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Noch im Abseits – zur Situation des Fußballspiels auf den Philippinen

Die Olympischen Spiele und Fußballweltmeisterschaften sind weltweit an Popularität kaum zu übertreffen. In 2002 lockte die Fußballweltmeisterschaft ein Milliarden- Publikum an die Fernsehschirme, das leidenschaftlich ihre jeweiligen Favoriten anfeuerte. Dies gilt insbesondere für die Veranstalterländer Japan und Korea, in denen der Fußball boomte und zu einer nationalen Angelegenheit wurde. So mancher wird sich in diesem Zusammenhang gefragt haben, warum eigentlich nicht die Philippinen auf dieser weltweiten Tribüne in Erscheinung getreten sind ?

Um die Antwort vorweg zu nehmen, die Philippinen schieden schon früh im innerasiatischen Qualifizierungswettbewerb aus. Gruppengegner waren der  Oman, Syrien und Laos. Keines der Spiele konnte in dieser Qualifizierungsrunde von den Filipinos gewonnen werden, lediglich das Spiel gegen Laos verzeichnete ein Unentschieden. Zwei geschossenen Toren standen insgesamt 29 empfangene Tore gegenüber. Das Spiel gegen Syrien ging zum Beispiel katastrophal mit O – 12 Haue verloren. Dieser trostlosen Bilanz muss noch ein zweites Faktum hinzugefügt werden: Zwar berichteten die Druckmedien über den Verlauf der Weltmeisterschaft, aber nicht ein philippinischer TV-Kanal hat ein Spiel in Gesamtlänge übertragen. Der Fußball auf den Philippinen ist eine elitäre Randsportart, für den sich bislang nur eine kleine Minderheit interessiert.

Andererseits so zappenduster ist die Situation des Fußballs auf den Philippinen auch wiederum nicht. In der FIFA-Weltrangliste, die 203 Länder umfasst, steht man auf Platzposition 174 – noch vor Ländern wie Pakistan, Mongolei, Niger oder Puerto Rico. Und die Vertreter des philippinischen Fußballverbandes (PFF) – immer auf der Suche nach einem Lichtblick – betonen immer wieder, dass es im Rahmen des Tiger-Cups – vergleichbar dem europäischen UEFA-Cup – auch schon angenehme Überraschungen gab. 1998 hat man gegen Kambodscha einmal unentschieden gespielt und im Jahre 2000 nur knapp gegen Singapur verloren. Die Niederlage von nur 2-0 gegen Thailand im selben Jahr wird im Vergleich zu früheren haushohen Niederlagen schon freudig als Erfolg gewertet.

Gespannt schaut man nun dem Tiger Cup 2002 entgegen, der Mitte Dezember 2002 statt findet. Diesmal will man es reißen und mit Siegen stärker in den Blickpunkt der philippinischen Öffentlichkeit rücken (1).

Der Fußball tritt auf den Philippinen – und das ist bei all den Niederlagen das Überraschende - keineswegs neu auf den Plan. Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern hat er eine historische Wurzel. Es waren die Philippinen, die 1913 die erste inoffizielle asiatische Meisterschaft ausrichteten und China mit 2-1 damals bezwangen. Es gibt etliche Kommentatoren, die der Ansicht sind, wären die Spanier anstelle der Amerikaner länger im Land verblieben, der Fußball hätte auf den Philippinen wohl einen steilen Aufschwung genommen.

Gerne wird in diesem Zusammenhang auf Paulino Alcantara verwiesen, der 1896 in Iloilo geboren wurde, kurzfristig in der philippinischen Nationalmannschaft spielte, seine spätere legendäre Karriere – auch als spanischer Nationalspieler - aber insbesondere beim FC Barcelona als Spieler und Direktor machte. Mit den Amerikanern als neuer Kolonialmacht verlor der Fußball auf den Philippinen seine Vorrangstellung an das Basketballspiel und verkümmerte in Lethargie lange Zeit.

Das Basketballspiel ist – ungeachtet der hierfür erforderlichen längeren Körperkonstitution - Freizeitsport Nummer 1 auf den Philippinen, die auch als „baketball-crazy" gelten. Es gilt als viel aktionsreicher und die Ergebnisse von Angriffen stellen sich hier viel schneller ein. Fußball mit seinem Mittelfeldspiel, den Fehl- und Rückpässen, Dribblings und vergleichsweise wenigen Toren wird von nicht wenigen Filipinos als langweilig empfunden. Eine stärkere Popularisierung des Fußballs bedarf eben auch eines Trainings des Zuschauers hin zu geduldigeren Betrachtungsweisen.

