Riskantes Dengue-Fieber

 

 

Tropenmediziner haben festgestellt, dass das Dengue-Virus zu den weltweit sich am schnellsten verbreitenden Erregern gehört.  Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) geht davon aus, dass rund 2/5 der Weltbevölkerung – insbesondere in den tropischen und subtropischen Regionen – einem Infektionsrisiko durch Dengue-Fieber ausgesetzt ist. Nach ihrer Einschätzung werden jährlich weltweit rund 50 Millionen durch einen Dengue-Virus angesteckt. Die Dengue-Infektion kann in sehr schweren Fällen zum Tode führen.  Die Todesrate schwankt international zwischen 1 – 2,5 % und kann bei nicht vorhandener medizinischer Versorgung noch höher liegen (1).

 

Die Situation auf den Philippinen

Die vorliegenden Statistiken geben nur sehr eingeschränkt das tatsächliche Ausmaß von Dengue-Infektionen wieder, da sie auf Angaben von damit befassten Institutionen – Krankenhäusern – basieren und vermutlich nur schwerere Fälle erfassen. Viele nur leichter Erkrankte werden vermutlich keinen Arzt oder nur einen Kräuterdoktor aufsuchen und erscheinen infolgedessen nicht in der Statistik.

Eine Quelle berichtet von rund 126.000 institutionell registrierten Fällen im Jahre 2011. Diese Fallzahl soll um rund 27 % niedriger liegen als im Jahre 2010, insofern besteht zunächst einmal Grund zu leichtem Optimismus (2). Es gibt aber auch Regionen, die einen Dengue-Anstieg berichten. Dazu gehört unter anderem Metro Manila, die National Capital Region, Central Luzon und Calabarzon (3). Die Infektionen treten gehäuft bei Kindern und Jugendlichen und insbesondere während in und nach der Monsunzeit auf.  Vom Januar bis September 2011 registrierte man landesweit rund  476 Todesfälle, die man mit dem Dengue-Fieber in Verbindung brachte (4).

Nach vorliegenden Statistiken ist das Malartia-Risiko auf den Philippinen vergleichsweise geringer. Das Department of Health geht in 2011 von nur 9154 Malariafällen mit 10 Todesfällen aus. Ein Jahr zuvor registrierte man noch 19644 Fälle und 30 Todesfälle (5).  

 

Aedes Mücken als Übertrager

Der winzige Dengue-Virus wird durch die Weibchen der Mückenarten Aedes aegypti und Aedes Albopictus übertragen. Die in den Tropen und Subtropen häufiger anzutreffende Aedes aegypti (Gelbfiebermücke; Ägyptische Tiegermücke) kann auch das Gelbfieber übetragen. Während die kleineren Männchen sich friedlich von planzlichen Säften und Nektar  ernähren, brauchen die 4 – 7 mm kleinen, dunklen Weibchen die Eiweißproteine des menschlichen Blutes für die Produktion ihrer Eier. Die Aedes-Mücken weisen in der Regel weiße Streifen auf ihrem Körper und ihren Beinen auf.  Die Entwicklung der Insekten verläuft über die Phasen Eie – Larve – Puppe - Insekt. Die durchschnittliche Lebensdauer der Mücken beträgt nur etwa zwei Wochen. 

Die Eier werden in stehendem  - auch hygienisch einwandfreiem - Wasser abgelegt. Als Brutplätze kommen unter anderem mit Wasser gerfüllte Gräben und, Kanäle, überhaupt Wasserflächen oder abgelegte Autoreifen und kleinere Gefäße wie Blumentöpfe  in Betracht. Die anpassungsfähigen Aedes-Mücken, die man auch in (groß)städtischen Regionen findet, fliegen zumeist 2-3 Stunden nach der Morgendämmerung und  2- 3 Stunden vor der Abenddämmerung aus. Dengue-Mücken und die einer anderen Art (Amopheles-Mücken)  zugehörigen Malaria-Mücken finden sich zumeist nicht am selben Ort.  

Dengue kann durch den Stich einer infizierten Aedes-Mücke übetragen werden. Bevorzugte Stichstellen sind die Körperextremitäten insbesondere die Beine. Eine Ansteckungsgefahr von Person zu Person besteht nicht. Es gibt vier – durch aufwenigere Bluttests nachweisbare - Typen von Dengue Viren: DEN-1, DEN-2, DEN-3 und DEN-4. Wenn man einmal von einer Variante gestochen wurde, ist man gegen Folgewirkungen von späteren Stichen desselben Typus immun  Eine Erstinfektion mit einem Typus macht bei Zweitinfektionen jedoch anfälliger für schwerere und gefährlichere  Krankheitsverläufe durch die anderen drei Virentypen.

 

Krankheitsverlauf

Nach einer Inkubationszeit von 3 – 15 Tagen nach dem Stich durch eine infizierte Mücke setzen die zunächst grippeähnlichen Krankheitsverläufe ein.

Bei etwa 90 Prozent der Fälle kommt es zu einem eher unkomplizierten Krankheitsverlauf ohne Blutungen.

