Die glimmenden Lichtervorhänge der Leuchtkäfer

 

 

 

Leuchtkäfer finden sich auf allen Kontinenten und in allen Landesteilen der Philippinen. Sie lieben feuchte und warme Habitate, deshalb sind sie vermehrt in den Tropen anzutreffen. Aber auch hier setzt ihnen die zunehmenden Lichtverschmutzung, die Abnahme der Feuchthabitate und  der Rückgang der Mangrovenwälder zu.

Gleichwohl gibt es auf den Philippinen einige Orte, an denen sie noch konzentriert und in großen Populationen auftreten und zur Touristenattraktion geworden sind. Zu nennen sind hier insbesondere

-      der Iwahig River (Palawan; nahe Puerta Princessa) und

-      der Donsol-River sowie der benachbarte Ogod-River (Bicol)

An beiden Orten finden für Touristen begleitete Bootsfahrten statt. Abendliche Fahrten auf dem Donsol-River sind zweifelsohne eine reizvolle Ergänzung zum Whale-Watching in Donsol. Es erwartet einen an regenfreien Tagen ein eindruckvolles und spektakulär-magisches Lichterspektakel, wenn von den Uferböschungen, Sträuchern und Bäumen Abertausende von Leuchtkäfern zu tanzen und blinken beginnen. Fotoaufnahmen des Lichterspektakels sind übrigens nicht ganz leicht. Da in der Dunkelheit oft auch Moskitos ausschwärmen, empfiehlt sich die Mitnahme eines Insektenschutzmittels.

 

Zur Biologie

Es ist etwas problematisch von „dem“ Glühkäfer zu sprechen, da es annähernd unterschiedliche 2000 Arten von Glühkäfern gibt. Sie unterscheiden sich unter anderem in Körpergröße (5-25 mm), Ernährungsweise, Flugfähigkeit, Leuchtfarbe und Leuchtrhytmus. Versuchen wir es dennoch.  

Räumen wir zunächst mit einem Missverständnis auf. Im Deutschen ist oft von den „Glühwürmchen“ die Rede, der Begriff kann sich allemal nur auf die Larven des Glühkäfers beziehen. Die Larven schlüpfen nach etwa 3-4 Wochen aus den befruchteten Eiern. Einige graben sich ins Erdreich ein, andere vegetieren auf und unter Baumrinden. Die nichträuberischen Arten ernähren sich unter anderem von Pollen, Nektar und organischem Totmaterial. Die räuberischen Spezien machen sich auch über Larven und kleine Schnecken her und injizieren dabei spezielle Verdauungssäfte. Auch die Larven leuchten bereits. Der Zeitpunkt der Verpuppung kann unterschiedlich lang sein. Die Verpuppung kann nach 3-4 Wochen aber auch erst nach zwei Jahren einsetzen.  

Der weiche Körper der Glühwürmer ist zumeist dunkelbraun. Die etwas größeren Weibchen sind häufig flugunfähig. Werden Glühwürmer angegriffen, können sie im Zuge der Gefahrenabwehr giftige beziehungsweise übel schmeckende Blutstropfen absondern. Einige Arten sollen über Kiemen verfügen. Die Lebensspanne der Glühwürmer liegt bei zwei bis drei Monaten.  

Auf der Unterseite des Hinterleibs befindet sich in unterschiedlicher Anordnung die Leuchtzone. Hier wird bei Dunkelheit – und nur bei Dunkelheit - ein kaltes Licht produziert. Die gelblich-grünen, mitunter leicht rötlichen Lichtsignale entstehen durch die Katalyse der beiden Körperchemikalien Luciferin und Luciferse mit Sauerstoff. Sie können ganz unterschiedlich sein. Man trifft Dauerlicht zumeist aber ein getaktetes, in Länge und Rhythmus variierendes Licht an. Es gibt auch ein synchrones Blinken. Die Lichtsignale sind in aller Regel Paarungssignale, die die beiden Geschlechter zueinander finden lassen. Man hat sie aber auch schon als Warnsignale gedeutet. Die Weibchen der Art Photuris gelten übrigens als „femmes fatales“. Sie ahmen das Leuchten anderer Weibchen nach, verspeisen dann aber die herbeigelockten Männchen.  

 

     Institutionen

Mit den Leuchtkäfern – die englischsprachige Bezeichnung lautet „fireflies“ – verbinden sich auf den Philippinen noch zwei Institutionen beziehungsweise Veranstaltungen. Die 1999 gegründete „Firefly Brigade“ kämpft insbesondere gegen die Luftverschmutzung. Dann gibt es noch die „Tour of the Fireflies“. Rund 15.000 Radfahrer nahmen im letzten Jahr an ihr teil. Die Tour soll das Radfahren propagieren und führt durch die Vororte von Manila. Ähnliche Veranstaltungen gibt es auch an anderen Orten auf den Philippinen.

