Krokodile

 

Von Krokodilen auf den Philippinen war in der Vergangenheit eher beiläufig berichtet worden. Man wusste, dass sie in einzelnen Regionen noch  vorkommen, aber die Öffentlichkeit erfuhr von ihrer Existenz nur ab und an durch die relativ seltenen Unglücksfälle.

 

Der Fang des Monsterkrokodils auf Mindanao im September 2011

Anfang September 2011 ging aber eine Nachricht mit eindrucksvollen Bildern um die Welt. Man berichtete, dass man in der Nähe der Stadt Bunawan (Mindanao,  Provinz Agusan del Sur) nach längerer Suche ein Riesenkrokodil in einem sumpfigen Bachlauf gefangen habe.  Das Krokodil stand im Verdacht, einen Wasserbüffel und einen Fischer getötet zu haben. Immer wieder wurden neue Fallen mit Ködern aus Hühner-, Schweine – und Hundefleisch aufgestellt, die von dem Krokodil jedoch zerstört wurden. Erst eine Falle mit zwanzig Stahlkabeln brachte den erwünschten Erfolg. Viele Männer waren erforderlich, um das Riesenreptil mit Seilen in die nah gelegene Stadt zu bringen. Wie auch immer – man untersuchte den Mageninhalt des Krokodils, fand jedoch keine Hinweise auf Menschen- oder Wasserbüffelknochen.

Es handelte sich um ein mindestens 50 Jahre altes Salzwasserkrokodil. In den ersten Berichten schwankte die Längenangabe zwischen 6,1 – 6,4 Meter, das Gewicht wurde auf über eine Tonne eingeschätzt. Experten müssen nun die Frage klären, ob es sich um das weltweit größte gefangene Krokodil handelt. Bislang hält in der Guiness World Record Liste ein in Australien gefangenes Krokodil mit einer Länge von 5,5 Metern die Spitzenposition.

Der Bürger meister der Stadt Bunawan träumt schon davon, in der Nähe seiner Stadt einen Ökotourismuspark mit dem Krokodil als „Star“ einzurichten. Vorerst ist das gestresste Tier für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es hat schon den vorläufigen Spitznamen „Lolong“. Man will mit diesem Namen an Ernesto „Lolong“ Conate erinnern, den Leiter des PalawanWildlife Rescue und Conversation Team, der bei der Jagd nach dem Krokodil an einer Herzattacke verstarb.

 

Zwei Arten

Werden wir etwas allgemeiner. Die Philippinen kennen zwei Arten von Krokodilen – das Salzwasserkrokodil (Crocodylus porosus) und das einheimische Krokodil Crocodylus mindorensis. Das Salzwasserkrokodil ist das größte Krokodil unter den Krokodilsarten und ist in ganz Südostasien und im nördlichen Australien anzutreffen.

 

Das Salzwasserkrokodil

Der Name Salzwasserkrokodil könnte leicht in die Irre führen. Dieses Krokodil kann man auch – wenn auch seltener - im Meer in Küstennähe antreffen, es ist aber primär in den küstennahen Flüssen, den Mangrovegebieten und sumpfigen, brackigen Mündungszonen zu Hause.

Vieles zu seiner Biologie dürfte bekannt sein. Die kleineren Weibchen legen vierzig bis sechzig Eier. Die Temperatur im Inneren des Nestes, das auch bewacht wird, entscheidet auch über das spätere Geschlecht. Die frisch geschlüpften Krokodile sind 25- 30 cm groß und etwa 70 Gramm schwer. Die Geschlechtsreife erlangen die Tiere erst nach über zehn Jahren. Krokodile fressen fast jedes Tier. Die jüngeren Tiere, die bei Revierkämpfen zunächst in weniger nahrungshaltige Randgebiete abgedrängt werden, fressen kleinere Insekten, Amphibien, Krustentiere und Fische, während es bei ausgewachsenen Tieren auch Affen, größere Vögel, Haustiere wie Schweine und Wasserbüffel sein können. Fraglos sind auch Menschen gefährdet.

 

Menschenopfer

In den philippinischen Medien wird für das laufende Jahr 2011 nur ein Todesfall auf Palawan gemeldet. In der Ortschaft Bataraza suchte ein Fischer Holz an einem Flussufer, das bekannt dafür war, dass Krokodile vorkommen.  Er wurde von einem Salzwasserkrokodil geschnappt und kam dabei zu Tode. Später entdeckte man das Krokodil wieder am Flussufer, ein Bein des Fischers ragte noch aus seinem Maul. Das 350 Kilogramm schwere und über vier Meter lange Tier wurde später eingefangen, weil es ein „Problemkrokodil“ darstellte. Meistens werden diese Tiere wieder in einem Schutzgebiet frei gelassen. Biologen führen übrigens an, dass Krokodile oft Menschen angreifen, weil ihre natürlichen Habitate durch Landwirtschaft und Überbevölkerung zunehmend eingegrenzt werden.