Folgende Symptome treten zumeist auf:  

-          höheres Fieber (38 – 40 Grad)

-          Abgeschlagenheit

-         Gelenk- und Muskelschmerzen; man glaubt die Knochen werden  einem    gebrochen,  deshalb  auch die Bezeichnung „Knochen-  brecherfieber“

-          Husten, Kopfweh und Erbrechen

-          Flüssiger Stuhlgang

-           gelegentlicher, masernartiger Hautausschlag

 

Die Krankheit klingt meistens nach etwa zehn Tagen ab.  Manche Erkrankte brauchen danach  jedoch eine längere Erholungszeit.

 

Bei etwa zehn Prozent der Fälle geht die milde Form der Dengue-Erkrankung nach etwa 3 – 5 Tagen in das weitaus gefährlichere Dengue-hämorrhagisches Fieber (DHF) oder den Dengue-Schock-Syndrom (DSS): über. Das Fieber steigt weiter an, der Puls wird schwächer. Die Blut- und Lympfgefässe werden stärker in Mitleidenschaft gezogen. Gesteigerte innere Unruhe und Schweißausbrüche setzen ein.  Es kommt zu punktförmigen, blauen Blutungen unter der Haut, Blutungen des Zahnfleisches und der inneren Organe, blutigem Erbrechen und Teer-Stuhlgang.  Die Blutgefässe können kollabieren. Im finalen Stadium kommt es zu einem Schock, der ohne adäquate medizische Behandlung in 5 – 15 Prozent der Fälle zum Tod führt.

 

Malaria- und Dengue-Erkrankungen haben manches gemeinsam, zum Beispiel Fieber, Frösteln, Schweißausbrüche, Kopfweh, Übelkeit, Unwohlsein und Körperschmerzen. Bei Maleriaerkrankungen ist jedoch die Inkubationszeit länger. Sie führt nicht zu Hautausschlag oder Blutungen unter der Haut. Charakteristisch für Maleria sind unter anderem Körperzittern die wechselnden Zyklen von Fieber und Frösteln. Der Nachweis von Malaria ist leichter, weil die vergleichweise großen Erreger auch unter dem Mikroskop erkannt werden.

 

Behandlung

Gegen das Dengue-Fieber gibt es bislang keine spezielle ursächliche Therapie oder Impfung. Man kann derzeit nur die Symptome bekämpfen.

Vielfach wird die Meinung vertreten, die Prävention sei das Beste. Dazu gehört insbesondere der Ausschluss und die Beseitigung von möglichen Brutplätze. Ein großflächiges Versprühen von Insektiziden kommt in dichter bevölkerten Regionen weniger in Betracht, man muss auch die kleinsten Wasseransammlungen in Häusernähe als mögliche Brutstätten in Betracht ziehen. Wassserbehältnisse sollten stets bedeckt bleiben. Das Tragen von heller Kleidung mit langen Ärmeln und Hosen ist ratsam. Zweckmäßig sind auch das Schlafen unter einem Moskitonetz und der Gebrauch von Insektenschutzmitteln. Empfohlen werden u.a. Mittel mit dem Wirkstoff Deet (Diethylmethybenzamid/-toluamid), die für Stunden einen gewissen Schutz bieten.  

Vermutet man eine (schwerere) Dengue-Infektion, sollte der Rat eines Arztes eingeholt werden, der eine Klinikbehandlung anraten kann. Generell wird Bettruhe und viel Flüssigkeitsaufnahme empfohlen. Von der Einnahme von Aspirin-Tabletten wird abgeraten, da Aspirin in schwereren Fällen die Blutungsgefahr vergrößert.

Lange Zeit galt das Dengue-Fieber als „vergessene Krankheit“.  Die Pharma-Forschung sah zunächst keinen attraktiven Absatzmarkt für mögliche Medikamente. Das hat sich jedoch mit dem rasanten Anstieg der Fallzahlen geändert. Heute befinden sich weltweit mehrere Impfstudien in fortgeschrittenem Stadium.  So wurden unter anderem im Jahre 2009 in Laguna 2000 Kinder einem Impftest unterzogen. Die Testergebnisse waren ermutigend (6).

Bedingt durch den Ferntourismus sind auch in der Bundesrepublik Fälle von Dengue-Erkrankung aufgetreten.

 

©  Wolfgang Bethge, 2012

…………………………………………………………………………….

(1) Philip S. Chua, 2011 dengue outbreak?, in: http://globalnation.inquirer.net/cebudailynews/opinion/view/20100802-284517/2011-dengue-outbreak

(2) Republic of the Philippines, Department of Health, Keynote Message of Secretary Enrique T. Ona - Dengue Summit, in:  http://www.doh.gov.ph/content/keynote-message-secretary-enrique-t-ona-dengue-summit

(3) Philippine Star, 23.07.2011, DOH reports 178% increase in dengue cases in Metro, in: http://www.philstar.com/nation/article.aspx?publicationsubcategoryid=65&articleid=708916

(4) Issue 7 – Dengue in the Philippines, in: http://denguematters.info/index.php/issue-7-dengue-in-the-philippines/

(5) PHL surpasses MDG on malaria mortality rate, 24.04.2012, in: http://www.science.ph/full_story.php?type=News&key=3716:philippine-news-agency

(6) First dengue vaccine goes under final test in Philippines, in: http://nurseslabs.com/first-dengue-vaccine-goes-under-final-test-in-philippines/