Was ist außen braun und knusprig

und innen weiß und cremig?“

 

Ihre arglose Antwort lautet vielleicht: „Mohrenköpfe“. Aber unser Beitrag betrifft Wesen, denen man in der Regel nur mit Abscheu und Ekel begegnet, die

KAKERLAKEN

Die flotten Sechsbeiner gibt es auch auf den Philippinen zuhauf. Wir wollen hier aber gleich dem Eindruck entgegentreten, dass sie primär auf den Philippinen anzutreffen sind. Kakerlaken sind Globetrotter des Welthandels, die man – mit Ausnahme der polaren Gebiete - fast überall, vornehmlich jedoch in südlichen Ländern antreffen kann.

Man spricht übrigens von „dem“ (männlich) Kakerlaken.  Die englische Bezeichnung „Cockroach“ ist breiter bekannt, im Tagalog trägt „Muttis Liebling“ die Bezeichnung „Ipis“.

Es soll zwischen 3500 und 5000 Arten von Kakerlaken bez. Schaben geben. Die Mehrzahl der Kakerlakenarten führen ein friedliches, verstecktes Leben außerhalb der Häuser in natürlichen Habitaten. In Mitteleuropa kennt man nur 16 Arten. Sie können wenige Millimeter groß sein, die die in Australien lebende Schabe Mergaloblatta longipennis erreicht jedoch ein Körpergewicht von bis zu 50 Gramm, die Flügelspannweite kann bis zu 18 Zentimeter betragen kann.

Charakteristisch für die meisten Arten sind:

-       ein flacher, leicht ovaler Körper, mit ihm kann sich die Schabe gut in Ritzen verstecken;

 

-       größere Augen;

 

-       körperlange, dünne Kopffühler;

 

-     sechs schnelle, zumeist an den Boden gedrückte Beine; die „Amerikanische Schabe“ soll – wenn sie sich bedroht fühlt - eine Spitzengeschwindigkeit von achtzig Zentimetern in der Sekunde erreichen. Fangversuche scheitern deshalb oft.

 

-     ledrige, chitinhaltige (1)  – nicht bei allen Arten vorhandenen, zum Teil auch verkümmerten –  Deck- und Hinterflügel. Bei Weitem nicht alle Kakerlaken können fliegen;

 

-     die Schwanzborsten sind hochempfindliche Tastorgane, die auch kleinste Luftbewegungen registrieren können;

 

-     Kakerlaken sind in der Regel Alles- und Aasfresser. Sie können aber auch über Monate ohne Nahrung auskommen.

 

-     Sie lieben den Kontakt untereinander. Vielleicht ist das auch der Grund für die vermutlich übertriebene Feststellung: Wenn man einer Kakerlake begegnet, dann lauern mehr als fünfzig im Hintergrund.

Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife bereits nach sechs Wochen und vermehren sich dann schnell. Die „Deutsche Küchenschabe“ legt ungefähr alle drei Wochen bis zu 48 Eier in chitinhäutigen, 4-5 mm großen  Eierkapseln ab.  Die Chitinkapseln erschweren die Bekämpfung zum Beispiel durch Sprays.

Schaben lieben leicht feuchte und warme Areale mit Temperaturen leicht über 25 Grad. In Bäckereien, Restaurants, Toilettenräumen, Gewächshäusern und Großküchen trifft man sie häufiger an. Auch Häuser und Hütten gehören auf den Philippinen zu den bevorzugten Domizilen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der hygienische Standard nicht hoch ist und die Räume ebenerdig liegen.

 

Zu den „Hausschädlingen“ gehört insbesondere das folgende „Dreigestirn“:

-     Die häufiger anzutreffende, hellbraune „Deutsche Küchenschabe“ („German cockroach“ / „blatella germanica“): Sie ist erwachsen nur etwa 1,3 -1,6 cm lang und hat einen abgeflachten Körper. Der Chitinrücken weist zwei dunklere Streifen auf. Dieser nachtaktive, lichtscheue, überaus flinke Kakerlake ist flugfaul und liebt warme und feuchte Areale  wie Küchen, Waschräume oder Müllablagerungen. Er frisst zum Beispiel auch Seife, Zahnpasta, Fäkalien, menschliche Haare und in der Not auch Papier. Auch vor kranken oder verendeten Artgenossen wird nicht haltgemacht (2). Ein spezieller Bezug zu Deutschland – wie es der Name vorgibt – konnte nicht festgestellt werden. Die „German cockroach“ wird im Regelfall sehr verabscheut und ist schwerer zu bekämpfen.

