Der giftige Kugelfisch

Puffer- oder Kugelfische tragen neben ihrer lateinischen Generalbezeichnung „Tetraodonti“ insbesondere im Englischen viele Bezeichnungen.  Man spricht von „pufferfishes“, „puffers“, „bolloonfishes“, „globefishes“, „bubblefishes“,„swellfishes“, „big bellied fishes“ oder „porcupine fishes“ (Igelfischen).  Die meisten Namen deuten an, dass sich Kugelfische bei Gefahr rundlich aufblasen können. Wir kommen auf diese Fähigkeit noch zurück. Filipinos sprechen übrigens von „Butete“ oder „Buiring“, wenn sie Kugelfische meinen.

Artenvielfalt

Kugelfische, die man meistens in tropischen oder subtropischen Küstengewässern findet, stellen eine  artenreiche Familie dar. Über die Zahl der Arten ist man sich nicht ganz einig. Die Angaben schwanken zwischen  120 und 150 Arten. Es gibt sehr kleine Kugelfische, die - wie der Zwerg- oder Erbsenkugelfisch - kaum über zwei Zentimeter groß werden, andererseits kann der Riesenkugelfisch eine Größe von bis zu 120 Zentimeter erreichen. Kugelfische weisen oft eine grau-braune Grundfärbung des Körpers auf. Es gibt jedoch Variationen. Es finden sich Arten mit leuchtenden Farben und auffälligen Körpermarkierungen. Einige Vertreter können Farbe und Musterung sogar ihrer Umgebung anpassen.

Körperbau

Nicht aufgebläht haben die Kugelfische  eine eher rundliche, röhrenförmige Körpergestalt mit einem prägnanten Kopf und froschartig hervortretenden beweglichen Augen. Fleischige Lippen überdecken in der Ruhephase den schnabeligen kräftigen Beißapperat, der eine obere und untere Zahnleiste umfasst. Die ledrige Körperhaut ist elastisch und kann Stacheln oder Dornen aufweisen. Sie wirken widerhakenähnlich, wenn der Fisch sich bei Gefahr rundlich aufbläst. Beim Aufblasen presst ein kräftiger Muskel Wasser aus der Mundhöhle in eine ballonartige Magenerweiterung. Durch die Wasseraufnahme kann sich das Volumen des Körpers um mehr als das das Zweifache vergrößern.  

Der Kugelfisch ist ein langsamer, jedoch wendiger Fisch, der kaum Feinde hat. Antrieb und Stabilisierung erfolgen vorwiegend durch die Brustflossen. Die Schwanzflosse dient dem Vortrieb und der Steuerung. Eine Bauchflosse sowie Kiemendeckel fehlen. Mittels seiner Flossen kann der Kugelfisch vor- und rückwärts schwimmen und helikopterartig steigen und sinken.  

Sehr sorgfältig sucht er das felsige oder sandige Ufergelände oder die Seewiesen auch nach hartschaliger Beute ab. Dies können Korallen, Krebse, Krabben, Seegurken, Shrimps, Schnecken oder Muscheln sein.  Kugelfische sind vergleichsweise scheu und gehen dem Menschen eher aus dem Weg. Versucht man sie zu fangen, können sie mit ihrem starken Kiefer kräftig zubeißen.  

Körpergift

Bekannt ist der Fisch insbesondere durch sein hoch wirksames Körpergift Tetrodotoxin geworden. Man nimmt an, dass der Kugelfisch nach dem Goldgiftfrosch das zweitgiftigste Wirbeltier ist. Das Gift eines Kugelfisches soll ausreichen, um 30 Erwachsene zu töten (1). Kein anderes Seetier soll mehr Filipinos töten (2). Nur wenige Kugelfischarten wie der Takifugu oblongus,  sollen nicht giftig sein.

Das Gift findet sich insbesondere in der Haut, der Leber, der Gallenblase und den Eierstöcken, nicht jedoch im Muskelfleisch. Es gibt eine umstrittene Theorie, wonach nicht der Fisch selbst das Gift herstellt, sondern daß es durch Bakterien synthetisiert wird, die der Kugelfisch durch seine Nahrung aufnimmt. Andere meinen, der Fisch bildet das Gift in seinen Geschlechtsorganen.  Das Gift wirkt bei einigen Fischarten wie dem Lizzard-Fisch oder dem Tigerhai nicht. Man kann es durch Einfrieren oder Erhitzung nicht zerstören. Es gibt auch kein Gegenmittel gegen das Gift.

