"Pac-Man" Manny Pacquiao - das nationale Boxsymbol
 

Der Weg vom Donut-Verkäufer zum Nationalhelden 

So beginnen Märchen. Manny Pacquiao war nicht sehr vom Glück begünstigt, als er – 1978 geboren – zusammen mit fünf anderen Geschwistern in einer schäbigen Hütte von General Santos City heranwächst. General Santos City kennt wie New York  „Bronx-Viertel“, in denen wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und Armut herrschen, kriminelle Gangs ihr Unwesen treiben oder Separatisten Bomben basteln. Die Eltern trennten sich schon sehr früh und die Mutter versucht in der Folgezeit mit Gelegenheitsjobs ihre Familie über Wasser zuhalten. Selbst die Nachbarn haben Mitleid mit der an Armut darbenden Familie.  

Heute ist Manny Pacquiao  nach einer mehr als beeindruckenden Siegesbilanz der Nationalheld auf den Philippinen. Fast das ganze Land liegt ihm zu Füßen. In seinen 50 Profikämpfen als Leichtgewicht-Boxer errang er  45 Siege (davon 35 durch K.O) bei nur 3 Niederlagen und zwei unentschiedenen Kämpfen. Die Boxorganisationen WBC, WBA und WBO führen ihn im Super Federgewicht in ihren Weltranglisten auf Platz 1 (Stand: November 2007).

Zeichen wir diesen sagenhaften Aufstieg nach. Der junge Manny besucht nur die Primary School, wird dort aber als intelligenter Schüler eingestuft. Die Mutter träumt davon, dass er Priester werden könnte. Er bricht jedoch den Schulbesuch ab, weil er durch Arbeit der armen Familie helfen will. Er verkauft auf der Straße Brot und Donuts und hilft der Mutter bei ihren Wascharbeiten für fremde Leute. Schon als Elfjähriger geht er sich in der Freizeit in eine nahe gelegene Turnhalle, um dort  Boxtrainings zu absolvieren. Als Sandsack dient ihm ein Karton, der mit Textilien voll gestopft war. 

Mit vierzehn Jahren begibt er sich als blinder Passagier auf ein Schiff mit Kurs Manila. Dort ist er zunächst ganz auf sich allein gestellt. Er arbeitet am Bau, verliert dabei aber nie sein Ziel aus den Augen, dereinst zu den Besten des Boxsports zu gehören. In den Amateur-Boxschulen wird man auf Manny, der auch für Peanuts „wie ein verrückter Hund“ kämpft, aufmerksam. Er gilt als wilder, etwas disziplinloser junger Bursche auch außerhalb des Rings, da er dem Alkohol nicht abgeneigt ist und zuweilen dem Pokerspiel frönt. Zwischenzeitlich tritt er sogar aus der katholischen Kirche aus.  

Frühe Boxkämpfe 

Ab Januar 1995 beginnt der 1,69 Meter kleine Jungboxer und Rechtsausleger(1) im Fliegengewicht (Gewichtslimit: 50,8 kg) seine ersten Profikämpfe vor allem gegen philippinische Gegner.  In den Jahren 1995 bis 1997 bestreitet er insgesamt 23 Profikämpfe: von diesen Kämpfen gewinnt er 22, davon 14 durch K.O. Lediglich einen Kampf gegen Rustico Torrecampo verliert er im Februar 1996 durch gegnerischen K.O.- Schlag, der nach Ansicht mancher unter den Gürtel ging, in der dritten Runde. Er habe sein Training vernachlässigt und war im Kampf zu zuversichtlich und sorglos, kommentiert er später den für ihn unglücklichen Kampfverlauf. Bruder Leichtfuß kann ihm also auch ein Bein stellen. Im Dezember 1998 gewinnt er den WBC-Titel im Fliegengewicht im Kampf gegen den Thailänder Chartchai Sasakul in Bangkok. In zwei darauf folgenden Kämpfen verteidigt er den Titel zunächst erfolgreich, muss ihn dann aber im September 1999 an Medgoen Singsurat wegen K.O-Schlags in der dritten Runde abgeben. 

