sieht man sie in der Öffentlichkeit. Wiederum heißt es, Tan ist der "nearest crony" des Präsidenten. Letzterer lässt dafür eine Steuerrückforderung von 26,5 Millionen Pesos annullieren. Tan hält zu dieser Zeit bereits schon Minderheitsanteile an der Philippine National Bank (PNB). 1999 bietet die Staatsregierung ihren 46%-Anteil an der Bank zum Kauf an. Diese Anteile erwirbt Tan zum Teil direkt, zum Teil über Gesellschaften, die sich über Tan-freundliche Banken finanzieren und ihm die Stimmrechte übertragen. Nunmehr als Mehrheitseigner der PNB regiert er auch in der Tagesgeschäft der Bank hinein und veranlasst die Herausgabe von zinsgünstigen Geldern an sein Airline- und Brauerei-Unternehmen. Mit dem Erwerb von PAL und der PNB verfügt Tan über Unternehmen von nationaler Bedeutung.  

Sein Vermögen wird in der FORBES-Auflistung 2002 mit 1,7 Mrd. US$ taxiert. Damit hält er Rangplatz 1 unter den philippinischen Milliardären und Rangplatz 258 in der Welt-Rangliste.

Es wurde schon ausgeführt, dass der Unternehmer Tan zum Teil sehr kritisch bewertet wird. So führt der ehemalige Staatssekretär und Wirtschaftsprofessor Solita Mensol in Bezug auf Steuerhinterziehungen aus: " Im Hinblick auf unsere nationalen ökonomischen Ziele gibt Lucio Tan das schlechteste Verhaltensbeispiel ab. Er zeigt, dass er Steuern umgehen kann und korrumpiert die Justiz zu seinen Gunsten." In einem Interview äußerte sich der heute 67-Jährige kurz und ironisch dahingehend, dass er unter jedem Präsidenten arbeiten kann. Er sei ein Freund von Estrada, hätte aber nie Privilegien von ihm eingeräumt bekommen. Im übrigen halte er sich an den Leitspruch von Konfuzius: Behandle andere Leute so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

John Gokongwei

Schon der aus der Provinz Fujian nach Cebu übersiedelnde Großvater war als Händler vermögend. Das Vermögen ging jedoch in den Wirren der japanischen Besatzungszeit unter, so dass der 1928 geborene John Gokongwei nach einem MBA-Abschluß ganz von unten starten musste. Es wird berichtet, dass er mit dem Fahrrad in benachbarte Städte fuhr, um mit Seifen, Garn und Kerzen zu handeln. Der An- und Verkauf von Reis sowie Schrotthandel kam hinzu. Gemeinsam mit seinem Bruder errichtet er nach dem Krieg eine Fabrik, die Maisstärke herstellt. Später diversifiziert er weiter in die Sektoren der Textilproduktion, Grundstückserschließung, den Handels- und Bankensektor, die Petrochemie, Luftfahrt und den Bereich der Telekommunikation.

Zum Vermögen des heutigen Patriarchen, das auf etwa eine Milliarde Dollar geschätzt wird, gehört  u.a. die Universal Robina Corporation und die Robinson´s Land Inc. Ferner das fünftstärkste Bankeninstitut im Lande - die PCI-Bank nebst Versicherungs- und Kreditkarten-Ausgliederungen.  Er hält eine Mehrheitsbeteiligung an der Digital Telecom, der zweitstärksten Telefongesellschaft auf den Philippinen nach der PLDT und  Minderheitsbeteiligungen an der First Philippine Power Corp., Oriental Petroleum und Minerals Corp. Seit 1996 konkurriert er mit seiner Cebu-Air der Philippine Airline unter Lucio Tan insbesondere auf der passagierstarken Strecke Cebu - Manila. Cebu-Air fliegt aber auch nach Hong Kong und Südkorea. Größerer Immobilienbesitz in Makati und Ortigas runden das Vermögen ab.

Alfonso Yuchengco

Yuchengco mit seinen weit reichenden internationalen Beziehungen ist eine wichtige Bezugsperson im internationalen Geschäft chinesischstämmiger Geschäftsleute in Südostasien. Sein Vermögen wird auf eine Mrd. US$ geschätzt.

