Historische Grunddaten der philippinischen Geschichte - Teil 3

                                                                                                   Zeitgeschichte nach 1945                                        

 

05.07.

 

1945

 

General MacArthur verkündigt die Befreiung der Philippinen. Der Kriegseinsatz auf den Philippinen kostete ca. 300.000 japanischen, 60.000 amerikanischen und ungefähr 100.000 philippinischen Soldaten das Leben. Die zivilen Opfer werden auf eine Million geschätzt.

 

15.08.

1945

Nach den amerikanischen Atombomenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki kapituliert Japan offiziell.

 

12.09.

1945

Marionettenpräsident Laurel wird in Japan verhaftet und zur Aburteilung auf die Philippinen verbracht.

 

20.04.

1946

Manuel Roxas von der Liberal Party besiegt  in einer Präsidentschaftswahl  den Amtsinhaber Osmena von der Nacionalista Party. Wahlmanipulationsvorwürfe halten sich.

 

28.05.

1946

Manuel Roxas wird Präsident der dritten philippinischen Republik (Commonwealth-Status). Die Regierung findet jedoch in der Bevölkerung wenig Zuspruch. Es blühen der Schwarzhandel und die Korruption bei anhaltender allgemeiner Armut der Bevölkerung.

 

04.07.

1946

Die USA erklären unter Präsident Truman die Philippinen offiziell als  unabhängig. Das Land bleibt aber weiterhin in starker wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit von Amerika. Die USA behalten das Recht, militärische Stützpunkte auf dem Archipel zu unterhalten und sie sichern sich wirtschaftliche Vorteile durch Exportbeschränkungen für philippinische Güter und Zollfreiheit für amerikanische Güter ( Bell Trade Act). Der Bell Trade Act bremst ganz entschieden die Industrialisierung des Landes. Die Philippinen erhalten zwar eine Kriegsentschädigung von 620 Millionen Dollar, im Gegenzug erhalten die Amerikaner weitgehende Rechte bei der Ausbeutung von Bodenschätzen.

 

30.09.

1946

Eine Novellierung des Pachtgesetzes („Amended Tenancy Act“) begünstigt die feudale Großgrundbesitzeroligarchie und schürt die Unruhe unter Bauern und Arbeitern.  

Die Hukbalahap (HUK), die noch über Waffen aus dem 2. Weltkrieg besitzt und die für ihre Widerstandsarbeit von Seiten der Amerikaner keine Anerkennung fand, findet mit ihrem radikalen Bodenreformkonzept und ihrem Kampf gegen ausbeuterische Großgrundbesitzer viel Zulauf unter der bäuerlichen Bevölkerung. Die Kampfzone der rebellischen HUK´s weitet sich neben Zentral-Luzon auch auf die Provinzen Bataan und Zambales aus.  

 

28.01.

1947

Präsident Roxas verkündigt eine Amnestie gegenüber Kriegskollaborateuren. Aus der Haft werden u.a. die folgenden Vertreter der alten Machtelite entlassen: Jose P. Laurel (Ex-Präsident), Claro M. Recto (Ex-Außenminister), Benigno Ramos (Führer einer militanten projapanischen Jugendorganisation), Jose Vargas (philipp. Botschafter in Japan) und Benigno Aquino Sr. (Ex-Regierungsmitglied und Vater des später ermordeten  Benigno Aquino jr.).

 

06.03.

1947

Präsident Roxas erklärt die bäuerliche HUK-Bewegung als kommunistisch eingefärbte Bewegung für illegal. Sie wird der Aufwiegelei und des versuchten Staatsumsturzes bezichtigt.

Jose und Jesus Lava bemühen sich um eine Integration der einzelnen Gewerkschaften. Die (Betriebs-) Gewerkschaften bleiben aber bis in die Gegenwart hinein stark zersplittert.

 

15.04.

1947

Präsident Roxas verstirbt an einer Herzattacke. Vizepräsident Elpidio Quirino folgt ihm im Amt nach. Er will die dringlichsten Probleme des Landes lösen und nimmt Verhandlungen mit den HUK-Rebellen in Zentral-Luzon auf. Gegen Abgabe der Waffen verspricht er eine Amnestie. Beide Seiten haben jedoch starke Vorbehalte gegeneinander.

 

15.08.

1947

Die etwa 30.000 Mitglieder zählende HUK-Bewegung nennt sich in „Hukbong Mapagpalaya ng Bayan (Bewegung der Befreiungs-Armee) um und errichtet sechs Regionalkommandos. Sie ist schlecht bewaffnet. In der chinesischen sozialistischen Revolution sieht sie ein Vorbild.

 

08.09.

1947

Ein Friedensvertrag mit Japan, der Reparationsleistungen Japans einschließt, wird abgeschlossen.

 

 

1949

Wahl von Ferdinand E. Marcos ins philippinische Parlament. Schon jetzt rühmt er sich seiner "Heldentaten" im 2. Weltkrieg, die einer Überprüfung jedoch nicht standhalten.

 

31.08.

1950

Ramon Magsaysay wird von Präsident Quirino zum Verteidigungsminister bestellt. Er genießt die Wertschätzung der amerikanischen Regierung und nimmt auch paramilitärische und psychologische Hilfestellungen der amerikanischen CIA unter der Leitung von Edward Landsdale bei der Niederschlagung von Aufständen in Anspruch. Tatsächlich verliert die HUK-Bewegung an Terrain und Unterstützung bei der ländlichen Bevölkerung.

Bis 1950 unterstützen die USA das philippinische Militär mit Ausrüstungsmaterialien im Wert von 200 Millionen US$.

 

21.10.

1950

Die „Writ of Habeas Corpus“- Grundrechte werden zum Teil aufgehoben, um eine schnellere und längere Inhaftierung von Führern der kommunistischen Bewegung zu ermöglichen. 

 

 August

1951

Mit finanzieller Unterstützung der CIA wird die „National Movement for Free Election“ (NAMFREL) gegründet.

 

10.11.

1953

Ramon Magsaysay gewinnt mit massiver Unterstützung der CIA die Präsidentenwahl vor dem bisherigen Amtsinhaber Quirino. Der populäre Politiker setzt sich für soziale Reformen ein - hier stößt er jedoch auf den Widerstand der Großgrundbesitzerkaste - und er will die Infrastruktur des Landes verbessern.

 

 

1954

Präsident Magsaysay unterzeichnet den „Agricultural Tenancy Act“. Die Landreform soll die Position der Bauern als Landpächter stärken und willkürliche Vertragsaufhebungen einschränken. Die wirtschaftliche Situation der Landbevölkerung bessert sich etwas.

 

16.05.

1954

Der Huk-Führer Luis Taruc ergibt sich den Regierungstruppen und wird zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Huk-Bewegung verliert an politischer Kraft, nur eine kleine Gruppe unter Jesus Lava, später Vorsitzender der (stalinistisch orientierten) kommunistischen Partei (CPP), führt den Kampf stark geschwächt fort.

 

21.07.

1954

Die „South East Asian Treaty Organization“ (SEATO) wird in Manila begründet. Hauptziel ist die Eindämmung der kommunistischen Expansion in Südostasien. Vertragsunterzeichnende Staaten sind neben den Philippinen und Thailand die USA, Großbritannien, Frankreich, Australien, Pakistan und Neuseeland.

 

15.12.

1954

Das „Laurel-Langley Agreement“ wird zwischen den Philippinen und den USA unterzeichnet. In diesem Abkommen wird der philippinische Markt für amerikanische Unternehmen geöffnet.

 

 

1955

Die „Land Reform Act“ sieht vor, dass privates Land von Staats wegen  enteignet werden kann, sofern ein Einzelperson mehr als 300 Hektar, eine Gesellschaft mehr als 600 Hektar besitzt.

 

17.03.

1957

Präsident Magsaysay verstirbt bei einem Flugzeugabsturz in Cebu. Vizepräsident Garcia übernimmt sein Amt.

 

20.06.

1957

Verbot der kommunistischen Partei der Philippinen. Eine aktive Mitgliedschaft konnte mit der Todesstrafe belegt werden.

 

14.11.

1957

Aus der Präsidentschaftswahl geht Carlos P. Gracia als Sieger hervor. Er versucht, die Politik des Präsidenten Magsaysay fortzusetzen.

 

07.11.

1961

Diosdado Macapagal (Vater der heutigen Präsidentin) löst Präsident Garcia im Amt ab. Sein Regierungsprogramm „New Era“ will die philippinische Gesellschaft moralisch erneuern, die Korruption bekämpfen, die landwirtschaftliche Produktivität erhöhen und mehr soziale Gerechtigkeit herstellen. Es handelt sich um einen Zielkatalog, der auch bei den nachfolgenden Präsidenten - unabhängig von ihrer liberalen oder nationalen Parteiausrichtung - immer wieder auftauchen wird. 

Tatsächlich verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation bei steigender Inflation und Arbeitslosigkeit. Auch die Auslandsverschuldung wächst rasant. Seine Machtposition ist durch interne Zwistigkeiten und Querelen geschwächt.

 

21.01.

1962

Kaum noch Importbeschränkungen und freier Wechselkurs des Pesos. Lokal hergestellte Produkte geraten unter Preisdruck.

 

 

 

                                      DIE MARCOS - PRÄSIDENTSCHAFT (1965 - 1986)

 

 

 

09.11.

1965

Präsidentschaftswahlen - Ferdinand Marcos, der zuvor von der Liberal Party zur Nacionalista Party wechselte, erhält mit 75 % Wählerstimmen weitaus mehr Stimmen als der bisherige Amtsinhaber Macapagal. Auch bei dieser Wahl ist von Wahlbetrug die Rede.

 

30.12.

1965

Ferdinand Marcos wird als Präsident eingeführt. Er ist der sechste Präsident der dritten Republik der Philippinen. Er übernimmt das in vielen Krisen befindliche Land und konzentriert sich in den Folgejahren insbesondere auf den Ausbau der Infrastruktur des Landes und führt in diesem Zusammenhang durchaus erfolgreiche Beschäftigungsprogramme durch. Mit der Vergabe von Projekten schafft er sich eine Kreis von Günstlingen. Die versprochene Landwirtschaftsreform bleibt in ersten Ansätzen stecken.

 

16.08.

1967

Vier Tage anhaltende Eruption des Mt. Taal

 

 

1967

Wachsender religiöser und politischer Separatismus in den moslemisch geprägten Landesteilen von Mindanao schafft in den nächsten Jahrzehnten ein überaus starkes Konfliktpotential. Er wird auch verursacht durch die von Manila lange Zeit geförderten Einwanderungswellen verarmter Bauern aus dem Norden des Landes.  

Der Politologe Nur Misuari gründet auf Mindanao die militante Separatistenbewegung „Muslim National League“ (MNL). Die philippinische Armee kämpft zukünftig an zwei Fronten.

 

02.08.

1968

Starkes Erdbeben in Luzon mit Personen- und Sachschaden in Manila.

 

28.03.