 

-     Die wesentlich größere „Amerikanische Schabe“ („American cockroach“; „periplaneta americana“) wird zwischen drei und vier cm groß. Sie ist vorwiegend rot-braun, die größere Halsbinde ist am Hinterrand rotgelb. Sie besitzt sehr lange Antennen und ist grundsätzlich flugfähig. Lieber krabbelt oder klettert der etwas kälteempfindliche Kakerlake mit den kräftigen Beinen.

 

-     Die dunkelbraun-schwarze nachtaktive „Orientalische Schabe“ ( Blatta orientalis). Sie ist 2-3 Zentimeter lang. Die Weibchen sind etwas größer. Die inaktiven Vorderflügel sind etwas kürzer und die Hinterflügel fehlen ganz. Die Lebenserwartung der erwachsenen Tiere liegt bei ca. 5-6 Monaten.

Daneben gibt es noch die braun gebänderte Schabe, die der „Deutschen Küchenschabe“ relativ ähnlich ist. Vielleicht sollten wir auch noch die bis 10 Zentimeter große, langlebige Madagaskar-Schabe erwähnen. Sie faucht bei Bedrohung. Ein Grund für ihre Haltung als Haustier ist, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Schaben nicht stinkt. Man führt mit Madagaskar-Schaben auch Rennveranstaltungen mit teils hohen Wetteinsätzen durch (3). In Manila sollen diese Schaben zu Preisen zwischen 50 und 100 Pesos erhältlich sein.

 Zweifelsohne gehört der Kakerlake zu den Insekten, die häufig einen tiefen Ekel auslösen. Die meisten verabscheuen das Insekt. Der Schrei des Entsetzens führte bei einer japanischen Lady angeblich zu tagelangem Stimmverlust. - Kolportiert wird auch eine andere - eher unglaubwürdige - Geschichte. Eine Frau klebte eines Tages mit der Zunge einen Briefumschlag zu. Tage später bekam sie auf ihrer Zunge eine Beule. Sie konsultierte einen Doktor. Dieser öffnete die Beule. Ein Kakerlake kam heraus gekrochen. Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang anmerken, dass Kakerlaken beißen können, dies aber normalerweise nicht tun.

Haushaltskakerlaken gelten als Überträger von pathogenen Keimen. Wenn sie über vermoderndes Material klettern, bleiben an ihren Beinen oft Keime hängen, die dann unter Umständen auf Nahrungsmittel übertragen werden. Sie können so Allergien auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation bringt Kakerlaken auch mit der Verbreitung von Durchfall, Ruhr, Cholera, Lepra, Seuchen und Typhus in Verbindung.

Negativ besetzt sind die Kakerlaken auch in der philippinischen Legende vom „Moskito, der Fliege und der Kakerlake“. Hier kurz die Handlung:

 

Es war einmal eine Frau, die für ihre stete Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bekannt war. Sie hatte schon fünf junge Mädchen adoptiert. Eines Tages sprach sie ein Fremder und bat sie, sich um drei weitere Knaben zu kümmern. „They weren ´t my children but I created them.“ Die Mädchen reagierten jedoch nervös auf die drei Neuankömmlinge. Etwas schien mit ihnen nicht in Ordnung zu sein. Den unordentlichen Buben ging es immer besser, sie tyrannisierten die Mädchen. Diese jedoch litten unter Hautausschlägen und wurden immer kränker.

Einem Hausmädchen fiel jedoch eines Nachts auf, dass sich die Drei in hässliche aktive Insekten verwandelten. Das dritte Insekt – es war die Kakerlake – brummte und schnarrte. Es saugte Blut und übertrug dieses auf die anderen Kinder. Die Hausherrin wollte zunächst nicht wahrhaben, was man ihr berichtete. Eines Nachmittags begannen die Buben die Mädchen wieder zu schlagen. Ermahnungen ignorierten sie nur mit einem zynischen Grinsen. Da erschien plötzlich ein Cherubim und rief aus: „Bei Gott, dem Allmächtigen. Ich befehle euch, ihr elenden Kreaturen, in euer früheres Leben zurückzukehren.“ Dem geschah dann auch so. Die Menschwerdung blieb ihnen so versagt, die Ursprungsgene waren stärker. 

