38 Jahre war er 1978 gerade alt geworden, da verspürte der ausgebildete Landvermesser und spätere Immobilienverkäufer Mariano Zuniega Velarde Herzbeschwerden. Im Herzzentrum diagnostizierte man eine Vergrößerung des Herzens und Gefäßblockierungen. Die Operation  erschien riskant. Da erschien ihm nachts ein Engel – „verkleidet als Krankenschwester“ (1)  – und legte ihm nahe, eine bestimmte Textstelle im Korintherbrief zu lesen und zu studieren. Velarde tat so und von Stund an fühlte, wie seine Lebenskräfte wieder kamen. Die angesagte Operation erübrigte sich. Velarde schließt sich daraufhin einer katholisch orientierten „Wiedergeborenen" - Bewegung an und führt auch erste religiöse Veranstaltungen in der Öffentlichkeit durch. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis aus dem Pesos- und Dollar-Fischer ein regelrechter Menschenfischer wird. Zunächst geht Velarde weiterhin hauptberuflich seinem Geschäft als Immobilienauf- und -verkäufer nach.  

1981 wird ihm ein Grundstück in der Nähe des Ninoy Aquino Airports Manila eine Grundstücksfläche für zwei Millionen Pesos angeboten. Auf dem Grundstück befindet sich auch eine Radiostation, die zum Grundstück gehört. Velarde kauft auf und verschuldete sich dabei kräftig. Nun wartet er auf ein finanzielles Wunder und dieses stellt sich prompt ein, nach dem er eine „Glaubens-Samen-Spende“ von 50.000 Pesos tätigt. Finanzkräftige Investoren finden sich und er kann 1982 einen Teil seiner Bebaungsfläche für 60 Millionen Pesos verkaufen.  

Er ist jetzt im Besitz einer Radiostation, die zur Keimzelle der Entwicklung seiner charismatisch-religiösen Bewegung wird. In seinen Radiosendungen ruft der gläubige Katholik zur Sündeneinkehr und religiösen Rückbesinnung auf. Nicht zuletzt am eigenen Lebensbeispiel beschwört er – der vormalige Zocker und Spieler - die positiven, wundersamen, heilenden Wirkungen eines religiös inspirierten Lebens. Die  Sendungen finden insbesondere unter den Zuhörern, die zur etablierten katholischen Amtskirche ein distanzierteres Verhältnis haben, stärkere Resonanz. Bald  organisiert und leitet Velarde auch religiöse Großveranstaltungen unter freiem Himmel, wobei er fortlaufend größere Arenen in Anspruch nehmen muss. Er ist nun hauptberuflich Missionar. Die „El Shaddai DWXI Prayer Partners Foundation International (DWXI-PPFI) “ wird als gemeinnützige Stiftung und Laienorganisation unter dem Dach der katholischen Kirche gegründet und es werden Organisationsstrukturen mit mehreren Hierarchieebenen aufgebaut. Velarde – auch „Bruder Mike“ genannt – steht als „dienender Leiter“ an der Spitze der neu gegründeten Institution. Seine Führungsrolle spielt er eher herunter: 

„I am not the one, who leads this people; it is the Lord Who leads us. He is our True Shepherd and I am only one of his flock” (Ich führe diese Leute nicht; es ist der Herr, der uns führt. Er ist der wahre Hirte und ich bin nur einer in seiner Herde) (1)

 Trotz des beachtlichem Mittelzufluss, den seine Stiftung zu verzeichnen hat, scheint Velarde sich an den Spendengeldern nicht persönlich bereichert zu haben. Es soll nur über eine Mittelklasse-Villa verfügen.  

Der Zulauf der Gläubigen 

Die Zahl seiner Zuhörer hat sich von einigen wenigen Tausenden auf mittlerweile über Hunderttausend gesteigert. In Manila sammelt man sich – nachdem die Besucherflächen in einen Fußballstadium und im Rizal Park zu klein geworden waren - die Gläubigen mittlerweile auf der größten verfügbaren Freifläche des Philippine International Convention Center in der Nähe der Manila Bay.