1968

„Jabidah Massaker“ - die philippinische Armee tötet junge Moslems, als diese versuchen, aus einem Militärcamp in Corregidor zu fliehen.

 

Mai

1968

Als Folge des Massakers verstärkte Separationsbestrebungen im Süden des Landes. Misuari organisiert seine Gruppierung neu und nennt sie fortan „ Moro National Liberation Front“ (MNLF). Maximalforderung ist die Gründung eines unabhängigen, moslemisch geprägten Staates im Süden. Die Gruppierung wird von der Organisation der islamischen Konferenz unterstützt.  

Datu Udtong gründet die „Muslim Independence Movement“. Weitere - teilweise konkurrierende - Moslemgruppierungen werden hinzukommen.

 

26.12.

1968

Die alte (stalinistisch orientierte) CPP hat mittlerweile ihre Erwartungen auf eine soziale Revolution gedämpft, sie verzichtet weitgehend auf Gewaltaktionen und trägt bis 1980 Teile des Regierungsprogramms von Marcos mit. 

Diese Entwicklung stößt auf parteiinternen Protest. Der Universitätsprofessor Jose Maria Sison, vordem Funktionär innerhalb der Jugendbewegung der CPP, gründet deshalb zusammen mit anderen Intellektuellen eine neue militante und maoistisch orientierte Partei, die CPP.  

Siehe hierzu auch: Jose Maria Sison - Revolutionär in der Sackgasse

 

29.03.

1969

Jose Maria Sison und Barnabe Buscayno („Kumander Dante“) gründen in Tarlac die „New Peoples Army“ (NPA) als militärischen Arm der CPP. Die NPA sieht sich in der Nachfolge der Huk-Bewegung und beginnt einen Guerillakrieg gegen die Regierung.

 

29.10.

1969

42 Tage ergießt sich Lava aus dem Mt. Taal.

 

07.11.

1969

Wiederwahl von Präsident Marcos. Er stellte seinen Wahlkampf unter das Leitmotiv „This nation will be great again“. Der Wahlkampf gegen Herausforderer Sergio Osmena Jr. wurde sehr schmutzig geführt („guns, goons and gold“). 

Die zweite Regierungsperiode von Marcos wird ungleich ungünstiger beurteilt. Es wird ihm in den nächsten Jahren nicht gelingen, wirtschaftliche Wachstumsraten zu erzielen, die dem Bevölkerungswachstum annähernd entsprechen. Zwar drängt er den Einfluss der alten Großgrundbesitzerfamilien zurück. Er begünstigt jedoch in seiner Wirtschaftspolitik ihm nahestehende Industrie- und Handelsoligarchen („Crony´s“) sowie Familienangehörige (Nepotismus).  Die Korruption im Lande wird kaum eingedämmt, er befördert sie sogar. Privatarmeen werden entwaffnet, die staatlichen Streitkräfte verstärkt.

 

 

1970

Die Philippinen erleben in den ersten drei Monaten des Jahres („First Quarter Storm“) landesweite Demonstrationen, Streiks und Ausschreitungen. Man demonstriert u.a. gegen Armut, die feudalistische und kapitalistisch geprägte Wirtschaft, die amerikanischen Militärbasen, Korruption und Bestechung. Der Protest wird stark von Studenten getragen ( „Schlacht von Mendiola“).  

Auf Mindanao bekämpfen sich radikale christliche Siedler („Ilagas“)  und radikale Moros („Blackshirts“). Beide Gruppierungen sind schwer bewaffnet. 

Die Philippinen beteiligen sich mit 2000 Mann auf amerikanischer Seite am Vietnamkrieg.

 

01.06.

1971

Eine neue Verfassung („Constitutional Convention“) wird unter Leitung der früheren Präsidenten Carlos Garcia und Diosdado Macapagal ausgearbeitet. Die alte Verfassung stammte noch von 1935.

 

21.08.

1971

Bombenanschlag auf dem „Plaza Miranda“ in Quiapo, Manila, während einer Kundgebung der Liberalen Partei mit Toten und Verletzten. Die Attentäter bleiben unbekannt, man vermutet jedoch Regierungskreise hinter dem Attentat.

Auf das Auto des Verteidigungsministers Ponce Enrile wird geschossen. Später stellt sich heraus, dass der Vorfall von ihm selbst inszeniert wurde - vermutlich um für das nachfolgende Kriegsrecht  weiter zu legitimieren.

 

22.08.

1971

Marcos hebt - angesichts der kommunistischen Bedrohung, separatistischer Unruhen im Süden und studentischer Proteste - Schutzrechte der „Writ of Habeas Corpus“ auf. Er verweist in seiner Begründung auf eine angebliche Verschwörung rebellischer, „ungesetzlicher Elemente“,  die die legal gewählte Regierung stürzen wollen.

 

22.11.

1971

„Tacub Massaker“, bei dem 40 Moslems in Cotabato von Militärangehörigen aus unbekannten Gründen getötet werden. Die Konflikte im Süden verschärfen sich nach dem Vorfall.

 

 

1972

Bombenanschläge im ganzen Land. Die MNLF fordert verstärkt die Unabhängigkeit der moslemisch geprägten Provinzen.

 

22.09.

1972

Präsident Marcos verhängt das Kriegsrecht über die Philippinen. Er regiert nun per Dekrete (Regierungserlasse), verbietet Parteien und beschneidet die Pressefreiheit und andere bürgerlichen Grundrechte. Die demokratischen Institutionen werden mehr oder weniger Attrappe. Das Militär unter dem Verteidigungsminister Ponce Enrile übt die Polizei- und Justizgewalt aus. Die USA protestieren übrigens nicht gegen den Demokratieabbau.

 

23.09.

1972

Verhaftungen unter den Gegnern von Marcos werden angeordnet. Zu den ersten Inhaftierten gehört Senator Benigno Aquino Jr., dem man eine Mitbeteiligung an einer Verschwörung vorwirft.

 

23.09.

1972

Offizielle Verkündigung des Kriegsrechts durch Marcos. Mit der Verhängung des Kriegsrechts will er nach seinem Bekunden die Anarchie im Lande auflösen und Recht und Ordnung wieder herstellen. Er beschwört empathisch eine „New Society“.  "Law and Order" des Kriegsrechts wird  angesichts der angeblich drohenden Anarchie von Teilen der Gesellschaft zunächst begrüßt.

Weitere Verhaftungen, Folterungen und Erpressungen von den Gegnern von Marcos folgen. Eine nächtliche Ausgangssperre wird verhängt, der Kongress wird suspendiert.

 

21.10.

1972

Marcos verabschiedet das „Tenant´s Emancipation Patent“, das 450.000 Pächtern durch Zertifikate und Tilgungen zu Landbesitz verhelfen will.

 

22.10.

1972

Bewaffnete Moros besetzen Regierungseinrichtungen in Lanao del Sur und Marawi, Regierungstruppen müssen eingreifen. 

 

29.11.

1972

Die neue Verfassung wird verabschiedet. Ihre Übergangsbestimmungen  reduzieren jedoch nicht die diktatorische Machtfülle von Markos.

 

 

1973

Moslem-Führer Misuari besucht Lybien und bittet um militärische Unterstützung seines Kampfes in Mindanao.

 

10.01.

1973

Marcos will seine „Neue Verfassung“ durch ein „Plebiszit“, das sich aber nicht an sein Staatsvolk richtet, legitimieren. Er beruft eine Versammlung von Barangay-Vertretern ein, die mehrheitlich für seine Verfassung stimmen. Die neue Verfassung erlaubt ihm im Prinzip die Fortführung des Kriegsrechts und sieht die Aussetzung von Wahlen für die nächsten sieben Jahre vor.  Das Zweikammersystem von Upper House (Senat) und Lower House (House of Representatives) sollte aufgelöst werden.

 

 April

1973

Die CPP begründet die linksgerichtete Dachorganisation „National Democratic Front“ (NDF). Sie umfasst  insgesamt 13 regierungskritische Organisationen.

 

27.07.

1973

Präsident Marcos führt ein Volks-Referendum durch, dessen erfolgreicher Ausgang ihm gestattet, auch nach 1973 weiter zu regieren. Er hätte sich sonst nicht einer weiteren dritten Wahl stellen dürfen.

 

01.12.

1974

Jose Maria Sison veröffentlicht unter seinem Kriegsnamen Amado Guerrero einen maoistisch inspirierten Essay unter dem Titel  „Specific Charactistics of Our People´s War“. Darin beschreibt er Strategien und Taktiken, wie ein revolutionärer Krieg auf den Philippinen erfolgreich durchgeführt werden könnte. 1976 wird ein weiterer längerer Essay von ihm, „Our Urgent Tasks“, veröffentlicht.

 

04.01.

1976

Verhaftung des Pressesprechers der NPA sowie des bekannten Journalisten Satur Ocampo.

 

26.08.

1976

Verhaftung des NPA-Führers „Kumander Dante“.

 

16.10.

1976

Es wird wiederum ein Plebiszit durchgeführt, das Marcos erlaubt, das Land unter Kriegsrecht zu regieren. Die legislativen Vollmachten des Präsidenten werden gestärkt.

 

23.12.

1976

Abschluss des sogenannten „Tripoli-Abkommen“: Vertragsunterzeichner sind die philippinische Regierung, die separatistische MNLF und die Organisation der Islamischen Konferenz. Das Abkommen sieht die volle Autonomie in 13 Provinzen (u.a. auch in North Cotabato und Palawan) innerhalb der nationalen Souveränität der Philippinen im Süden vor.  

Die MILF, die sich von der MNLF abgespalten hat, akzeptiert dieses Abkommen nicht. Deshalb setzt sich der Bürgerkrieg im Süden fort.

 

17.08.

1976

Ein Erdbeben der Stärke 7,8 und ein nachfolgender Tsunami töten ca. 8000 Personen in der Küstenregion von Mindanao.

 

20.01.

1977

Erstes Waffenstillstandsabkommen zwischen Vertretern der philippinischen Armee mit Vertretern der MNLF.

 

04.03.

1977

Präsident Marcos veröffentlicht ein Dekret, das eine „Bangsa Moro Islamic Government“ vorsieht und 13 Provinzen die Autonomie gibt. Die Regierungstruppen werden aus diesen Gebieten zurückgezogen. Die Regionen 9 und 12 erhalten gleichfalls die Autonomie, bleiben aber räumlich voneinander getrennt.  

 

17.08.

1977

In den 13 Moslem-Provinzen wird ein Referendum über eine Gebietsfusion abgehalten. Das Referendum scheitert, die Fusion wird daraufhin - entgegen den Vereinbarungen des Tripoli-Akommens - nicht weiter betrieben.

 

10.11.

1977

Verhaftung des CPP-Führers Jose Maria Sison und nachfolgende Inhaftierung in Fort Bonifacio. 

 

16.12.

1977

Ein erfolgreiches Referendum erlaubt Präsident Marcos weiter im Amt zu bleiben.

 

08.04.

