Gregorio "Gringo" Honasan

Putschist im Dauerverdacht

 

Die staatliche Ordnung der Philippinen nach dem zweiten Weltkrieg ist fast durchgängig durch eine mehr oder minder stark ausgeprägte Instabilität gekennzeichnet. Lediglich die ersten beiden Regierungsperioden von Ferdinand Marcos haben einen etwas fragwürdigen Anschein von Stabilität, um dann doch im Zusammenbruch zu enden. Streckenweise gleicht die politische Landschaft der geografischen - vermeintlich ruhende Vulkane brechen mit Getöse urplötzlich auf und enden häufig genug im alten Schlamassel. Viele Faktoren tragen zu dieser Instabilität der staatlichen Ordnung bei. Einige seien hier stichwortartig aufgelistet:

Hohe soziale Ungleichheit, so gehören den reichsten 5 % der Bevölkerung etwa ein Drittel des Volkseinkommens; die Landreform kommt nur sehr schleppend voran und die Weltmarktpreise für Landwirtschaftsprodukte haben eine eher fallende Tendenz

40 % der Bevölkerung gelten als arm, sie verdienen nicht mehr als einen Dollar pro Tag; die Chancen eines sozialen Aufstiegs sind eher gering.

Hohes Bevölkerungswachstum (2,3% pro Jahr) bei eher stagnierendem realem Bruttosozialprodukt; acht Millionen - fast zehn Prozent der Bevölkerung - arbeiten im Ausland, weil sie im immer noch agrarisch geprägten Inland keinen adäquaten Arbeitsplatz finden

Die Regierungsvertreter entstammen zu weiten Teilen der begüterten Oberschicht. Mitunter durch Wahlbetrug an die Macht gekommen, geraden sie häufig schnell in den Sog der Korruption, der Eigenbereicherung und Günstlingswirtschaft

Der über Jahrzehnte anhaltende militärische Kampf gegen sozial-revolutionäre Bewegungen (NPA) und nach Unabhängigkeit strebende Moslembewegungen im Süden des Landes frisst volkswirtschaftliche Ressourcen auf, die dringend in den Sektoren der Bildung, Gesundheit, der sozialen Absicherung und Industrieförderung benötigt werden. Ein hohe in- und ausländische Staatsverschuldung (etwa 92 % des Bruttosozialproduktes) begleitet von höheren Inflationsraten ist die Konsequenz.

Relativ häufig fungierten Vertreter des philippinischen Militärs als Schrittmacher und Initiatoren von intendierten politischen Umbrüchen oder – bescheidener formuliert - von Regierungswechseln. Gregerio Honasan war und ist ein führender Repräsentant des politikkritischen Militärs, der zumindest in seinen mittleren Jahren auch zu den Mitteln des militärischen Putsches griff, um seinen durchaus idealistischen Zielsetzungen Geltung zu verschaffen. Veränderungen wollte er herbeiführen, die Frage der demokratischen Legitimation war für ihn dabei eher nachrangig. Mit seiner Biografie beschäftigt sich der nachfolgende Artikel.

Frühe Jahre

Der 1947 in Baguio geborene Honasan fällt schon in seinen Schuljahren durch intellektuelle Fähigkeiten auf. Nach erfolgreichem Besuch einer High School tritt wie schon seit Vater vordem in den Militärdienst. 1971 erwirbt er als Klassenbester den Grad eines Bachelor of Science an der philippinischen Militärakademie. Bis 1987 verbleibt er im philippinischen Militärdienst. Später leitet er sowohl in Luzon als auch in Mindanao Militäreinsätze gegen rebellierende Aufständische, Saboteure und Drogenschmuggler und verliert dabei seinen Zeigefinger. Die Vorgesetzten sind beeindruckt von seinen Führungsqualitäten und seinem Mut. Dreimal erhält er das „Golden Cross for Gallantry" (Tapferkeitsmedaille).