Manny Pacquiao steigt unter seinem Manager Nazario in den folgenden Jahren in höhere Gewichtsklassen ein. Im Juni 2001 gewinnt er in einem Kampf gegen den Südafrikaner Ledwaba in Las Vegas den IBF-Titel im Super-Bantamgewicht (bis 55,2 kg) durch technisches K.O. in der sechsten Runde; der WBO-Titel in derselben Gewichtsklasse ist ihm jedoch nicht vergönnt, da der Kampf gegen Agapito Sanchez nur mit einem Remis endet. Den IBF-Titel verteidigt der Filipino aber in vier weiteren Kämpfen gegen Herausforderer wie den Mexikaner Emmanuel Lucero erfolgreich.  

Nun bringt ihn sein Manager Nazario mit dem angesehenen amerikanischen Trainer Freddie Roach zusammen, der sein kämpferischen Potenzial, seine Schnelligkeit sowie Furchtlosigkeit und Angriffslust sofort erkennt. Roach versucht dem „Pac-Man“ beziehungsweise „Destroyer“ – so Pacquiaos Spitznamen  - mehr Disziplin und taktisches Geschick zu vermitteln.  Manny legt seinen IBF-Weltmeistertitel nieder und wechselt ins Federgewicht.   

2003 - Der beeindruckende Kampf gegen Barrera 

Die nächste Bewährungsprobe vor einem größeren Publikum und mit HBO - Fernsehübertragung findet im November 2003 in San Antonio, Texas statt. Kampfgegner ist der 29-jährige mexikanische Federgewichtler  Marco Antonio Barrera, der als einer der stärksten Federgewichtler der Welt eingeschätzt wird und Inhaber des „People Champion“ – Gürtels ist. Barrera musste sich in 1997 einer Schädeloperation unterziehen und kämpft seitdem mit einer metallenen Schädelkappe. Pacquiao präpariert sich für den anstehenden Kampf sehr intensiv. Sein Trainer berichtet, dass aufgrund seiner Schläge etliche Sparringspartner flüchteten, so dass auf Sparringspartner der nächst höheren Gewichtsklassen zurückgegriffen werden musste.

Pacquiao rutscht zwar in der ersten Runde zu Boden, dominiert aber dank seiner Schnelligkeit und aggressive Kampfkraft dann aber die nachfolgenden Runden.  In Runde 6 wird Barrera angezählt, seine Bewegungen werden langsamer und Barreras Gesicht beginnt zu schwellen.  In der 11. Runde entschließt sich die Ecke von Barrera zur Kampfaufgabe. Nach dem gloriosen Sieg beginnt Pacquiaos Name auch in Amerika bekannter zu werden, zumindest wird sein Name jetzt häufiger richtig ausgesprochen.  Pacquiao und Barrera werden sich im Oktober 2007 erneut gegenüber stehen.

Der Griff nach der IBF- und WBA-Weltmeisterschaft im Federgewicht 

Im Vorfeld heiß diskutiert wurde in den Medien, wer wohl als Sieger aus dem am 8. Mai 2004 in Las Vegas angesetztem Kampf  zwischen Pacquiao und dem Mexikaner Juan Manuel Marquez, Inhaber des IBF- und WBA -Federgewichts Gürtels,  hervorgehen könnte. Man erwartet einen sehr knappen und engen Kampf. Pacquiao ist eine Kampfbörse von 500.000 US $ garantiert. Wiederum trainiert er für den Kampf sehr hart. Dabei soll er einem Sparringspartner sogar die Rippen gebrochen haben. Beide Seiten geben sich sehr zuversichtlich in Bezug auf einen Sieg. Marquez tönt: „Es wird ein böses Erwachen für Pacquiao geben“, während der Trainer des philippinischen Herausforderers die Krieger-Tugenden seines Schützlings beschwört.  

