Hundeleben … 

Auch auf dem Land muss man sein Eigentum in der Regel stärker absichern. Zur Sicherung beitragen können u. a. ein fester Zaun, eine Mauer (möglichst mit scharfen Glasscheiben oder stacheligem Drahtgeflecht) und /oder Hunde. Von diesen soll hier die Rede sein.

Nun kann ich nur von den Hunden sprechen, denen ich bei meinen Verwandtenbesuchen im ländlichen Bicol begegne. Gleich sechs sind es an der Zahl – wirklich keine Schmuckstücke in ihren fahlgrauen Fellen, aber treue Diener.

Früher lagen sie tagsüber an Ketten angebunden auf einer schattigen Bank, mittlerweile hat man ihnen den Hof auch tagsüber geöffnet. Einer darf sich sogar unter einem Bett zur Ruhe legen, ein anderer – „Sokrates“ - behauptet hartnäckig seine Liegeposition auf einem Plastikstuhl. Ob er dahinter kam, dass dieser ihn stärker von den Sandflöhen schützt und deren Juckreiz die anderen Hunde tagaus tagein stärker leiden? Fast täglich muss die interne Rangordnung in gegenseitigen Attacken neu bestätigt oder umgeworfen werden. Sie wird insbesondere deutlich, wenn das Fressen kommt, das meistens nur aus Reis und Fischresten besteht. Um ihre Vermehrung zu verhindern, hat man ihnen schon in jungen Jahren ihre Hoden durch Gummiligaturen zum Abfall gebracht. 

Mir Fremden nähern sie sich zunächst nur zögerlich – fast ängstlich. Sie sind nie als Kindersatz verhätschelt worden. Doch ich suche die Kommunikation mit ihnen, insbesondere wenn die im Hof vernehmbaren Gesprächswolken in Bicol oder Tagalog unentzifferbar bleiben. Was freilich auch von Nachteil sein kann, der mit importierten Trockenfleischstreifen domestizierte Hund folgt einem wie ein Magnet auf Schritt und Tritt. Sitzt man im Stuhl, dann sind Kratzwunden die Folge, wenn einem der „Liebling“ mit seinen extrem langen, nie geschnittenen Krallen auf die Knie springt.

Tagsüber dösen sie zumeist. Nur hin und wieder verlässt einer das Haus, um die Reviergrenzen zu kontrollieren. Wird ein Verstoß festgestellt, dann jagt die ganze Meute laut kläffend aus dem Haus, um den Eindringling zu stellen. Nachts wird Wachdienst verrichtet. Jeder Straßenpassant und Trunkenbold wird schon in weiterer Nähe kräftigst verbellt und der Schlaf der Hausbewohner erfährt unerwünschte Einschnitte.

Meiner Frau sind die Biografien einzelner Hunde – unter denen es Blinde, Schlaue aber auch Beißer gab - gut geläufig und in einer Ecke des Gartens muss es wohl einen ganzen Hundefriedhof mit den Vorfahren geben.

©  W. Bethge