Von 1974-1979 ist er als einer der jüngsten Oberste Adjutant des Verteidigungsministers Ponce Enrile, der als einer der „Rolex Twelve" zum engsten Beraterkreis von Staatspräsident Ferdinand Marcos gehört. Danach avanciert er zum Sicherheitschef des Verteidigungsministeriums. Diese Funktion muss ihm offenbar auch Zeit gelassen haben für andere Beschäftigungen. Kurzfristig sitzt er auch im Vorstand einer auf Mindanao ansässigen Entwicklungsbank und fungiert gleichzeitig als Direktor der Beatriz Marketing Company. Reichtümer scheint er hierbei nicht angehäuft zu haben, denn später als Senator beziffert er sein Vermögen nur auf umgerechnet etwa 100.000 Euro.

Als das Marcos-Regime ins Wanken gerät, ist der insbesondere bei Jungoffizieren geschätzte Honasan Ausbildungs-Kommandant in Fort Magsaysay, Nueva Ecija. „Kuya" (Großer Bruder) Honasan ist auch Sprecher der RAM (Reformed Armed Forces Movement), einer oppositionellen Gruppe von Jungoffizieren, die sich insbesondere durch ihre militärische Ausbildung an der Philippine Military Academy kennen.

Die RAM-Gruppierung verfolgt keine spezifische Ideologie, kritisiert aber heftig die Günstlingswirtschaft, Korruption und Inkompetenz in der Regierung und obersten Militärführung. RAM scheut sich 1985 nicht, ihren Protest während einer Truppenparade auch dem Staatspräsidenten Marcos zu verdeutlichen. Die Gruppierung findet später in dem windigen Politiker Poncio Enrile einen relativ prominenten Fürsprecher. Er, der sich mutmaßlich in der Marcos-Ära mutmaßlich auch stark bereichert hat und als drittreichster Mann auf den Philippinen angesehen wird (1), beginnt sich nach der Ermordung von Benigno Aquino um seine persönliche Sicherheit zu sorgen.

Die EDSA – Revolution

Die EDSA - Revolution ist von der rebellierenden Militärgruppe der RAM initiiert worden. Man muss dies herausstellen, weil später die gegen Marcos protestierenden Massen der People Power stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten und bis heute darüber ein Disput besteht, wer letztlich – das Militär oder die zivilen Demonstranten – das Marcos-Regime gestürzt hat. Enrile und Honasan planen und steuern zusammen mit anderen den Aufstand, der eine neue Übergangsregierung mit Militärangehörigen und Zivilisten zum Ziel hat. Honasan gelingt es Honasan zum Beispiel, einen Spion im Präsidentenpalast zu installieren, der später allerdings wiederum umgedreht wird. Trotz aller Geheimhaltung kommt der Putsch dem Marcos ergebenen Stabschef General Ver zur Kenntnis, während der stellvertretende Stabschef General Fidel Ramos den Rebellierenden seine Unterstützung zusichert.

Der Putsch droht jedoch zu scheitern, die Unterstützung durch andere Truppenteile ist nicht stark genug. Schon beginnt Enrile in einem Telefonat mit Kardinal Sin zu jammern: „ I will be dead within one hour. I don’t want to die … I fit is possible, do something. I’d still like to live" (2). (Ich werde in einer Stunde tot sein und möchte nicht sterben ... Wenn möglich, dann tun sie etwas. Ich möchte noch weiterleben). Kardinal Sin ruft daraufhin über den katholischen Sender Radio Veritas die Bevölkerung zur Unterstützung der rebellierenden Truppenteile auf. Der weitere Verlauf der EDSA-Revolution ist hinreichend bekannt. Schließlich kann Enrile wiederum über Radio Veritas dem Staatspräsidenten zurufen: „Enough is enough, Mr. President. Your time is up. Do not miscalculate our strength now"(2) - (Genug ist genug, Herr Präsident. Ihre Zeit ist abgelaufen. Schätzen Sie unsere Stärke nicht falsch ein).

Während und kurz nach der ESA-Erhebung wird der adrett und schneidig wirkende, durchaus mit Charisma ausgestattete Oberst Gregerio Honasan als „Kriegsheld" in der Bevölkerung und in den Medien gefeiert. Er ist der „Poster-Boy", das Gesicht der Revolution und präsentiert sich auch - wie Clint Eastwood in seinen Italo-Western - als „Gringo" in einer kugelsicheren Weste mit dem Uzi-Maschinengewehr der Öffentlichkeit. Er ist nun auf dem Höhepunkt seiner Popularität und die neu ausgerufene Präsidentin Cory Aquino verleiht ihm die „Distinguished Conduct Star for the EDSA Revolution" und eine „Presidential Government Medal".