1978

Ein vorläufiges - weitgehend bedeutungsloses - Parlament wird gewählt, in dem die Regierungspartei 113 der 165 Wahlsitze stellt.

 

08.05.

1980

Nach mehr als siebenjähriger Einzelhaft wird Benigno Aquino Jr. freigelassen. Man will ihm eine Operation in den USA ermöglichen.

 

17.02.

1981

Papst Johannes Paul II trifft auf den Philippinen ein. Anlässlich des Besuches wird der Kriegszustand für drei Tage aufgehoben.

 

07.04.

1981

Ein Plebiszit gestattet ein verändertes parlamentarisches System. Es sieht u.a. vor, dass der Präsident sowohl als Staatsoberhaupt als auch als Chef der Exekutive  fungiert. Mit der Bestimmung, dass ein Präsidentschaftskandidat zumindest 50 Jahre alt sein müsse, wird eine mögliche Wahl des jüngeren Benigno Aquino Jr. ausgeschlossen.

 

16.06.

1981

In einer Präsidentschaftswahl gewinnt Marcos 88 % der Wählerstimmen. Oppositionsparteien sind nur beschränkt zugelassen. Zumeist boykottieren sie die Wahl. Die kaum bekannten Konkurrenten gelten als „Schein-Gegner“. Marcos kann nun im Prinzip weitere sechs Jahre regieren.

 

21.04.

1982

Der Vorsitzende der NDF Horacio Morales wird verhaftet.

 

21.08.

1983

Benigno Aquino jr. wird nach dreijährigem Asyl in den Vereinigten Staaten auf dem International Airport Manila erschossen. Die Tatumstände sind bis zum heutigen Tag nicht voll abgeklärt. Die Regierung behauptet, der kurz danach erschossene Täter Rolando Galman handelte als Agent im kommunistischen Auftrag. Es kommt zu diversen gerichtlichen Untersuchungen, die teils mit Freisprüchen enden. Erst 1990 werden 16 Angeklagte (u.a. Offiziere des Flugsicherungsbegleitkommandos) zu lebenslanger Haft verurteilt.   

Der Ruf der Regierung ist schwer beschädigt. Demonstrationen finden im ganzen Land statt. Symbolisches Zeichen für den Protest ist u.a. gelbes Konfetti-Papier, das aus den Fenstern höherer Gebäude in Manila geworfen wird. Untersuchungskomitees werden gegründet. 

Ausländische Investoren beginnen das Land zu meiden. Eine wirtschaftliche Krise zeichnet sich ab.

 

16.05.

1984

Parlamentswahlen, bei der in größerem Umfang auch Oppositionsparteien zugelassen sind. Sie erhalten insgesamt 43 % der Stimmen. Im Parlament haben aber Marcos-loyale Parteien und Gruppierungen weiterhin die Oberhand.

 

10.09.

1984

Der Mount Mayon stößt dreizehn Tage lang Aschenwolken aus.

 

 

1985

Ein 2,5 Mrd. US $ teures Kernkraftelekrizitätswerk wird fertig gestellt. Es wird aber aus Umweltschutzgesichtspunkten nie in Betrieb gehen.

 

20.09.

1985

„Escalante Massaker“ auf Negros Occidental. Das Militär feuert in eine Demonstrationsgruppe und tötet dabei 21 Demonstranten.

 

03.11.

1985

Präsident Marcos kündigt auch auf ausländischen Druck hin vorgezogene Wahlen für Mai 1986 an. Die linksorientierte „Neue Patriotische Fron“ (Bayan) entscheidet sich für einen Boykott der Wahlen.

Das persönliche Vermögen  von Präsident Marcos und seiner Familie im In- und Ausland wird jetzt auf über 10 Milliarden US$ grob geschätzt. Der Marcos-Clan wird später immer wieder herausstellen, der Reichtum der Familie stamme vor allem aus Goldgeschäften in der Nachkriegszeit, tatsächlich resultiert er primär aus Provisionen und Kommissionen für die Vergabe von Regierungsaufträgen an "Cronies". Berühmt-berüchtigt wurde der luxuriöse Lebensstil und die Shopping-Touren der Gattin des Präsidenten Imelda Marcos.

 

07.02.

1986

Präsidentschaftswahlen, an der auch die Witwe des ermordeten Benigno Aquino, die politisch unerfahrene Aquino Jr. Corazon Aquino als Kandidatin teilnimmt. Sie gilt mittlerweile als Symbolfigur des Widerstandes gegen Marcos. Stimmauszählungen zeigen einen Vorsprung für Marcos. Sein Wahlsieg wird aber wegen massiver Wahlfälschungen stark angezweifelt. 

Der Kongress proklamiert Ferdinand Marcos wiederum zum Präsidenten.

 

14.02.

1986

Die Oppositionsparteien UNIDO und LABAN veranstalten Protestveranstaltungen wegen der offenkundigen Wahlfälschungen. Corazon Aquino ruft zu einem Generalstreik, zivilem Ungehorsam und einem Boykott regierungsnaher Verwaltungsorganisationen auf. 

Auch die bislang sehr konservative, den Machteliten nahestehende Katholische Kirche schließt sich den Protesten an.

 

16.02.

1986

Annähernd vier Millionen Filipinos demonstrieren gegen den Wahlbetrug. Der Wahlausgang wird im Ausland nicht anerkannt.

 

22.02.

1986

Die Reformbewegung der militärischen Streitkräfte (RAM), die sich vornehmlich aus Jungoffizieren zusammensetzt, fordert zu einem gewaltfreien Widerstand gegen das Marco-Regime auf. Die sogenannte „EDSA-Revolution“ ist zu Beginn nur eine Militärrevolte, die dann aber breiten Zuspruch in der Bevölkerung findet.  

Verteidigungsminister Ponce Enrile verbarrikadiert sich mit jungen Gefolgsleuten im Verteidigungsministerium. Der stellvertretende Chef der philippinischen Streitkräfte General Fidel Ramos schließt sich noch am selben Tag den Kräften von Enrile an. 

Die Nachricht wird über Radio Veritas verbreitet. Auch der Erzbischof von Manila Jaime Cardinal Sin ruft zur Unterstützung des Aufstandes auf.  

Marcos weist General Ver an, mit Hilfe von loyalen Truppen den Aufstand rebellierender Truppenteile zu beenden. „People Power“-Gruppierungen blockieren den Aufmarsch der Regierungstruppen und bauen Barrikaden um Camp Crame und Camp Aguinaldo, um das rebellierende Militär vor einem Angriff zu schützen. Es kommt jedoch zu keiner Konfrontation der Militärgruppen, da sich die Regierungsstreitkräfte weitgehend den rebellierenden Truppenteilen anschließen. 

Fast 2 Millionen Demonstranten auf der Epifanio de los Santos Avenue (EDSA). Diese Proteste sind unter Namen „EDSA-Revolution“ oder „People Power Revolution“ historisch geworden.

 

25.02.

1986

Sowohl Marcos als auch Corazon Aquino legen ihre Amtseide als zukünftige Präsidenten ab. Vizepräsident unter der Aquino-Regierung wird Salvador Laurel. 

In den nächsten Monaten wird bekannt, dass Ex-Präsident Marcos und sein Familienclan nicht im Inland über einen großen Grundstücks- und Firmenbesitz verfügt sondern auch illegales Vermögen im Wert von annähernd 10 Milliarden Dollar im Ausland anlegte.

 

26.02.

1986

Präsident Marcos verlässt zusammen mit dem Stabschef der Streitkräfte Fabian Ver den Malacanang Regierungspalast und wird nach Clark Air Base geflogen. Von dort aus fliegt er mit seinem Gefolge nach Honolulu weiter, nachdem ihm ein US- Senator eine Asylzusage gegeben hatte. Beachtliches Geldmengen und Wertgegenstände sind in seinem Reisegepäck. Marcos hatte insgesamt zwanzig Jahre die Philippinen regiert. 

Der inländische Besitz des Marcos-Clans wird weitgehend enteignet. In den nachfolgenden jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen gelingt es der philippinischen Regierung nur Teile des Auslandsvermögens von Marcos zurückzuführen. 

 

27.02.

1986

In Davao City gründet sich unter Rolando „Boy Ponsa“ eine bewaffnete antikommunistische Gruppierung „Alsa Masa“.

 

03.03.

1986

Die NPA tötet bei einem Überfall in Albay u.a. 14 Polizisten und demonstriert so, dass sie nicht bereit ist, auch nach dem Sturz von Marcos ihren bewaffneten Kampf aufzugeben.

 

05.03.

1986

Nach mehr als acht Jahren Haft wird der CPP-Gründer Jose Maria Sison zusammen mit anderen Gefolgsleuten aus Fort Bonifacio entlassen.

 

 

 

                                PRÄSIDENTSCHAFT UNTER CORY AQUINO (1986 - 1992)

 

 

 

25.03

1986

Präsidentin Aquino ruft eine Revolutionsregierung aus. Die unter Marcos ausgearbeitete Verfassung von 1973 wird aufgehoben. An ihre Stelle tritt eine vorläufige „Freedom Constitution“, die die demokratischen Grundstrukturen und die bürgerlichen Grundrechte wieder herstellt. Die politischen Gefangenen werden amnestiert, darunter auch der Kommunistenführer Jose Maria Sison. Das alte Parlament wie auch Marcos KBL-Partei werden aufgelöst und hohe Verwaltungsbeamte ausgetauscht.  

Ihre  - zumindest anfänglich - nicht unbedingt sachkompetente und relativ instabile Regierung sieht sich bei hohen Erwartungen vor viele, kurzfristig kaum lösbare Probleme gestellt und wird insbesondere durch  Putschversuche (7) des Militärs fortlaufend bedroht. Auch in ihrer Regierungszeit bleiben viele Krisen ungelöst und nur wenige Versprechen werden tatsächlich eingelöst.

 

09.04.

1986

Die MNLF vereinbart mit Regierungsvertretern einen Waffenstillstand für die Region 9 (Zambuanga del Norte, Zambuanga del Sur, Tawi-Tawi, Basilan, Jolo und Palawan).

 

25.05.

1986

Eine neue Verfassungskommission wird einberufen.

 

01.06.

1986

In den ersten 100 Tage Regierung unter Präsidentin Aquino kam es zu 68 aufstandsähnlichen Zwischenfällen, bei denen 641 Rebellen, 450 Soldaten und Polizisten sowie 394 Zivilpersonen getötet wurden. Man wird später der Präsidentin Führungsschwäche insbesondere gegenüber dem Militär vorwerfen.

 

03.07.

1986

Es beginnen Friedensverhandlungen mit der National Democratic Front (NDF), die jedoch zu keinem Resultat führen.

 

06.07.

1986

Arturo Tolentino, Marcos vormaliger Außenminister, besetzt mit 200 Soldaten das Manila Hotel und erklärt sich dort zum Präsidenten der Philippinen. Die Rebellen unter seiner Führung ergeben sich aber schon nach 40 Stunden. Sie fanden keine Unterstützung in der Bevölkerung.