Schon Vater Enrique legt mit Reismühlen, einem Versicherungsunternehmen und einer Baufirma das Grundfundament für das spätere Unternehmenskonglomerat und lehrt den 1923 geborenen Sohn  betriebswirtschaftliches Know-how, das dieser mit einem Studium an der Columbia Universität ausbaut. 1950 tritt er in das Geschäft des Vaters ein. Er wird dieses weiter diversifizieren. Bis zu seinem Ruhestand hat er mehr als ein Dutzend Unternehmen in verschiedenen Branchen geleitet. Im Mittelpunkt seiner Aktivitäten stand dabei der Finanzsektor, vertreten durch Unternehmen wie Malayan Group of Insurance Companies, Great Pacific Life Insurance Companies, das House of Investments sowie die Rizal Commercial Banking Corporation ( RCBC). Über diese Finanzierungsinstitute, die mit unterschiedlichen Anteilen in seinem Familienbesitz stehen, verfügt er über einen maßgeblichen Einfluss auf andere Spitzenunternehmen in den Philippinen.

Hier einige - vielleicht überraschende - Interviewsätze über seinen wirtschaftlichen Erfolg:

  "You can be the smartest ( cleverste) man in the world, but if you are not lucky you won´t succeed"

"I won´t go into any business that isn´t good for the country or may tarnish (beflecken) the company´s reputation. A good name is more important than a successful business"

Yuchengco gilt als sehr besonnener Unternehmensvertreter. Er weiß, daß seine wirtschaftliche Macht  gerne in Anspruch genommen wird. Zugleich wird sie gefürchtet, weil man einen Ausverkauf der einheimischen Wirtschaft vermutet. Verweise auf seine chinesische Abstammung fängt er oft mit der Frage ab: "Can you show me one Filipino who is 100-percent Filipino?". Er ist sowohl auf seine chinesische Abstammung stolz, nicht minder stolz ist er aber auch auf seine philippinische Staatsbürgerschaft. Und dies ist nicht nur ein Lippenbekenntnis. Yuchengco fungierte unter den Präsidenten Aquino und Ramos fünf Jahre als philippinischer Botschafter in der Volksrepublik China und in Japan. Auf die Präsidenten Macapagal und Ramos bezieht er sich gerne, wenn er auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes angesprochen wird. Wichtig ist für ihn u.a. der  weitere Ausbau der ASEAN-Beziehungen als Gegengewicht zu einem wirtschaftlich starken Japan.

Yuchengco ist auch Philanthrop. Ein Prozent seines Unternehmensgewinns führt er an die AY Foundation für wohltätige Zwecke ab. "Nationale Disziplin", die für ihn auch Fleiß, Ehrlichkeit und Bürgersinn einschließt, ist für ihn eine zentrale, auf den Philippinen unterentwickelte Tugend. Folgerichtig  hat er einen kostenaufwendigen "National Discipline Award" gestiftet.  Der ausgelobte Award wird Schülern aus ca. 500 Highschools verliehen und ist mit einem Stipendium verbunden. Der Unternehmer, der mittlerweile seine Geschäfte an seine zwei Söhne und eine Tochter delegiert hat, ist auch durch Universitätsspenden bekannt geworden.

Henry Sy

Das Vermögen von Henry Sy und seiner Familie wird auf 1.5 Mrd. US$ geschätzt. Damit ist er der zweitreichste Mann auf den Philippinen und steht nach der alljährlich erscheinenden FORBES-Untersuchung  in der Weltrangliste der Vermögenden auf Rangplatz 239. Er ist der Einzelhandels-König auf den Philippinen.

Im jugendlichen Alter immigriert der 1925 geborene Henry mit seinen Eltern aus der im Südwesten Chinas gelegenen Provinz Fujian. Die Eltern eröffnen in Quiapo ein Ladengeschäft, in dem sie vor allem Trockenfrüchte verkaufen. Während seines Studiums an der Far Eastern University in Manila hilft der Sohn im elterlichen Geschäft mit. Zunächst konzentriert er sich als Zwischenhändler auf den An- und Verkauf von Schuhen. Aus einzelnen Schuhgeschäften bildet sich 1960 die Shoemart-Vetriebskette. Nun beginnt er in größeren und breiteren Vertriebsdimensionen zu denken. Er errichtet in der Folgezeit Warenhäuser und große Einkaufszentren (z.B. die SM Megamall in Quezon, Mandaluyong City und Cebu). Seine Einkaufszentren stattet er in der Regel mit Kinos und Videospielräumen aus, um zusätzliches Käuferpublikum zu locken. Die SM-Group steht auch hinter den folgenden Handelsgeschäften: Supervalue Supermarket / SLJ Stores / Star Appliance Center / Hardware Workshop/ Superplus Marketing / Leading Apothecary / Cafe Elysees / SM Auto Service / Leisure Center /

In Interviews formulierte er u.a. folgende Leitsätze:  " Each one of us is given by God equal time - 24 hours a day. It is up to us if we want to use this time and   how we use it"  -   " I was not first in academics, but I was the group leader" -   " Only the first million is difficult to make. After that, the rest is easy."

