Karl Klinger, Acht Jahre Asien,

Eigenverlag, Nordenstedt, 2002,

                               ISBN: 3-8311-4415-X

 

Man hat so seine Schwierigkeiten mit Büchern, die als Print-on-Demand im Eigenverlag erscheinen. Da sie keinen Verlagsfilter passierten, können sie ihre Qualitätsversprechen oft nicht einlösen. Das ist auch bei vorliegendem Buch der Fall.

Geschrieben wurde es - mit dreißigjährigem zeitlichen Abstand vom Geschehen - von einem ehemaligen Pharmaleiter eines führenden deutschen Chemiekonzerns. Nur die erste Hälfte des ca. 220 Seiten starken Buches bezieht sich auf die Erlebnisse des Autors auf den Philippinen (1969 – 1972), der zweite Teil des Buches hat Afghanistan zum Handlungsort.

Wer nun aber annimmt, der Autor vermittele auf rund hundert Seiten neue landeskundliche Einsichten zu den Philippinen, sieht sich bitter enttäuscht. Im Prinzip arbeitet der Autor nur einen Autoritätskonflikt mit seinem ehemaligen „jüdischen" Vorgesetzten auf. Die wenigen Informationen zum Land und seinen Leuten dienen nur als grelle Hintergrundscollage für ein betriebliches Intrigenspiel, bei dem der Autor als Handelnder sich die weiße Weste anzieht und natürlich immer recht hat.

Der Autor lässt an den Philippinen und seiner „Menschensuppe" (S.27) fast kein gutes Haar. Man könnte auch sagen - die Schreibfeder von Herrn Klinger ist keine blitzende Klinge, sie ist diskriminierende Keule. Das wenige Positive zum Land muss man suchen.

Die Filipinos sind für ihn begeisterungsfähig und ein „durchaus reinliches Volk" . In der Not – zum Beispiel bei Taifunen - demonstrieren die Filipinos Ausdauer und Entschlossenheit. Auch die Intelligenz für „große Dinge" sei im Volk grundsätzlich vorhanden. Doch sie wird nach Ansicht unseres völkischen Beobachters nur für durchtriebene Schurkereien", „totale Korruption und Nepotismus (1) im gesamten Volk" (S.26) missbraucht.

Die vorgefundenen Vertriebsreferenten waren diebisch und unfähig. Die Filipinos generell disziplinlos und eher lässig bis faul" (S. 98).

 „Wer viel und mit Erfolg arbeitet und danach reich wird, gilt in den Philippinen nicht viel; wer aber durch Spiel, Korruption, Betrug, ja selbst durch Raub und Mord sozusagen über Nacht zum Wohlstand gelangt, das ist ein echter Kerl" (S. 26).

Werteanarchie also – trotz dominanter Stellung der Kirchen im Lande. Gerne bezieht sich unser Autor auf die frühere spanische Bezeichnung der Philippinen: „Islas de los Ladrones" – d.h. Diebesinseln, „weil die Eigentumsbegriffe von jeher und bis zum heutigen Tage eher vage sind" (S. 14). Etwas herausgenommen aus der Generalkritik sind die philippinische Frauen, die fleißiger, verlässlicher und vertrauenswürdiger als die Männer seien. Dies aber nicht aufgrund besserer Einsicht, sondern sozialer Not, „weil viele Frauen Kinder hatten, für die sie in Ermangelung eines sorgenden Vaters allein aufkommen mussten (S. 69)". Ein „reifes Aussehen" haben für den Autoren jedoch nur Filipinas mit spanisch-chinesischem Blut (S. 39).

Der grundsätzlichen Aversion muss auch der arme Milchfisch zum Opfer fallen. Er ist natürlich „grätig und nicht besonders wohlschmeckend". Bis auf das Lechon-Gericht hat „die philippinische Küche eigentlich nichts hervorgebracht hat, was auch im geringsten erwähnenswert wäre" (S. 38).

In einem Nebensatz versteckt, räumt der Autor dann auch ein, dass er das Land nie liebte. Der entscheidende Vorwurf, der dem Autor zu machen ist, liegt in einer völlig überzogenen Negativbewertung des Landes. Kleinere Falschdarstellungen – wie die Behauptung, dass historisch nicht bekannt sei, was nach der Flucht von General McArthur mit der Corregidor-Besatzung geschah – wären verzeihbar, hätte der Autor nicht mit seinen Gesamtausführungen jegliche Güte verspielt.

Der Kauf des Buches ist nur Psychologen zu empfehlen, die auf der Suche nach Fallstudien zum Thema „Schlechte Führungsstile" und „Betriebliche Intrigen" sind.

Wolfgang Bethge, 2002

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(1) Vetternwirtschaft / Begünstigung von Verwandten