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Der Heiligenkult war und ist auf den Philippinen stark verbreitet. „Arme Leute machen reiche Heilige“, behauptet ein Sprichwort spöttisch und dies gilt für die Philippinen im Besonderen. Über Jahrhunderte hatten die philippinischen katholischen Gläubigen jedoch keine nationalen Seligen oder Heiligen. Man musste sich mit Kerzen und Gebet an „importierte“ Glaubens-Heroen wenden. Nun aber – da der katholischen Kirche auf den Philippinen die Gläubigen stärker abrutschen und die Gesellschaft säkularer wird – scheint die katholische Kirche in ihrem Glaubens-Marketing stärker national zu diversifizieren und findet seit den achtziger Jahren auch „philippinische“ Selige und Heilige. Ihr „irdisches“ Leben soll hier ohne Missionsanspruch kurz vorgestellt werden. Es handelt sich um einen „Heiligen“ (Lorenzo Luis), einen „Seligen“ (Pedro Calungsod) und eine quasi zur Berufung anstehende „Selige“ (Francisca del Espiritu Santo).
Das relativ friedliche Leben wird jäh unterbrochen, als er 1636 in einen Mordfall „verwickelt“ wird. Seine kirchlichen Vorgesetzten sind zwar von seiner Unschuld überzeugt, sie befürchten aber – aus welchen Gründen auch immer – ein ungerechtes Urteil für ihren Schützling und drängen ihn, sich einer Missionarsexpedition anzuschließen. Zunächst denkt er, dass Taiwan das Missionsziel wäre. Aber die Mission sollte nach dem Japan gehen. Von geheimnisumwitterten Japan wusste man damals nicht viel, gleichwohl waren Christenverfolgungen bekannt. Angekommen in Nagasaki wird die kleine Missionsgruppe im September 1637 sogleich inhaftiert. Es setzen erste Foltern ein, um ihn zur Glaubensumkehr zu bewegen. Man treibt man Nägel unter die Fingernägel und füllt die Gefangenen mit Gallonen von Wasser ab. Lorenzo Luis widerruft jedoch nicht. Angeblich soll er gesagt haben: „Ich bin Christ und werde es bis zu meinem Tode sein. Ich sterbe für Gott und hätte ich tausend Leben, ich würde sie Gott darbringen“. Zuletzt bietet man ihm die sichere Rückkehr auf die Philippinen an. Lorenzo Luis bleibt jedoch standfest in seinem Glauben. Schließlich hängt man ihn – nachdem man seine Schläfen angeritzt hatte – kopfüber in einen Brunnen. Nach drei Tagen – acht Tage nach seiner Ankunft in Japan – stirbt er. Sein Körper wird nach dieser grausamen Tortur verbrannt und die Asche in die See geworfen. Fast 350 Jahre nach seinem Tod wird er vom Papst Johannes Paul II 1981 anlässlich seines Besuches auf den Philippinen zunächst als erster Filipino in den Stand der Seligen erhoben. 1987 erfolgt die Heiligsprechung. Die Heiligsprechung hat neben „Tugenden heroischen Ausmaßes“ zur weiteren Voraussetzung, dass auf Fürbitte des Kandidaten mindestens zwei „echte Wunder“ bewirkt wurden. Es muss hier allerdings offen bleiben, welche „echten Wunder“ hier von den Befürwortern der Heiligsprechung (Kanonisation) ins Feld geführt wurden. Dass San Lorenzo für seinen Glauben kämpfte und starb, kann auch von Kritikern des Heiligenkults nicht bestritten werden.
Sein Vorgesetzter Vitores wird 1985 in den Stand der „Seligen“ erhoben. Die Seligsprechung seines Knappen Pedro Calungsod erfolgt im Jahre 2000 in einer feierlichen Zeremonie in Rom. Ex-Präsident Estrada und Gattin partizipieren durch ihre Anwesenheit in Rom am Glanz der Seligsprechung, während auf ganz Cebu die Kirchenglocken läuten. Der Märtyrer Pedro Calungsod wird auch als „richtiger Filipino“ und „großer Soldat Christ“ gefeiert.
Noch ein etwas flaues Witzchen am Schluß. Ein Tourist fragte beim Besuch einer Kirche einmal einen Filipino: „Habt ihr hier auch einen Schutzheiligen, einen Santo?“. Der Filipino antwortete: „ Nein, wir haben hier keinen Santo. Aber viele Santoses (1) “ . (1) Personen mit dem Namen „Santos“ © Wolfgang Bethge, 2004 |