Tolentino wird später nicht bestraft, die rebellierenden Soldaten nur zu Liegestützen verdonnert.

 

02.09.

1986

Misuari kehrt aus Lybien zurück und plant erneut einen Guerilla-Krieg zu führen, um einen unabhängigen Staat für die 5 Millionen Moslems zu schaffen. Präsidentin Aquino und Misuari treffen sich in Zambuanga, um Möglichkeiten der Beendung des Aufstandes zu erörtern.

 

29.09.

1986

Verhaftung führender Kommunisten (u.a. des Befehlshabers der NPA - Rodolfo Salias). Sowohl  die Regierung als auch die NPA berichten später von gezielten Morden, die die jeweils andere Seite durchgeführt hat.

 

23.11.

1986

Kabinettsumbildung, bei der u.a. der frühere Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile, dem man Putschgerüchte nachsagt,  abgelöst  wird.                                                                                                                                                                                            

 

27.11.

1986

Ein 60-tägiger Waffenstillstand zwischen der Regierung und der NDF wird vereinbart.

 

02.12.

1986

In Nordluzon hat sich unter Führung des früheren Priesters Conrado Balweg die „Cordillera Peoples Liberation Army“ (CPLA) von der NPA abgespalten. Die CPLA vereinbart einen Waffenstillstand mit der Regierung. Siehe hierzu:  „Conrado Balweg - Vom Priester zum Guerilla-Führer“

 

04.01.

1987

Anlässlich von Friedensgesprächen mit der Regierung rückt MNLF- Verhandlungsführer Nur Misuari vom ursprünglichen Ziel einer Unabhängigkeit Mindanaos ab und beschränkt sich auf regionale Autonomie.

 

22.01.

1987

16 Personen sterben durch Schüsse des Militärs, als ca. 6000 Bauern aus Luzon versuchen, den Malacanang Palast zu erreichen. Sie wollten mit der Präsidentin über die in Aussicht gestellte Landreform sprechen. Der Vorfall führt zu einem Abbruch der Friedensverhandlungen mit der CPP/NPA.

 

27.01.

1987

Zwei Marcos-loyale Militärgruppen unter Colonel dela Cruz und Colonel Canlas greifen Militäreinrichtungen und Radiostationen an, um die Aquino-Regierung zu stürzen. Die rebellierenden Soldaten kapitulieren nach zwei Tagen.

 

02.02.

1987

Bei einem Volksentscheid stimmen 81 % für die neue Verfassung. Sie tritt am 11. Februar 1987 in Kraft und sieht mit dem House of Representatives und dem Senat ein parlamentarisches Zweikammersystem vor. Nach dieser Verfassung darf ein Präsident nur einmal für sechs Jahre regieren. Die amerikanischen Stützpunkte sollen 1991 geschlossen und die Todesstrafe abgeschafft werden.

 

09.04.

1987

Friedensgespräche zwischen der Regierung und der MNLF - daneben gibt es noch mit den MNLF-Reformists und der MILF (Moro Islamic Liberation Front) zwei weitere moslemische Rebellengruppen - scheitern aufgrund einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen philippinischem Militär und Moslem-Rebellen in Zambuanga del Sur. Die MNLF betrachtet den Vorfall als Kriegserklärung der Regierung.

 

19.04.

1987

Viertägige bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und NPA-Rebellen in Bulacan. Das Militär spricht von 33-48 getöteten NPA-Rebellen, die NPA-Rebellen von mindestens 18 getöteten Soldaten.

 

22.04.

1987

200 Mitglieder des House of Representatives und 24 Senatoren werden neu gewählt. 22 Senatoren stellt die Aquino-Koaltion „Lakas ng Bayan“, die Oppositionsgruppierung „Grand Alliance for Democracy“ erringt mit Joseph Estrada und Juan Ponce Enrile lediglich zwei Senatssitze. 

Zum Sprecher des House of Representatives wird im Juli Ramon M. Mitra gewählt; Sprecher des Senats wird Jovita Salongo.

 

 

1987

Die Zahl der Aufstände nimmt gegenüber 1986 um knapp ein Drittel, die Zahl der bei kriegerischen Auseinandersetzungen täglich getöteten Zivilisten verringert sich von 14 auf 9 Tote.  

 

23.07.

1987

Präsidentin Aquino unterzeichnet das 50 Mrd. Pesos teure landwirtschaftliche Reformprogramm (CARP), das zum Ziel hat, Pächtern verstärkt zu landwirtschaftlichem Eigentum zu verhelfen. Rückgriff genommen soll dabei auf private und staatliche Agrarflächen. Die Regelung näherer Einzelheiten bleibt der Entscheidung des Kongresses vorbehalten. Dieser verzögert die notwendigen Beschlüsse bezw. findet zu Beschlüssen, die bei drohenden Enteignungen von den Großgrundbesitzern umgangen werden können. Der Regierung fehlt das für größere Enteignungen notwendige Geld.

 

  August

 1987

Eine Menschenrechtsorganisation berichtet von der Existenz von annähernd 200 rechtsextremen paramilitärischen „Vigilantes“-Bürgerwehren im Land, in deren Fadenkreuz insbesondere linke Organisationen und deren Führer stehen.  

Diese Bewegungen wurden zunächst weitgehend toleriert, später in eine stärker staatlich kontrollierte Bürgerwehr umgewandelt.

 

März-

Dez.

1987

Tötung von mehr als 16 Polizisten durch NPA-Gruppierungen in Manila und Negros Oriental.

 

21.08.

1987

MNLF-Sprecher Nur Misuari lehnt weitere Friedensgespräche mit der Regierung ab.

 

26.08.

1987

Streiks gegen Benzinpreiserhöhungen lähmen den öffentlichen Verkehr.

 

26.08.

1987

17-stündiger Kampf von Regierungstruppen und NPA-Rebellen auf Negros Occidental

 

28.08.

1987

Colonel Gringo Honasan startet mit etwa 800 rechtsgerichteten Soldaten den blutigsten Putschversuch in der Regierungszeit von Präsidentin Aquino. Die Soldaten greifen u.a. Radiostationen und den Malacanang Palast in Manila an. Auch der Flughafen von Legaspi sowie Militärstationen auf Cebu geraten ins Visier der Rebellen. Siehe hierzu auch: Gregorio Honasan - Putschist im Dauerverdacht 

Präsidentin Aquino erscheint im nationalen Fernsehen und fordert die Streitkräfte auf, den Putsch so schnell wie möglich zu beenden. Die Putschisten ergeben sich sukzessive in den nächsten beiden Tagen. Der Putsch kostet 12 Regierungssoldaten, 19 meuternden Soldaten und 22 Zivilisten das Leben.

 

02.09.

1987

Kämpfe mit NPA-Rebellen nahe Davao. Kurze Zeit später sprengen NPA-Rebellen in  Bicol  Brücken und unterbrechen den Eisenbahnverkehr nach Bicol.

 

09.09.

1987

Das Ministerkabinett tritt zurück. Präsidentin Aquino bildet ein neues Kabinett.

 

16.09.

1987

Rücktritt von Vizepräsident Salvador Laurel tritt wegen Differenzen in der Beurteilung des Putschversuches vom August zurück.

 

19.09.

1987

Der Generalsekretär der linksgerichteten Bayan-Bewegung Lean Alejandro wird von Unbekannte in Quezon erschossen.

 

24.09.

1987

Die Regierungstruppen eröffnen in Bicol und Camarines Sur eine Gegenoffensive  gegen die kommunistischen Rebellen. Die revolutionäre NDF ruft in vielen Landesteilen provisorische lokale Regierungen aus.

 

18.10.

1987

Lorenzo Ruiz wird als erster Filipino vom Vatikan heilig gesprochen. Siehe hierzu: Philippinische Selige und Heilige

 

06.11.

1987

Der Sprecher der NDF Satur Ocampo warnt die USA davor, sich in philippinische Angelegenheiten einzumischen. Ein solcher Schritt könne nur das Leben von Amerikanern kosten.

 

07.11.

1987

Eine Dachorganisation von Selbstschutzgruppen gründet sich in Manila.

 

26.11.

1987

Taifun Sisang rast mit einer Windgeschwindigkeit von mehr als 185 km/h über das südliche  Tagalog und Bicol. Dabei sterben 656 Personen, mehr als 500.000 Menschen verlieren ihre Unterkunft.

 

10.12.

1987

104 Tage nach seinem Putschversuch wird Gringo Honasan in Metro Manila verhaftet.

 

20.12.

1987

Schiffskollision zwischen den Inseln Mindoro und Ramblon. Von den über 3000 Passagieren überleben nur 26. Auch im internationalen Maßstab eine der größten Schiffskatastrophen.

 

18.01.

1988

Örtliche Wahlen der Provinzgouverneure, Bürgermeister und Gemeinderäte mit hoher Wahlbeteiligung. Im Zusammenhang mit den Wahlen ereignen sich 98 Mord-, 97 Verletzungs- und 40 Kidnappingfälle.

 

23.01.

1988

Ernennung von des ehemaligen Generalstabschef Fidel Ramos zum Verteidigungsminister.

 

02.04.

1988

Putschistenführer Gringo Honasan gelingt die Flucht von seinem Gefängnisschiff.

 

10.06.

1988

Es ist auch der Regierung der Großgrundbesitzerin Aquino bewusst, dass der Zulauf zur NPA stark mit der ungleichen Bodenverteilung in Zusammenhang steht. Zehn von 12 Millionen Kleinbauern verfügen über kein eignes Land während fünf Prozent der Bevölkerung über 90 % der Agrarfläche ihr Eigen nennen. 

Das „Comprehensive Agrarian Reform Law“ wird verabschiedet. Annähernd 10.000 Hektar Land sollen in den kommenden zehn Jahren an 3,8 Millionen Bauern verteilt werden. Die Durchführung des Gesetzes scheitert jedoch weitgehend am Widerstand der Großgrundbesitzer und knappen Haushaltsmitteln. Eine durchgreifende Bodenreform, die diesen Namen verdient, lässt bis heute auf sich warten.

.

13.08.

1988

Vizepräsident Salvador Laurel fordert Präsidentin Aquino wegen Unfähigkeit zum Rücktritt auf. Er gründet zusammen mit dem schon früher entlassenen Minister Juan  Ponce Enrile eine neue Oppositionskoalition (UNA).

 

16.09.

1988

Daraufhin gründet Corazon Aquino die „Laban ng Demokratkong Pilipino“- Partei  (LDP). 

Die Zahl der existierenden - auch lokalen - Parteien bis 1992 auf über 120 ansteigen. Es sind zum Teil sehr locker organisierte Gruppierungen mit wenig strukturiertem parteipolitischem Programm. Zur Finanzierung der Wahlkämpfe sind sie oft auf Mittelzuwendungen reicher Mäzene angewiesen.  Parteiwechsel sind bei den führenden Politikern häufiger anzutreffen (z. B. Ferdinand Marcos).

 

18.10.