1992 zählte man bei einer Gebets-Rallye in Manila um die 1,5 Millionen Zuhörer. Zu einer anderen Großveranstaltung in der Provinz (San Dionnisio, Paranaque) kamen fast eine halbe Million Zuhörer. Weltweit hat man die Zahl der Anhänger schon auf 11 Millionen taxiert (2). Die Zahlen differieren, je nachdem man Zuhörer, regelmäßige Besucher oder Mitglieder im Blick hat. El-Shaddai ging für das Jahr 1999 von weltweit fünf Millionen „regelmäßigen“ Besuchern von Gebetsveranstaltungen aus. Wir wissen nicht, wie „regelmäßig“ definiert wurde und wie exakt die Messungen bei einem Massenzulauf sein können. Die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder liegt wesentlich tiefer und wird von der Organisation selbst für das Jahr 2000 mit etwa 220.000 angegeben (1). Zuhörer und Mitglieder kommen überwiegend aus den ärmeren Bevölkerungsschichten. 

Zwischenzeitlich wurde die Sendestärke von DVXI von 15 auf 30 Kilowatt erhöht. Allein in Manila erreicht man nun rund wöchentlich eine halbe Million Zuhörer. Heute ist Radio DWXI einer der drei populärsten Sender in Manila. Ab 1992 werden zweimal in der Woche auf dem Kanal IBC TV-13 religiöse Fernsehsendungen ausgestrahlt. Im Ausland hat man mittlerweile insgesamt 62 Chapters gegründet. Sie finden sich den sich vor allem in Amerika, den arabisch-asiatischen Staaten mit einem hohen Anteil von philippinischen Vertragsarbeitern, Australien, Kanada und in Westeuropa einschließlich Deutschlands.

Der theologische Ansatz 

Der arabisch klingende Name „El Shaddai“ ist aus dem Hebräischen abgeleitet, wobei „El“ für Gott und „Shaddai“ für Allmacht steht. Die aus der Genesis  geschöpfte Wortkombination entspricht also der Bedeutung „Gott, der Allmächtige“.   

Charismatische Bewegungen kannte man längere Zeit nur aus dem protestantischen Raum. Es sind Glaubensbewegungen, die sich insbesondere auf den Heiligen Geist berufen. Man sucht in stärker emotional bestimmten Veranstaltungen und Zeremonien die persönliche Interaktion mit dem Heiligen Geist, um nach dem Glaubensbekenntnis, der Bitte um Vergebung der Sünden dessen Gaben  zu erhalten - zum Beispiel eine Krankenheilung, die Befreiung von einer Sucht oder das Bestehen einer Prüfung. Der Veranstaltungsablauf ist im Regelfall  lebendiger und dramaturgisch vielfältiger sind als der herkömmliche Ritus der Amtskirchen. Für Charismatiker ist auch der Alltag durchdrungen von der Gegenwart Gottes. Andererseits gibt es auch Manifestationen des Satans und der Dämonen – insbesondere in Gestalt von Lastern. Die kann auf eine recht einfache Hell-dunkel-Sicht der Welt ohne Zwischentöne hinauslaufen (Manichäismus).  

El Shaddai versteht sich als charismatische Bewegung innerhalb der katholischen Kirche. Velarde hat an seinem katholischen Glaubensbekenntnis nie Zweifel gelassen: „By religious affinity, I am a Catholic. Very clearly, I intend to stay a Catholic…” (1). (Was meine Religionszugehörigkeit anbelangt, so bin ich Katholik. Und ich sage ganz klar, ich werde auch Katholik bleiben). Gelegentlich wird jedoch der Vorwurf erhoben, er bilde eine Art Nebenkirche neben der Katholischen Kirche („Para-Church“). 

Der Laien-Prediger Velarde, der vorwiegend in Tagalog predigt, bietet keine ausgeklügelte Theologie an. Er will primär Vertrauen in den Heiligen Geist und seine Gaben wecken. Der Heilige Geist wird dann schon helfen. Diese Hilfe kann durchaus materialistisch sein. „Do you want to have a refrigerator?“, rief er einmal einer begeisternden Menge zu, „if you believe, you will have a refrigerator!“ (Willst du einen Kühlschrank haben? Wenn du glaubst, dann wirst du auch einen Kühlschrank haben) (3). Nicht wenige Beobachter der El Shaddai-Bewegung sind der Ansicht, dass diese materielle Erfolgsversprechen mit maßgeblich sind für den enormen Zulauf an Gläubigen. Andere Erfolgsversprechungen können sein: Heilung von einer Krankheit, Behebung einer Ehekrise, die Befreiung von Süchten oder die Vermittlung eines Arbeitsplatzes. 