Der Tagesverdienst seiner mehr als 20.000 Mitarbeiter ("workers") lag 2002 nur bei etwa 360 Pesos, das entspricht etwas mehr als 7 €. Eine vielköpfige Familie lebt mit diesem Verdienst "von der Hand in den Mund" . Es besteht kaum eine Aussicht, Ersparnisse in bescheidenem Umfang zu bilden.

George Ty

Auch Ty stammt aus der chinesischen Provinz Fujian, einer Provinz, die offenbar für spätere Milliardäre auf den Philippinen prädestiniert ist. Mitte der fünfziger Jahre beginnt er seine Geschäftskarriere und gründet die Wellington Flour Mills (Getreidemühlen).  Das Geschäft mit Grundnahrungsmitteln wirft offenbar soviel ab, dass er zusammen mit anderen Teilhabern 1962 die Metrobank gründen kann. Er selbst hält an der Metrobank einen 65 %- Anteil. Nach zwei Jahrzehnten stetigem Wachstum überflügelte Mitte der neunziger Jahre die Metrobank in rasantem Wachstum sogar die Philippine National Bank (PNB) (1) und die Bank of the Philippine Islands. Heute ist sie mit 430 Zweigstellen im Inland und zahlreichen Auslandsgeschäftsstellen Bank Nummer Eins auf den Philippinen.

FORBES gibt 2002 das Vermögen der Familie Ty mit 1,1 Mrd. US$ an. Ty nimmt damit in der Rangliste der inländischen Vermögensmilliardäre Rangplatz 2 hinter Lucio Tan ein.

Angelo King

Über die Person und den Geschäftsmann Angelo King ist ausgesprochen wenig bekannt. Er absolviert ein Studium an dem Mapua Institute of Technolgy (MIT), muss dieses jedoch abbrechen, um in der Glasfabrik der Familie zu helfen. Die weitere geschäftliche Entwicklung  muss hier offen bleiben. Als Philanthrop hat sich Angelo King jedoch einen besonderen  Namen gemacht. Bekannt geworden ist insbesondere die 1978 gegründete Angelo King Foundation, das Angelo King St.Luke´s Medical Center, das Angelo King Research Center, das Angelo King Multi-Purpose-Center und das Angelo King-Kaisa Heritage Center. Die Kaisa-Foundation hat sich mit ihren vielfältigen Aktivitäten zum Ziel gesetzt, harmonische und produktive interkulturelle Beziehungen zwischen dem chinesischstämmigen Bevölkerungsteil  und den anderen philippinischen Gesellschaftssektoren zu pflegen. Ihr Credo ist: "Our blood may be Chinese, but our roots grow deep in Filipino soil, our bonds are with the Filipino people". Sie unterhält u.a. ein sehenswertes Museum in Makati, Archive und Tagungsstätten. Publikationen sollen  Brücken bauen zwischen den Chinoys und der philippinischen Gesellschaft. Angelo King hat der De La Salle University ganze Gebäudekomplexe als Spende zugeeignet.

Yu Tan

Das Vermögen des im März 2002 in Houston/Texas verstorbenen Yu Tan wird in der Forbes-Liste 2002 nicht mehr aufgeführt. 1997 wurde es jedoch mit 7,2 Mrd. US$ beziffert. Yu Tan gehört(e) damit zu den reichsten Männern Asiens. Ein Kommentator schrieb: "Er ist eine ganz seltene Ausnahme, ein Self-made-Taipan, der in einer Lebensspanne das erreicht hat, wofür andere ganze Generationen brauchen".

