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Nach gescheiterter Ehe mit einer Deutschen entschließt sich der – stark an eigenen Wertmaßstäben orientierte - Autor Merlin zu einer Ehe mit einer Filipina „in der Hoffnung, dort eine Partnerin für das Leben zu finden, der Ehe und Partnerschaft noch etwas bedeutet und ....die nicht dem Wahn der unbedingten Emanzipation verfallen ist“. Die Eheschließung wird wegen restriktiver administrativer Bestimmungen in Deutschland und auf den Philippinen in Hongkong vollzogen. Das Ehepaar nimmt sodann seinen Aufenthalt auf der Insel Panay in der Provinz Aklan. Den Autoren reizen die Tropen, die familiäre Bindung der Filipinos sowie die Aussicht, dort auch mit wenig Geld leben zu können.

Die Erwartungen erfüllen sich nicht. Nach fünf Jahren beschließt Merlin die Rücksiedlung nach Deutschland und schreibt sich hier in einer im Eigenverlag verlegten Broschüre seinen Ärger vom Leib. Es ist eine sehr kritische Generalabrechnung mit den Philippinen – zur Werbung für das Land taugt die Publikation sicherlich nicht. Die Liste der Vorwürfe und Ärgernisse ist sehr lang. Wir sehen überhaupt nur zwei positive Statements: (a) die Filipinos sind grundsätzlich freundlich und kontaktfreudig, (b) konzediert der Autor, er habe nun „eine anschmiegsame und treue Frau gefunden“. Die Weichen für das „glücklichste und hamonistischste Familienleben, das man sich denken kann, sind mit der Rückkehr nach Deutschland offenbar gestellt. Übrigens tritt die philippinische Ehefrau als Handelnde in den Schilderungen des Autors fast nicht auf – nur der Autor handelt  und wirft damit ein Schlaglicht auf sein doch sicherlich leicht autoritäres, angestaubtes Verständnis von Emanzipation.  

Die Gründe für die Rückkehr sind vielfältig. Zum Teil haben sie mit den Philippinen im engeren Sinne weniger zu tun. Zwar rät Merlin wegen der überlauten, lärmenden Radiomusik der Filipinos dazu, ein Grundstück mit ausländischen Nachbarn in jedem Fall anzustreben – aber es sind auch seine europäischen Bezugspersonen, die ihn in wirtschaftlichen Angelegenheiten übervorteilen, betrügen und denunzieren, so dass er sogar zehn  Tage in Untersuchungshaft gerät. Die vorgefundene Häufung stets in Geldnöten befindlicher, kriminell veranlagter Ausländer lässt auch ihn zur Aussage greifen: Hüte Dich vor den Ausländern – auch Deutschen - im Ausland. Und gerne greift er die Aussage auf, wonach auf den Philippinen nur Ausländer wohnen, „die es müssten, freiwillig würde das keiner tun“.  

Stark gelitten hat der Autor sicherlich unter der hohen Lufttemperatur und –feuchtigkeit mit ihrem Schimmeleffekt und herbeigeführten Störungen bei elektronischen Geräten sowie dem hohen Kostenanfall bei ständig klimatisierten Räumen. Noch stärker störte ihn aber die intensive Bindung der Filipinos an ihre Großfamilie. Bei räumlicher Nähe gestatte sie keine Privatsphäre und Privateigentum. Die überhöhte Position der Eltern - er spricht von einem „Heiligenstatus“ -  könne dazu führen, dass die eingeheiratete Filipina der elterlichen Familie im Konfliktfall gegenüber dem Ehemann eine höhere Priorität einräume. Der Lebensalltag wird weiterhin belastet durch Moskitos und Ameisen, die fehlenden Milchprodukte, das kaum akzeptable Weißbrot, Stromausfälle, das Abzocken von Ausländern auf Märkten, den weitgehend unregulierte Straßenverkehr, nicht verknüpfte Telefonnetze, Rechenschwierigkeiten, lange Postauslieferungszeiten und das Nichteinhalten von Terminen und Vereinbarungen.

Besonders in Harnisch gerät unser Autor über die „zumeist äußerst schlechte“ Qualität einheimischer Produkte und handwerklicher Arbeiten. Die „laxe“ Arbeitsauffassung geißelt er unter anderem mit folgenden Sätzen:  

Wenn Sie jemanden fragen, ob er diese oder jene Arbeit ausführen könne, wird ihnen das stets versichert werden. Das kann zur Folge haben, dass sie den zu reparierenden  Gegenstand in einem weitaus schlechteren Zustand zurückerhalten, als sie   ihn abgegeben haben.“

„Sie finden auf den Philippinen zumeist etwa drei Personen für eine Tätigkeit vor, die   problemlos von einer einzigen verrichtet werden könnte .“

„Man besitzt auf den Philippinen keinerlei Verantwortungsgefühl für die Qualität der  geleisteten, eigenen Arbeit. Aufträge werden mit einem minimalisierten Einsatz von  Material   und eigenem Engagement ausgeführt, selbst gegen eindeutige, andere Absprachen.“ 

Und als Quintessenz empfiehlt unser Autor:

Es ist dringend geboten, die ablaufenden Arbeiten ständig zu kontrollieren.“  

Merlin vermisst – insbesondere bei Gewerbetreibenden - eine auf gezieltem Sparen basierende Lagerhaltung und Kapitalbildung und fordert vom Staat eine bessere handwerkliche Ausbildung, gesetzliche Gewährleistungs- und Garantieregelungen sowie stärkere rechtsstaatliche Sanktionen zum Beispiel bei Zahlungsverzug. Er registriert eine Vielzahl von Eigentumsdelikten  und konstatiert eine generelle Rechtsunsicherheit bei gleichzeitig vorhandenem Überbürokratismus und belastendem Überformalismus zum Beispiel bei der Erteilung von Dauervisa. Korruption sei an der Tagesordnung „bis in die höchsten Regierungsstellen hinein“. Aufgrund des Kolonialismus sei der Ausländer zum Beispiel beim Grundstückserwerb und Geschäftseröffnungen gegenüber dem Inländer definitiv benachteiligt.

Sein – in holprigem Deutsch formuliertes - Fazit ist düster: Wenn die Philippinen derart mit den Ausländern und vor allem selbst so untereinander verfahren, dürfen sie sich über Not, Armut und ausufernde Kriminalität, nicht verwundern. Man braucht kein Prophet zu sein, um sagen zu können, dass sich die Philippinen auf absehbare Zeit nicht werden aus ihrer Notlage erheben können, mit dem täglichen Kampf für eine Handvoll Reis, um überhaupt zu überleben.“

Merlin rät dringend von einer Umsiedlung auf die Philippinen ab und belegt seine zum Teil schroffen Bewertungen anhand von Fallbeispielen, die an Krimis erinnern.  Es erhebt sich indessen die Grundfrage, sind diese Fallbeispiele repräsentativ für generelle Verdikte oder hat hier nicht auch der Zorn die Feder geführt?    

© Wolfgang Bethge, 2002