Gerhard Knauber, Auswandern - Den Kulturschock überwinden,

Norderstedt, 2009

 

Wir haben hier ein Buch vor uns, das ganz aus der eigenen Philippinenerfahrung schöpft und unmittelbare Eindrücke aus erster Hand sehr anschaulich und in vielen Dialogszenen vermittelt. Schon dafür gebührt dem Taschenbuch und seinem Autoren ein Lob. 

Der Autor betont im Vorwort, dass seine Romanfiguren und Handlungen frei erfunden seien. Fiktives findet sich jedoch kaum im Taschenbuch, vermutlich wurden nur die Namen der handelnden Personen verändert. Es handelt sich mehr oder weniger um sehr detaillierte Situationsbeschreibungen aus dem persönlichen Erfahrungsumfeld und der – ach so aufdringlichen – Verwandtschaft.

Der Verfasser will „wertfrei“ beschreiben, was ihm jedoch kaum gelingt. Zu oft ist sein westlicher Tadel durch die Umstände herausgefordert. Egal ob es um Visafragen, Wohnraumbeschaffung, Internetanbindungen, Einschulungen, Krankenhäuser oder Autoreparaturen geht, es überwiegen ganz eindeutig die negativen Charakterisierungen. Im Zentrum der Missbilligung steht dabei die verarmte Verwandtschaft mit den nimmer endenden finanziellen Wünschen und Zumutungen. Nicht wenige Leser werden sich aufgrund eigener kritischer Erfahrungen zumindest in diesem Punkt bestätigt sehen. Gerhard Knauber steht mit seinen Einwendungen insofern auch ganz in der Nachfolge des Philippinenkritikers Eduard Brachetto (1). Am Ende des Buches fragt man sich allerdings, was den Autoren – außer den gesundheitlichen Gründen - auf den Philippinen hält.

Dem Philippinenkenner bietet das Buch – auch in den ergänzenden Fußnoten - nur sehr eingeschränkt neue Informationen. Bei Philippinen-Newcomern mag dies anders sein. Die Lektüre des Buches räumt hier mit mitunter allzu romantischen Vorstellungen auf. Es fragt sich jedoch, ob die geschilderten Situationen und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen immer nutzvoll und übertragbar sind.  Der Artikel, der den Besuch des „Ocean Discovery Aquariums“ beschreibt, ist zum Beispiel mehr einer der eher belanglosen Füllartikel, die wohl mehr der Unterhaltung dienen.

Unterhaltungswert – freilich weitgehend ohne die in der Buchklappe beschworene „Liebe zum Land“ und die „augenzwinkernde Ironie“ – hat das Taschenbuch. Hervorzuheben bleibt, dass der Text über das rein Unterhaltende hinausgeht. Im Hintergrund werden immer wieder die existenziellen Probleme deutlich, die das Land und seine Bewohner unverändert im Würgegriff halten: Armut, fehlende Qualifikationen, Arbeitslosigkeit, Überbevölkerung, nicht immer sinnvolle Traditionen und die auf allen Ebenen anzutreffende Korruption.

Merken wir schlussendlich noch an, dass es etwas ärgerlich ist, dass man das Buchexemplar beim Lesen wegen eines zu kleinen Bundstegs permanent auseinander drücken muss, um den Text am inneren Seitenrand noch lesen zu können.

© Wolfgang Bethge

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(1) Eduard Brachetto, Philippinen - Paradies im permanenten Entwicklungsnotstand, Norderstedt, 2002, ISBN: 3-0344-0167-1