Palmdieb und Palmen-NashornkäferPalmendieb und Palmen-Nashornkäfer

Der Palmendieb und der Palmen-Nashornkäfer sind  auch auf dem philippinischen Archipel beheimatet. Beide Vertreter sind  Palmenschädlinge – jedoch Palmenschädlinge mit einem besonders faszinierendem biologischem Merkmalsprofil. Während der Palmendieb – die größte Landkrappe der Welt – auf den Philippinen schon sehr selten geworden ist und in seinem Bestand bedroht ist, stellt der der wesentlich kleinere Palmen-Nashornkäfer unverändert eine ernst zunehmende Gefährdung der  Palmplantagen in den tropischen Zonen dar. Im nachfolgenden sollen sie kurz vorgestellt werden.  

Der Palmendieb 

Das Männchen des Palmendiebs (Bezeichnungen lat.: birgus latro / englisch: robber crab oder coconut crab / auf den Philippinen: tatus, umang; alimangong lupa) erreicht ein Maximalgewicht von 3 kg und eine Gliederspannweite von bis zu einem Meter. In seinen Dimensionen wird er nur von der japanischen See- und Spinnenkrabbe übertroffen, die bis zu 17 kg schwer und vier Meter lang werden kann. Die Färbung des Körperpanzers ist geografisch unterschiedlich: Das auffällige Farbspektrum reicht von leicht purpurrot-blau bis orange-braun.  

Der bis zu 40cm lange Körper gliedert sich grob in eine Kopfsektion und einen relativ großen Hinterleib. In der Kopfsektion befinden sich die Fress- und Atmungsorgane sowie die rötlichen schwach entwickelten Stielaugen. Die Atmungsorgane sind – entwicklungsgeschichtlich bedingt – modifizierte Kiemengewebe, die feucht gehalten werden müssen. Trotz vorhandener Kiemen kann das ausgewachsene Tier im Meer keinen Sauerstoff aufnehmen. Der Palmdieb sich zum Uferlandtier entwickelt. Das Seeufer wird nur noch besucht, um den Salzhaushalt zu regulieren oder bei Flut Larven abzulegen.  

Der Hinterleib weist insgesamt 10 überwiegend kräftig entwickelte Beine oder Klauen auf. Die Vorderbeine weisen kräftige Hammerzangen auf, mit denen der Palmdieb Kokosnüsse öffnen und Gewichte bis zu 29 kg stemmen kann. Die nächsten drei Beinpaare sind am Ende eher pinzettenartig ausgebildet und erlauben einen relativ schnellen Landgang und das Emporklettern an Palmen. Dass hintere meist unter dem Körper versteckte Beinpaar ist eher klein und dient der Reinigung der Atmungsorgane.  

Tagsüber hält sich der Palmdieb in Höhlen versteckt, die ihn vor Austrocknung und Feinden schützen. Nachts wandert er dann am Strand entlang und sucht vornehmlich nach herab gefallenen Kokosnüssen. Findet er keine, besteigt er auch höhere Palmbäume und versucht Nüsse abzukneifen. Rückwärts kletternd und wieder am Boden angekommen versucht er dann die Keimöffnungen zu öffnen, um an das weiße Fleisch der Kokosnuss zu gelangen. – Ersatzweise nimmt der Palmdieb auch andere organische Nahrung zu sich: Blätter, faulende Früchte, tote Kleintiere, Schalenmaterial anderer Tiere (Kalziumversorgung) oder Schildkröteneier.  Hin und wieder findet sich der Hinweis, dass er von glänzenden Gegenständen (Töpfe, Silberbesteck) sich besonders angezogen fühlt und dass der Name „Dieb“ sich von dieser Verhaltensweise ableiten würde.  

Als nur langsam wachsende Tiere sind die Palmdiebe erst ab dem vierten Lebensjahr geschlechtsreif. Die Paarung dauert etwa 15 Minuten, dabei legt das stärkere Männchen das Weibchen auf den Rücken. Die Weibchen tragen die befruchteten Eier dann einige Monate unter ihrem Hinterleib und verbringen sie später – offenbar in einer Kollektivaktion und bei Flut – ins Seewasser. Ca. 28 Tage schwimmen dann die Larven im Seegewässer und stoßen dabei auf viele Fressfeinde. In weiteren 21 – 28 Tagen wandelt sich die Larve  zur Amphibie. Die Amphibie sucht bis zu einer Größe von etwa drei Zentimetern Schutz unter verschieden großen Muschelgehäusen und geht später an Land, wo sich ihr Panzer aushärtet.  Mann nimmt an, dass die maximale Lebenserwartung bei acht Jahren liegt.  

