Präsident Jose P. Laurel – Patriot und Kollaborateur ? 

 

Nachfolgend soll hier der Lebenslauf eines Politikers der konservativen Machtelite des Landes skizziert werden, der wegen des von ihm wahrgenommenen Präsidentenamtes während der japanischen Okkupation (1943-1945) der Philippinen in der Kriegs- und Nachkriegszeit  sehr kontrovers beurteilt wurde. Verräter, Opportunist und Kollaborateur schimpften ihn die einen – für andere war er ein integrer, sich aufopfernder Nationalist, dem hoher Respekt gebührt. Gegenwärtig überwiegen wieder die positiven Würdigungen. 

Frühe Jahre 

Jose P. Laurel  wurde 1891 in der Stadt Tanauan in Batangas geboren. Der Vater war von Beruf  Rechtsanwalt und wirkte 1898 im Rahmen des Malolos Congress an der Verfassung der so kurzlebigen 1. Philippinischen Republik mit. Sicherlich blieb der junge Jose nicht unbeeindruckt von der Tatsache, dass der Vater im Verlaufe des Kampfes um die Unabhängigkeit der Philippinen von amerikanischen Soldaten bei einem Verhör gefoltert wurde.  

In seiner frühen Jugend – noch als Teenager – wird er beschuldigt, einen Nebenbuhler seiner Freundin getötet zu haben.  Dieser Vorfall findet eine überraschende Parallelität zur Biografie des späteren Präsidenten Ferdinand Marcos. Auch dieser war später wegen desselben Vergehens angeklagt und nahm dann auch den Rechtsbeistand  des mittlerweile rehabilitierten Jose Laurel gerne an. Fügen wir dies noch an – Marcos wurde später in seiner politischen Karriere von Laurel maßgeblich gefördert. Man kennt sich, man schätzt sich im politischen Establishment. Jose Laurel entschließt sich wie sein Vater für ein Studium der Rechte und kann zu einem späteren Zeitpunkt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entkräftigen und einen Freispruch bewirken. 

Akademische Jahre und Aufenthalt in Japan 

Die nachfolgende akademische Karriere ist beeindruckend. 1915 erwirbt er als zweitbester Prüfungskandidat den „Bachelor of Laws“ an der University of the Philippines und später an den „Master of Law“ an der Escuela de Derecho. Schon bald kann er sich des Doktortitels im Zivilrecht rühmen. 1920 besucht er die Yale University in den Staaten. Sterling und Peggy Seagrave(1) berichten, dass er sich streckenweise von seinen amerikanischen Studienkollegen diskriminiert und brüskiert fühlte. Vielleicht veranlasste ihn dieser Umstand zu  späteren Studienaufenthalten an der Sorbonne in Paris und an der in Tokio. Hier erlernt er unter anderem die japanische Sprache.  Laurel ist fasziniert vom wirtschaftlichen und militärischen Aufstieg Japans. Eine autoritäre Führung und ein hohes Maß an Disziplin macht er für den Aufstieg Japans zur Weltmacht verantwortlich. Immer mehr kommt er zu der Überzeugung, dass es besser sei, sich von den liberalen, auch materialistischen Erziehungsidealen der Amerikaner zu lösen und sich stärker an japanischen Erziehungsmodellen zu orientieren. Laurel wird später die amerikanische Kolonialpolitik stärker kritisieren und eine intensivere Zusammenarbeit der Philippinen mit Japan fordern. Dafür  erhält er 1935 einen Ehrendoktortitel der Kaiserlichen Universität in Tokio.  Einen seiner Söhne schickt er auf die Kaiserliche Militärakademie in Tokio.   

Frühe politische Ämter 

Springen wir wieder ein gutes Jahrzehnt zurück. Nach seinem Studium ist Jose Laurel  in mehrfacher Funktion tätig. Er praktiziert als freier Rechtsanwalt. Zu seiner Klientel gehören neben Marcos insbesondere reiche chinesischstämmige Händler. Er übernimmt politische Ämter und strickt weiter an seiner akademischen Laufbahn. 

