Buchbesprechung:

Hammer, Winkler, Seegers (Hrsg.): Managerhandbuch Philippinen,

Mittweida, 2007, 288 Seiten, 19,90

Das hier vorgestellte Taschenbuch ist von einem sachkundigen Autorenkollektiv  geschrieben worden und geht auf eine Anregung der philippinischen Botschafterin in Berlin, Frau Delia Domingo-Albert, zurück. Gesponsert wurde es von einigen auf den Philippinen ansässigen Unternehmen (u.a. Lufthansa Technik Philippinen, STEA Power Corporation Philippines), was sicherlich der guten Aufmachung und Edition des relativ preiswerten 290-seitigen Buches zugute kam. 

Auch die Vertreter der Sponsorenfirmen  kommen mit Beiträgen zu Wort. Sie verfolgen mit ihren Beiträgen kaum beschönigende Absichten, sondern haben als Praktiker den Informationsgehalt des Buches auch in kritischer Hinsicht gesteigert.  Ein Vorteil bei der Lektüre des Buches ist auch, dass es nicht bei der Auflistung volkswirtschaftlicher Grunddaten stehen bleibt, sondern eine relativ unternehmensnahe  Perspektive gewählt hat. Praktikerurteile werden ergänzt durch - und dies ist auch ein Ausweis für gute Quellenarbeit - kaum bekannte, betriebswirtschaftliche Spezialliteratur (1).

Wie der Titel vermuten lässt, wendet es sich primär an potenzielle Investoren  aus dem Kreis der bundesdeutschen Mittelstandes und der Großunternehmen.  Finanzschwache Abenteurer, die als Einzelkämpfer mit vagen Vorstellungen ihr Glück in der Ferne suchen, werden das Buch eher enttäuscht aus der Hand legen. Sie bekommen keine spezifischen erfolgversprechenden Marktnischen gewiesen, sondern müssen diese vor Ort wohl selbst finden. Auch potenzielle Großinvestoren kommen sicherlich um Eigenrecherchen und spezielle Marktstudien nicht herum. Das Buch  zeigt - wie wir noch sehen werden - nur relativ abstrakt mögliche wirtschaftliche Erfolgsfelder für bundesdeutsche Unternehmen auf.  

Ausgangspunkt für das Buch war das betrübliche Faktum, dass bundesdeutsche Unternehmen den philippinischen Markt schon seit längerer Zeit stiefmütterlich vernachlässigen (2). „Die Philippinen sind nicht auf dem Radarschirm deutscher Unternehmen, die sich in Südostasien engagieren wollen“ (S. 58). Die früheren Einkaufsbüros großer bundesdeutscher Handels- unternehmen sind - nachdem sich die globale Drehachse des Handels Richtung China verlagert hat - weitgehend abgewandert.  Auch bei der überwiegenden Anzahl der schon auf den Philippinen ansässigen deutschen Unternehmen finden nach Autorenansicht gegenwärtig kaum größere Neuinvestitionen statt. Beklagt wird insbesondere die fehlende Marktpräsenz vieler bundesdeutscher Markenartikler. „Kein Bahlsen, kein Dr. Oetker hat sich bisher vorgestellt“ (S. 155). Die Hauptintention des Buches ist deshalb, auf die wirtschaftlichen Standortvorteile der Philippinen hinzuweisen. Dies geschieht aber durchaus mit kritischer Distanz und wachsamen Blick auf die konkurrierenden Nachbarländer.  

Ein mögliches Investitionshemmnis ist sicherlich auch die bittere Erfahrung der staatlichen Enteignung, die die FRAPORT AG mit dem Bau des neuen Terminals des Internationalen Flughafens von Manila machte. Die Rechtsstreitigkeiten sind in der Sache selbst kaum abgeklärt und es wurden noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt. Dem chinesischstämmigen Unternehmensberater SyCip sagt man sehr viel Erfahrung im Umgang mit Investoren auf dem philippinischen Markt nach. Er kommt zu folgendem Urteil:“ Ein Grund für das FRAPORT-Debakel war, dass beide Seiten, sowohl die einheimische, als auch die deutsche, korrupt waren und korrumpiert haben“ (S. 186). 