Enttäuschung und nachfolgende Putsche in den achtziger Jahren

Doch die Erwartungen des rebellierenden Militärs erfüllen sich nicht. Die politisch unerfahrene Corazon Aquino ins Präsidentenamt berufen, von einer Machtteilung zwischen Militär und Zivilist kann nicht die Rede sein. Die Präsidentin entlässt alt gediente Generäle, bessert den Sold der Soldaten nur sehr zögerlich auf und lässt Missbrauchsfälle beim Militär untersuchen. Sie sucht den Rat von links stehenden Beratern, entlässt den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Jose Maria Sison aus seiner Inhaftierung und vereinbart zu „nachgiebig" eine Feuerpause mit der NPA und den Moro-Rebellen im Süden. Alles Schritte, die vom Militär kritisch beurteilt werden. Nur für kurze Zeit werden sie in ihre Baracken zurückkehren.

Schon nach fünf Monaten Amtszeit von Corazon Aquino erfolgen die ersten erfolglosen Putschversuche. Ihre Zahl wird sich bis 1990 auf acht erhöhen. Bei allen Putschversuchen unterstellt man zumindest eine Hilfestellung wenn nicht direkte Steuerung durch Honasan. Er selbst hat die Beteiligung an drei Staatsstreichversuchen eingeräumt. Zwei davon werden von Marcos-Loyalisten unternommen (Juli 1986 mit Besetzung des eleganten Manila Hotels und Januar 1987 mit Besetzung einer TV-Station und militärischen Einrichtungen). Im November 1986 dringen Gerüchte an die Öffentlichkeit, dass RAM-Offiziere wiederum einen Putsch planen. Die philippinische Regierung entlässt daraufhin Enrile, weil man in ihm den Drahtzieher und Mentor vermutet. Eine kleinere Gruppe von Militärrebellen besetzt im April 1987 kurzfristig das Hauptquartier der Armee. Doch die Meuterer dieser „Black Saturday Rebellion" ergeben sich schon nach wenigen Stunden. Zu einem größeren Putsch mit Hunderten von RAM-Angehörigen und Sympathisanten kommt es unter der Leitung von Gregerio Honasan am 28. August 1987. Man besetzt wiederum Fernsehstationen, die Luftwaffenbasis Villamor Air Base, das Generalhauptquartier und den Malacanang Palast. Aber der zunächst sehr aussichtsreich erscheinende Staatsstreich kollabiert schon im Verlauf des ersten Tages und Honasan muss mit Hunderten von Anhängern in den Untergrund flüchten. Zwei Jahre verstreichen ohne weitere Putschversuche.

Im Dezember 1989 inszeniert die Militärgruppe Young Officers´ Union (YOU), eine Abspaltung der RAM-Bewegung, im Zusammenwirken mit mehreren Generälen und Marcos-Anhängern einen weiteren Staatsstreich. Zu den besetzten Gebäuden gehören u.a. die Hauptquartiere von Armee und Luftwaffe, der Internationale Flughafen in Manila, das gesamte Geschäftsviertel von Makati sowie ein Luftwaffenstützpunkt in Cebu. Sogar der Präsidentenpalast wird bombardiert. Die amerikanische Luftwaffe hilft den regierungstreuen Truppen bei der Luftaufklärung. Nach sieben Tagen ergeben sich die Rebellen. Im Kampf um die Macht sterben fast hundert Menschen, mehr als 600 werden verletzt.