Einschub: Die meisten menschlichen Opfer sollen 1945 zu verzeichnen gewesen sein, als britische Soldaten an der Küste vom damaligen Birma japanische Soldaten in ein morastiges Gebiet abdrängten, das von Tausenden von Salzwasserkrokodilen bevölkert war. Die Angaben über die Zahl der Opfer schwanken stark. Eine Quelle geht von fast 1000 toten japanischen Soldaten aus (1).

Krokodile können bei der Jagd eine Spitzengeschwindigkeit von sechs bis acht Metern in der Sekunde erreichen. Sie haben eine enorme Sprungkraft und ziehen ihre Opfer mit der sogenannten „Todesrolle“ ins tiefere Gewässer. Mit der „Todesrolle“ wird auch die Beute gerissen. Zumeist dösen die Krokodile jedoch faul am Ufer in der Sonne und „trüben kein Wässerchen“.  

Krokodilfarmen

Das Leder der Seewasserkrokodile ist begehrt. Die Haut hat weniger knöcherne Platten an den Seiten und die Bauchseite zeigt interessantere Muster. Deshalb wurden Salzwasserkrokodile in der Vergangenheit auch auf den Philippinen stärker bejagt. Heute gibt es Schutzgesetze, die das Töten von Krokodilen strenger bestrafen. Bei unberechtigter Tötung kann eine Mindestgefängnisstrafe von sechs Jahren und/oder Geldstrafen von 1000.000 Pesos verhängt werden (2).  So das Gesetz.

Eine Quelle gibt die Zahl der frei lebenden, wilden Salzwasserkrokodile auf den Philippinen mit nur etwa 1000 Stück an (3). Aber sicher ist diese Zahl nur als grober Orientierungswert zu werten, denn wer hat Krokodile in einem größeren Sumpfgebiet schon beim Zählappell gesehen? Nur auf den Philippinen - und nicht in Australien oder Neu-Guinea - ist das Salzwasserkrokodil gefährdet und von der Auslöschung bedroht.

Nun gibt es aber auf den Philippinen nach einer Statistik etwa 6000 Salzwasserkrokodilen, die in Farmen gehalten werden (4). Das Geschäft scheint zu laufen. Insbesondere bei Damen gehören Handytäschchen aus Krokoleder zu den viel begehrten Objekten, bezahlen tut es vielleicht der Mann mit einer Geldbörse ebenfalls aus Krokoleder. Gefüttert werden die Tiere mit Abfallfleisch, das man vermutlich nicht näher betrachten möchte. Aber es ist eine wirtschaftliche Fleischverwertung.

Von den Abfällen wird der Farmer auch kaum sprechen, wenn, wenn er ihnen ein Stück Krokodilsfleisch mit den Worten anbietet: „Das schmeckt wie Kalbsfleisch.“  Bekannter sind die Krokodilfarmen in Puerta Princessa und Davao, die man auch besichtigen kann.

 

Das philippinische Krokodil (Crocodylus mindorensis)

Es ist nur auf den Philippinen zu Hause, ihm gilt deshalb auch die größere Aufmerksamkeit und auch der größere Schutz. Früher war dieses Krokodil auf allen Inseln des Archipels anzutreffen. Aber die Jagd, die Zerstörung und Verschmutzung der Habitate und auch das Fischen mit Dynamit haben die Zahl stark eingeschränkt.  Heute schätzt man ihre Anzahl der Wildtiere nur noch grob auf 250 Tiere (4).  Es ist in seinem Bestand sehr gefährdet und steht auf der roten IUCN-Liste.

Die geografische Verbreitung ist etwas unbestimmt. Aber zu erwähnen ist insbesondere Mindanao – näherhin die Agusan Sümpfe bei Nabunturan und die Ligawasan Sümpfe in Nord Cotabato sowie Areale bei Surigao del Norte.  

Anatomie

Das philippinische Krokodil lebt in Flüssen, Bächen, Teichen und morastigem Gelände und ist erstaunlicherweise bis zu einer Höhe von 850 Metern über dem Meeresspiegel anzutreffen. Funde in den Cordillera Mountains und in der Sierra Madra belegen die Verbreitung auch in diesen Höhen. Zunächst dachte man diese Spezies sei im nördlichen Luzon schon ganz ausgerottet.

