Landeskenner wissen um den hohen Stellenwert, den Fiestas im Leben der Filipinos einnehmen und sicherlich war der eine oder andere Besucher der Philippinen von ihrem farbenfrohen Gepränge und den Umzügen sehr angetan. Insofern ist jede Publikation über die philippinischen Fiestas sicherlich zu begrüßen. 

Wegen des stolzen Preises von 75,70 € habe ich jedoch lange gezögert, ein schon 1997 erschienenes Buch zu kaufen, bis ich es schließlich doch etwas preisgünstiger über das Antiquariat beziehen konnte. Es handelt sich um den Titel:

Reinhardt Wendt, Fiesta Filipina - Koloniale Kultur zwischen Imperialismus und neuer Identität, Rombach-Verlag, 1997, 550 Seiten mit Bildmaterial

Obwohl es sich um eine Habilitationsarbeit handelt, ist das Buch vergleichsweise gut lesbar und breitet zu Thema „Fiestas auf den Philippinen“ eine schiere Überfülle von historischen Details aus, die das vielfältige und bunte Spektrum der philippinischen Fiesta  eindrücklich vor Augen stellt.

Die Fiestas auf den Philippinen analysiert Wendt in dem großen Themenkomplex  der  politischen Hispanisierung und Katholisierung der Philippinen. Die Ausrichtung und Inszenierung von Fiesta verfolgte ein Doppelziel. Fiestas waren ein erfolgreiches Instrument der christlichen Missionsstrategie, sie trugen gleichzeitig zur Stabilisierung der spanischen Herrschaft bei. „ Keine profane Feier fand ohne Messe statt, kein religiöses Fest ohne volkstümliche Unterhaltung“ (S. 25).  

In seiner umfassenden Darstellung zeigt Wendt auch den historisch-kulturellen Wandel der Fiestas auf. Er verweist auf die zunehmende „Philippinisierung“ der Fiestas durch die Einbindung von spezifischem Lokalkolorit  und einheimischen Kulturelementen. Vielleicht liegt es am Themengegenstand, dass Wendt sich bei der Darstellung der Festlichkeiten  teilweise wiederholt.  

Insbesondere im Zuge der amerikanischen Kolonialisierung  - so stellt der Autor in seiner historischen Analyse heraus - „erhält das säkulare Element immer mehr Gewicht“ (S. 221). Heutige Fiestas sind zweifelsohne stärker kommerzialisiert, teilweise schieben sich auch zunehmend touristische Zielsetzungen in den Vordergrund. 

Wendts Ausführungen sind primär historisch fundiert. Einzelne Leser könnten bei der Lektüre des Buches durchaus mit Recht einen stärkeren Gegenwartsbezug fordern. Dennoch handelt es sich um eine Publikation, die durch die Gründlichkeit der Recherche außerordentlich überzeugt.

Das Buch dürfte insbesondere Leser ansprechen, die einzelne große Fiesta - zum Beispiel die Fiesta von Antipolo oder das Mariones Fest af Marinduque - kennen oder kennen lernen wollen und auch ein ausgeprägtes historisches Interesse haben.

© Wolfgang Bethge, 2007