Münz- und Papiergeld auf den Philippinen

 

„Ohne Geld ist man wie ein Vogel ohne Flügel“, so lautet ein philippinisches Sprichwort. Das weiß auch der Besucher der Philippinen. Deshalb kann es sicherlich nicht schaden, sich etwas mit dem umlaufenden Geld auf den Philippinen zu beschäftigen, auch wenn man seine spezifischen Merkmale - mal abgesehen von der Wertstellung - in der Regel nur halbbewusst wahrgenommen werden.

Fügen wir kurz zur Geschichte des Geldes auf dem Archipel an, dass die ersten Münzen auf den Philippinen 1852 geprägt wurden. Sie lösten die mexikanischen Real-Münzen ab. Während der japanischen Besatzung im 2. Weltkrieg gab es zwei Währungen. Es gab die offiziellen, von den Japanern teilweise neu eingeführten Geldnoten, daneben aber auch die sogenannten „Guerilla Pesos“, deren Besitz als illegal galt und der auch mit Verhaftungen bestraft wurde.

1949 nimmt die Bangko Sentral ng Pilipinas - die Zentralbank - ihre Geschäfte wieder auf. Noch ist der an den Dollar gekoppelte Peso relativ viel wert. Für nur zwei Pesos konnte man einen Dollar in den 50er Jahren kaufen. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte kommt es aber wiederholt zu Abwertungen und  Inflationsschüben. Heute muss man schon über 46 Pesos auf den Tisch legen, um einen Dollar zu erhalten. 1967 wird der Peso in „Piso“ umbenannt, aber im Englischen hat man an der Altbezeichnung „Peso“ festgehalten. Oder wissen Sie spontan, was auf der Rückseite ihres 20 Euro-Scheins abgebildet ist?

Um ihn zum Beispiel von dem mexikanischen Peso abzugrenzen, lautet sein internationaler Währungscode „PHP“ oder „PhP“. Das offizielle Symbol für ihn ist ein P mit zwei horizontalen Querstrichen, aber da man dieses spezielle P vielfach in den Sonderzeichen-Fonds nicht unmittelbar findet, begnügt man sich häufig mit einem Querstrich oder verzichtet ganz auf ihn.

Der Pesos ist unterteilt in 100 Sentimos, die als Münzgeld in Erscheinung treten. 2006 waren etwa 12 Milliarden Münzen im Wert von rund 13 Milliarden Pesos und 1,7 Milliarden Geldscheine im Wert von etwa 372 Milliarden Pesos im Umlauf (1).

Nachfolgend eine Auflistung der aktuellen Münzsorten. Wir verzichten auf die Darstellung von Gedenk- oder historischen Münzen. Als Grundregel gilt, je höher der Münzwert, desto Durchmesser und Gewicht einer Münze. Die nachfolgend angegebene Wertstellung in Euro entspricht annähernd dem offiziellen Wechselkurs vom Mai 2007, wobei die Bankenumtauschrate etwas tiefer liegt.  

 

Münzgeld

 

 

Die philippinische Zentralbank ist häufig mit dem Vorwurf konfrontiert worden, sie bringe zu wenig Kleingeld in den Umlauf. Sie hat diese Vorwürfe jedoch zurückgewiesen.  Zwar seien die Prägekosten relativ hoch - so muss man zum Beispiel 75 Sentimos Prägekosten für eine 25 Peso-Münze aufwenden, verantwortlich für die mitunter gegebene Knappheit an Münzgeld  sei aber primär das Geldverhalten der Filipinos. Sie horteten zu Hause relativ viel Münzgeld in Blechbüchsen oder Sparschweinen, ohne dieses wieder in den Umlauf zu bringen. Dieses Verhalten erscheint aber verständlich. Warum die Tasche oder den Geldbeutel beschweren mit viel Münzgeld, das - nach europäischen Wertmaßstäben - fast keinen Wert hat?

Zwei Geschichten gingen im Zusammenhang mit den philippinischen Münzen in der jüngeren Vergangenheit durch die Presse. Im August 2006 wurde bekannt, dass die 1 Peso-Münze in Gewicht und Umfang einem Dirham in den Vereinigten Arabischen Emiraten entspricht. 1 Peso entspricht aber nur 0,007 Dirham. Einwurfautomaten in den Vereinigten Emiraten konnten also mit 1 Peso-Münzen sehr preiswert bedient werden. Es bleibt abzuwarten, wie die beiden Länder der Betrugsmöglichkeit vorbeugen.