1988

Der philippinische Außenminister und sein amerikanischer Kollege verhandeln neu über die US-Militärbasen auf den Philippinen. Das erzielte Abkommen sieht vor, dass die amerikanischen Basen bis 1991 gegen ein jährliche Zahlung  481 Millionen US $ auf den Philippinen verbleiben.  Der  philippinische Außenminister muss wegen dieser  unerwartet niedrigen Zahlung herbe Kritik einstecken.

 

19.10.

1988

Militärische Offensive im südlichen Leyte gegen die NPA, bei der nach Militärangaben 136 NPA-Mitglieder getötet werden.

 

21.10.

1988

Anklage gegen Ferdinand Marcos und seine Frau Imelda vor einem Gericht in New York. Ihnen wird vorgeworfen insgesamt 268 Millionen Dollar hinterzogen zu haben. Imelda Marcos weist die Anklage zurück. Die Anklage gegen Ferdinand Marcos wird aus gesundheitlichen Gründen zunächst zurückgestellt.

 

24.10.

1988

Taifun Unsang verursacht den Tod von ca. 200 Personen in den südlichen Philippinen. Im Sturm kentert auch das Passagierschiff „Dona Marylin“. Nur die Hälfte der 600 Passagiere überlebt. 

 

08.11.

1988

Taifun Yoning rast über Palawan und verursacht neben schweren Zerstörungen ca. 200 Todesfälle durch Bergrutsche und Überflutungen.

 

12.11.

1988

Dem vermuteten NPA-Chef Romulo Kintanar und seiner Frau Maria-Gloria Jopson gelingt die Flucht aus dem Hauptquartier der Philippine Constabulary (Polizeibehörde).

 

01.03.

1989

Präsidentin Aquino verspricht eine weitgehende Deregulierung der philippinischen Wirtschaft, um private Initiativen zu fördern. Es bleibt weitgehend bei der Absichtserklärung.  

Eine Verbesserung des Lebensstandards breiterer Bevölkerungsschichten findet nicht statt und die Auslandsverschuldung beläuft sich nunmehr auf annähernd 30 Milliarden US$. Im Haushalt müssen fast 50 Prozent für Schuldentilgungen freigehalten werden.

 

21.04.

1989

Der ranghohe US-Colonel James Row wird bei einem Überfall durch eine kommunistische Gruppierung getötet.

 

26.09.

1989

Der US-Vizepräsident Quayle besucht die Philippinen; während seines Besuchs werden zwei US-Bürger durch NPA-Mitglieder erschossen.

 

28.09.

1989

Im Alter von 72 Jahren verstirbt Ex-Präsident Marcos auf Hawaii. Präsidentin Aquino lehnt eine Bestattung auf philippinischem Boden ab.

 

06.10.

1989

Taifun „Rubing“ führt zum Tod von 116 Personen im nördlichen Luzon. Einige Tage später tötet Taifun „Saling“ 55 Menschen in Manila und im südlichen Luzon.

 

16.11.

1989

Auf einer Anthropologen-Konferenz in Washington wird die Authentizität  des steinzeitlich lebenden Stammes der Tasaday bestätigt. Seine Entdeckung in 1971 hielt man längere Zeit als eine Public- Relation - Ente.

 

19.11.

1989

In einer Anzahl von Provinzen und Mindanao und Palawan findet eine Volksabstimmung über das „Mindanao Organic Act“ statt. Es soll darüber befunden werden, ob diese Provinzen eine beschränkte Autonomie erhalten sollen. Nur vier Provinzen stimmen für eine solche.

 

30.11.

1989

Wiederum ein Putschversuch von annähernd 3000 rebellierender rechtsgerichteter Militärangehörigen, der sogenannte Dezember-Putsch. 

Es gelingt den Putschisten die Villamor Air Base sowie zwei TV-Stationen einzunehmen. Sie gelangen in den Besitz von Panzern und bombardieren, da sie die Lufthoheit über Manila haben, den Malacanang Palast. Größere Teile des Militärs schließen sich dem Putsch jedoch nicht an. Präsidentin Aquino bittet die USA um Hilfe. Amerikanische F-4 Kampfflugzeuge erscheinen am Himmel und übernehmen die Lufthoheit. Die Regierung bemüht sich die amerikanische Hilfe herunterzuspielen. Längere Zeit herrscht in Manila eine Art Patt-Situation. Die Rebellen, die sich in 5-Sterne-Hotels in Makati zurückgezogen haben und dort auch ausländische Geiseln nehmen, sind militärisch zu schwach, die Regierungstruppen andererseits wollen Zivilopfer möglichst vermeiden. Präsidentin Aquino ruft den nationalen Notstand aus. Die Putschgefahr hält bis zum 7. Dezember an. Dann ziehen sich die Rebellen, die die Regierung nicht stürzen konnten, dennoch zufrieden mit ihrem Teilerfolg in ihre Kasernen zurück. Bei dem Umsturzversuch sterben annähernd 100 Personen.

 

01.01.

1990

9 Tote und 2000 Verletzte beim Feiern zum Neujahrsfest

 

Februar

 1990

128 getötete NPA-Rebellen im Rahmen einer Militäroffensive auf Mindanao

 

27.02.

1990

Senator Juan Ponce Enrile wird verhaftet. Man wirft ihm vor, sich mit dem Putschistenführer Gringo Honasan getroffen zu haben, den man für den Dezember-Putsch 1989 verantwortlich macht. Enrile wird später auf Anordnung des Supreme Court gegen Stellung einer Kaution freigelassen.

 

13.05.

1990

Zwei amerikanische Soldaten werden in der Nähe von Clark Air Base von NPA-Rebellen erschossen.

 

28.05.

1990

Das US State Department warnt vor Reisen auf die Philippinen, solange die Verhandlungen über die amerikanischen Basen anhalten. Etwa einen Monat später zieht sich das US Peace Corps von den Philippinen zurück.

 

16.06.

1990

Ein Schweres Erdbeben der Stärke 6 - 7 erschüttert Luzon und Manila. Etwa 1600 Menschen sterben, zum Teil schwere Gebäude- und Straßenschäden.

 

19.11.

1990

Volksabstimmung in den moslemisch besiedelten Gebieten in Mindanao über eine eingeschränkte Autonomie. Sie wird wider Erwarten mehrheitlich - u.a. auch vom christlichen Bevölkerungsteil - abgelehnt. Die Regierung diskutiert daraufhin mit der MNLF nur noch über die Autonomie von vier Provinzen (Lanao del Sur, Maguindanao, Sulu und Tiwi) statt 13 Provinzen.

 

 

1991

Die Zahl der NPA-Kämpfer soll nach Regierungsangaben von 25.000 auf 16.300 gefallen sein. 

Der ehemalige MNLF-Angehörige Janjalani gründet die äußerst radikale Seperatistenbewegung Abu Sayyaf, bei der sich kriminelle und politische Zielsetzungen mischen.

 

12.06.

1991

Heftige Eruption des 600 Jahre lang ruhigen Mount Pinatubo in Zentral-Luzon. Es ist weltweit die zweitstärkste Eruption eines Vulkans im 20. Jahrhundert.  Mehr als 700 Personen werden getötet, 200.000 Personen werden obdachlos. Wegen des immensen Aschenregens sinkt die weltweite durchschnittliche Temperatur sinkt um 1, 5 Grad.

 

16.09.

1991

Der Vertrag über die Nutzung der amerikanischen Militärbasen auf den Philippinen endigt. 

Die amerikanischen Militärbasen sind zum Zankapfel geworden. Die Befürworter einer Vertragsverlängerung mit den Amerikanern  führen ökonomische Vorteile und eine erhöhte nationale Sicherheit ins Feld. Die Gegner sehen durch die Basen die nationale Souveränität bedroht und fürchten, dass die Philippinen in kriegerische Auseinandersetzungen unfreiwillig hineingezogen werden könnten. 

Trotz Befürwortung von Präsidentin Aquino und bereits ausgehandeltem neuen Vertrag mit den USA lehnt der philippinische Senat eine Verlängerung des US-Basen-Abkommens ab. Die USA geben daraufhin u.a. die Clark Air Base in Pampanga und den Marinestützpunkt Subic Bay in Zambales auf. Die Clark Air Base war zuvor schon durch die Asche und Magmaschlamm des Mount Pinatubo unbrauchbar geworden. 

Die amerikanischen militärischen Einrichtungen waren während des Vietnamkrieges von großer Bedeutung. Sie stellten zum Zeitpunkt der Entscheidung über ihre Aufrechterhaltung den zweitgrößten Arbeitgeber auf den Philippinen dar.  

Mit dem Rückzug endet eine fast 100-jährige kontinuierliche Militärpräsenz der USA auf den Philippinen.

 

 

 

                                              Präsidentschaft Fidel Ramos (1992 - 1997)

 

 

 

11.05.

1992

Präsidentschaftswahlen, nachdem die Amtszeit von Präsidentin Aquino ausgelaufen war. Es bewerben sich um das Präsidentenamt u.a. Fidel Ramos, Eduardo Conjuangco, Jovito Salango, Joseph Estrada, Salvador Laurel, Ramon Mitra und die inzwischen zurückgekehrte Imelda Marcos.

 

30.06.

1992

Ernennung von Fidel Ramos zum 8. und ersten protestantischen Präsidenten der Philippinen. Joseph Estrada wird Vizepräsident. 

Sein breit gefächertes Regierungsprogramm ist an das seiner Vorpräsidenten angelehnt mit starker Betonung von „Ordnung und Stabilität“ und dem Ziel eines stärkeren industriellen Wachstums („Philippinen 2000“).  

Unter dem Vorzeichen der nationalen Versöhnung Verabschiedung eines Amnestiegesetzes für alle Rebellen, die die Waffen niederlegen sowie Haftentlassung vormals inhaftierter Rebellen. Wiederzulassung der kommunistischen Partei.  

Präsident Ramos verzichtet auf das Gebiet Sabah zugunsten der Förderation Malaysia. Die Philippinen hatten seit 1947 Gebietsansprüche auf Sabah erhoben, weil es seit dem 17. Jahrhundert zum Gebiet des Sultans von Sulu gehörte. 

Präsident Ramos war in seiner Regierungszeit relativ populär. Aber auch ihm gelingt es nicht, die zentralen wirtschaftlichen und sozialen Schlüsselprobleme seines Landes  (Bodenreform, Korruptionsbekämpfung, Arbeitslosigkeit) entschieden zu lösen.

 

24.04.

1993

Wegen Korruptionsverdacht wird fast die gesamte Führungsspitze der National Police abgelöst.

 

 

1993

Ramos beginnt Arme und Polizei umzustrukturieren. Der nationalen Polizei wird in den Folgejahren die Aufgabe der Aufstandsbekämpfung übertragen, während die bewaffneten Streitkräfte die äußere Sicherheit gewährleisten sollen. Auch die 562 Privatarmeen lokaler Politiker und Großgrundbesitzer, die unter Terrorverdacht stehen, sollen stärker kontrolliert werden.

