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„Das Beste im Leben ist, Verständnis für alles Schöne zu haben“, schreibt der griechische Dichter Meander. Für die Filipinos scheint dies im besonderen Maße zu gelten. Sie haben die Suche nach dem Schönen – seien es Tiere, Objekte oder Menschen - in besonderem Maße institutionalisiert. Anlässlich der Lechon Fiesta in San Juan macht man sich auf die Suche dem schönsten gebratenen und dekorierten Spanferkel. In der Provinz Bulacan (Fiesta of San Isidro Labrador) feiert man am 14. Mai ein "Carabao Festival". Der Wasserbüffel mit dem schönsten Bänderschmuck um Hals und Hörner erhält einen Preis. Wie in anderen westlichen Ländern auch gibt es Wettbewerbe um den schönsten Hund, die schönste Katze. Warenhäuser wetteifern um die schönste Halloween- oder Weihnachtsdekoration. Manche Subdivisions (bessere Häuserviertel) prämieren das Haus mit der schönsten Weihnachtsillumination. Und was Personen anbelangt, so finden sich auf den Philippinen Schönheitswettbewerbe für kleine Knirpse, Mamas, Omas, Haushaltshilfen oder Homosexuelle. Diese Schönheitswettbewerbe können bei weitem jedoch nicht konkurrieren mit den Schönheitswettbewerben („beauty peagants“), bei der junge philippinische Ladies landauf landab auf lokaler, provinzialer, nationaler oder internationaler Ebene um die Krone der schönsten Miss konkurrieren. Westeuropäer mögen bei dem Stichwort „Misswahlen“ milde lächeln, religiöse Fundamentalisten sie strikt als „Fleischbeschau“ ablehnen – für die überwiegende Mehrzahl der Filipinos sind Schönheitswettbewerbe - trotz Armut, Terrorismus und anderer Negativtrends im Lande - feste, mit Leidenschaft verteidigte Veranstaltungen. Schon die erste Frau in der philippinischen Mythologie hieß „Maganda“ (Schön) – Generationen von Nachfolgerinnen wollen diesen Anspruch durch Teilnahme an Schönheitswettbewerben nochmals ausdrücklich unterstreichen und gleichzeitig dokumentieren, dass sie die pubertäre Mädchen-Phase hinter sich gelassen haben. Nun soll hier nicht behauptet werden, dass alle Filipina höchsten Schönheitsidealen genügen. Eine solche Aussage verbietet sich schon wegen der Subjektivität der Wertung, denn schon ein altes Sprichwort behauptet zu recht, dass die Schönheit in den Augen des Betrachters liegt. Auch könnten Spötter einwenden, warum sollen ausgerechnet die in der Regel kleinwüchsigen Filipinas mit ihrer „Mopsnase“ und ihrem harten, schwarzen Haar als besonders „schön“ gelten? Dennoch gilt es zur Kenntnis zu nehmen, dass die Philippinen – wie wir noch sehen werden - im Rahmen von internationalen Miss-Wahlen oft hervorragend abschnitten. Ein philippinischer Kolumnist äußerte in diesem Zusammenhang: “Indeed the Philippines is home to a lot of beautiful girls“ (Die Philippinen sind in der Tat die Heimat von vielen schönen jungen Frauen) und führt als Begründung an: “We´ve been blended with several races in our blood and that made our features so unique“ (In unserem Blut wurden verschiedene Rassen gemischt und das machte uns so einzigartig). Die Zahl der Schönheitswettbewerbe auf lokaler Ebene ist unübersehbar. Auch relativ arme Baranguays (Dörfer) krönen ihre sommerlichen Fiestas mit aufwendigen Schönheitswettbewerben. Die Kandidatinnen betreiben dabei einen beachtlichen Dekorations- und Kosmetikaufwand, bis sie schließlich als halb entrückte Schönheitsköniginnen auf der Bühne erscheinen. Bürgermeister und Provinzpolitiker finden bei der Preisvergabe ein unverzichtbares Forum. Auf nationaler Ebene operiert - im Zusammenwirken mit den TV-Medien - eine ganze Branche von Ausrichtern, die mit immer wieder neuen Titulaturen aufwarten. Es gibt nicht nur Auswahlwettbewerbe um die bekannten Titel der Miss Universe oder Miss International. Gekämpft wird auch um solche Titel wie „Miss Young“, „Miss Maja“, „Miss World“, „Miss World Peace“ oder „Miss Earth“ (mit ökologischen Fragenkatalog). Angebliche Experten und Prominenz „screenen“ nicht nur die körperliche Erscheinung und das graziöse Auftreten, sei es im Badeanzug oder im Abendkleid. Auch Charme, Witz, Intelligenz oder soziales Engagement sind weitere