Der Imageschaden für die Regierung von Aquino ist beachtlich – die Philippinen gelten nunmehr als instabiler Putschistenstaat. Das Ausland zieht Kapitalinvestitionen ab. Honasan flüchtet mit einem Hubschrauber. Auf seine Ergreifung wird eine Prämie ausgesetzt. Bei seiner abenteuerlichen Flucht versteckt er sich unter anderem unter dem Bett eines Dienstmädchens. Er wird verhaftet, von einem Gefängnisschiff in der Manila Bay kann er jedoch flüchten, bis er endgültig gefasst ist und eine kurzfristige Gefängnisstrafe verbüßt. Es gibt sicherlich Staaten, die einen Staatsstreich, der mit einer massiven Verletzung des soldatischen Eids einhergeht, mit der Todesstrafe ahnden. Die Vereinigten Staaten haben Honasan immerhin bis zum Jahre 2000 auf die Liste der international gesuchten Terroristen gesetzt. Fidel Ramos indessen, 1982 zum Präsidenten gewählt, gewährt Honasan und 153 weitere Putsch-Offiziere per Gesetz eine Amnestie und Strafaussetzung. Man kennt sich, man schätzt sich. Honasan, um den es nun wesentlich ruhiger wird, erklärt nun, sein einziger Ehrgeiz bestünde nun darin, mit seiner Frau alt zu werden. Er hält aber weiterhin mit Angehörigen des philippinischen Militärs Kontakt und genießt dort seinen Nimbus als Gringo und politischer Messias.

Senator und Präsidentschaftskandidat

Irgendwann muss er zu der Einsicht gelangt sein, dass die direkte Machtergreifung per Putsch doch nicht der richtige und erfolgversprechende Weg sei. 1995 gelingt es ihm, als erster unabhängiger Bewerber in den Senat zu ziehen. Dort gilt er als teilnehmender „Student", der sich primär anpasst. Er glänzt durch eine hohe Anwesenheitsquote und schließt sich vielen Gesetzesinitiativen an. Er befürwortet ein „Clean Air Act" und ein wirtschaftliches Aufbauprogramm für Mindanao. Stärker in den Blickpunkt der Medien gerät er, als er sich für ein Gesetz gegen Computer-Pornografie stark macht und in seiner zweiten Senatsperiode (2001-2004) sich zusammen mit anderen Erap-Verschworenen gegen die Eröffnung eines Verfahrens gegen Estrada sträubt.

Im Juli 2003 erklärt Honasan, dass er als Präsidentschaftskandidat antreten will. Seine Kandidatur wird von der Philippine Guardians Brotherhood Inc. (PGBI), einer Vereinigung von Militärs, Polizisten und Zivilisten, der er selbst vorsteht, mit fast einer Million Unterschriften unterstützt. In diesem Zusammenhang arbeitet Honasan ein weitschweifiges National Recovery Programm (NRP) aus, in dem er die Korruption, Massenarmut und Unterentwicklung öffentlich anprangert. Der Journalist Amando Dorinela hat dieses Programm auch als einen aus Moralpredigten und Unsinn zusammengerührten „hodgepodge" (Eierkuchen) bezeichnet (3). Auf dieses „Eierkuchen" – NRP-Programm werden sich nachfolgende meuternde Militärgruppen berufen. Später zieht er jedoch seine Präsidentschaftskandidatur zurück und unterstützt – auch als Sicherheitschef - den schärfsten Rivalen von Präsidentin Arroyo den Bewerber Fernando Poe.

Mitgegangen – mitgefangen? Die Oakwood-Rebellion (2003) und die Verschwörung vom März 2006

Am 27. Juli, 17 Tage nach Veröffentlichung des NRP-Programms rebellieren erneut 300 Jungoffiziere und nisten sich im Verlaufe der Rebellion wiederum in ein feudales Hotel in Makati ein. Auch dieser Putsch scheitert. Wiederum vermutet die Regierung Honasan als führenden Kopf und Inspirator hinter der Rebellion. Sie stützt sich dabei auf angebliche Geheimdienstinformationen. Honasan dementiert jedoch jegliche Beteiligung. Zwei namhafte Politiker und ein führender Putschist bestätigen Honasans Nichteinmischung. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen treten bis zum Februar 2006 auf der Stelle, angeblich weil Honasan Aussagen verweigert. Es kann aber auch sein, dass auch in diesem Fall – wie im Falle der anhängigen Verfahren gegen Imelda Marcos oder Joseph Estradas – die Mühlen der philippinischen Justiz wieder einmal sehr langsam drehen. Die Öffentlichkeit sieht Honasan in einer eher zwielichtigen Doppelrolle, einerseits ist er demokratisch gewählter Mandatsträger, andererseits vermutet man ihn immer noch in einer konspirativen, putschbereiten Zone. Er nährt auch noch den Verdacht, insgeheim doch noch Putschist zu sein, als er im Juli 2005 die Ansicht vertritt, dass wenn das Amtsenthebungsverfahren gegen Arroyo scheitert, er „an alternative remedy" (alternatives Mittel) unterstützen würde.