Die Krokodilart ist wesentlich kleiner und wird nicht länger als drei Meter. Die Weibchen sind wiederum kleiner. Die Schnauze ist relativ breit. Der Körper ist in der Jugendzeit zunächst goldbraun wird mit zunehmendem Alter aber immer dunkler.

Das philippinische Krokodil wird als relativ scheu und harmlos angesehen. Es soll Menschen nur angreifen, wenn es provoziert wird (5).

Bemühungen um Arterhaltung

Bis 1999 wurde äußerst wenig oder nichts zur Arterhaltung dieses von der Auslöschung bedrohten Tieres. Auch heute sind die staatlichen Mittel noch sehr beschränkt, der Widerstand der einheimischen Bevölkerung gegen Wiederansiedlungen ist zumindest am Anfang groß. Mittlerweile gibt es aber mehrere Wiederansiedlungsinitiativen und Schutzgebiete am Dunoy Lake, Disulap River and Dinang Creek. Die Projektbefürworter sind hinsichtlich der Arterhaltung relativ optimistisch.

 Märchen vom Affen und dem Krokodil

Das Krokodil erscheint in der philippinischen Mythologie in einer etwas finsteren Rolle. Dort fungiert es als eine Art Fähre in die Unterwelt, das auf seinem kantigen, sargähnlichen Rücken die Toten in ihr Reich bringt.

Wie gut, dass es ein philippinisches Märchen gibt, das nicht an solch dunkle Assoziationen anknüpft. Hier erscheint das Krokodil im Vergleich zum Affen nur als relativ dumm.

Ein Affe lebte auf einer kleinen Insel, die ihm jedoch keine Nahrung mehr bot. Der Affe war sehr hungrig. Deshalb beschäftigte unentwegt ihn die Frage, wie komme ich aufs Festland, wenn ich einen Kanal passieren muss, der von Krokodilen wimmelt. Aber der Hunger quälte ihn. Er hielt seine Hand ins kalte Wasser und entschloss sich zu schwimmen.

Er hatte schon die Mitte des Kanals erreicht, als er auf ein Krokodil traf, das scheinbar auf ihn wartete.

Der Affe fragte artig, was das Krokodil von ihm wolle. „Deine Leber! Die mag ich am liebsten“, antwortete das Krokodil. „Meine Leber“, entgegnete der Affe, “das trifft sich schlecht. Die habe ich am Ufer zurückgelassen. Ich fürchtete, sie sei zu schwer und ich würde ertrinken. Aber ich bin ja ein guter Freund von dir. Wir können sie ja holen. Kann ich auf deinem Rücken zurückschwimmen?“ Und so kamen sie wieder zurück ans Ufer der Insel.

Schnell suchte der Affe eine sichere Distanz zum Krokodil. Dann rief er: “Du dummes Krokodil. Hast du je gehört, dass jemand seine Leber zurückgelassen hat. Sprachs und verschwand im Wald.

Das verärgerte Krokodil sann auf Rache und versteckte sich im Haus des Affen. Der zurückkehrende Affe war jedoch vorsichtig, als er wieder zum Haus zurückkehrte. Er rief.“ Wenn jemand im Haus ist, soll er schweigen. Aber wenn niemand im Haus ist, so soll er schreien.“

Das Krokodil gab einen Schrei von sich. Der Affe gab daraufhin zu verstehen.“ Du dummes Krokodil, hast du je einen Schrei im Haus gehört, wenn gar niemand im Haus ist?

Das Krokodil wollte jedoch nicht aufgeben. Eines Tages suhlte es sich im Dreck und stank fürchterlich. Schon krabbelten Fliegen auf ihm. Als der Affe aus dem Haus kam, tat das Krokodil so, als wäre es schon ein toter Kadaver.

Der Affe war wiederum vorsichtig und sagte: “Kadaver, wenn du lebendig bist, dann gib keinen Ton.  Aber wenn du wirklich tot bist, dann lass es mich hören.“ Das Krokodil brüllte daraufhin. Aus sicherer Distanz lachte der Affe und sagte: “Hast du schon einmal von einem toten Krokodil gehört, das brüllte?!

Und weil er so schlau war, konnte der Affe so immer den simplen Fallen des Krokodils entgehen.

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(1) Battle of Ramree Island, http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Ramree_Island

(2) Crocs in the wild,  http://www.pbase.com/jojie_alcantara/crocs_in_the_wild

 

(3)Asia One News, 'Crocodile Dundees' after bigger croc than 'Lolong': Philippines, in: http://news.asiaone.com/News/Latest%2BNews/Asia/Story/A1Story20110907-298134/3.html

(4) http://www.philippinecrocodile.com.ph/crocodylus_porosus.html

 

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