 Zentrale Botschaft ist: Hilf dir – durch das Gebet - selbst, dann wird dir geholfen. Die gesellschaftlichen Ursachen von Missständen (z.B. strukturelle Armut) spricht Velarde kaum an – insofern ist seine Lehre sicherlich konservativ. Die religiöse Lehre  ist verknüpft mit moralischen Appellen. Sicherlich mit Recht wettert er gegen Korruption, Amtsmissbrauch, Wahlfälschungen oder Stimmenkauf. Besonderen Stellenwert misst er der Arbeit zu: „Don´t just pray - work!“ (Betet nicht nur – arbeitet), hat er einmal der Menge zugerufen (3). Erinnert dieser Appell nicht stark an das von Max Weber herausgearbeitete protestantische Arbeitsethos des Kapitalismus? In seinen Ansprachen fordert er weiterhin mehr Disziplin, mehr nationaler Solidarität und setzt sich für einen stärkeren Schutz der (Klein-) Familien ein.  

Vereinzelte Vorbehalte nicht nur aus dem katholischen Raum 

Um irgendwelche Zweifel im vorweg auszuschließen, die El Shaddai-Bewegung findet grundsätzlich die Unterstützung der katholischen Kirche. Vielleicht muss sie sogar El Shaddai dankbar sein, dass die Bindung an die katholische Kirche unter der philippinischen Bevölkerung nicht noch schwächer geworden ist. Immerhin ist in den letzten Jahrzehnten der Gläubigen-Anteil der katholischen Kirche in der Gesamtbevölkerung von 86 Prozent auf 82 Prozent gefallen.  Ausdruck der engen Bindung der beiden Institutionen ist auch der Tatbestand, dass ein Bischof als „geistlicher Betreuer“  im obersten Leitungsgremium von El Shaddai sitzt. Ob Bischof Teodore Bacani  freilich der richtige Mann an dieser Position war und ist, sei dahingestellt. 1992 wurden gegen den Bischof von seinem Sekretär Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Obwohl die El Shaddai - Führung dem Bischof ihr „bedingungsloses“ Vertrauen aussprach (4), legte dieser auf Druck der Öffentlichkeit 1993 sein Amt als Bischof von  Novaliches nieder, behielt jedoch den Titel.   

Wie variabel der katholische Ritus in Anpassung an die lokalen Verhältnisse sein kann, hat Rom noch nicht voll abgeklärt. Jedenfalls gibt es in der katholischen Kirche der Philippinen konservative wie auch liberale Stimmen. Manche erinnern daran, dass die Beziehung zum Heiligen Geist keine einfache, herausforderbare „Gibst du mir – Geb ich dir“ – Beziehung sein kann. Es gibt kirchliche Vertreter, die in dem teilweise popigen Getöse „a la Hollywood“ und den Showeinlagen fast nur Emotionalität und wenig geistige Spiritualität erkennen können (5). Manche stoßen sich auch – zum Beispiel unter Verweis auf die Gebote der Bergpredigt – an einer gewissen Verklärung von Reichtum und Kapitalismus. Sicherlich ist ihnen auch aufgefallen, dass in den Veranstaltungen von El Shaddai von der Jungfrau Maria seltener die Rede ist. Es gibt die Äußerung von Velarde, man solle sich statt an Maria doch lieber gleich an Gott wenden. William M. Esposo  berichtet, dass einige Priester innerhalb der katholischen Kirche Velarde bereits schon am Rande der Häresie sehen, weil er „dumme“ Praktiken in seine Veranstaltungen einbringe, die nicht im katholischen Protokoll stehen (6). Vilarde lehnt auch die Verehrung von Heiligenbildern und den Gebrauch von Rosenkränzen ab. Kritisiert wird er auch wegen seiner Lehre von der Machbarkeit der Wunder. Velarde schrieb einmal:  

„Brauchen Sie ein Wunder? Soll ich mit ihnen beten? Wo auch immer Sie sein mögen, dieses Mitteilungsblatt kann ihnen als Kontakt zu unserem wundertätigen Gott dienen. Das Wunder wird sich ereignen – wenn Sie nur glauben und Jesus Christus als Herrn und Retter akzeptieren!“ (10) 

Andere liberale Stimmen (7) befürworten alternative Glaubenszugänge im Rahmen der katholischen Glaubensgrundsätze und setzten sich auch für eine  stärkere Variabilität des katholischen Ritus ein.  Sie verweisen darauf, dass die traditionelle Liturgie für viele Gläubige zu wenig interaktiv im Sinne der aktiven Teilnahme sei und auch erhebliche Verständlichkeitsbarrieren bei den Gläubigen bestehen. Zudem lasse die Sozialarbeit der katholischen Amtskirche  Wünsche offen.  