Es wurde schon ausgeführt, dass der Palmdieb auf den Philippinen relativ selten ist und zu den bedrohten Tierarten gehört. Im Internet werden als Fundorte nur noch die kleineren, kaum bevölkerten Inseln Olango Island (östlich von Cebu City gelegen), Caluya Island und Didyo Island genannt. Das liegt zum einen daran, dass Schweine, Affen, Ratten, Eidechsen und Ameisen der Jungkrabbe nachstellen. Die Hauptschuld am Niedergang trägt jedoch der Mensch. Den Palmdieben ist das geeignete Uferhabitat genommen worden. Zudem wird das hummerähnliche Fleisch sowie die Eier – gekocht in Kokosnussmilch – als Delikatesse geschätzt. Gejagt wird die Krabbe insbesondere in feuchten Nächten im Schein von Taschenlampen. Sofern sie noch in den Höhlen sind, nutzt man Rauch. Entdeckt man sie auf Palmbäumen, dann bindet man oft feuchtes Grass an den Palmbaum. Die Krabbe nimmt beim Rückwärtsgang dann an, sie hätte den Boden erreicht und fällt faktisch zu Boden. 

Der Asienkenner weiß, dass man in Asien auf steter, oft blinder Suche nach potenzsteigernden Mitteln ist. So überrascht es denn auch nicht mehr, wenn auch das Fleisch des Palmdiebs als Aphrodisiakum gilt, obwohl die relativ schwache Fertilität des Palmdiebs hierfür keine Anhaltspunkte gibt. Obwohl es wegen der Seltenheit der Tiere keinen offiziellen Markt für Palmdiebe gibt und Schutzbestimmungen den Ex- und Import verhindern sollen, werden in Japan Jungkrabben  vereinzelt als Haustiere („Pets“) gehalten.  Feste Käfige und eine Portion Vorsicht sind bei der Haltung nötig, denn die Tiere können – wenn sie sich bedroht fühlen – auch den Menschen angreifen.  

Auch dem Palmen-Nashornkäfer werden  - wie wir noch sehen werden - „Pet“-Eigenschaften zugesprochen. 

Der Palmen-Nashornkäfer 

Mit seinen 4 cm Körperlänge ist der stämmige, schwarz-rötliche Nashornkäfer (lat. Bezeichnung: oryctes rhinoceros) ungleich kleiner als der Palmdieb. Er kommt in ganz Südostasien und im westpazifischen Raum vor. Seine stärkere Ausbreitung – insbesondere auch im Verlauf des 2. Weltkrieges – ist modernen Transportmitteln geschuldet. Manche Autoren bezeichnen ihn als das - für  Kokosnuss-, Dattelpalmen- und Ölpalmenplantagen - gefährlichste Insekt

Signifikant ist das rückwärts gebogenes Kopfhorn, das beim Männchen größer ist. Das Hinterteil der Weibchen weist eine rötlich-braune Behaarung auf. Nashornkäfer fliegen nachts und bohren die Mittelrippen der Blattschösslinge und den Blütenstand an, um an den Gewebesaft zu gelangen. Die Folgen sind ein verkümmertes Wachstum der Palme und geringere Ernteerträge. Junge Palmen können absterben. Eine weiterer Folgeschaden ist, dass die nunmehr geschwächten Palmen eine unzureichende Resistenz gegenüber anderen Fressfeinden der Palme wie zum Beispiel der Nesselraupe oder dem rot gestreiften Palmrüsselkäfer haben. Erwachsene Nashornkäfer leben etwa sechs Monate. Das Weibchen legt nach der Befruchtung bis zu 100  3-4 mm große, weißlich-braune Eier vornehmlich in verfaulendem  Pflanzenmaterial, Modder, Baumstümpfen und Sägemehl ab. Aus den Eiern entwickeln sich nach ca. zwei Wochen gefräßige Larven. Das Larvenstadium mit Verpuppungen dauert etwa zwei bis drei Monate.  Ausgewachsene Larven haben eine C-förmige Körperform, einen braunen Kopfabschnitt und Beine. Die Bekämpfung des Schädlings erfolgt zum Teil mechanisch (Abharken und Aufstellen von Sägemehlfallen), chemisch (Pestizide) oder biologisch (Virusinfektion des Männchen). Ganz wichtig ist aber eine hinreichende Prophylaxe, d.h. insbesondere die Vermeidung von verrottendem biologischem Abfallmaterial. 

Hanewald (1) liefert den interessanten Hinweis, dass in Culion (Nordpalawan) die Käferschädlinge von Einheimischen gesammelt und an überwiegend chinesische Händler gegen geringes Entgelt weiterverkauft werden. Die Händler füttern die schwarzen Prachtexemplare mit süßem Saft und exportieren dann die Tiere  gegen ein Vielfaches des ursprünglichen Preises insbesondere nach Japan. Hier werden Palmen-Nashornkäfer auch als Haustiere gehalten. Japan ist überhaupt ein großes Käfer-Importland. 2001 wurden nach Japan etwa 319.000 Nashornkäfer und etwa 364.000 Hirschhornkäfer (2) exportiert und man sieht dort schon die Gefahr der Verdrängung einheimischer Käferrassen. 

© Wolfgang Bethge, 2005


(1) Roland Hanewald, Inselfieber, S. 203

(2) 680,000 beetles imported in 2001, trade monitor says, in Japan Times, 30.07.2002