Der Kampf beginnt mit einer Wahnsinns-Runde für Pacquiao. Er schickt Marquez zunächst zweimal  zu Boden. Beim dritten Niederschlag in der ersten Runde wird Marquez bis auf Acht angezählt. Er erscheint desorientiert zu sein. Der Rundengong rettet ihn jedoch. In den nachfolgenden Runden kommt Marques wieder in Tritt und sammelt Punkte. In der sechsten Runde erleidet Manny eine Augenverletzung und das Gesicht schwillt an. Doch der verbissene Kampf  dauert bis zur zwölften Runde an. Marquez glaubt schon aus dem Kampf siegreich hervorgegangen zu sein, als die drei Kampfrichter ihre Punktzahlen bekannt geben: 115-110 für Pacquiao, 114-110 für Marquez, 113–113  - das bedeutet Remis! Marquez behält seine beiden Titel – Pacquiao steht mit leeren Händen da. Später wird einer der Kampfrichter offen einräumen, daß er sich bei der Bewertung der ersten Runde um einen Punkt verzählt habe. Dieser Punkt fehlte dem Filipino aber zum Sieg. Ein von Pacquiaos Management erhobener Einspruch vor der Nevada State Athletic Commission (NSAC) scheitert. Pacquiao ist enttäuscht und führt das Nachlassen seiner Kampfeskraft auf schmerzhafte Blasen an den Füßen zurück, die ihm billig eingekauften Socken verursacht hätten.    

Später wird man ihm fast zum Trost mitteilen, dass auch Muhammed Ali den Kampf im Fernsehen gesehen hätte und davon überzeugt sei, dass nach seiner Ansicht Manny den Kampf klar gewonnen hätte. Im Gespräch rühmt er Pacquiao als „kleinen Ali“.

Im März 2005 kämpft Pacquiao - mittlerweile in der Gewichtsklasse des Super-Federgewichts - gegen den Mexikaner Erik Morales und unterliegt diesem knapp nach Punkten nach einem 12-Runden-Kampf. Ein knappes Jahr - im Januar 2006 - später macht er die Niederlage wieder wett und besiegt den Mexikaner in Las Vegas durch ein technisches K.O in der zehnten Runde.  Mittlerweile hatte er sich auch schon im September 2005 in einem Kampf gegen den mexikanischen Boxer Hector Velazques durch technisches K.O  den WBC-Titel im Super-Federgewicht geholt. Nach dem er ihn in der zwölften Runde schon zweimal zu Boden geschickt hatte, schlägt er im Juli 2006 er in einem 12 Runden-Kampf in Manila Oscar Larios,

Die Golden Boy  Promotions (GDP) garantiert ihm 2006 für die sieben nächsten Kämpfe ein Minimum-Preisgeld fünf Millionen US $ plus sehr beachtliche Gewinnanteile.

Noch im Jahr 2006 kämpft Manny - der „Destroyer“ - ein drittes Mal gegen Erik Morales und bezwingt diesen vor 18.000 Zuschauern in Las Vegas in der dritten Runde durch technisches K.O. Die Siegesbörse war für den Leichtgewichtler Pacquiao recht attraktiv.  Im April 2007 schlägt er den Mexikaner Jorge Solis in der achten Runde K.O.  Schließlich kommt es im Oktober 2007 zu einem Rückkampf mit Antonio Barrera, der zunächst an dessen hohen Gagenforderungen gescheitert war. In der elften Runde führt ein Treffer von Pacquiao zu einer eine stark blutende Wunde im Gesicht von Barrera.  Barrera kontert in der 11. Runde mit einem nicht erlaubten Schlag, der Manny benommen macht und für den Barrera einen Punktabzug bekommt. Nach der zwölften Runde sprechen die Punktrichter dem lädierten Pacquiao einstimmig den Sieg zu.

Das Leben in und für die Öffentlichkeit

Die letzten Jahre zeigten, immer wenn ein Kampf Pacquiaos ansteht, dann entleeren  sich vor und während des Kampfes die viel befahrenen Straßen in Manila. Alles - Freund und Feind - sitzt einträchtig vor den Fernsehapparaten und fiebert einem Sieg Pacquiaos entgegen. Die TV-Einschaltquoten liegen bei annähernd 100 Prozent und die Kriminalitätsrate geht kurzfristig gegen Null. Seine Boxkämpfe sind eine nationale Angelegenheit. Dies hebt auch Pacquiao hervor. Nach einem siegreichen Kampf reist er oft die Arme nach oben und ruft laut: “Para sa bayan ang laban kong ito! (Dieser Kampf ist für mein Land!)“.