Der philippinische Fußballverband – aber auch die philippinischen Regierungen – waren und sind über die Schlusslichtrolle des Nationalteams nicht sehr glücklich, denn sie wissen, welche Statusbedeutung der Fußball auf der nationalen und internationalen Ebene haben kann. Es sind insbesondere drei Aspekte, die einer Renaissance des Fußballs auf den Philippinen entgegenstehen:

Es gibt zu wenig Leistungskonkurrenz durch Mannschaftswettbewerbe. Es sind im Basketball drei nationale Profiligen vorhanden, bis vor kurzem  existierte im Fußball lediglich eine im Raum Manila konzentrierte, halbprofessionelle P-Liga mit insgesamt acht Teams, die insbesondere an Colleges und Universitäten angesiedelt waren. Diese Liga war schon ein Fortschritt, denn es gab auch Jahre, in denen auf die Austragung von Meisterschaften gänzlich verzichtet wurde. Die Liga litt aber immer unter Geldmangel und hatte Schwierigkeiten, Spieler aus der Provinz finanziell zu fördern. Sie spielte auch nicht durchgängig im Wochenrhythmus. Bekanntere Liga-Mannschaften waren Ateneo, Letran, La Salle, Lateo und Atletico Nacional de Manila.

Die Einnahmeseite ist zu schwach, um erforderliche Strukturmaßnahmen zu  finanzieren (zum Beispiel Fußballstadien/ Flutlicht/ Equipment,Ausbildungs- maßnahmen, angemessene Spielerentgelte). In der Provinz wird oft noch barfuß und ohne Trikot gespielt. In Ermangelung von adäquaten Spielplätzen nutzt man öfters Basketballplätzen und spielt dann aber nur mit jeweils fünf Mann („Five-A-Side- Football"). Die San-Miguel-Corporation und die Coca-Cola-Company sind in der Vergangenheit zwar schon als Sponsoren in Erscheinung getreten, scheuen aber noch bei gegebener geringen Zuschauerresonanz ein umfassenderes, längerfristig ausgerichtetes Engagement.

Die Medienbeachtung ist zu gering, um Zuschauer und Sponsoren zu locken. Zwar trifft man in den philippinischen Gazetten hin und wieder auf Fußballkolumnen, insgesamt jedoch ist die publizistische Begleitung des Fußballs unzureichend. Es gibt zum Beispiel kein Fußballmagazin.

Die Ursachen der Fußballmisere sind schon längere Zeit erkannt. Schon in Zeiten von Ex-Präsident Marcos hat u.a. der deutsche Fußballexperte Zgoll ein Strategiepapier erstellt, das auch noch heute grundlegende Relevanz hat. Die FIFA war bei der Ausbildung von Schiedsrichtern und Trainern behilflich und die deutsche Regierung finanzierte zwei von dem früheren deutschen Sportreporter Obermann geleitete Trainingskurse auf den Philippinen.

Beachtenswert sind auch die von der M. Lhuillier Sports Development Foundation auf Cebu eingeleiteten Initiativen. Die Organisation will insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen. Das Talente-Potential ist groß, die Philippinen registrieren rund 30 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Die M.L.S.D.F. unterhält in Carmen eine Fußballschule mit umfassenden Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zur Hochschulreife.

Ambitioniert und durchaus hartnäckig versucht der Philippinische Fußballverband (PFF) sowie sein Nationaltrainer Cutillas, die Situation des Fußballs im Lande zu verbessern und die Nationalmannschaft an internationale Level heranzuführen.

Sollte sich mittelfristig Erfolge einstellen, dann sind vielleicht die blau-roten Trikots, blauen Hosen und weißen Stutzen vielleicht auch einmal in Europa zu sehen. Wir freuen uns darauf.

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(1) Nachtrag: Auch der Tiger Cup 2002 verlief für die philippinische Mannschaft enttäuschend. In der Gruppe A traf man auf Myanmar, Vietnam, Indonesien und Kambodscha. Alle vier Spiele gingen verloren. Drei geschossenen Toren standen 24 empfangene Tore gegenüber. Bitterlich war die Niederlage insbesondere gegen Indonesien, das Spiel ging mit 1 : 13 verloren.

© Wolfgang Bethge, 2002