Schon als 31-Jähriger wird er 1922 Innenminister im Kabinett des amerikanischen Generalgouverneurs Leonard Wood. Er verbleibt in diesem Amt jedoch nur kurze Zeit. Schon 1923 reicht er unter Protest seinen Rücktritt ein. Er, der „law and order“ – Verfechter, hat kein Verständnis dafür, dass der amerikanische Generalgouverneur einen wegen Bestechlichkeit verurteilten amerikanischen Polizeibeamten wieder in sein Amt einsetzt. Auch dieser demonstrative Schritt Laurels macht auch deutlich, dass Rainer Wernings generelle Behauptung (2), Laurel sei Opportunist gewesen und er und seine Familie hätten mit den jeweils Mächtigen „bedingungslos paktiert“ zu kurz greift und der historischen Realität nicht voll gerecht wird. 

Von 1925-1931 wird Jose Laurel über mehrere Legislaturperioden hinweg in den philippinischen Senat gewählt und fungiert zuletzt auch als Fraktionsvorsitzender der Nationalist Party. 1934/1935 wirkt er an der Ausarbeitung der „Constitutional Convention“ mit, die den Philippinen in der letzten Phase die Unabhängigkeit bringen soll. 1936 wird ihm ein weiterer Doktorhut diesmal von der Santo Tomas Universität Manila verliehen.  Ab 1936 bis 1941 ist er auch als beigeordneter Richter am Obersten Gerichtshof tätig.   

Kriegsausbruch – Gehen oder bleiben?  

Jose Laurel ist Justizminister im Kabinett von Präsident Quezon, als schon 14 Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbour, japanische Truppen am 22.12.1941 auch auf den Philippinen landen und rasche Geländegewinne verzeichnen. Die Philippinen unter  dem amerikanischen Militärberater General MacArthur waren auf einen militärischen Angriff kaum vorbereitet.  

Das Kabinett unter Präsident Quezon zieht sich nach Corregidor zurück. Man beratschlagt, wer den Präsidenten mit ins amerikanische Exil begleiten soll. Zunächst war vorgesehen, dass auch Laurel mit ins Exil geht. Dann aber fordert ihn der Präsident mit folgenden Worten auf, im Land zu bleiben

„Do the best you can. Make whatever bargains you have to do with the Japanese. Try to keep the people together in one piece. Try to protect the people from Japanese brutality and avarice. You have some tough decisions to make. Do it for the sake of the Philippines”. Und MacArthur soll bei dieser Unterredung ausgeführt haben: “You have to do what they ask you to do except one thing – the taking of any oath of allegiance to Japan.”” (3)  

(„Machen Sie das Beste, das Sie können. Führen Sie die notwendigen Verhandlungen mit den Japanern. Versuchen Sie das Volk zusammenzuhalten. Versuchen Sie es vor der japanischen Brutalität und Habgier zu schützen. Sie müssen harte Entscheidungen treffen. Treffen Sie diese zum Wohl der Philippinen“ …  - Mac Arthur: „Machen Sie das, was Sie tun müssen – mit Ausnahme einer Sache – leisten Sie Japan keinen Fahnen- oder Treueeid“.)

Halten wir fest, Laurel handelt bei seiner späteren Kollaboration durchaus im Auftrag des damaligen amtierenden philippinischen Präsidenten. Bis zu seiner eigenen Berufung als Präsident vergeht jedoch noch etwas Zeit. 