Und dennoch sind die Kakerlaken nicht gänzlich negativ zu sehen. Sie tragen bei der Zersetzung von organischem Material ihren Teil bei und sollen leicht zu haltende Labortiere sein. Manchmal dienen sie auch der menschlichen Nahrung. So dienen in einigen südostasiatischen Ländern gebackene Kakerlaken als Appetizer. Ein Teesud soll vor Entzündungen schützen und den Harnfluss wieder herstellen.

Filipinos können sensibel reagieren, wenn man die Vielzahl anzutreffender Kakerlaken anspricht. So schlug Präsident Joseph Estrada 2009 vor, der Hollywoodschauspielerin Claire Damnes die Einreise zu verweigern. Sie hatte zuvor unter anderem behauptet, dass Manila nach Kakerlaken rieche und überall Ratten herumliefen (4).

Es war der rührige Oberbürgermeister von Manila Alfredo Lim, der 1996 die Cholera mit einer speziellen Prämienmaßnahme einzudämmen versuchte. Für je zehn getöteter oder lebendig gefangener Kakerlaken setzte er eine Belohnung von 1.5 Peso aus. Nicht bekannt ist, welchen Erfolg diese Auslobung hatte.

Als versteckte Spaltenflüchter mit dickerer Chitinschicht lassen sich die Kakerlaken schwieriger bekämpfen. Am besten man lässt sie erst gar nicht ins Haus. D. h., man sollte Eintrittsritzen und –spalten möglichst abdichten und den Zugang über Öffnungen; Ausgüsse und Abwasserleitungen erschweren. Eingeschleppt werden können Kakerlaken auch zum Beispiel über Einkaufstüten oder Kleidungsgegenstände. Lebensmittel sollten geschlossen verwahrt werden Abfälle außer Haus gebracht werden. Selbst Touristen sollten nach ihrer Rückkehr prüfen, ob sich nicht Eierkapseln in ihrer Wäsche befinden.

Gegen einige chemische Bekämpfungsmittel sind die Schaben mittlerweile immun geworden. Manch normaler Insektenspray durchdringt nicht die Chitinschicht der Insekten und ihrer Eier. Kieselgur und Borax sind traditionell angewandte Mittel. In Deutschland wird insbesondere das Ködergel „Goliath“ mit  dem Wirkstoff Fipronil empfohlen. Pestizide haben im Allgemeinen eine Wirkdauer von etwa drei Wochen. Danach sollte die Anwendung wiederholt werden. Hilft auch dies nichts, weiß vielleicht ein Kammerjäger („Pest Controller“) weiter.

Fügen wir noch abschließend an, dass „wenige“ Kakerlaken im deutschen Reiserecht eine ortsübliche Belästigung sein können, die keine Schadensersatzansprüche begründen. So urteilte ein Bonner Gericht, dass bis zu zehn Kakerlaken in einem einfachen Hotel auf Gran Canaria klaglos hinzunehmen seien (5).  

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 (1) Nachdem man nach Atomwaffentests auf dem Bikini-Atoll noch Kakerlaken vorfand, unterstellte man den Kakerlaken auch eine Widerstandsfähigkeit gegen atomare Bestrahlung und erklärte sich diese u. a. mit der dicken Chitin-Schicht der Außenhaut und ihrem Versteckvermögen. Nach heutiger vorherrschender Ansicht dürften Kakerlaken aber nicht generell resistent gegen moderne atomare Bestrahlungen sein.

(2) D. h., Überreste von erschlagenen Kakerlaken sollten möglichst säuberlich entfernt werden, da diese sonst den in der Ecke lauernden Artgenossen als Nahrung nutzen.

(3 In Thailand mittlerweile verboten, soll aber u.a. noch von Exil-Russen in Berlin anlässlich des russischen Neujahrfestes praktiziert werden.

(4) CBS News, February  11, 2009

 (5) http://www.urlaub-reise-wegweiser.de/reisemaengel_reklamieren.htm