Die Rückbindung an die katholische Kirche hat für die EL Shaddai Anhänger übrigens auch den psychologischen Vorteil, dass sie – im Gegensatz zur protestantisch eingefärbten „Iglesia ni Cristo“ (INC) – ihre traditionelle Glaubensbindung nicht aufgeben müssen. Sie werden also bei einem Wechsel nicht in „fremdes Wasser“ gestoßen und müssen nicht fürchten, als Angehörige einer religiösen Minderheit behandelt zu werden.

Stilmittel der religiösen Dramaturgie  

Wir blenden die religiösen Inhalte der El Shaddai Bewegung noch weiter aus und wenden uns vorfindbaren Elementen des Rituals zu, die sich in besonderer Kulmination in der sogenannten „Geist-Taufe“ finden (8). Natürlich wird man nicht bei jeder Veranstaltung denselben Inszenierungs-Mix, dasselbe Crescendo vorfinden.  

Zu den einfachen, nicht minder wirkungsvollen Stilmitteln gehört die Kleidung. Velarde zum Beispiel tritt in der Öffentlichkeit stets mit einem sehr farbigen Anzug  (grün, gelb, blau) nebst Fliege auf, angeblich um besser gesehen zu werden. Im Rahmen der Geisttaufe tragen die „Vermittler“ orangenfarbige Jacken, die „Heiler“ grüne Jacken. Weiterhin gehört dazu der variable Einsatz des Lichtes, zum Beispiel die Fokussierung des Lichtscheins oder die Herbeiführung von Dämmerlicht. Ein unverzichtbares Element sind auch musikalische oder vokalistische Einschübe, sei es in Form von  Bandmusik, Chören oder religiösen Liedern der Gläubigen („Lord forgive me“ // „This is how we overcome“). Die musikalischen Einblendungen können eher sanft aber auch laut sein. El Shaddai Bewegung zeichnet sich durch einen relativ großen Fundus an religiösen Liedern aus. Sie werden auch als CD angeboten.   

Der qualifizierte religiöse Leiter kennt seine rhetorischen und gestischen Mittel: zum Beispiel das Heben und Senken der Stimme, richtig gesetzten Pausen, die Wiederholung von wichtigen Botschaften, das Ausstrecken der Arme, die Aufforderung zum Nachsprechen oder zum Schließen der Augen. 

Und das Publikum? Nein – es sitzt nicht lange Zeit stumm eingeklemmt in dunklen Kirchenstühlen.  Es grüßt und klatscht mit Händen, winkt mit Taschentüchern, es singt, tanzt, winkt und ruft  („I see the Lord! I have seen the King! “). Man bestätigt und bekräftigt Gesagtes wird mit einem lauten „Amen“. Manche weinen und schreien. Andere Gläubige finden  – wie in der Geisttaufe üblich – zu seltsamen Lautübungen, um den Heiligen Geist zu empfangen. Unter Tränen versöhnt man sich mit dem Ehepartner oder dem Nachbarn oder geht auf die Bühne, um Zeugnis abzulegen vom Wirken des Heiligen Geistes. 

Die Zeugenauftritte sind natürlich besonders publikumswirksam. Sie verlaufen in etwa nach dem Muster: „Ich hatte finanzielle Probleme und konnte mir kein Essen leisten. Da betete ich und ein Freund brachte mir Nahrung.“ – „Ich war ein Raufbold, Trinker und Schürzenjäger. Meine Ehe war am Zerbrechen. Da rief ich den Heiligen Geist an und er half mir“ – „Ich hatte Bluthochdruck ….“.  Besonders starke Medienresonanz fand Velarde, als er an einem regnerischen Tag, seine Zuhörer aufforderte, die Regenschirme umgekehrt gegen den Himmel zu halten. Sie sollten so die Segnungen „auffangen“.  