Zurück in Manila erwartet ihn in der Regel eine Siegesparade, bei der seine Wagenkolonne von Hunderttausenden begrüßt wird. Das von Krisen gekennzeichnete Land hat den schon lange ersehnten Super-Helden gefunden. Rundfunk- und Fernsehstationen reißen sich um ein Interview mit ihm und die Politiker buhlen um seine Gunst. Abgestraft finden sich alle diejenigen, die behaupten, die Philippinen hätten mit Kampfsportarten nichts am Hut.

2004 empfing ihn die Präsidentin und übereichte ihm eine Verdienstmedaille, noch im selben Jahr erhält er eine Ehrenmedaille vom Senat. Er wird zum Oberfeldwebel der philippinischen Reservestreitkräfte ernannt. 2006 würdigt ihn die Präsidentin in einer Ansprache als einen „modernen Helden“. Und Manny bedankt sich artig. Schon 2004 hatte er sie in ihrem Wahlkampf unterstützt und ihre Politik gelobt. Manny steht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er steht fast täglich in den Schlagzeilen. Die Journalisten setzen ihm nach und berichten seitdem über jeden seiner Schritte, auch über seine Casino- und Nachtclubbesuche.     

Sein Leben wird Filmstoff. In dem hastig gedrehten Boxerfilm "Lisensyadong Kamao" aus dem Jahre 2005 spielt er als „Bruce“ sich selbst. Gezeigt wird, wie „Bruce“ sich aus der Provinz aufmacht, um der kranken Mutter und der blinden Schwester zu helfen. Polizisten entdecken sein boxerisches Talent, das sich schnell herumspricht und ihm zu Geld verhilft. Schläger kidnappen Mutter und Schwester, aber schließlich wendet sich alles zu seinen Gunsten.

Über eine Million Dollar werden in den Film „Pacquiao: The Movie“ investiert. Jericho Rosales verkörpert Manny. Der „ganz und gar durchschnittliche Film“ zeigt den „Aufstieg von Manny und zelebriert ihn als gottesfürchtigen, liebenden und patriotischen Menschen“ (3). Der Film floppt jedoch an den Kinokassen und wird von den Filmkritikern arg verrissen. Zurzeit produziert er einen dritten Film „Anak ng Kumander“ und hat seine Kritiker schon vorzeitig gebeten, ihm eine zweite Chance zu geben. Er hätte, was die Produktion eines Filmes anbelangt, dazu gelernt. Und schon wieder muss er Gerüchten entgegentreten, er hätte ein Verhältnis mit einer Hauptdarstellerin. 

Pacquiao nutzt viele kommerzielle Vermaktungsmöglichkeiten. Sein Song „Para Sa Yo Ang Laban Na To“ (This fight is for you) wurde auf den Philippinen ein Hit.  Seine Figur hat Eingang gefunden in einem Videospiel. Er tritt als Star in Fernsehshows auf. Im Fernsehen begegnet man ihm aber vornehmlich  in der Werbung. Er bewirbt die fast die ganze Produktpalette der San Miguel Corporation, also zum Beispiel Magnolia Ice Cream und Magnolia Fresh Milk. Und in einem Werbespot stoßen die einst erbitterten Kampfgegner Pacquiao und Morales mit San Miguel Beer auf ihre Freundschaft an. Der „Destroyer“ ist auch mit dem Sportartikelausrüster Nike vertraglich verbunden.