Das japanische Besatzungsregime

Das japanische Militär unter General Homma kontrolliert im Laufe der Zeit 12 der 48 Provinzen der Philippinen. General Homma hebt in Verlautbarungen zwar immer wieder hervor, dass die Philippinen nunmehr von der amerikanischen Kolonisation befreit wären und beschwört die "Greater East Asia Co-Prosperity Sphere", die auch den Philippinen die Unabhängigkeit bringen soll. Zumeist findet sich jedoch – etwas versteckt – in den propagandistischen Verlautbarungen, die den Philippinen Freiheit und Unabhängigkeit versprechen, auch der verräterische Zusatz „under the benevolent leadership and direction of Japan“ (unter der wohlwollenden Führung und Leitung Japans). Und damit dies auch gelingt, wird Japanisch als Unterrichtsfach in den Schulen eingeführt.

Sehr wohlwollend verhalten sich die japanischen Besatzungstruppen im Lande indessen nicht. Manila wurde beim Vormarsch bombardiert, obwohl General MacArthur Manila zur „offenen Stadt“ erklärt hatte. Eine der ersten Maßnahmen von General Homma ist die Verhängung des Kriegsrechts über das Land. Es sieht unter anderem bei einem Angriff auf einen japanischen Soldaten die Exekution des Angreifers sowie zwölf weiterer Zivilisten vor. Die philippinische Wirtschaft liegt danieder, es herrscht eine Hyperinflation und auch Hungersnot. Dennoch werden Nahrungsmittel und Bodenschätze von den Japanern in größerem Maßstab konfisziert.  Die japanische Geheimpolizei Kempeitai baut ein engmaschiges Kontrollnetz auf und kann sich dabei auf nicht wenige philippinische Kollaborateure stützen. Sie rekrutieren sich u.a. aus antikommunistischen Schlägerbanden, Angehörigen der vormaligen Constabulary und Angehörigen von Privatarmeen der Großgrundbesitzer, die zu weiten Teilen mit den Japanern sympathisieren, da ihr Vermögen von den Japanern grundsätzlich nicht in Frage gestellt wird. Große Teile der besitzenden aber auch der politischen Oberklasse der Philippinen akkomodieren sich aus opportunistischen Gründen als Mitläufer mit den japanischen Besatzern, deren Willkür und Terror sich allerdings von Tag zu Tag verschärft.

Der HUK-Widerstand

Angesichts der japanischen Gräueltaten formieren sich nun verstärkt anti-japanische Widerstandsgruppen. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang insbesondere die insbesondere von dem Kommunisten Luiz Taruc 1942 gegründete  HUK BALAHAP, deren Mitglieder sich primär aus der bäuerlichen Bevölkerung Luzons rekrutierten und deren militärische Kampfstärke sich auf ca. 30.000 Mann belief. Näher Interessierten sei in diesem Zusammenhang die halb-dokumentarische Publikation von Harry Thürk „Nachts weint die Sampaguita“(4) empfohlen. Nach Kriegsende hat die HUK trotz ihres aufopferungsvollen Widerstandskampfes sowohl bei den Amerikanern wie auch bei den philippinischen Nachkriegsregierungen nicht nur keine Anerkennung gefunden, sie wurde aufgrund ihrer revolutionär-kommunistischen, antikapitalistischen Ausrichtung auch mit militärischen Mitteln bekämpft und aufgerieben. Später nach ihrer Niederschlagung hat die NPA große Teile  ihres Erbes übernommen.

Die Berufung zum Präsidenten der Philippinen

Zurück zum Jahre 1942. Die Japaner regieren das Land zunächst über die von ihnen ins Leben gerufene Organisation „Executive Commission of the Philippine Council of State“ (PEC), deren Vorsitz der Bürgermeister von Groß-Manila Jorge B. Vargas inne hat und die sich aus japanfreundlichen Kommissionsmitgliedern zusammen setzt. Die PEC verbietet per Dekret alle übrigen Parteien and konstituiert als Monopolpartei die "Kapisanan sa Paglilingkod sa Bagong Pilipinas" (Association for the Services of the New Philippines Association) – kurz „KALIBAPI“. Die Kalibapi erhält vom japanischen Ministerpräsidenten Tojo bei dessen Besuch in Manila den Auftrag, aus ihrem Kreis heraus eine  neue Verfassung zu entwerfen.