Einige dieser teils geplanten, teils spontanen Aktivitäten mag man ablehnen, der Forderung nach aktiver Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst wird jedoch in hohem Maße entsprochen.  

Relativ strenge Anforderungen an Mitglieder und Beauftragte 

Um registriertes Mitglied der El Shaddai-Bewegung zu werden, muss man zunächst nachweisen, dass man ein anerkanntes „Catholic Life - in - the - Spirit“ – Seminar erfolgreich durchlaufen hat. Nach Einreichung und positiver Überprüfung des Bewerbungsformulars erwartet das Mitglied eine Vielzahl von Pflichten. Hier ein leicht verkürzter Auszug (1) :  

Jeweils um 6 Uhr morgens, 12 Uhr mittags und 18 Uhr abends ist das Vaterunser, Psalm 91 und Psalm 23 zu beten. 

 Man muss als lebendiger Zeuge des Glaubens auftreten und bereit sein, sieben Personen religiös im Sinne der Gemeinschaft zu betreuen und an die Gemeinschaft heranzuführen 

Das Mitglied ist dazu aufgefordert, ein Zehntel seines Einkommens ("Tithes") sowie weitere „miracle-seed-of faith-offerings“ (Glaubenssamenspenden) und „love offerings“ (z.B. Arbeitsangebote) der Gemeinschaft zu gewähren, um so „dem Weinberg des Herrn zu dienen“.  

Erwartet wird weiterhin, dass man zumindest einmal in der Woche Veranstaltungen oder Gebetstreffen der Gemeinschaft besucht.  

Neben der Mitgliedschaft wird auch die Funktion eines freiwilligen Helfers oder Beauftragten angeboten. Hier gelten offensichtlich noch strengere religiöse und moralische Anforderungen (1) :

Ein Betreuer muss ein getaufter Katholik sein, der die Heilige Eucharistie des katholischen Kirche anerkennt und ein Wiedergeborener oder Erneuerter  im Sinne der Gemeinschaft ist 

Er muss einen guten moralischen Charakter aufzuweisen, hat in und mit der El Shaddai Gemeinschaft zu leben und sich den Autoritäten der Katholischen Kirche und der El Shaddai-Bewegung zu unterwerfen ( „has to be …. submissive“)  

  Der Betreuer ist dazu verpflichtet, mindestens drei Jahre lang gute Dienste im Geist und in Entsprechung mit den Regeln und Richtlinien der Gemeinschaft leisten 

 Betreuer müssen „völlig“ frei sein von den Lastern. Beispielhaft aufgezählt werden: das Glückspiel, das Rauchen, das Schnapstrinken und außerehelichen Beziehungen  

Sie müssen mit ihren Ehepartnern und Familienangehörigen friedlich und harmonisch zusammenleben und nachweisen, dass sie katholisch getraut sind. 

Es darf kein Gerichtsverfahren  wegen „moralischer Verderbtheit“, Ehebruch, Scheidung, Veruntreuung oder Betrug anhängig sein  

Betreuer müssen mindestens zuvor schon drei Jahre Mitglieder der Stiftung gewesen sein. 

Fügen wir in diesem Zusammenhang noch an, dass bei El Shaddai auch Frauen, Gebete leiten dürfen.

Stehen denn diesen Anforderungen und Leistungen auch Gegenleistungen der El Shaddai Stiftung gegenüber? Nun offizielle Repräsentanten werden natürlich zunächst auf das vermittelte „seelische Heil“ verweisen. Daneben gibt es aber  auch konkrete Hilfszusagen, die jedoch nicht allzu präzise formuliert sind und relativ spät in der Geschichte der Bewegung kamen. „Besonders armen“ Mitgliedern und „Anhängern“ werden als Sozialleistungen u.a. angeboten: 

-         kostenlose ärztliche Konsultationen und  stark ermäßigte Laboruntersuchungen, zahnmedizinische und augenärztliche Hilfen; Abgabe von ärztlicher Medizin zu  Fabrikpreisen

-         Beerdigungshilfen und Hilfestellungen bei Naturkatastrophen

-         Kostenfreie Rechtsberatung durch freiwillige Anwälte 

Die El Shaddai Stiftung verfügt über eine Wohltätigkeits-Klinik, die vom ältesten Sohn von Velarde mit geleitet wird.  Katherine Wiegele kommt in ihrem Buch „Investing in Miracles“ allerdings zu der Schlussfolgerung, dass zumindest 1995 die medizinische Institutionen kaum für die große Zahl an Mitgliedern und Anhängern ausgelegt sind und nur wenig in Anspruch genommen werden (10).  