Märchen

Natürlich haben die magischen Wesen auch in die philippinische Märchenwelt Eingang gefunden. Zwei Märchen sollen hier in leicht verkürzter Form wiedergegeben werden. 

 

Der verlorene Ring

Der König der Lüfte war aufgebracht, da hatte doch jemand offensichtlich seinen Ring gestohlen – eine unverzeihliche Tat. Er rief seine Untertanen zusammen und sagte: Derjenige, der mir den Ring wiederbringt, dem will ich geben, was er will. Das gilt auch für seine Familie.“ Alles machte sich ehrergeben auf die Suche – nur der Leuchtkäfer blieb.„Du wirst dich doch meinem Befehl nicht widersetzen. Scher dich weg“, grummelte der König.

Da wisperte der kleine Leuchtkäfer: “Der Ring wurde gar nicht gestohlen. Er blieb in eurer Krone stecken, als ihr sie weglegte. Jetzt ist der Ring wieder auf eurem Kopf.“ Der König setzte überrascht seine Krone ab und sagte: “ Bei so vielen Augen, ist es kein Wunder, dass ihr ihn fandet. Aber was wünscht du dir?“

Der Käfer erwiderte: “Ich arbeite hart am Tage und kann nachts nicht mit meinen Freunden ausgehen und fröhlich sein. Ich wünsche mir deshalb ein Licht. „Das kannst du sofort haben, sagte der zufriedene König und er befestigte ein Licht auf dem Kopf des Käfers. Glücklich kehrte der Käfer nach Hause zurück.

Märchen vermitteln oft eine Moral. Dies ist auch bei unserem Märchen der Fall. Der Ratschlag lautet schlicht: Halte die Augen offen und sieh dir alles an. Vielleicht kommt dann auch das Glück zu dir.

 

Der Stern der Prinzessin Alitaptap

Im Tal von Pinak in Zentralluzon waren die Leute einst glücklich, denn ihr See lieferte ihnen eine Überfülle an Fischen. Aber auf einmal trocknete der See aus und über die Bewohner kam eine Hungersnot. In ihrer Not baten sie den großen Gott Bathala  um Hilfe. Und dieser half. Er schickte eines Nachts in einem goldenen Wagen zwei göttliche Abgesandte - Bula-hari und seine Frau Bitu-in.

Mit ihrer Ankunft setzte auf einmal der Regen in Strömen ein. Die trockenen Felder konnten wieder bestellt werden und im See schwammen wieder Fische. Die Bewohner waren wieder glücklich.

Bitu-in gebar eine Tochter mit Namen Alitaptap. Sie wuchs zur Schönheit heran. Sie hatte langes schwarzes Haar und ihre Lippen waren wie Rosenblüten. Auf der Stirn der jungen Göttlichen glitzerte ein hell leuchtender Stern. Kein Wunder, dass die Schar ihrer Verehrer nicht abreißen wollte. Aber alle Gesänge unter ihrem Fenster waren umsonst. Alitaptap konnte nicht lieben, sie hatte als göttlicher Abkömmling nur ein Herz aus Stein.

Eines Tages kam eine alte, schmutzige Frau aus den Bergen in den Palast und wollte unbedingt den König Bula-hari sprechen. Sie berichtigte ihm, daß sie träumte, daß bald mächtige Krieger aus einem anderen Stamm kommen würden. Den Bewohnern drohe die Vernichtung, wenn Alitaptap nicht bald einen jungen Mann heiraten würde, der die Feinde zurückschlagen könne.

Inständig bar Bula-hari seine Tochter, sich für einen Freier zu entscheiden. Doch Alitaptap blieb stumm und rührte sich nicht. Der Vater begann zu brüllen, zog sein Schwert und zerschlug mit ihm den Stern auf der Stirn der Tochter. Es wurde dunkel im Saal, nur die vielen zerbrochenen Stückchen des Sterns funkelten weiter. Sie hatten nunmehr Flügel. Alitatap lag tot am Boden.

Die Prophezeiung der alten Frau erfüllte sich. Auf Pferden ritten die Feinde ins Tal ein. Sie töteten die Einwohner und zerstörten alles. Das einst schöne Tal war jetzt nur noch ein dunkler Sumpf. Danach konnte man aber kleine funkelnde Lichter in der Dunkelheit ausmachen. Die winzigen Fragmente des zerbrochenen Stirnsterns von Alitaptap hatten sich in Leuchtkäfer verwandelt.     

© Wolfgang Bethge, 2011