Den Vorsitz dieser Verfassungskommission übernimmt Jose P. Laurel, der weiterhin im Supreme Court an leitender Stelle tätig war und im Juni 1943 auf einem Golfplatz einen Attentatsversuch durch den Pistolenschützen Feliciano Lizardo nur knapp  überlebt. (Der tief religiöse Laurel verzeiht dem Attentäter später). Im September 1943 wird die neue Verfassung der II. Republik der Philippinen von einer Generalversammlung der Kalibapi ratifiziert. Eine nicht aus eigenständigen Wahlen hervorgegangene Nationalversammlung konstituiert sich. Ihr Sprecher ist Benigno Aquino Sr., der Vater des späteren Nationalhelden Benigno Aquino Jr. Die Ausrufung der neuen Republik und die Wahl eines neuen Präsidenten stehen an. Man eignet sich auf Laurel als Präsidentschaftskandidaten, der offensichtlich auch in der Gunst der japanischen Offiziellen steht.

Am 14. Oktober 1943 versammeln sich die Berufenen einschließlich der japanischen Militäroberen. Dem Präsidenten der 1. Republik der Philippinen, dem schon betagten Emilio Aguinaldo, der ja den Amerikanern noch immer wegen der Zerschlagung seiner ersten unabhängigen Republik grollt, bleibt es vergönnte, die alte Nationalfahne von Cavite zu hissen.  In seiner Eröffnungsrede äußert der zum Präsidenten ausgerufene Laurel sich etwas zwiespältig. Einerseits spricht er etwas abstrakt und verschlüsselt davon, dass man sich den „strange stimuli of a new environment“ zu stellen habe, andererseits gibt er sich in Bezug auf die Unabhängigkeit doch sehr optimistisch:

„Today we have proclaimed our independence. This independence is real, complete and total. The republic of the Philippines is to be run by Filipinos for Filipinos”.

Im übrigen ruft er zu „harter Arbeit aller“ auf - in Anbetracht der Im Lande herrschenden Nahrungsmittelkrise vielleicht nicht nur eine „staatsmännische“ Phrase. Bei derselben Veranstaltung äußert der japanische Kommandeur:

 “Always bear in mind that Philippine Independence was made possible by the life and death struggle which Japan is now waging at a tremendous sacrifice“(5).

Man erwartet – wie wir noch sehen werden - nicht nur wirtschaftliche Kooperation.

Regierungszeit

Die neue, mit 18 Monaten relativ kurzlebige II. Republik wird nur von den Hauptachsenmächten Japan und Deutschland und ihren Verbündeten anerkannt. Es finden sich aber auch noch andere Gratulanten. Der Vatikan unter Pius XII., der in einem Schreiben schon seine Sympathie für den „gerechten Kampf“ Japans zum Ausdruck gebracht hatte (4),  erkennt – aus welchen kirchenpolitischen Gründen auch immer – überraschenderweise auch die als Marionetten-Regierung gebrandmarkte Regierung unter Laurel an(6) und der spanische. General Franco, der auch schon vor dem Krieg die faschistische Falange auf den Philippinen mit allerdings nur wenig Erfolg unterstütze, schickt dem frisch gekürten Präsidenten eine Stradivari-Geige als Geschenk. Zigarrenraucher Laurel soll jedoch nur  über mäßige Violin-Kenntnisse  verfügt haben.

Eine Woche nach seiner Berufung als Präsident reist Laurel mit einigen seiner engsten Gefolgsleute nach Tokio. Der japanische Kaiser empfängt ihn, Laurel erhält einen hohen Orden an die Brust geheftet. Als er aber mit dem japanischen Ministerpräsidenten Grundfragen der versprochenen Unabhängigkeit der Philippinen abklären will, wird schnell deutlich, dass Japan als Gegenleistung eine Kriegserklärung der Philippinen an die USA und Großbritannien wünscht. Laurel lehnt diesen Wunsch aufs erste ab. Er betont, dass wäre eine äußerst unpopulärer Schritt auf den Philippinen. Würde er dem japanischen Wunsch entsprechen, stünde er  - der zum Teil nicht anerkannte Präsident - bald ohne Gefolgschaft da.  Gleichwohl wird ein Allianzpakt mit Japan abgeschlossen.