 

Juli

1993

Das regionale Manila Komitee der kommunistischen  CCP, das etwa 40 % der rund 24.000 CPP-Mitglieder stellt, bricht mit dem Zentralkomitee, das von Jose Maria Sison vom holländischen Exil aus geführt wird. Der parteiinterne Streit schwächt auch die Guerilla-Stärke der NPA. Etwa 1000 NPA-Kämpfer ergeben sich. Die Zahl der bewaffneten Zwischenfälle reduziert sich.

 

26.07.

1993

Ramos führt im Kongress aus, dass angesichts eines jährlichen Bevölkerungswachstums von 2,3 % die Lebensqualität breiter Bevölkerungskreise nicht entschieden verbessert werden kann. Er befürwortet ein Familienplanungsprogramm, das das Bevölkerungswachstum unter 2 %  drücken soll. Die Katholische Kirche - und hier insbesondere der einflussreiche Kardinal Sin - kritisiert die Pläne des Präsidenten zur Geburtenkontrolle heftig. Sie würden die „philippinische Familie zerstören“.

 

 

1993

Energieprobleme gegen Ende des Jahres. Die Stromkürzungen z. B. im Raum Manila führen zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und erhöhen die Zahl der Arbeitslosen.

 

07.09.

1993

Der Leichnam des Ex-Präsidenten Ferdinand Marcos wird auf die Philippinen überführt und in Batac, Nordluzon beigesetzt. Die befürchteten Großdemonstrationen blieben aus.

 

24.09.

1993

Imelda Marcos wird in zwei Anklagepunkten der Korruption schuldig gesprochen und zu jeweils 9-12 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie geht in Berufung.

 

07.11.

1993

Erneute Friedensgespräche mit der Moro National Liberation Front (MNLF), die seit 1972 gegen die Regierung in Manila kämpft. Ein Waffenstillstand wird beschlossen. Die Regierung ist nun auch bereit, die Einführung von islamischem Rechts in Moslemgebieten zu gestatten. Nicht alle Moslemgruppierungen schließen sich diesem Friedensvertrag an.

 

Sept.

1993

Um das Haushaltsdefizit zu kürzen, plant Präsident Ramos eine Erhöhung der indirekten Steuern auf Erdölprodukte. Das Vorhaben löst im ganzen Land Demonstrationen aus.

 

Jan.

1994

Wiedereinführung der Todesstrafe in 13 Kriminalitätsfällen (u.a. Mord, Landesverrat, Kidnapping, Korruption). Vizepräsident Joseph Estrada führt eine Kampagne gegen Kriminalität an.

 

31.01.

1994

Friedensvertrag mit der MNLF. Er ersetzt das Tripolisabkommen und gewährt der moslemischen Minderheit im Süden Mindanaos eine weitergehende politische Autonomie. Die konkurrierende MILF kämpft jedoch weiterhin für einen eigenen Staat.

 

09.02.

1994

Generalstreik wegen der geplanten Erhöhung der Steuern auf Erdölprodukte. Die geplante Erhöhung wird zurückgenommen. Ramos scheitert auch am Supreme Court bei seinen Plänen, Schlupflöcher bei der Erhebung der Mehrwertsteuer zu schließen. Die Ausweitung der Mehrwertsteuer hatte der IWF empfohlen.

 

März

1994

Präsident Ramos verkündet eine Generalamnestie für alle Rebellen, Polizisten und Soldaten, die im Zusammenhang mit Kämpfen Verbrechen begangen haben. Die NPA findet in diesem Punkt zu keiner geschlossenen Haltung. Ein früherer Führer, der die Amnestie begrüßt, wird erschossen.

 

31.05.

1994

Unter den Protesten der indonesischen Regierung wird in Manila eine private Timor-Konferenz einberufen. Timor war 1975 von Indonesien okkupiert worden.

    .06.

1994

Um seine Regierung zu stabilisieren und auf eine breitere Parlamentsmehrheit zu stellen, geht Ramos ein Regierungsbündnis mit der Oppositionspartei „Democratic Filipino Struggle“ (LDP) ein.

 

 

1994

Der IWF gewährt den Philippinen einen Kredit von 684 Millionen US$.  Die Philippinen verdoppeln - auch aufgrund verbesserter Elektrizitätsversorgung - ihre Wachstumsrate in diesem Jahr auf 5,1 %.

 

12.11.

1994

Präsident Clinton besucht die Philippinen anlässlich des Jahrestages der Befreiung von den Japanern.

 

Januar

1995

Die philippinische Marine entdeckt eine chinesische Garnison auf dem Mischief Reef im südchinesischen Meer westlich von Palawan. Das Riff ist Teil der umstrittenen Spratly-Inseln. Es kommt zu einem heftigen Notenwechsel mit Rotchina. Siehe hierzu auch: Der südostasiatische Wettlauf um die Spratly-Inseln

In der Folge beginnen die Philippinen ihre Streitkräfte in einem 15-Jahre- Programm zu modernisieren.

 

08.05.

1995

Die Regierungsparteien gewinnen sowohl im Senat wie auch im House of Representatives deutliche Mehrheiten. Auch Imelda Marcos gelingt es, einen Sitz im House of Representatives zu gewinnen.

 

06.09.

1995

Präsident Ramos kündigt an, dass er zum Ende seiner Amtszeit - am 30.06.1998 - zurücktreten werde. Damit beendigt er Spekulationen, dass er durch Verfassungsänderungen eine weitere Amtszeit anstrebt.

 

 

1995

Weiterhin Guerilla-Aktivitäten im Süden. Verantwortlich hier für sind radikalere Abspaltungen der MNLF, die den von der MNLF angestrebten Friedensvertrag nicht mittragen wollen. Zu nennen ist die Moro Islamic Liberation Front (MILF), die über eine Dschungelarmee von 8.000 - 30.000 Mann verfügt sowie die weitaus radikalere Abu Sayaf („Schwert des Vaters“), die teilweise im Ausland trainiert wurde. Letztere greift u.a. Ipil an, eine vorwiegend von Christen bewohnte Stadt auf Mindanao. Sie tötet mindestens 47 Einwohner und plündert Banken.  

Man schätzt, dass der Mindanao-Konflikt bis zu diesem Zeitpunkt zwischen 50.000 und 150.000 Menschenleben gekostet hat. 

Die Einflusszonen der NPA mindern sich. Sie verliert an politischer Bedeutung. Innere Zwistigkeiten, Geldmangel, der wachsende militärische Druck sowie der weltweite Niedergang des Kommunismus tragen zur Schwächung der NPA bei. Manche NPA-Mitglieder verlagern nun ihren Aktivitätsschwerpunkt in die Städte, andere Gruppierungen kriminalisieren.

 

 

1995

Schweizer Banken überweisen 475 Millionen US $ aus dem von Ex-Präsident Marcos angehäuften Vermögen. Man nimmt an, dass noch Milliardenbeträge auf geheimen Konten ruhen.

 

 

1995

Das wirtschaftliche Wachstum ist nach Jahren der Stagnation mit 6 % unverändert stark. Die einheimische landwirtschaftliche Produktion genügt bald nicht mehr, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. 

Um der weit verbreiteten Armut im Land zu entgehen, arbeiten jetzt ca. 4,2 Millionen Filipinos - zumeist als Hauswirtschaftshelfer - im Ausland. Sie überweisen jährlich ca. 2 Mrd. US $ nach Hause. 

Aufsehen erregen in diesem Zusammenhang einige Prozesse gegen Filipinos. In Singapur wird eine 42-jährige philippinische Haushaltshelferin gehängt, weil man sie des zweifachen Mordes bezichtigt. Ihre Schuld wird jedoch bezweifelt. Im September wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine 16-jährige Filipina zum Tode verurteilt. Sie hatte ihren Arbeitgeber erstochen, als dieser versuchte sie zu vergewaltigen. Das Todesurteil wird später in eine Gefängnisstrafe umgewandelt.

 

Nov.

1995

Der überaus starke Taifun Angela tötet mehr als 700 Menschen.

 

30.09.

1996

Nach Vorgesprächen mit der Regierung in Manila unterzeichnet Nur Misuari, der Vertreter der MNLF, einen Vertrag, der die „Autonomous Region in Muslim Mindanao“ (ARMM) begründet. Das 14 Provinzen einschließende Gebiet der ARMM umfasst etwa ein Viertel der Landesfläche der Philippinen und wird von etwa drei Millionen Moslems bewohnt. In nicht wenigen Provinzen überwiegt mittlerweile der christliche Bevölkerungsanteil.  

Der einstige Rebell Misuari wird zum regierungsfreundlichen Gouverneur bestimmt. Bei seiner Berufung betont Nur Misuari, dass die MNLF nicht bereit ist, ihre Waffen an die Regierung auszuhändigen. Andererseits werden Teile der auf 16.000 Mann geschätzten MNLF-Truppe von der philippinischen Armee und Polizei übernommen. Versprochene Unterstützungsgelder von Seiten der Regierung für die neue autonome Region bleiben weitgehend aus.

Einigen christlichen Bevölkerungsgruppen in der ARMM-Region missfällt der autonome Status der Region. Sie streben für 1998 ein Referendum an.   

Die MILF setzt ihren Kampf gegen die Regierung fort.

 

 

1997

Wirtschaftliche Wachstumsschwäche im Zusammenhang mit der Südostasienkrise. Der Wert des Pesos fällt im 2. Halbjahr um 36 %. Zusätzlich reduziert die Dürre die Reisernte des Landes. 

Die radikale MILF setzt auf Mindanao ihren Kampf mit Guerilla-Attacken und Bombenanschlägen fort.

 

18.03.

1997

Der Supreme Court lässt kein Referendum bezüglich einer zweiten Wiederwahl von Präsident Ramos zu. Wirtschaftskreise hatten eine  Wiederwahl befürwortet, die frühere Präsidentin Cory Aquino sowie Kardinal Sin sprachen sich gegen eine Wiederwahl aus.

 

April

1997

Die philippinische Marine entdeckt ein anderes von chinesischem Militär gehaltenes Riff in der Spratly-Sea, die politischen Spannungen mit China wachsen.   Im Mai ziehen sich die Chinesen jedoch zurück.

 

21.08.

1997

Der relativ populäre Vizepräsident Joseph Estrada, der vor seiner politischen Karriere als Schauspieler in zweitklassigen Filmen auftrat und auch Bürgermeister in einem Stadtteil von Manila war, bestreitet Ramos wirtschaftliche Kompetenz. Er bewirbt als Kandidat für die 1998 anstehenden Präsidentschaftswahlen.

Auch unter der Präsidentschaft von Fidel Ramos konnte der Mindanao-Konflikt, die ungerechte Bodenverteilung, die Korruption, das hohe Haushaltsdefizit und die immense Auslandsverschuldung (52 Mrd. US$) nicht ausgeräumt werden. Sein anfängliches Prestige als "Macher" verblasste im Laufe seiner Regierungszeit.

 

 

 

                                          Präsidentschaft Joseph Estrada (1998 - 2001)

 

 

 

11.05.