 Irritationen

Irritiert wurde die Öffentlichkeit, als die 24-jährige frühere Hotelangestellte  Joanna Rose Bacosa, im Februar 2006 eine Klage gegen den Boxchampion  wegen seit zwei Jahren ausstehender Unterhaltszahlungen einreichte und von ihm angeblich 15 Millionen Pesos forderte. Nach ihrem Bekunden hatten sich beide Anfang 2003  in einer Bar getroffen und ihr Liebesverhältnis hätte einige Monate angehalten. Sie wurde schwanger und gebar im Jahr 2004 ein Kind. Noch zu dieser Zeit hätte sie Pacquiao mit Unterhaltszahlungen unterstützt. Später seien die Zahlungen ausgeblieben. Pacquiao - immerhin verheiratet und Vater von zwei Kindern - hat sich in einem Fernsehinterview zwar zur kurzfristigen Romanze und zu Zahlungen bekannt, zieht aber in Zweifel, ob das Kind von ihm stamme, da Joanna auch noch einen anderen Freund gehabt hätte. Er ist der Meinung, Joanna Bacosa ist nur hinter seinem Geld her. Seiner Frau Jinkee hätte er die Affäre gebeichtet. Ob es zu einem von beiden gewünschten DNA-Test des Kindes kam und welches Ergebnis er zeigte, muss hier offen bleiben (2)

Offenkundig mehr Irritationen als der offenkundige Seitensprung lösen die  politischen Aktivitäten Pacquiaos in 2007 aus. Er kandidiert in South Catabato - für eine liberale Parteigruppierung, nicht für die Partei der Präsidentin - um einen Sitz im Kongress.  Viele warnen ihn vor diesem Schritt. Er, der politisch Unerfahrene, solle sich nicht in das „schmutzige Geschäft“ der Politik einlassen und sich lieber auf seine boxerische Karriere konzentrieren. „Philippine politics will eat him alive“, meinte der Boxsportexporte Nat Gottlieb in einem Kommentar (4). In Cebu wird er im Februar 2007 anlässlich eines Box-Festivals aufgrund seines politischen Engagements vom Publikum sogar teilweise ausgebuht.

Manny hält aber an seinen politischen Plänen fest und investiert mehr als 100 Millionen Pesos in seinen Wahlkampf, von denen seine Helfershelfer allerdings auch einige Sümmchen abgezweigt haben sollen. Er verteilt Säcke mit Reis an die Wähler und verspricht Entwicklungsprojekte. Ansonsten ist sein politisches Programm  relativ einfach gestrickt. Er will - und hier ganz in den propagandistischen Fußspuren von Ex-Präsident Estrada - insbesondere den Armen in seinem Distrikt helfen. Pacquiao verliert aber die Wahl im Mai 2007. Der Kongresssitz geht an seine politische Konkurrentin Darlene Antonio-Custodio.

Ironischerweise waren viele Pacquiao-Fans über diese Wahlniederlage eher erfreut. Manny sollte dem Boxsport erhalten bleiben. Und vielleicht hat sich auch sein Trainer Freddie Roach über die Niederlage gefreut, denn er beklagte zuvor schon, dass sein Schützling zu stark vom Boxsport abgelenkt würde.

Das Leben im Luxus 

Pacquiao hat nun Millionen Dollar verdient und ist zu Ruhm und Reichtum im Lande gekommen. Er trägt zwei dicke goldene Armbanduhren – davon eine im Wert von über 15.000 Dollar -  und besitzt Häuser in General Santos City und in Davao. Sie werden von Security-Personal geschützt, da es schon zu einem Raubüberfall und Entführungsdrohungen in Bezug auf seine Kinder kam. Mehrere Oberklassewagen (u.a. ein Mercedes und ein Porsche Cayenne) stehen ihm zur Verfügung.

Vermehrt hat sich auch die Zahl der Verwandten. Früher dachte er, er hätte nur circa dreißig Verwandte, heute siedelt er deren Zahl auf über 200 an.  Echte und vermeintliche Freunde kreisen wie  Satelliten um den als generös geltenden Manny.

Pacmann besitzt nun - neben einem Sportclub und Lotterie-Annahmestellen -  u.a. Häuser und Grundstücksflächen. Auch ein Restaurantbetrieb am berühmten Baywalk in Manila gehörte ihm. Die Konzession hatte er vom befreundeten früheren Oberbürgermeister von Manila Lita Atienza bekommen. Der neue Oberbürgermeister Lim, entschiedener Verfechter von „Law und Order“ -Prinzipien,  hat jedoch Restaurantbetriebe am Baywalk wegen „öffentlicher Unmoral“ schließen lassen und süffisant darauf hingewiesen, dass Manny´s Restaurant Gebühren nicht abgeführt hätte und überdies noch Steuerschulden offen seien (5).