Mit auf Laurels Kabinettsliste steht als Minister ohne Portefeuille der umtriebige Manuel Roxas, der spätere Präsident der Philippinen (1946 -1948). Er hatte schon vor dem Krieg Karriere u.a. als Wirtschaftsminister gemacht. Bei Ausbruch des Krieges ist er als  Verbindungsoffizier im Hauptquartier von General MacArthur tätig. Nachdem er Präsident Quezon nach Corregidor begleitet hatte, schließt er sich dem Widerstand auf Mindanao an und wird von den Japanern festgenommen. Nach kurzem Gefängnisaufenthalt  findet er sich dann aber in der Regierung von Präsident Laurel wieder und ist hier die bestimmende Kraft. Als Wirtschaftsminister ist er auch für die bevorzugte Reislieferung an die japanischen Truppen zuständig. Er organisiert eine Art „Arbeitsdienst“, um die landwirtschaftliche Produktion anzukurbeln. Eines Tages wird den Japanern offenkundig, dass er gleichzeitig auch für den amerikanischen Geheimdienst arbeitet. Roxas versucht  daraufhin sich auf alliiertes Gebiet abzusetzen. Die japanischen Truppen fassen ihn abermals, es droht  die Exekution. Nur dem Widerstand von Präsident Laurel und seiner Rücktrittsdrohung ist es zu verdanken, dass er nicht exekutiert wurde.  Auch Roxas wird nach dem Krieg der Kollaboration mit dem Feind bezichtigt. Der zurückkehrende General MacArthur hält aber die schützende Hand über seinen Freund Manuel Roxas. Man kennt sich, man schätzt sich im politischen Establishment. Angeblich soll Präsident Laurel auch den späteren Präsidenten Marcos vor einer Hinrichtung durch die Japaner geschützt haben. Man kennt sich, man schätzt sich im politischen Establishment.   

Angeblich soll Präsident Laurel keine ständigen japanischen Berater im Präsidentenpalast geduldet haben, zuweilen den Japanern sogar die Stirn geboten haben. Aber dies geschah weitgehend hinter verschlossenen Türen und ist kaum dokumentiert. Bekannt geworden ist aber, dass er die Widerstandskämpfer der HUK eindringlich darum bat, die schlechte Nahrungsmittelsituation nicht noch zu verschlimmern.

Kriegserklärungen

Die spätere Bombardierung Manilas durch amerikanische Flugzeuge sieht Laurel als Verletzung der philippinischen Souveränität an. Seine Regierung erklärt daraufhin im September 1944 den USA und Großbritannien den Krieg (!). Wir zitieren aus der Kriegserklärung (7):

… NOW, THEREFORE, I, Jose P. Laurel, President of the Republic of the Philippines, do hereby proclaim that a state of war exists between the Republic of the Philippines and the United States of America and Great Britain, effective September 23, 1944, at 10:00 o'clock in the morning … Face to face with the grim realities of war, I earnestly, call upon every Filipino at this momentous (bedeutsam) hour to show his unswerving (unerschütterlich) loyalty and to give his support to the Government …  JOSE P. LAUREL President of the Republic of the Philippines

Die Kriegserklärung an die USA und Großbritannien bedeutet aber nicht, dass philippinische Regierungstruppen nun Seiten an Seite mit den japanischen Truppen kämpfen. Die Kriegserklärung bleibt weitgehend rhetorisch.