Es wikt beim Menschen nur auf die Körpernerven, Gehirn und Bewusstsein bleiben aktiv. Etwa 10-45 Minuten nach dem Essen des Fisches stellen sich zunächst nur Kribbel- und Taubheitsgefühle in der Mundzone – später auch in den Gliedmaßen - ein.  Dann können Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Erbrechen und Übelkeit einsetzen. Sofern keine Notfallmaßnahmen getroffen werden, folgen Krämpfe, Sprachschwierigkeiten, Atem- oder Herzstillstand.  Weil im Gegensatz zum Körper das Bewusstsein noch längere Zeit aktiv ist, hat man Vergiftete in der Spätphase der Vergiftung auch schon mit Zombies verglichen. Notfallmaßnahmen können das Magenauspumpen, Brechmittel und künstliche Beatmung beinhalten. Etwa 60 Prozent der Vergiftungen sollen dennoch tödlich verlaufen. Die Giftwirkung hält dann etwa 24 Stunden an.

Trotz aller Vergiftungsgefahr werden zum Beispiel in Japan Kugelfische als Delikatesse geschätzt. Die Köche werden dort allerdings längere Zeit ausgebildet und müssen eine Lizenz erwerben. Das dürfte auf den Philippinen kaum der Fall sein. Nur sehr wenige kennen die gefahrlose Zubereitung des Fisches durch Herausschneiden der gifthaltigen Teile des Fisches. Deshalb warnt das philippinische Department of Health (DOH) ausdrücklich  vor dem Verzehr von Kugelfischen (3).  Nach Internetrecherche des Verfassers kam es durch den Verzehr von Kugelfischen auf den Philippinen im Jahre 2010 zu mindestens 12 Todesfällen und vielen Krankenhauseinweisungen

In Japan soll es übrigens mittlerweile gelingen sein, eine Kugelfischart zu züchten, die ungiftig ist. Sie erhält ein spezielles Futter (4). Die etwas ungeselligen Kugelfische können in unterschiedlicher Größe auch in Aquarien mit Süß-, Brack- oder Meerwasser gehalten werden.

Eher makabre Randnotizen

Der Kugelfisch wird auf den Philippinen und auf Haiti auch mit etwas unheimlichen Geschichten in Verbindung gebracht.

Von den Philippinen wird berichtet, daß man Hühnerdiebe auf eine besondere Art und Weise zur Strecke gebracht hat. Man hat die Haut diebstahlsgefährdeter Hühner mit dem Gift des Kugelfisches bestrichen. Für die mit dem Gift bestrichenen Hühner – nicht jedoch für die Diebe – soll das Gift gefahrlos gewesen sein …. (4)

Der Vodoo-Kult auf Haiti kennt schließlich Zombies, die durch mit Kugelfischen vergiftet wurden. Häufig wurden sie nach Feststellung der ersten Vergiftungssymptome noch ins Krankenhaus gebracht. Konnte man hier keine Lebenszeichen mehr feststellen, führte der Weg ins Leichenschauhaus. Dort sind sie angeblich auf wundersame Weise wieder aufgewacht und wandern nun gedächtnislos  – weder richtig tot noch lebendig - in komatösem Zustand  durchs Gelände und verschrecken  kräftig die Passanten (5).

© Wolfgang Bethge, 2012

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 (1) Mellanie C. Rosales, "Butete" kills two, downs six, 11.08.2010, in: http://www.philstar.com/Article.aspx?articleid=601706

(2) Vgl.: The Freeman) Updated April 10, 2011

(3) Shella Crisostomo, DOH warns against eating “Butete”, The Philippine Star, 24.08.2010

(4) Eating Puffer Fish, http://travelman1971.hubpages.com/hub/Eating-Puffer-Fish

(5) Haitian Zombies and Puffer Fish Poison, in: http://suite101.com/article/haitian-zombies-and-puffer-fish-poison-a275515