Bleiben wir beim Thema Korruption, die „auf allen Ebenen stattfindet“ (S.194) und die den Philippinen den nicht sehr ehrenvollen Rangplatz 121 im globalen Korruptionsindex der CPI 2006 eingetragen hat.  Griess-Nega macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass das Rechtssystem der Philippinen - hier dem Beispiel der USA folgend - dem Prinzip der Kasuistik (Einzelfallregelungen)  und weniger dem der Kodifizierung (Gesetzesregelung). Dadurch erhält der Verwaltungsbeamte mehr Entscheidungsspielraum und gerne in Anspruch genommene Machtkompetenzen, die er auch zu seinen Gunsten einsetzen kann. Korruption verursacht sicherlich einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden auf den Philippinen. Hin und wieder hat sie bei einem schwerfälligen Beamtenapparat auch was Gutes.  Sie vermag ansonsten langwierige Entscheidungsprozesse zu „beschleunigen“ (Reichert, S. 105).        

Und dabei wären wir bei den Nachteilen des Wirtschaftsstandorts Philippinen, um die das Buch auch keinen Bogen macht. Torsten Griess-Nega formuliert folgenden provokanten Satz:“ Für deutsche Manager ohne Auslandserfahrung sind die Philippinen ein Höllentrip. Nichts ist zuverlässig, wenig funktioniert, und wer sich verabredet und auf einen philippinischen Gesprächspartner hofft, muss schon einmal zwei Stunden warten“ (S. 191). Die Schwierigkeiten lassen sich mit folgenden Schlagworten wiedergeben: 

► hoher bürokratischer Gründungsaufwand, auch wenn es Anzeichen für eine stärkere Entbürokratisierung gibt

► bei inländischen Kapitalgesellschaften muss 60 % des  Grundkapitals von Inländern gehalten werden

►  Korruption und Rechtsunsicherheit

► grundsätzlich Verbot des Erwerbs von Grund und Boden für Ausländer und ausländische Unternehmen // Schwierigkeiten bei der Einstellung ausländischer Mitarbeiter

► Schwierigkeiten bei der Einstellung ausländischer Mitarbeiter, umständliche Einfuhrprozeduren und Genehmigungspflicht bei Gewinntransfers

►  hohe Transportkosten durch unzureichende Verkehrsinfrastruktur 

Angesichts dieser möglichen Schwierigkeiten rät G. Matschuck seinen Kollegen, bei der Markterschließung viel Geduld zu haben. Er fordert Bleibewille und auch einem Schuss Abenteuerlust. Unumgänglich sei die sorgfältige Auswahl der philippinischen Unternehmenspartner wie auch der Aufbau eines seriösen Beziehungsgeflechts, das im Notfall Hilfestellungen geben kann. 

Wo sind nun aber die Lichtseiten eines möglichen Investititionsengagement auf den Philippinen? Das Bruttoinlandsprodukt der Philippinen wuchs in den letzten Jahren durchschnittlich um 5 Prozent, die Währung ist relativ stabil, Inflationsrate (2006 - 6,2 %) und Haushaltsdefizit konnte eingeschränkt werden. 

Den Investor erwartet ein Markt von über 85 Millionen Einwohnern, dessen Pro-Kopf-Einkommen - insbesondere wenn man es nach Kaufkraftparitäten misst - den  südostasiatischen Vergleich  nicht unbedingt zu scheuen braucht. Das zum Teil schulisch besser ausgebildete Arbeitskräftepotenzial ist groß und die Arbeitskosten im Vergleich zur Bundesrepublik wesentlich niedriger. Torsten Griess-Nega  geht bei einem monatlichen Durchschnittslohn eines philippinischen Arbeiters von moderaten 280 € von einem „Lohngefälle mit dem Faktor eins zu acht (manchmal bis zu zwölf)“ (S.192) aus. Philippinische Arbeitnehmer seien „unter Aufsicht“ fleißig, manuell sehr begabt und verfügen in der Regel über zureichende Englischkenntnisse. 

