Der Narrabaum - ein weniger beachtetes Nationalsymbol

Daß der Narrabaum (Pterocarpus indicus / roter Sandelholzbaum) zu den Nationalsymbolen der Philippinen gehört, ist etwas verwunderlich, zumal er - zumindest vor längerer Zeit -  in den meisten tieferen und mittleren Regionen Südostasiens  beheimatet war und die Philippinen heute nur noch über kleinere, gefährdete Restbestände verfügen. Es war wohl insbesondere die Wertschätzung des Holzes, das den Narrabaum in den Rang eines Nationalsymbols erhob. 

Um was für einen Baum handelt es sich? Der Narra-Baum ist ein bei Jahreszeitenwechsel  laubabwerfenden, relativ kurzstämmiger Flügelfruchtbaum, der bei sehr guten Wachstumsbedingungen eine Höhe von über dreißig Metern und einen Stammumfang von zwei Metern – im unteren Teil durch Strebepfeiler von bis zu sieben Metern - erreichen kann. Dies sind jedoch Maximalmaße, die im Regelfall nicht vorliegen.  Die Baumkrone weist lange, etwas ungeordnete Seitenäste auf, die zunächst nach oben aufsteigen und sich dann abwärts biegen. Die glatten, gefiederten, oval-elliptischen Blätter sind  7 – 11 cm  lang, 3 – 5 cm breit und haben eine ausgeprägte Spitze. Die jungen Blätter und Blüten des Baumes sollen essbar sein. Auf den Philippinen blüht der Baum meistens in den Monaten Februar bis Mai - oft schon vor dem Blattaustrieb. Die auf Rispen sitzenden Blüten sind leuchtend gelb und duftend. Sie öffnen sich meistens nach einem Regenfall und blühen jeweils nur einen Tag. Die Vielzahl der abfallenden Blüten kann Verkehrstraßen schlüpfrig machen. Nach 4 – 6 Monaten bilden sich aus einem Teil der befruchteten Blüten hellbraune, behaarte, 4 – 6 cm große, runde Hülsenfrüchte mit Seitenflügeln, die vom Wind aber auch durch Wasser weiter getrieben werden. Setzlinge können – zum Beispiel an Alleestrassen schon  - schon nach zwei drei Jahren dekorative, schattenspendende und relativ windfeste Baumkronen ausbilden.  

Es sind insbesondere die Farbeigenschaften, die das sehr haltbare Hartholz des Narra-Baumes so begehrt machen. Das Kernholz hat einen hellrötlichen bis braunen Farbton mit einer äußerst dekorativen, teilweise geriffelten Maserung, die die des Teakholzes übertrifft. Die äußeren, jüngeren, wassertransportierenden  Schichten des Splintholzes sind von hellerer Farbgebung. Das Holz ist hart und dicht und hat gute Bearbeitungseigenschaften. Wenn es gut getrocknet ist, schrumpft es kaum, neigt nicht zur Rißbildung und ist sehr widerstandsfähig gegenüber Pilzen und Insekten. Das Holz hat einen angenehmen, lang anhaltenden zedernartigen Geruch. Durch Hobeln und Polieren lassen sich sehr glatte Flächen mit feinem Glanz erzeugen.  

Ein Autor schreibt, Möbel aus Narra-Holz entzücken jeden Hausbesitzer. „In durability, in beauty of its grain, and in the beautiful finish it takes, it ranks with the best cabinet woods in the world“ (1). Es findet Verwendung bei der Herstellung von hochwertiger Möbeln, Schalen und Furnieren, Vertäfelungen und Parkettböden. Aber auch das Kunsthandwerk greift – sofern vorhanden – gerne auf dieses Holz zurück, zum Beispiel bei Einlegearbeiten und der Fertigung von Musikinstrumenten, Uhren, Schnitzwerken und Skulpturen.   