Außerhalb der Regierung bildet sich aber ab Dezember 1944 unter der Führung von Pio Duran und General Artemio Ricarte und mit maßgeblicher Unterstützung durch Angehörige der Oberschicht die pro-japanische Makapili–Organisation. Sie zählt etwa 5000 bewaffnete und für den Kampf trainierte Mitglieder in ihren Reihen und soll mit den Einmarsch der Amerikaner verhindern. Die Makapili–Organisation begrüßte u.a. den Jahrestag des japanischen Angriffs auf Pearl Harbour und feierte die japanischen Kamikaze-Flieger. Greifen wir der weiteren Entwicklung vor und erwähnen wir kurz, dass es insbesondere die Führer und Mitglieder dieser Organisation sind, die bei MacArthur keine Gnade finden und später als geächtete „Verräter“ und „Kollaborateure“ zu zum Teil mehrjährigen Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt werden.

Das Kriegsende nähert sich mit dem Einmarsch der Amerikaner in Manila, das schwere Zerstörungen hinnehmen muss. Insgesamt sind nach Kriegsende annähernd eine Million Zivilopfer zu beklagen.

Internierung und Gefängnisaufenthalt

Längere Zeit hört man nichts von Präsident Laurel. Schon spekuliert man, er sei den Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Er ist aber mittlerweile von General Yamashita nach Tokio verbracht worden. Als Japan im August 1945 offiziell kapituliert, löst Laurel seine „Regierung im Exil“ auf. Einen Monat später wird er in Japan verhaftet. Erst ein knappes Jahr später betritt er mit Handfesseln philippinischen Boden und wird sofort in ein Gefängnis eingewiesen.

Von Amerika tönt der amerikanischer Innenminister Harold Ickes, der zu dieser Zeit auch die zivile Autorität der Philippinen wahrnimmt, alle Personen über dem Rang eines Schulleiters, die mit den Japanern kooperiert hätten, sollten bestraft werden und das Wahlrecht entzogen bekommen. Auf den Philippinen neigt indessen insbesondere der aus Amerika zurückgekehrte neue Präsident Sergio Osmena zu einer differenzierten Einzelfallbetrachtung.

Expräsident Laurel schmort zunächst im Gefängnis und ist über die Amerikaner stark verärgert, bezichtigen ihn diese in insgesamt in 132 Fällen der verräterischen Kollaboration. Dem Autor dieses Artikels war es nicht möglich, die 132 vorgebrachten Vorwürfe näher einzusehen. Laurel, der sein Handeln als politisch notwendig ansah,  plädiert auf unschuldig und trifft im Hinblick auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe insbesondere die nachfolgenden beiden Kernaussagen:

"If collaboration means helping your people to live and survive, I would do it over again."

„I am neither pro-Japanese nor pro-American, I am pro-Filipino... There is no law that can condemn me for having placed the welfare of my people over and above that of America. I am not expecting a decoration. I do not claim to be a hero ...“

Im September 1946 wird Laurel auf sein Gesuch hin aus dem Gefängnis entlassen und der Prozess auf den Juli 1947 verschoben.

Generalamnestie und weitere politische Aktivitäten

Mittlerweile ist aber sein früherer Minister Manuel Roxas zum philippinischen Präsidenten gewählt worden. Und dieser verkündigt – welche Überraschung – rasch eine Generalamnesie, die nur wenige Ausnahmen kennt. Man kennt sich eben, man schätzt sich im politischen Establishment. Laurel kommt aus dem Gefängnis frei.

Er startet eine dritte politische Karriere. 1949 scheitert er nur knapp als Präsidentschaftskandidat  in einer insgesamt sehr fragwürdigen Wahl gegen den liberalen Konkurrenten Elpidio Quirino. 1951 wird er noch einmal Senator und er unterstützt 1953 Ramon Magsasay als Präsidentschaftskandidaten der Nationalista Party. Einer seiner letzten politischen Handlungen war die Leitung einer Verhandlungskommission mit den Amerikanern. Ergebnis der geführten Verhandlungen war u.a. auch der bis 1974 von den Amerikanern gewährte privilegierte Export von philippinischem Rohrzucker in die Staaten. Nach insgesamt 41 Jahren Tätigkeit im öffentlichen Dienst zieht sich Jose Laurel 1957 ins Privatleben zurück. Er verstirbt  im November 1959 in Tanauan (Batangas), mit 61 Jahren an einer Herzattacke.