1998

Mit 46,3 % der Stimmen gewinnt Joseph Estrada, der sich als Mann des "einfachen Volkes" ausgibt, deutlich die Präsidentenwahl vor seinen Herausforderern. Seinen Wahlkampf hatte Joseph Estrada mit Law-and-order-Parolen und einfachen populistischen Forderungen bestritten. Er verspricht u.a. der Bekämpfung der Korruption höchste Priorität zu schenken. Seinen Wahlkampf haben nach Presseberichten u.a. Marcos-"Cronies" wie Lucio Tan (Fortuna Tabacco Corporation, PAL) und Eduardo Danding Conjuangco (San Miguel Corporation) finanziert. Letzterer erhält sein zunächst von der Regierung konfisziertes Vermögen zurück. Vgl. hierzu: "Die Chinoys - Einflussreiche Minderheit auf den Philippinen".

Die Nationalökonomin und Tochter des früheren Präsidenten Macapagal die skandalfreie Gloria Macapagal-Arroyo - einer anderen Parteiengruppierung zugehörig - übernimmt mit 47 % der Wählerstimmen das Amt der Vizepräsidentin. Die Amtsübernahmen erfolgen am 30.06.1998.  

Präsident Estrada sieht sich in der Folgezeit insbesondere mit einem starken Haushaltsdefizit konfrontiert. Steuerhinterziehungen, eine mangelhafte Steuereintreibung (Schattenwirtschaft) sowie undisziplinierte Ausgabenpolitik sind die Ursachen des Defizits. Im Rasenmäherverfahren kürzt Estrada alle Staatsausgaben um 25 %. Der IWF kritisiert die mangel- und fehlerhafte Steuererhebung im Lande. 

Die Philippinen werden von der Wirtschaftsrezession in Südostasien weniger stark betroffen. Die Exporte steigen sogar. Die mit dem El Nino einhergehende Dürre führt jedoch zu einem 7-prozentigen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion. 

Die MILF unter ihrem Führer Hashim Salamat hält unverändert an einem unabhängigen Moslem-Staat fest. Die radikale Abu Sayyaf-Bewegung ist auf etwa 2000 Mitglieder angewachsen. Zu ihren Aktionen gehören u.a. Bombenanschläge, Brandstiftungen und das Kidnapping wohlhabender Geschäftsleute und Touristen. 

Die Popularität Estradas in der Bevölkerung schwindet schnell, als sein unbeholfener, relativ passiver Führungsstil und seine Ausschweifungen und Affären bekannter werden. Auch bei ihm bleiben viele der politischen Wahlkampfversprechungen uneingelöst.

 

09.09.

1998

Schiffsunglück in der Nähe von Manila mit 43 Toten.

 

Oktober

1998

Taifun Zeb tötet 69 Personen.

 

03.12.

1998

Brand in einem Waisenhaus in Manila mit mindestens 30 Toten.

 

 

1999

Präsident Estrada will die hastig entworfene Verfassung von 1896 ändern und stellt dabei insbesondere sein Bemühen um mehr Auslandsinvestitionen heraus. Seine Gegner behaupten indessen, er wolle durch Verfassungsänderungen insbesondere seine politische Macht festigen und eine erneute Wiederwahl sicherstellen.  

Mitte des Jahres kommt es - auch von Corazon Aquino und Kardinal Sin unterstützten - politischen Großdemonstrationen. Der Vorwurf des Cronyimus (wirtschaftliche Begünstigung von Gefolgsleuten) wird lauter.  

Nach Regierungsangaben bricht die MILF, die jetzt auch Seite an Seite mit der NPA kämpft, mehrere Waffenstillstandsabkommen.  

Spannungen um Spratly-Inseln sowohl mit Malaysia wie mit China.

 

Mai

1999

Auch in Anbetracht der Spannungen um die Spratly-Inseln ratifiziert der philippinische Senat acht Jahre nach Abzug der Amerikaner von ihren vormaligen Basen ein Gesetz, das Besuche des amerikanischen Militärs und gemeinsame Übungen mit den philippinischen Streitkräften gestattet.  Das philippinische Militär gilt allgemein als schwach und unterfinanziert.

 

26.07.

1999

Estrada spricht sich in einer Ansprache vor dem Kongress vom Vorwurf der Korruption und des  Cronyismus frei. Auch wolle er nicht in die Pressefreiheit eingreifen.

 

31.12.

1999

Ermordung von Conrado Balweg

 

05.01.

2000

Finanzminister Edgardo tritt zurück und bezichtigt die Regierung eine „Kultur der Korruption“ zu pflegen.

 

April

2000

Aprodocio Laquian, der Stabschef von Präsident Estrada, bezichtigt Estrada, Trinkgelage mit seinen Freunden und Beratern zu halten. Eilig formulierte Dekretes müssten später oft zurückgezogen werden. Laquian wird daraufhin zum Rücktritt gezwungen.

 

23.04.

2000

Die extremistische Moslemgruppierung Abu Sayyaf kidnappt 21 Personen, zumeist westliche Touristen (darunter das deutsche Ehepaar Wallert), von einem Urlaubsort in Malaysia. Die philippinische Regierung weigert sich diesmal, ein hohes Lösegeld zu zahlen. Lybien schaltet sich in die Bemühungen um die Freilassung der Verschleppten ein und zahlt angeblich 1 Million Dollar für jede Geisel. Das Ehepaar Wallert wird  27.08. 2000 frei gelassen.  

Im September werden 4000 zusätzliche Truppen nach Jolo entsandt, um die Abu Sayyaf-Gruppierung zu zerschlagen.

 

09.07.

2000

Die bewaffneten Auseinandersetzungen im Süden, die in letzten drei Jahrzehnten annähernd 120.000 Menschenleben kosteten, halten an. In einem schweren Kampf wird das MILF-Hauptquartier Camp Akubakar von 40.000 Regierungssoldaten auf Mindanao eingenommen. Die MILF flüchtet in den Untergrund und ins Exil und verkündigt einen „heiligen Krieg“ ("Jihad") gegen die Regierung. 

Später werden 21 Christen in einem Dorf auf Mindanao getötet.

 

11.07.

2000

Nach 5-tägigem Taifunregen verschüttet ein Müllberg Teile einer Slumsiedlung außerhalb von Manila. 215 Tote sind zu beklagen.

 

18.10.

2000

Vizepräsidentin Gloria Macapagal sowie die Ex-Präsidenten Corazon Aquino und, Fidel Ramos fordern Estrada auf, zurückzutreten.

 

13.11.

2000

Das House of Representatives leitet ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Estrada ein. Man beschuldigt ihn der Bestechung, Korruption, Vorteilsnahme, Untreue, des Amtsmissbrauchs und der Verfassungsverletzung. Der Senat schließt sich später dem Verfahren an. Das Verfahren wird aber hier durch einige Estrada-Senatoren blockiert. Sie weigern sich, belastendes Beweismaterial zuzulassen. Das Verfahren wird eingestellt. 

Ein Hauptbelastungszeuge ist der Provinzgouverneur Luis Singson, der ausführt, Estrada hätte versucht, ihn mit 11 Millionen US$ zu bestechen. Die Gelder entstammten aus illegalen Wettgeschäften und Tabakbesteuerungen. Estrada bestreitet jedoch die Vorwürfe. 

Es kommt zu landesweiten Massendemonstrationen gegen Estrada (EDSA II).

 

19.01.

2001

Die Proteste gegen den zunehmend isolierten Präsident Estrada halten an. Der Stabschef der Armee General Angelo Rayes informiert Estrada, dass das Militär ihm seine Unterstützung entziehe. Auch Regierungsmitglieder entziehen ihm ihre Unterstützung. Präsident Estrada flieht aus dem Regierungspalast zu nächtlicher Stunde.

 

 

 

                     REGIERUNGSZEIT  GLORIA MACAPAGAL-ARROYO (2001 -       )

 

 

 

20.01.

2001

Der Oberste Gerichtshof erklärt die Präsidentenposition als vakant und beruft Vizepräsidentin Gloria Macapagal zur 10. Präsidentin der Philippinen. Diese hatte sich als Vizepräsidentin zunehmend vom Präsidenten distanziert und eine Oppositionsrolle wahrgenommen. 

Estrada führt später aus, dass er nie zurückgetreten sei, sondern sein Amt nur kurzfristig niedergelegt hätte. Nach philippinischem Recht, sei er weiterhin Präsident. Der Oberste Gerichtshof kann diese Ansicht nicht teilen.

 

12.04

2001

Regierungstruppen stürmen in der Nähe der Insel Jolo ein Camp der Abu Sayyaf und befreien einen gekidnappten Amerikaner. Man schätzt die Stärke der Abu Sayyaf auf circa 1000 Mann. Kidnapping ist ein Schwerpunkt ihrer Guerillatätigkeit. Einen Monat später kidnappt sie auf Palawan 20 Personen und verschleppt sie nach Basilan. Ein amerikanisches Entführungsopfer wird später geköpft aufgefunden. 

Nach US-Berichten unterhält sie auch Beziehungen zum Terroristenführer Osama bin Laden.

 

25.04.

2001

Ex-Präsident Estrada wird u.a. wegen Bestechung, Dokumentenfälschung und wirtschaftlicher Plünderung des Landes verhaftet. Theoretisch kann ihm wegen des hohen Ausmaßes der ihm vorgeworfenen Korruption mit der Todesstrafe rechnen. Sein Gerichtsverfahren zögert sich aber jahrelang hinaus

Etwa 20.000 Estrada-Anhänger demonstrieren am 30.04. vor dem Präsidentenpalast, dabei kommt es zu vier Toten. Präsidentin Macapagal erklärt für fünf Tage aus Gründen der öffentlichen Sicherheit den „Zustand der Rebellion“, der bezüglich der staatlichen Eingriffe unter dem „Martial Law“ rangiert.

 

14.5.

2001

Mehr als 100 Personen werden bei den Kongress- und Lokalwahlen getötet. Die Präsidentin kann sich nun auf eine breitere Senatsmehrheit stützen.

 

22.07

2001

Präsidentin Arroyo erklärt die Armutsbekämpfung zum Hauptziel ihrer Regierungsarbeit. Sie will eine Million Arbeitsplätze schaffen, die Modernisierung des Landes vorwärtstreiben und 200.000 Hektar Regierungsland landlosen Bauern zur Verfügung stellen.  

Die Präsidentin will Vorwürfe klären lassen, wonach ihr Ehemann, ein begüterter Rechtsanwalt, sich der Korruption schuldig gemacht hätte.

 

07.08.

2001

Ein Waffenstillstandsabkommen wird mit der MILF geschlossen. Nach mehreren Brüchen wird es im Oktober erneuert.

 

19.11.