Schon im November 2005 berichtet der philippinische Geheimdienst, dass Honasan zusammen mit Enrile und dem Senator Lacson angeblich wieder Soldaten für einen Putsch rekrutieren. Ziel sei es, eine die Regierung Arroyo durch eine 15-köpfige Junta zu ersetzen. Honasan ahnt wohl, dass in den nächsten Wochen – das 20-jährige Jubiläum der EDSA-Revolution nähert sich und Demonstrationen sind angesagt – Ungemach auf ihn zukommen könnte. Er versteckt sich seit dem 23. Februar 2006, „weil er um sein Leben fürchtet". Am 25. Februar klagt der Generalstaatsanwalt Honasan offiziell wegen seiner Beteiligung am „Oakwood-Putsch" 2003 an. Der Armee-Hauptmann Resuelo, der sich am Oakwood-Putsch beteiligte, behauptet nunmehr als Zeuge, dass Honasan 2003 mit den für den Oakwood-Putsch Verantwortlichen zusammen gekommen sei und auch Putschisten angeworben hätte.

Jetzt wird auch bekannt, dass verärgerte Militärs im Zusammenwirken mit Zivilisten und kommunistischen Rebellen planen, den EDSA-Jahrestag (24.02.2006) für eine großangelegte Demonstration zu nutzen, die zu einer neuen Regierung führen sollte. Einzelne beteiligte Soldaten sprechen davon, dass es kein Regierungsputsch im klassischen Sinne werden sollte, lediglich eine Rally, ein Protestmarsch. Andererseits aber taucht in diesen Tagen auch ein Personaldiagramm („Oplan Hackle") auf, das Honasan und den Brigadegeneral Lim als zukünftige leitende Mitglieder einer Militärjunta zeigt. Die Präsidentin Gloria Arroyo Macapagal ruft daraufhin für zehn Tage den „State of Emergency" (Notstand) aus. Er führt unter anderem dazu, dass drei hohe Militärkommandanten (u.a. der hoch dekorierte Brigadegeneral Lim und der gleichfalls hoch ausgezeichnete Marineoberst Querubin) abberufen und Zeitungen unter Regierungsaufsicht gestellt werden.

Honasan ist bis zum heutigen Tag in seinem Versteck geblieben, das nur Vertrauten – wie zum Beispiel seinem Ziehvater Enrile - bekannt ist. Für die Ergreifung von Honasan, der jetzt mit Steckbriefen und Postern gesucht wird, hat die Regierung eine Belohnung von fünf Millionen Pesos ausgesetzt. Wie nicht anders zu erwarten, dementiert Honasan auch im Zusammenhang mit den Februar-Unruhen jegliche Beteiligung. Was soll man schon von ihm schon erwarten? Er sei doch nur vor längerer Zeit nur ein „Berater fehlgeschlagener Putschversuche" gewesen. Jetzt aber sei er Demokrat, sein Bild würde nur vom Establishment verzerrt.

Die zukünftige Entwicklung ist nicht voraussehbar. Bei gegebenen, schier unkorrigierbaren Missständen in Regierung, Gesellschaft und Wirtschaft wird das Militär weiterhin politisiert bleiben und ein neuer Putschversuch – möglicherweise mit anderen Führungsfiguren - erscheint nicht unwahrscheinlich. Andererseits haben die Philippinen schon eine längere demokratische Tradition, zu der insbesondere die vierte Säule der Demokratie – die Medien – maßgeblich beigetragen hat.  Es gibt auch Grund zu der Annahme, dass die demokratiegefährdenden Ereignisse der Vergangenheit die Orientierung an demokratischen Grundwerten gefestigt haben und einem neuerlichen  Putschversuch etwas den Sauerstoff entzogen haben.   

© Wolfgang Bethge, 2006


(1) Microsoft - Encarta 2003, Juan Poncio Enrile

(2) EDSA I TIMELINE, inq7.net, 22.02.2004

(3) Amando Dorinela, Safe in the Senate, inq7.net, 29.08.2003