Kein offen gelegter Haushalt 

Um das angebliche Vermögen der El Shaddai Stiftung ranken sich Gerüchte. Augenzeugen wollen gesehen haben, dass nach der Durchführung von Großveranstaltungen ganze Säcke voll mit Spendengeldern ins Hauptquartier geschleppt wurden. Die Zählungen hätte eine ganze Woche in Anspruch genommen. Und schnell werden diese Sammlungen zu einem Millionenvermögen aufgeblasen. Die Gerüchte finden durch die Tatsache Nahrung, dass die EL Shaddai Stiftung ihren Haushalt nicht veröffentlicht. Nur hin und wieder finden sich relativ vage gehaltene Informationshinweise.  

Bekannt sind die Haupteinnahmequellen – die Zehnprozent-Abgaben („Tithes“) von den Mitgliedern und Spenden diverser Art. Es gibt eine Äußerung von Velarde aus dem Jahre 2001, nach der die eingesammelte Gruppenkollekten monatlich eine Höhe von 380.000 bis 400.000 $ erreichen würden (3). Auch die Ausgabenpositionen sind grundsätzlich bekannt. Wir entnehmen ihnen, dass  zum Beispiel, dass vierzig Prozent der Kollekten und Spenden der lokalen Gemeindearbeit im In- und Ausland zugute kommen. Velarde sagte auch schon, dass die Hälfte der Einkünfte an die katholische Kirche fließe, denn man nutze ja auch deren Gebäude und Versammlungsräume (3)

Anhänger wie auch Nicht-Anhänger können Kapitalanteile an der „El Shaddai Golden Rule Corp.“ erwerben. Die Kapitalgesellschaft betreibt zumindest einen Supermarkt („Super Bodega“), in denen Kapitalzeichner verbilligt einkaufen können. Der Anteilsschein ist gleichzeitig eine Art Lotterielos. Hat man das – eher seltene – Glück gezogen zu werden, dann kann man an der Peripherie von Manila ein Haus zu sehr erschwinglichen Preisen erwerben. Wir wollen zugunsten von El Shaddai annehmen, dass die Einkünfte dieser Kapitalgesellschaft auch versteuert werden. Im September 2004 hatte der philippinische Justizminister nochmals darauf hingewiesen, dass alle Aktivitäten und Vermögensposten, die nicht religiösen Zwecken dienen,  grundsätzlich der Versteuerung unterliegen.  

Auf den Vorwurf, er sei ein Dieb, hat Velarde sich einmal wie folgt ironisch geäußert:  "If I am a thief, I don't steal money, but souls from the grip of Satan!" (Wenn ich ein Dieb sein sollte, dann einer, der kein Geld stiehlt, sondern Seelen vom Satan) (3).     

Politikberatung 

Wie sein protestantischer Konkurrent Erano Manola von der Iglesia ni Cristo (INC) (11)  mischt sich Velarde auch in das politische Tagesgeschehen ein beziehungsweise er wird von Politikern aufgesucht, da er auch Wahlempfehlungen an die Schar seiner Gläubigen weitergibt und Politiker ein Wählerstimmenpotenzial vermuten. - Es gibt freilich auch eine Untersuchung von Social Weather Stations aus dem Jahre 1998, wonach zwar 81 % der INC-Anhänger den von der Kirchenführung empfohlenen Präsidentschaftskandidaten Joseph Estrada wählten, aber nur 39 % der El Shaddai Anhänger einer gleichlautenden Wahlempfehlung folgten. Das Konzept geschlossener Blockwahlen scheint also nicht immer zu funktionieren (5)

Mariano Velarde hatte sich schon 1992 für den protestantischen Präsidentschaftskandidaten Fidel Ramos ausgesprochen. Dies war eine relativ mutige Entscheidung im Hinblick auf die  katholische Mutterkirche. Für den mittlerweile verstorbenen Kardinal Sin war Fidel Ramos politischer Gegner. Er lehnte dessen Grundsätze zur Geburtenverhütung und Bevölkerungsentwicklung strikt ab. 