Schon von alters her wurden in der Volksmedizin aus den Blättern des Narra-Baumes Tees hergestellt und insbesondere zur Bekämpfung von Furunkeln und bei Durchfall eingesetzt. Jetzt jedoch scheinen die Blätter des Baumes einen regelrechten Vermarktungsboom als Heilmittel zu erleben. Regie bei diesem Vermarktungsboom führt der ehemalige Flugzeugpilot Virgilio V. Ecarma mit seinen ECARMA HERBAL PRODUCTS. Er hatte im Eigen- und Bekanntenversuch herausgefunden, daß Tees aus Blättern und Rinden des Baumes rheumatische Arthritis und Diabetes lindern konnten und nun – da einige Kontrollgruppenexperimente stattfanden - preist er die von seiner Firma angebotenen  Tees und Kapseln als „ The Philippine Forest´s Outstanding Gift To Mankind“(2). In der Werbung herausgestellt werden insbesondere die immunstärkenden und -regulierenden, metabolischen, antiinfektiösen therapeutischen Eigenschaften der Produkte. Die Liste der Indikationsgebiete ist so lang, daß schon wieder Zweifel an der Wirksamkeit aufkommen können. Ecarma empfiehlt seine mittlerweile patentgeschützten Tees und Kapseln u.a. bei: HIV-Begleiterscheinungen, Tumor- und Lepraerkrankungen, Menstruationsstörungen, Arthritis, Diabetes Mellitus, Nieren- und Blasensteinen, Asthmaerkrankungen, Zysten und Erkältungen. Neben seiner pharmazeutischen Fabrik hat er ein Wellness-Center aufgebaut, wo man für 100 Dollar am Tag Kuren durchführen kann. „ A full refund is guaranteed if the patient does not undergo measurable improvement“. 

Die große Nachfrage nach Statussymbolen aus Narra-Holz - 1985 exportierten die Philippinen noch 3.000.000 kg – ließ den Narra-Baum aus den philippinischen Wäldern bis auf Restbestände verschwinden. Deshalb beschloss die philippinische Regierung 1987, daß das Abholzen, das Sammeln und der Export von Narra grundsätzlich verboten sind. Die Forstkultivierung zu gewerblichen Zwecken ist davon ausgenommen. Die hohen erzielbaren Preise locken jedoch weiterhin Holzwilderer und Exportschmuggler an.  Oft wird legaler Holzeinschlag mit illegalem Einschlag von Narra-Bäumen verbunden. Heute finden sich Restbestände von Narra-Bäumen insbesondere nur noch an der Küste der Provinz Isabela, den Sierra Madres, in Bicol, Mindanao und den Wäldern von Cagayan. Daten aus einer landesweiten Bestandsaufnahme liegen nicht vor und es wurden auch keine größeren Projekte zur Neuanforstung speziell dieses Baumes gemeldet.

Wie auch immer – manchmal bieten Holzhändlern in Manila  Narra-Holz in unterschiedlichen Mengen zu stark schwankenden Preisen an. Im Jahre 2000 verlangte man für ein „Boardfoot“ (ca.30 cm breit, 30 cm lang, 2,5 cm dick) zwischen 1,70 bis 2,60 Dollar(3). Der internationale Holzhandel bot 2003 im Internet den Kubikmeter zu Preisen zwischen 600 – 700 $ an (4). Der Preis ist neben dem Angebot stark von der Textur des Holzes, Breite und Länge abhängig.  

Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es von Seiten der holzverarbeitenden Branche Bemühungen, Narra-Holz durch das hellgelbe Gmelina-Hartholz zu ersetzen. Gmelina-Bäume wachsen im Forst schneller und das Holz kostet nur ein Sechstel des Preises von Narra-Holz. Gmelina-Holz trocknet jedoch unregelmäßiger und ist weniger haltbar. Das Gmelina-Holz ist  schon populär geworden, hat aber längst noch nicht die Statusqualitäten von Narra-Holz.  

Hoffen wir, daß die Substitution weitgehend gelingt und der schöne, ökologisch wertvolle Narra-Baum wieder in größerer Zahl auf den Philippinen vorfindbar sein wird. 

 © Wolfgang Bethge, in 2004


 (1) http://www.exoticcraftsinternational.com/wood/wood1.html

 (2) http://www.ecarma.net

 (3) Zitiert nach: Peter Freudenberg, Thieves´ Wood of Choice, Illegally logged narra often turns up in affluent homes, in ASIAWEEK, No.40 /2000

 (4) http:// www.earthtradelink.com/NARRA.htm