Auswahlkriterien sein. Auf letztere Kriterien legt man in der Öffentlichkeit zunehmend Wert, um dem Vorwurf der „reinen Fleischbeschau“ zu entgehen. Bei der Auswahl zu internationalen Wettbewerben ist oft auch ein Minimum an Körpergröße und ein höherer Schulabschluss mit Englischkenntnissen gefragt. Denn es finden sich auch auf den Philippinen Kritiker, die Schönheitswettbewerbe mit Begriffen wie erniedrigende Körpervermarktung, Frauenausbeutung, unmoralische Provokation und geilem Gaffertum belegen. Zu der kleinen Zahl an Gegnern gehört zum Beispiel Nelio Sanchez, eine frühere Teilnehmerin an einem nationalen Wettbewerb. Aber die Situation ist keineswegs mit der in moslemischen Ländern vergleichbar, bekanntermaßen mussten 2002 die Miss World-Wahlen in Nigeria wegen starker Proteste abgebrochen werden. Ganz im Gegenteil - die Ausrichtung von internationalen Wettbewerben ist in der Vergangenheit von den jeweiligen Regierungen unterstützt worden. Dies gilt nicht nur für die Marcos-Ära, auch der ansonsten doch sehr rationale Regierungschef Ramos meinte mit finanziellen Zuschüssen den Not leidenden Tourismus fördern zu können. Der spätere Präsident Estrada soll in seiner Zeit als Vizepräsident eine kurzfristige Affäre mit der Miss Columbia Caroline Gomez gehabt haben.
Ganz stolz sind die Filipinos auf
ihre erfolgreichen Miss International und Miss Universum-Teilnehmerinnen.
Im Jahre 1969 wurde die erst sechzehnjährige, relativ kurzbeinige
Gloria Diaz zur Miss Universum gewählt. Sie bestach durch ihren Charme
und ihre Perücke und wusste als
Die Philippinen können ferner auf drei Misses International (Gemma Cruz, Aurora Pijuan, Melanie Marquezas) verweisen. Die 21-jährige Gemma Cruz, eine Groß-Groß-Nichte von Jose Rizal und Tochter eines Apothekerin und eines Schriftstellers, wurde 1964 zur Miss International gewählt. Als Mitglied einer reicheren Familie verzichtet sie auf das Preisgeld und stellt es einem karitativen Zweck zur Verfügung. Sie hat später in Büchern und Zeitschriftenbeiträgen auch zu politischen Themen Stellung genommen und war von 1999 bis 2001 Ministerin für Tourismus. Die nun ältere Dame gilt als sehr kultiviert und soll gelegentlich auch noch die kaum bekannte Nasenflöte spielen. Über die beiden anderen Titelträgerinnen ist wenig bekannt.
Die nachfolgenden Jahrzehnte können
nicht mehr an diese hohen
Die Biografien zeigen, dass Bewerberinnen aus der Unter- und Mittelschicht nach ihrer erfolgreichen Wahl und Krönung attraktive Heiratskandidatinnen für die vermögende Oberschicht sind. Den erfolgreichen Kandidatinnen bietet sich so die Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs und eine relativ glückliche, sorgenfreie Lebensperspektive. Es ist nur ein Suizidfall einer gekürten Miss bekannt, deren Ehe mit einem Politiker offenbar unglücklich verlief. Trotzdem macht man sich im Kreise der philippinischen Veranstalter – hier ist insbesondere die Firma Carousel Productions zu nennen - Sorgen darüber, dass sich offenbar zu wenige junge Frauen Miss-Wahlen stellen. Einen Grund hierfür sieht man – bei gegebener Armut - in der Notwendigkeit frühzeitiger und aufzehrender Erwerbsarbeit von jungen Frauen. Andere Beobachter meinen, dass junge Filipinas heutzutage eher in einer beruflichen Arbeit als in Beteiligung an Schönheitswettbewerben mögliche Trittbretter in eine bessere Zukunft sehen. Schließlich könnte auch ein ganz anderer Grund dafür maßgeblich sein, dass philippinische Schönheitsköniginnen auf dem Top-Level-Niveau in der jüngeren Gegenwart rarer geworden sind. Wir wissen, dass den Kosmetik vertreibende Firmen wie AVON oder UNILEVER als Finanziers von großen Schönheitswettbewerben eine maßgebliche Rolle zukommt und man darf wohl auch einen entsprechenden Einfluss auf Veranstaltungsorte und Kandidatenauswahl annehmen. Möglicherweise steuern internationale Marketing- und Vertriebsgesichtspunkte eben auch die Auswahl der erfolgreichen Kandidaten und sicherlich gibt es neben den Philippinen noch andere Länder mit wenig erschlossenem Marktpotenzial, die es mit dem Instrument der Schönheitswettbewerbe zu beackern gilt. © Wolfgang Bethge, 2004 |