2001

Eine Rebellenfraktion der friedlicheren MNLF, mit der es seit fünf Jahren ein Friedensabkommen gab, hält sich nicht mehr an das Abkommen. Sie will die Wahl eines Misuari-Nachfolgers verhindern. Es kommt zu Kämpfen, bei denen über 100 Personen getötet werden. In der Stadt Zambuanga nimmt man 118 Geiseln als Schutzschilde gegen die angreifenden Regierungstruppen. Die Geiseln werden auf dem Verhandlungsweg befreit und der MNLF-Gründer Misuari in malaysischen Gewässern festgenommen.

 

 

2002

Immer wider flackern auch im Jahre 2002 Kämpfe im Süden Mindanaos auf. Die Abu Sayyaf und die MILF greifen weiterhin zu den Mitteln des  Kidnapping und von Bombenanschlägen (Zambuanga, General Santos City). 

Kidnapping wird auch zu einem Geschäftszweig in Manila. Ca 20 Gangs soll es in Manila geben, die sich auf das Kidnapping reicher Geschäftsleute und ihrer Familienangehörigen spezialisiert haben. Einem gefangen genommenen Gangführer gelingt im Februar die kurzfristige Flucht aus dem Gefängnis. Er wird später erschossen. Bei der Untersuchung des Falles stellt sich heraus, dass ein Gang-Mitglied Polizist war.

 

Januar

2002

Auf Bitten der philippinischen Regierung kommen bis zu 4000 amerikanische (Militär-) Berater ins Land, die Militär und Polizei in Anti-Guerilla-Fragen - aber auch im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Drogenhandel - beraten sollen. Sie haben den Befehl, nur zu schießen, wenn Sie angegriffen werden. Ihr Einsatz auf philippinischem Boden ist nicht unumstritten und führt im Laufe des Jahres zum Rücktritt des Außenministers.

 

25.02.

2002

Das Gerichtsverfahren gegen Ex-Präsident Estrada schleppt sich ohne Ergebnis weiter hin. In einem Fernsehinterview räumt Estrada ein, Bankdokumente mit falschem Namen unterzeichnet zu haben, bestreitet aber die Korruptionsvorwürfe.

 

April

2002

Der IWF stellt der Wirtschaftspolitik der Regierung befriedigende Noten aus. Das Wirtschaftswachstum liegt bei 3-4 %. Das Haushaltsdefizit konnte eingegrenzt werden. Die Auslandsverschuldung beläuft sich jedoch auf 53,5 Milliarden US$.

 

Juni

2002

Die USA prämieren die Gefangennahme von fünf Abu Sayyaf-Führer mit je 5 Mio $. Einer von Amerikanern trainierten philippinischen Ranger-Einheit gelingt es eine Gruppe von 50 Abu Sayyaf-Kämpfern gefangen zu nehmen.

 

30.12.

2002

Präsidentin Arroyo verkündigt, dass sie sich einer Wiederwahl in 2004 nicht stellen würde.

 

 

2003

Putschgerüchte bestimmen das Jahr. Das wirtschaftliche Wachstum des Landes liegt unter dem vom Jahre 2002, dennoch höher als in einigen anderen südostasiatischen Ländern. 

Präsidentin Arroyo entschließt sich, doch an den Präsidentschaftswahlen 2004 teilzunehmen.

 

04.03.

2003

Man vermutet, dass die MILF für zwei Bombenanschläge am 4. März und 2. April in Davao verantwortlich ist. Sie führen zum Tod von 39 Personen.  

Neben den bereits im Einsatz befindlichen Ausbildungskräften bieten die USA weitere 1700 Kampfsoldaten an. Die philippinische Verfassung verbietet jedoch ihren Einsatz.

 

13.07.

2003

Der Führer der MILF Hashim Salamat verstirbt an einer Herzattacke. 

Einen Tag später gelingt einem Führer und Bombenexperten der Jemaah Islamiyah  - vermutlich mit Hilfe eines korrupten Polizeibeamten - die Flucht aus einem Gefängnis in Manila. Er wird im Oktober aufgespürt und erschossen.

 

26.07

2003

Putschgerüchte machen in Manila die Runde. Tags darauf werden 320 Jungoffiziere festgenommen, die sich in einem Gebäude in Manila festgesetzt hatten und dieses mit Sprengsätzen absicherten. Die Jungoffiziere beschuldigen Präsidentin Arroyo und Verteidigungsminister Reyes einem korrupten und ineffizienten Regierungssystem vorzustehen.  

Man vermutet, dass der Putschversuch von Anhängern des früheren Ex-Präsidenten oder aber auch vom Ex-Senator und wiederholten Putschisten Gregorio Honasan gesteuert sein könnte. Honasan bestreitet Putschverwicklungen und bleibt im Untergrund. Die Präsidentin setzt einen Untersuchungsausschuss ein und verspricht, das Militär wieder auf Vordermann zu bringen. 

 

August

2003

Verteidigungsminister Reyes tritt zurück. Er warnt vor Kräften, die die Demokratie gefährden könnten. Im September gibt er bekannt, dass von Seiten der Opposition Generälen 185.000 $ und Soldaten 950 $ für einen Putschversuch angeboten wurden.

 

 

2004

Die erwarteten Auslandsinvestitionen bleiben aus. potenzielle Investoren scheuen ein Land, das  sich im internationalen Vergleichsmaßstab durch eine extrem hohe Korruption, überbordende Bürokratie und hohe Kriminalität (Kidnapping) auszeichnet.

Die Arbeitslosenquote steigt auf 5 %. Annähernd acht Millionen Filipinos suchen als Oversea Workers  Arbeit im Ausland. Sie erbringen dem Land Deviseneinahmen von etwa 10 Mrd. US$. Ca. 20 Prozent der Bevölkerung möchten nach Umfragen auswandern.

Das Haushaltsdefizit beträgt mehr als 560 Milliarden Pesos.

 

26.02.

2004

Bombenexplosion auf einer Fähre in der Manila Bay. Zwei Abu Sayyaf-Terroristen werden verhaftet. Von den 900 Personen an Bord werden 166 getötet oder vermisst.

 

März

2004

Vier Abu Sayyaf-Angehörige werden verhaftet, weil sie angeblich Bombenattentate auf Einkaufszentren  und Züge in Manila planten.

 

08.04.

2004

Ein Abu Sayyaf Kommandeur wird von philippinischem Militär getötet.

 

10.05.

2004

Präsidentschaftswahlen, die Gloria Macapagal Arroyo mit einem Stimmenvorsprung von einer Million vor ihrem Herausforderer dem Filmstar, aber wenig politikerfahrenen Ferdinand Poe Jr.  gewinnt. Arroyo hatte wiederum wirtschaftliches Wachstum und Korruptionsbekämpfung in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes gestellt.  

Nicht wenige erachten Poe als einen von Ex-Präsidenten Estrada beziehungsweise von Marcos-Anhängern vorgeschobener Mann. Der von Arroyo vorgeschlagene Vizekandidat ist auch ein prominenter Radiomoderator, was den engen Zusammenhang von Show-Business und Politik auf den Philippinen beleuchtet.  

115 Tote werden mit dem heftig geführten Wahlkampf in Beziehung gebracht. 

Poe bezichtigt Arroyo der Wählerstimmenmanipulation.

 

10.05.

2004

Vereidigung der Präsidentin Arroyo für weitere sechs Jahre. 

In ihrer Eröffnungsrede prangert sie Steuerhinterziehungen an. Sowohl sie als auch Oppositionsführer plädieren dafür, die bisherige Präsidialverfassung amerikanischen Zuschnitts durch eine Verfassung nach westeuropäischem Vorbild mit einem Ministerpräsidenten zu ersetzen. Die Gesetzgebung in einem Parlament mit Parteifraktionen würde erleichtert und beschleunigt. Vertreter des Senats reagieren skeptisch auf diese Vorschläge, da sie auch einen Machtverlust des Senats beinhalten.

 

Nov.

2004

Schwere Regenfälle Ende November/Anfang Dezember verursachen östlich von Manila Überflutungen und Bergrutsche. 1062 Personen werden getötet und 552 vermisst.

 

13.12.

2004

Der Oppositionspolitiker Poe verstirbt an einem Hirnschlag.

 

14.02.

2005

Bombenanschläge in Manila und zwei anderen Städten. Zu beklagen sind acht Tote und mehr als Hundert Verwundete. Sie werden wiederum mit dem Abu Sayyaf in Verbindung gebracht.

 

04.05.

2005

Der frühere HUK-Führer Luis Taruc verstirbt.

 

21.06.

2005

Tod von James Cardinal Sin; er war drei Jahrzehnte Erzbischof von Manila war und hatte eine Schüsselrolle im Zusammenhang mit dem Sturz der Ex-Präsidenten Marcos und Estrada.

 

Juni

2005

Ein Tonbandmitschnitt eines Gespräches der Präsidentin mit einem Wahlbeauftragten vom Jahre 2004 wird veröffentlicht. Das mitgeschnittene Gespräch lässt sich als Versuch einer Wahlmanipulation (Beauftragter: „We do our best“) deuten. Präsidentin Arroyo räumt am 27.06. ein, das Gespräch geführt zu haben. Sie argumentiert, sie wollte das Wahlergebnis nicht verfälschen, sondern nur sicherstellen, dass ihr Stimmenvorsprung nicht durch Manipulation beseitigt wird.  

Sie kann die Opposition mit ihren Argumenten jedoch nicht überzeugen. Ihre Popularität schwindet. Es kommt zu Demonstrationen und Gegendemonstrationen.

 

Juni

2005

Es werden Vorwürfe laut, wonach Militär- und Polizeikräfte willkürlich linke Aktivisten getötet hätten. Weiter beschuldigt man ihren Mann und Sohn Provisionen aus illegalen Glücksspielen bezogen zu haben. Die beiden Beschuldigten setzen sich etwas später nach San Francisco ab.

 

13.07.

2005

Großdemonstrationen in Manila gegen Präsidentin Arroyo.

 

Juli

2005

Präsidentin Aquino entlässt 10 Kabinettsmitglieder. Von der früheren Präsidentin Aquino wird sie aufgefordert zurückzutreten. Der Justizausschuss und später auch die Vollversammlung des House of Representatives lehnt es jedoch mit 158 zu 51 Stimmen ab, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Arroyo einzuleiten.

 

25.07.

2005

Präsidentin Arroyo fordert eine Verfassungsänderung zugunsten eines parlamentarisch-föderativen Systems.

 

24.02.

2006

Die Militärführung gibt bekannt, dass es gelungen ist, ein Putsch gegen Präsidentin Arroyo zu verhindern. Es wäre der 12. Putschversuch in 20 Jahren gewesen. Präsidentin Arroyo verkündigt kurzfristig den Notstand, der auch öffentliche Demonstrationen verbietet. Dennoch kommt es zu Demonstrationen.  

Ex-Präsidentin Corazon Aquino beschuldigt sie erneut, die Wahlen in 2004 verfälscht zu haben.

 

03.03.

2006

Aufhebung des „State of Emergency“, aber schon im darauffolgenden Juli werden wiederum Militärangehörige unter dem Verdacht, einen Putsch geplant zu haben, verhaftet.

 

                 © Wolfgang Bethge, 2007