Auch Joseph Estrada wurde bei seinen Bemühungen um das Amt des philippinischen Präsidenten von der El Shaddai unterstützt. Die El Shaddai Führung hielt sogar am "falschen Pferd" Estrada noch fest, als dieser von der katholischen Kirche aufgrund seiner Verfehlungen längst fallen gelassen wurde. Zurzeit bemüht sich Velarde insbesondere um eine Versöhnung der politischen Lager um Präsidentin Arrayo und des Ex-Präsidenten Estrada.  

Ausblick 

In der öffentlichen Meinung über den Gründer von El Shaddai finden sich zwei extrem pointierte Standpunkte. Einige (wenige) sehen in Velarde einen Schwindler und falschen Propheten, der mit einer zweifelhaften Pfingst- und Wohlstands-Theologie und fragwürdigen Mätzchen und Eskapaden Millionen von Pesos von ärmeren Bevölkerungsschichten zusammenharkt (5). In diesem Zusammenhang nannte man ihn auch „Tollmaster of Salvation“ (Maut-Chef des Heils).  Eine private Bereicherung konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. – Andere (wenige) wiederum sehen in ihm die Reinkarnation einen zweiten „Moses“. Nun Velarde hat Prophetenrolle für sich stets abgelehnt, nach seiner Ansicht bewirkt er als Person auch keine Wunder.

Man kommt der Wahrheit wohl näher, wenn man ihn als einen auf den Philippinen sehr erfolgreichen Evangelisten sieht, der durch neue Anspracheformen und Akzentsetzungen dem  weiteres Abdriften weiterer Bevölkerungsgruppen vom katholischen Glauben etwas Einhalt gebietet  und der dem religiösen Leben und Erleben auf den Philippinen neue Impulse gibt. Auch Kirchen und religiöse Gruppierungen haben ihrem Sendungsauftrag entsprechend religiöses Marketing zu betreiben. Dazu kann auch lautes  „Klappern“ gehören. Es bleibt abzuwarten, welchen Freiraum die Katholische Kirche Velarde lässt. In einem Artikel lesen wir: „ The Vatican has given its approval to El Shaddai but some conservative cardinals are frown on the movement, whose gatherings seem a world away from traditional Catholic services.”  (Der Vatikan hat El Shaddai sein Einverständnis gegeben, aber es gibt konservative Kardinäle, die die Bewegung missbilligen, weil sie eine Welt vom traditionellen katholischen Ritus trennt.) ( 9)


(1) Welcome to El Shaddai, in: http://www.geocities.com/elshaddai_dwxi_ppfi 

(2)  Balia news service, El Shaddai to hold Mass, 12.11.2005   

(3)  zitiert nach: Jose Manuel Tesoro, Rising Prophet, 2001, http://www.asiaweek.com/asiaweek/.96/0920/feat11.htm 

(4) Blanche S. Rivera, El Shaddai Leaders aids full support for bishop, Inquirer News Service, 10.06.03 

(5) Vgl. hierzu: William Esposo, God + money + politics, in: inq7.net, 25.11.2005 

(6) William M. Esposo, Bishop Bacani must choose better friends, in: inq7.net, 23.06.2003 

(7) Vgl. hierzu: Nono L. Alfonso SJ, Odd people in our midst, in: http://www.jesuits.ph/ignaciana/News/odd%20people.htm 

(8) einen vorzüglichen Bericht über den Verlauf einer “Geisttaufe” liefert: Christl Keßler, Reiche Jesus Deine Hände- Katholische Charismatiker in den Philippinen, in: Überblick- Zeitschrift für Ökumenische Bewegung und Internationale Zusammenarbeit,  01/2005, S. 20 ff 

(9)  Faith, Hip and Charity, in: The Standard-China’s Business Newspaper, 22. April, 2005 

(10) Katharine L. Wiegele, Investing in Miracles – El Shaddai and the Transformation of popular Catholicism in the Philippines, 2005, S. 34 und 52

(11)  Vgl. meinen Artikel: Iglesia ni Cristo - die familiendynastisch geführte Sekte, in: http://bethge.freepage.de/iglesaia.htm


©  Wolfgang Bethge, 2005

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