Ebenfalls im Jahre 2006 wurden vom National Bureau of Investigation  zwei Taiwanesen eines Syndikats aufgegriffen, das insgesamt 45 Tonnen 1 Peso-Münzen ins rohstoffhungrige China schmuggelte. Dazu muss man wissen, dass insbesondere die 1 Peso-Münzen der Zeitspanne 1995 bis 2003 einen hohen 25%-igen Nickelanteil aufwiesen. Die Nachfrage nach Nickel ist auf dem Weltmarkt aber relativ hoch, da man ihn für Komponenten in der Computer- und Handy-Industrie benötigt. Das Syndikat konnte 1 Kilogramm 1 Peso-Münzen für ca. 20 Dollar nach China verkaufen. Mittlerweile versucht man dem Münzschmuggel dadurch Einhalt zu gebieten, indem man den Nickelgehalt der Münze reduziert.

Papiergeld   

Auch bei der Darstellung der Papiernoten verzichten wir auf  die Darstellung von historischem Papiergeld oder Gedenknoten.

 

Wie man sieht, haben auch die philippinischen Geldscheine einen relativ geringen Wert. Und vielleicht versteht man auch deshalb, weil Filipinos beim Einkauf  oft ganze Geldbündel mit sich tragen. Hätten sie den 100.000 Peso-Schein, der als Gedenkschein anlässlich der 100jährigen Unabhängigkeitsfeier1998 in einer Auflage von nur 1000 Stück erschien und heute unter Sammlern bedeutend mehr wert ist, bräuchten sie diesen vermutlich nur falten. Der Autor kennt keine Darstellung dieses Geldscheins, der in München bei Giesecke& Devrient hergestellt wurde. Er gilt aber als der weltgrößte Geldschein mit den Ausmaßen von 35,6 x 21,6 Zentimetern!

Erwähnen wir noch, dass es 2006 auch zu einem Fehldruck kam. Eine französische Firma fertigte u.a. 100 Peso-Noten mit dem falschen Namenseindruck Gloria Macapagal „Arrovo“. 77 Millionen Scheine gingen daraufhin in den Schredder, etwas mehr als 2 Millionen waren aber bereits schon in den Geldumlauf gebracht worden. Sie sind noch heute im Umlauf. Mit der französischen Firma einigte man sich auf Schadensersatz.  

Wir hatten anfangs das philippinische Sprichwort zitiert, „Ohne Geld ist man wie ein Vogel ohne Flügel“. Für alle diejenigen jedoch, die meinen, sie hätten kein oder zu wenig Geld, seien abschließend die Worte eines philippinischen Weisen als Tröstung mit auf den Weg gegeben:

-         Mit Geld kannst du ein Bett aber keinen Schlaf kaufen.

-         Mit Geld kannst du Bücher aber kleine Intelligenz kaufen.

-         Mit Geld kannst du Nahrungsmittel aber keinen Appetit kaufen.

-         Mit Geld kannst du Pracht aber keine Schönheit kaufen.

-         Mit Geld kannst du ein Haus aber kein Heim kaufen.

-         Mit Geld kannst du Medizin aber keine Gesundheit kaufen.

-         Mit Geld kannst du Luxus aber keine Kultur kaufen.

-         Mit Geld kannst du Vergnügen, aber kein Glück kaufen.

-         Mit Geld kannst du Kumpane aber keine Freunde kaufen.

-         Mit Geld kannst du schöne Worte aber keinen Respekt kaufen.

 

Der Leser wird es dem Autor danken, dass es hier die „schönen Worte“ ohne Geld gibt.


© Wolfgang Bethge, 2007


(1)   Siehe auch: Wolfgang Bethge, Mabini - Eine historische Persönlichkeit, in: http://bethge.freepage.de/suchraetsel.htm

(2)   Siehe auch: Wolfgang Bethge, Der tragische Kampf des Andreas Bonifacio, in: http://bethge.freepage.de/bonifacio.htm