Bezüglich der verbesserten generellen Investitionsanreize für ausländische Unternehmer und der Investitionsschutzrechte sei der Leser auf das Buch selbst verwiesen. Wir möchten hier nur auf die besonderen Vorteile verweisen, die eine Betriebsgründung in den „Special Economic Zones“ (u.a. Subic Bay, Clark) mit sich bringt. Voraussetzung ist u.a. ein Exportanteil von 70 Prozent der hergestellten Güter. Sind die Voraussetzungen erfüllt, dann winken folgende Vorteile des philippinischen Staates: 

► steuerfreier Import von Kapitalgütern, Rohstoffe und Ersatzteilen

► 4-6-jährige Einkommenssteuerbefreiung, je nachdem, ob es sich um ein „Pionier-Unternehmen“ handelt oder nicht

► Transfer des Gewinnes ohne Genehmigung der Zentralbank

► Daueraufenthaltsgenehmigung für den Investor und seine Familienangehörigen

► Erleichterte Beschäftigung von ausländischen Mitarbeitern

 Steuergutschriften bei lokalen Anschaffungen (S. 121)

Liest man sich quer durch das Buch, dann werden von den Autoren insbesondere folgende erfolgversprechende Investitionsfelder gesehen:   

► generell bei arbeitsintensiven Herstellungsprozessen

in der IT- Industrie, auch Elektrotechnik und Elektronik

► Bergbau

► im Energiesektor

► Tourismus (insbesondere Hotelsektor)

► dem Kunsthandwerk

► und im Agrarbereich insbesondere bei der Herstellung und Produktion von Gewürzen, Essenzen und Nüssen (Pilinuss)  

Zu würdigen sind auch die relativ ausführlichen Ausführungen, die die Autoren  in Bezug auf mögliche Unternehmensformen (Liaison Office, Regional Headquarters, Branches, Joint Venture Partnertship, Single Proprietorship, Special Investor) sowie im Hinblick auf das philippinische Steuersystem (Einkommens- und Körperschaftsteuer, indirekte Steuern, Mehrwertsteuer) machen. Der potenzielle Investor wird diese Informationen  besonders zu schätzen wissen. 

Abschließend zwei kritische Randanmerkungen. Der Beitrag des jüngst berufenen Leiters des Goethe-Instituts Manila Richard Künzel bedarf einiger kleinerer Korrekturen. In seinem kurzen geschichtlichen Abriss spricht er lediglich von einem „anfänglichen Widerstand“ (S.26), den die Filipinos um 1899 den neuen amerikanischen Kolonialherren leisteten. Hätte er sich eingehender mit der philippinischen Geschichte befasst, hätte er wissen müssen, dass es sich damals um einen regelrechten „Krieg“ handelte (3). - Neben einer „Untertreibung“ hält Künzel sicher auch eine „Übertreibung“ parat, wenn er im Hinblick auf Parlamentskandidaten schreibt: “Kaum ein Kandidat, der nicht über eine kleine Privatarmee verfügt, um den Rivalen auszuschalten“ (S.22). Unterstellter Größenumfang und unterstellte Zielsetzung werden der Realität wohl nicht gerecht. Mit dieser Kritik soll indessen die Existenz von bewaffneten Begleit- und Sicherungskordons bei Politikern nicht bestritten werden.  

Ansonsten besticht das Taschenbuch - wie wir schon betonten - durch seine praxisnahe Sachkompetenz und die gute grafische Aufbereitung der Daten. Der Publikation ist eine gute Akzeptanz bei der anvisierten Leserschaft potenzieller Investoren zu wünschen. 

© Wolfgang Bethge, 2007

 

 (1) z. B. FAZ-Institut, Rödl & Partner, Investitionsführer Südostasien 2005 oder IFC Worldbankgroup Report „Doing Business“, 2008  

(2) Das gilt sicherlich auch für den politischen Sektor. Das letzte Mal hat der Bundesaußenminister Joschka Fischer im Jahre 2000 die Philippinen besucht.  

(3) Im Zuge der Auseinandersetzungen waren die Amerikaner zu einer militärischen Großoffensive unter Einsatz von 126.000 Soldaten  gezwungen. Die Zahl der zivilen Opfer  wird - genaue Zahlen sind nicht bekannt - zwischen 100.000 und einer Million geschätzt. Im Süden des Landes haben sich die bewaffneten Auseinandersetzungen sogar bis in den 1. Weltkrieg hinein gezogen.