Dabei war ihm der Reichtum nicht in die Wiege gelegt. Er entstammt einer in Bicol ansässigen Familie, die mit Kopra handelte. Der Vater verstirbt früh. Angeblich erhält er die ersten Paar Schuhe erst mit zehn. Mit dreizehn Jahren verlässt er die Schule, um der verwitweten Mutter zu helfen. Er reist im Land herum und kauft und verkauft T-Shirts und andere Textilien. Mit achtzehn Jahren macht er seine erste Million und investiert in eine Textilspinnerei und in Grundstücke. Der Aufkauf, Erschließung und der Verkauf von Grundstücken wird mit zur zentralen Lebensaufgabe. Immobilien können im Preis nachgeben, sagte er einmal, nicht aber Land und Grundstücke. Sie werden jeden Tag knapper. Heute gehören ihm bez. seiner Familie auf den Philippinen rund 20.000 Hektar Grundstücksfläche. Damit ist er nach der Regierung der zweitgrößte Landbesitzer. Yu Tan ist "transnational" in dem Sinne, dass eine Vielzahl seiner über 100 Unternehmen ihren Sitz außerhalb der Philippinen - in China, Taiwan; Kanada und den USA - haben. Yu Tan hat immer Wert darauf gelegt, kein Fremdkapital aufzunehmen. In Interviewäußerungen hat auch er den Arbeitseinsatz als Erfolgsquelle herausgestellt: "There is no such thing as luck. Success is all hard work and persistence".


Chinoys finden sich jedoch auch im Medizin- und Literatursektor (z.B. die früh nach Amerika emigrierte Romanautorin Jessica Hagedorn). Auch der führende Kirchenvertreter Kardinal Sin sollte nicht unerwähnt bleiben .

Jaime L. Sin:

Der Erzbischof von Manila genießt eine hohe nationale und internationale Reputation - 1992 schmückten ihn allein 24 Ehren-Doktorhüte. Zeitweise wurde er sogar als Nachfolger des jetzigen Papstes gehandelt. Sein aus China eingewanderter Vater war Kaufmann in Visayas und heiratete in eine chinesischstämmige Familie ein. Kardinal Sin äußerte einmal, hätte seine Eltern Familienplanung praktiziert, er wäre nicht existent - denn er war das 13., im Jahre 1928 geborene Kind der 15 Kinder zählenden Familie.

Er besucht ein Priesterseminar und macht ein Diplom in Erziehungswissenschaften. Nach seiner Weihe zum Priester im Jahre 1954 steigt er in der kirchlichen Hierarchie schnell auf. Vielleicht war ihm dabei auch die ab 1960 ausgeübte Prälatenfunktion bei Papst Johannes XIII behilflich. Später wird er  zum Bischof und Erzbischof in Jaro bestimmt und nimmt ab 1974 das Amt des Erzbischofs in Manila wahr.1976 erfolgt die Erhebung in den Kardinalsstand.

Mehr und mehr wird er zum mutigen Antipoden von  Ex-Präsident Marcos, was ihn aber in seiner  väterlichen Weise nicht daran hindert, dessen Kinder zu taufen und zu vermählen. Öffentlich  brandmarkt er die Unterdrückungspolitik des Diktators und fordert dessen Rücktritt. Anlässlich der Beerdigung des ermordeten Benigno Aquino formuliert er u.a. den anklagenden Satz:  „Der Filipino ist zum Fremden im eigenen Land geworden.“ Er befürwortet im Interesse der Demokratie den  unblutigen Volksaufstand der People-Power-Bewegung und verhilft Corazon Aquino ins Amt der Staatspräsidentin. Er, der immer die Nähe zur Politik gesucht hat, kommentiert auch später politische Vorgänge. So gehörte er in jüngerer Zeit zu denen, die den Rücktritt von Ex-Präsident Estrada forderten.

Kontrovers beurteilt wird seine konservative - vielleicht auch lebensfremde - familienpolitische Haltung. Scheidungen sind für ihn tabu und  Empfängnisverhütungsmittel werden trotz rasantem Bevölkerungswachstums abgelehnt. Befreiungstheologische Ansätze in der Kirche haben bei ihm, der sich stets durch eine antikommunistische Grundeinstellung auszeichnete, kaum eine Chance der Anerkennung. Sozial-revolutionäre Bewegungen werden abgeblockt.

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(1) Verstorbene müssen nach dem chinesischen Volksglauben in Gebeten verehrt und mit Opfergaben ausgestattet werden. Sonst irrlichtern sie ziellos als "hungrige Geister"  in Höllenregionen umher.

©  Wolfgang Bethge, 2003