Die philippinische Flagge und Nationalhymne

Auch die philippinische Flagge, die wohl zu den schönsten Flaggen gehört,  kennt eine  Entwicklungsgeschichte mit historischen Vorformen. Nachfolgend sind einige Fahnen aus den Anfängen der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung dargestellt:

Zu diesen Frühformen der philippinischen Flagge sei nur kurz ausgeführt, dass es vor 1898 noch keine standardisierte, durchgängig verwandte  Flagge gab. Die drei Buchstaben "KKK" stehen für "Kataas-taasang Kagalang Katipunan ng mga Anak ng Bayan", zu deutsch die "Höchste und Respektabelste Vereinigung der Söhne des Volkes". Diese geheim operierende Bewegung stand maßgeblich unter dem Einfluss von Andreas Bonifacio und propagierte - im Gegensatz zu der von Rizal gegründeten Liga Filipina - auch den bewaffneten Widerstand gegen das spanische Kolonialregime. Spätere Flaggen nehmen von den K-Buchstaben Abstand. Es taucht in unterschiedlicher Gestalt schon eine (mythologisch ausgestaltete) Sonne als Symbol des nationalen Aufbruchs und  Fortschritts auf. Ihre acht Strahlen stehen für die acht Provinzen ( Manila, Bulacan, Tarlac, Pampanga, Nueva Ecija, Laguna, Batangas und Cavite), die den bewaffneten Kampf gegen die Kolonialmacht aufnahmen und unter spanischem Kriegsrecht standen.

Die heutige Flagge der Philippinen erlebte ihre Geburtsstunde 1897, als General Emilio Aguinaldo  im Hongkong im Exil weilte. Bei der Konzeption stand ihm offenbar die kubanische Flagge mit ihrem Dreiecks-Element etwas Pate.

                      

                    Kubanische Flagge

 

              Philippinische Flagge (frühes Blau)

Fünf Tage brauchten drei - im Umkreis von General Aguinaldo lebende - Frauen, um die Stickereien auf die Seidenfahne zu nähen. Es wird berichtet, dass viel Geduld erforderlich war, um die Proportionen und Linien genau abzubilden. Am 28. Mai 1889 - heute offizieller Flaggentag - wurde sie das erste Mal auf den Philippinen gezeigt und am 12. Juni 1889 offiziell zur Staatsfahne der ersten Republik erklärt. Es gibt nur zwei Phasen in der philippinischen Geschichte, in denen das Hissen der Fahne, die ja auch als Symbol des nationalen Widerstandes galt, bei Strafe verboten war. Unter den Amerikanern war dies die Zeit von 1907- 919, die japanischen Besatzungsmächte verboten die Flagge von 1941-1943. Da immer noch Abweichungen in der Darstellung anzutreffen waren, erließ Präsident Quezon 1936 ein Dekret, in dem die Proportionen, Längenmaßstäbe der Elemente und Winkel akribisch festgehalten wurden.

Interpretation der Flagge

Die philippinische Staatsflagge besitzt zwei horizontal verlaufende Bänder in den Farben Blau und Rot. In Friedenszeiten - und das ist ein Spezifikum der Flagge - befindet sich das blaue Band oben, erscheint das rote Band oben, befindet sich das Land im Krieg. Zuletzt wurde die Kriegsflagge gehisst von Gregorio "Gringo" Honasan, als er 1987 gegen die Regierung einen vergeblichen Putschversuch gegen die Regierung unternahm. Der blaue Streifen steht für die Einheit des Landes und ethische Grundsätze wie Friedfertigkeit, Wahrheitsliebe und Rechtsempfinden. Sie wurde im Laufe der Jahrzehnte variiert. Zunächst war es das "Cuban Blue" der kubanischen Flagge.1919 war aber nur das dunklere "Navy Blue" der amerikanischen Flagge in größerer Menge verfügbar. Dann erfolgte unter  Marcos wieder ein Schwenk auf  das hellere "Cuban Blue" und 1998 entschloss man sich unter der Präsidentschaft von Corazon Aquino nach längerer Debatte zum "Royal Blue". Die aktuelle Flagge zeigt die Flagge mit dem "Royal Blue". Der rote Streifen symbolisiert den patriotischen Mut und die Tapferkeit der Bevölkerung, während das weiße Dreieck für Gleichheit und Brüderlichkeit steht. Die gelbe Sonne und ihre Symbolik wurde bereits schon genannt. Ihre acht Strahlen verkörpern die acht aufführerischen Provinzen. Angemerkt sei in diesem Zusammenhang, dass in 1998 die Provinz Zambales gleichfalls Anspruch auf einen Sonnenstrahl erhob. Der Anspruch wurde aber abgelehnt, weil Historiker ermittelten, dass die Provinz 1886 nicht unter spanisches Kriegsrecht gestellt wurde. Die drei kleinen Ecksterne stehen stellvertretend für die geografischen Gebiete Luzon, Visayas und Mindanao.

Die philippinische Nationalhymne

Hymne spielen?  

Spätestens 1898 erkannte General Emilio Aguinaldo die Notwendigkeit einer nationalen Hymne und er erteilte dem Musiklehrer und Komponisten Julian Felipe aus Cavite einen Kompositionsauftrag, nachdem er eine andere ihm vorgelegte Komposition als zu wenig feierlich und majestätisch verworfen hatte. Schon nach sechs Tagen hatte Felipe sein Werk beendigt. Der Marsch fand bei seiner Uraufführung im Juni 1898 einen   enthusiastischen Zuspruch bei Zuhörern und Entscheidungsträgern.

Aber über ein Jahr fehlte ein Text zur Nationalhymne. Diesen erstellte in spanischer Sprache der  23-jähriger Soldat Jose Palma. In seinem Text würdigt er u.a. den glühenden Patriotismus, Stolz und Freiheitsdrang  seiner Landsleute. Der Text ist wenig aggressiv und nicht ohne Pathos scheint ja ein unverzichtbares Attribut von Nationalhymnen zu sein. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war die Nationalhymne wenig zu hören, den die amerikanischen Kolonialherren hatte ihr Absingen zunächst verboten. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Text ins Tagalog und ins Englische übertragen. Eine letzte Textrevision erfolgte 1956 durch das Nationale Spracheninstitut. Die "Filipino-Version" ist weithin bekannt. Hier eine deutsche Übersetzung vom Autoren , basierend auf der "Englisch-Version" von Camilo Osias und A. Lang:

1.

Land des Morgens,

Tochter der wiederkehrenden Sonne,

dich verehren unsere Seelen

mit brennender Leidenschaft.

2.

Land, teuer und heilig,

Wiege edler Helden,

niemals sollen Eindringlinge

deine heiligen Ufer niedertrampeln.

3.

Durch deine Himmel und Deine Wolken

über deinen Hügeln und Seen

erblicken wir den Glanz und fühlen

das Pochen der herrlichen Freiheit.

4.

Deine Fahne, teuer allen Herzen,

ist die Sonne und die leuchtenden Sterne.

Niemals sollen deine glänzenden Horizonte

durch die Macht eines Tyrannen verdunkelt werden.

5.

Schönes Land der Liebe, Land des Lichts,

es ist eine Wonne, von dir umarmt zu werden; 

 aber wenn dir Unrecht geschieht, wird es für unsere Söhne

ehrenvoll sein, für dich zu leiden und zu sterben.

 


© Wolfgang Bethge, 2003