Einige seiner insgesamt neun Kinder gelangten zu hohen politischen Ämtern. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses  Jose B. Laurel, der Ex-Senator Sotero H. Laurel und der Ex-Vizepräsident Salvador P. Laurel (1986-1992), der zusammen mit Corazon Aquino den Ex-Diktator Ferdinand Marcos ablöste. 

Abschließende Würdigung 

Das politische Wirken von Jose Laurel im 2. Weltkrieg wird immer noch kontrovers beurteilt. Auf der einen Seite finden wir Vertreter wie den ehemaligen Senatspräsidenten Jovita R. Salonga, die Laurel fast heldenhafte Züge zuschreiben. Es sei ein „miracle from heaven“, dass Laurel Attentatsversuche überlebt hätte. „Laurel had been chosen by destiny to be the president of the Japanese-sponsored Republic“, schreibt Salonga in einem Artikel (7). Laurels Verteidiger stellen die guten Absichten des  “glühenden” und “wagemutigen” Nationalisten heraus. Zwei zukünftigen Präsidenten hätte u.a. er das Leben gerettet. Ohne ihn hätte der japanische Besatzungsterror vermutlich noch schrecklicher gewütet und möglicherweise wären die Philippinen an der Seite Japans noch stärker in die Kriegswirren hineingezogen worden. 

Für andere ist er nur ein „Quisling“ (8), der mit einem Marionettenkabinett den Japanern nur zu Diensten war. Er sei nicht an die Grenzen des Möglichen gegangen, um Unheil abzuwenden und hätte seine  Einwirkungsmöglichkeiten doch nur sehr beschränkt genutzt. Seine Zivilregierung habe das japanische Besatzungsregime letztlich eher gestützt. 

Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte der beiden extremen Beurteilungen. Jose Laurel war in den Kriegsjahren ein in seinen Hoffnungen letztlich getäuschter Politiker, der einen schwierigen Balanceakt zwischen Anpassung und Konfrontation zu absolvieren hatte und dessen Handlungen positive wie negative Beurteilungen zulassen.  

© Wolfgang Bethge, 2008


(1) Sterling& Peggy Seagrave, Chapter 17, Grand Larceny, in:

www.oss.net/dynamaster/file_archive/060107/2a7d711e45257e0d16399e90ad262631/Chapter%2017~1Jan2005.pdf - 

(2) Rainer Wening, Ungebrochene Vasallentreue, in: http://www.d-r-f-online.de/bei­_anderen/ Philippinen.htm 

(3) zitiert nach http://www.angelfire.com/mac/aye/heroes.html 

(4) Harry Thürk, Nachts weint die Sampaguita, Berlin, 1980, siehe auch S. 71

(5) zitiert nach: Herbert A. Friedman, Japanese Psyop during WWII, in:  http://www.psywarrior.com/JapanPSYOPWW2.html

(6) zitiert nach Carsten Hornbach, Politisches System und Verwaltungsstrukturen, in:  http://www.staff.uni-mainz.de/hjfuchs/Philippinen/Homepage%20version%2002.07.03/politik.html 

(7) Jovito R. Salonga, A tribute to Dr. Jose P. Laurel, 2002, in: http://www.hartford-hwp.com/archives/54a/056.html 

(8) Der Name Quisling steht für Kollaboration und nationalen Verrat und geht auf den Norweger Vidkun Quisling zurück, der als von 1942-1945 als Ministerpräsident auch der deutschen Besatzungsmacht zu Diensten war.