Zweifelsohne hat Pacquiao viel Geld in Kasinos, Hahnenkampfarenen und Billard-Saloons zurückgelassen.  Er hat aber Journalisten des Manila Bulletins im August 2007 wegen Verleumdung verklagt, die folgendes behaupteten:

"Pacquiao who spent millions in unsuccessful bid to win a congressional seat in his hometown in General Santos City is reported to be a compulsive gambler (süchtiger Spieler) and is known to bet hundreds of thousand in casinos, cockfighting, and billiards (6) .

Es gibt aber auch Erfreulicheres zu berichten. Er hat zum Beispiel 100.000 Pesos gestiftet, um den Bestand an philippinischen Adler auf Mindanao zu schützen. Die „Manny Pacquiao Foundation“ unterstützt materiell aktive und nicht mehr aktive philippinische Boxer und deren schulische Erziehung.

Hoffen wir, dass ihn der Reichtum nicht zu schnell vom Boxsport ablenkt und der Reichtum ihm auch möglichst erhalten bleibt. Wie schnell man auch wieder in die Armut fallen kann, ist ihm am Beispiel eines anderen Boxers aus seiner Heimatstadt Rolando Navarrete bekannt. Dieser vergeudete sein Talent und sein kleines Vermögen, saß nun wegen eines Vergewaltungsdeliktes im Gefängnis und zeigte sich dankbar, als ihm Manny vor einiger Zeit ein paar Hundert Dollar zusteckte.  

Ausblick

Doch selbst wenn eines Tages Pacquiaos Ruhm schwinden sollte – die Filipinos brauchen um die Zukunft und das internationale Renommee im Boxsport nicht sonderlich besorgt sein, denn es gibt noch eine ganze Reihe anderer herausragender Boxer im Lande. Die Weltranglisten von WBO, WBC, WBA und IBF (Stand: 27.07.2006) führen in den unteren Gewichtsklassen bis zum Super-Federgewicht auf den ersten zehn Rangplätzen insgesamt 15 philippinische Boxer an, die nach höheren Rangplätzen und Titeln streben. 

Die Philippinen ein sportlich wenig ambitioniertes Land? In Bezug auf den Boxsport gilt dies sicherlich nicht. Bei vielen anderen Leistungssportarten mag dies zutreffend sein. Kritiker sollten indessen auch bedenken, dass zahlreiche Spitzensportarten unter der Maxime „Höher, Schneller, Weiter“ folgen und den hochgewachsenen Sportlertypus präferieren. Da tut sich der eher kleingewachsene Filipino trotz festgestelltem stärkeren Längenwachstums in den letzten Jahrzehnten schwerer. Weiterhin muss berücksichtigt werden, dass Industrienationen Spitzensportler bei der Ausübung ihres Sportes in ungleich höherem Maße subventionieren können als Schwellenländer wie die Philippinen.  

© Wolfgang Bethge, 2007      


(1)   Rechtsausleger sind im Boxsport eine Minderheit. Sie stehen „verkehrt“, d.h. sie schieben in der Grundstellung das rechte Bein nach vorne. Die rechte Hand ist die Führhand, die linke Hand die Schlaghand.  Gegner haben oft Schwierigkeiten, sich an die Rechtsauslage anzupassen.

(2)   Sun Star Network Online, Ex-girl-friend   sues Pacquiao for violence, kid’s support,  09.02.2006  

(3)   PACQUIAO: THE MOVIE, in: http://www.molodezhnaja.ch/pacquiao.htm   

(4)    Nat Gottlieb, Pacquiao Nation, in: http://www.hbo.com/boxing/events/2006/1118_pacquiao_morales/columns/gottlieb_pac.html

(5)    abs-cbnews.com, 06.12.2007, Pacquiao, others owe Manila P7M in Baywalk fees

(6)   Zonio, Aquiles. "Pacquiao files P30-m libel suit vs 4 journalists", Inquirer.net, 2007-08-01