Alex Garland, Manila

Taschenbuchausgabe, München, 2001, ISBN: 3-442-44989-8, 7,50 €


Der junge englische Autor und Weltenbummler Alex Garland hat für seinen ersten Roman „Der Strand“ viel Anerkennung bei den Kritikern gefunden. Der Roman „Manila“ – englischer Titel „The Tesseract“ – ist sein zweiter, auf den Philippinen spielender Romantitel. 

Der Thriller, der auch eine unglücklich verlaufende Liebesgeschichte einschließt, hat drei – zunächst unverknüpfte – Handlungsachsen mit einem psychologisch gut herausgearbeiteten Personen-Set: 

-  Der junge – an Verfolgungswahn leidende  - englischer Seemann Sean wartet in einem schäbigen Hotel in Manila auf den Gangster-Boss Don Pepe, der Schutzgelder für die freie Durchfahrt durch das südchinesische Meer erpresst. Sean kann nicht zahlen und erwartet, dass Don Pepe ihn killen wird. 

-    In einem besser situierten Stadtviertel von Manila ärgert sich die schöne Ärztin Rosa über die ständig am Fernseher hockende Schwiegermutter. Ihre Gedanken schweifen zurück zu dem verkrüppelten Fischer Lito, ihrer ersten Liebe. Sie hatte ihn unvermittelt verlassen, um in der Großstadt Karriere zu machen. 

-  Die Straßenkinder Vicente und Totay führen einen Daseinskampf ums Überleben. Sie verkaufen u.a. ihre Träume an einen reichen Psychologen, der die Träume wissenschaftlich auswertet. 

Im weiteren Handlungsablauf „crashen“ die Personen, die einander sich nicht kennen und deren Schicksal irgendwie fremdbestimmt ist, aufeinander, wobei zum Ende des Romans Blut fließt.  

Was die Dramatik des Romans anbelangt, so scheiden sich die Geister der Buchkritiker. Die einen sprechen von einem atemberaubenden Thriller, andere kämpften bei der Lektüre mit Langeweile. Der Autor kann gut formulieren. Hier einige gelungene Metaphern: 

-        „Die Hitze tropfte zäh wie Sirup von der Sonne“

-        „In diesen Breitengraden ging die Sonne nicht unter, sondern fiel vom Himmel. Um Viertel  nach sechs dehnte sich das Gummiband, das sie in der Schwebe hielt, und um halb sieben riss es“

-        "Ein Kakerlak flitzte wie ein Miniatur-Skateboard über den Teppich“ 

Erschwert wird das Lesen durch viele Szenen- und Perspektivwechsel, Rückblenden sowie manchmal etwas unsinnige innere Monologe. Um es dem Leser noch schwerer zu machen, entwickelt der Autor eine mathematische Theorie des „Thesseracts“, die – wenn ich es richtig verstanden habe – auf die triviale Feststellung hinausläuft, dass man stets nur Aspekte nicht aber das Ganze wahrnehmen kann.   

Der Autor war wiederholt auf den Philippinen. Landeskundliche Absätze wird man indessen vergeblich suchen. Dennoch beschreibt er das schwüle, etwas unheimliche  Manila mit seinen zum Teil schäbigen Hotels und feineren Stadtvierteln, die schweißtreibenden Plantagearbeiten auf Negros oder die romantischen Abenddämmerungen am Meer sehr eindrücklich und gekonnt.

Wenn ich - wie bei dem Buchversender Amazon üblich - fünf Sterne insgesamt zu vergeben hätte, würde ich dem Autor für seinen Roman in der Gesamtbeurteilung drei Sterne geben.  


W. Bethge, 2004