Flash-Film               

König  Philipp II und die Philippinen 

Das Zeitalter der Entdeckungen 

Wir stehen im 16.Jahrhundert. Es ist das Zeitalter des Buchdrucks und des Humanismus, der großen Dynastien und Glaubenskriege, der weltweiten Entdeckungsreisen und der Einverleibung von Kolonien. Zentraler Machtfaktor in Europa ist das Reich von Karl V., der König von Spanien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in Personalunion ist. Sein Herrschaftsbereich („In meinem Reich geht die Sonne nicht unter“) erstreckt sich über die spanischen Königreiche Aragón und Kastilien, Burgund, die italienischen Königreiche Neapel, Sizilien und Sardinien, die Niederlande und österreichischen Erblande sowie die von Cortez und Pizzaro eroberten riesigen Gebiete in Süd- und Mittelamerika. Noch sieht sich der absolutistisch herrschende Karl V., der Vater von Philipp II., als Stellvertreter Gottes und „defensor ecclesiae“ in einer christlichen Welt, in der Kirche und Reich eine Einheit bilden.  

Spanisch-portugiesische Rivalitäten um Kolonien 

Neue Schiffstypen, verbesserte nautische Instrumente und Feuerwaffen haben nun die Besitznahme von fernen Ländern möglich gemacht, die durch ihre Gold- und Silbervorkommen aber auch durch die Möglichkeit eines lukrativen Gewürzhandels locken. 1492 entdeckt Kolumbus im spanischen Auftrag Amerika. Auch die um Kolonien konkurrierenden Portugiesen möchten in Südamerika Fuß fassen und hatten schon bewaffnete Stützpunkte an der Küste Afrikas und in Indien begründet. Schon in dieser frühen Phase der Kolonialisierung kommt es zwischen beiden Königreichen zum Streit darüber, wem was von der Welt zusteht.  1493 stimmen beide Staaten im Vertrag von Tordesillas einer von Papst Alexander VI. in Vorschlag gebrachten, westlich der Kapverdischen Inseln verlaufenden Demarkationslinie zu, die die westlich davon liegenden Gebiete zur spanischen, die östlich davon liegenden Gebiete zur portugiesischen Einflusszone erklärt. Auch kommt man  grundsätzlich auch überein, daß diese über die Polkappen gezogene Linie auch für Südostasien gelten soll. Zu diesem Zeitpunkt sind die geografischen Kenntnisse über Südostasien allerdings noch lückenhaft und die nautische Bestimmungen noch relativ ungenau. Man weiß noch nicht vollständig, welche Gebiete noch in den jeweiligen Einflußzonen liegen.

1511 bauen die Portugiesen Malacca zum Handelsstützpunkt und Warenumschlagsplatz in Südostasien aus. Sie handeln unter anderem mit Sandelholz von Timor, Rohrzucker von den (später so genannten) Philippinen, Seide und Porzellan aus China, Gold und Elfenbein von Sumatra, Opium, Stoffen, Färbemitteln aus Indien - und insbesondere mit Gewürzen von den Molukken und Sumatra. Der Philosoph Sloterdijk schreibt pointiert in Bezug auf die märchenhaften Handelsspannen des Gewürzhandels: „Man darf so weit gehen zu behaupten, daß der Gewürzhandel der Drogenhandel des ausgehenden Mittelalters gewesen ist“ (1). Spanien will auch an diesem Gewürzhandel teilhaben, die in Süd- und Mittelamerika in Besitz gebrachten Edelmetalle und Preziosen decken  bei weitem nicht die kostspieligen Kriegszüge in Europa. Portugal blockiert aber die die Ostroute nach Südostasien über das afrikanische Kap Horn.  

Magellan auf den Philippinen 

Da bietet 1517 der Portugiese Magellan dem spanischen König seine Dienste an. Er war ab 1506 schon Teilnehmer an mehreren portugiesischen Forschungs- und Militärexpeditionen gewesen, die ihn auch auf die Molukken führten, danach aber wegen eines angeblichen Vergehens vom portugiesischen König ignoriert worden. Es ist nicht auszuschließen, dass Magellan über seinen angeblich aus Cebu stammenden Übersetzer Enrique auch etwas über die Existenz des philippinischen Archipels wusste. Magellan ging von der Kugelgestalt der Erde aus und er war davon überzeugt, dass man Indien und die Gewürzinseln auch auf der Westroute über den Atlantik und Amerika erreichen konnte. Es gelingt ihm den spanischen König von seinen Plänen zu überzeugen. Dieser stattet ihn mit fünf Schiffen aus und stellt ihm 270 Mann Besatzung und Offiziere zur Verfügung. Die Fugger finanzieren einen Teil der Expeditionskosten. 

1519 bricht Magellan als spanischer Staatsbürger zu seiner  schwierigen und entbehrungsreichen Weltreise auf, deren Dauer er kürzer einschätzt, weil er nicht mit der enormen Erstreckung des Pazifischen Ozeans rechnet.  Sie ist mit all ihren immensen Schwierigkeiten und Torturen verbunden und vielleicht in dem Erzählroman von Stefan Zweig (2) am besten beschrieben worden. Teile der Offiziere und Mannschaften meutern. Ein Begleitkapitän setzt sich wieder nach Spanien ab. Im Sturm geht ein Schiff unter und die Nahrungsmittel werden knapp. Es wird berichtet, dass die Mannschaft in ihrer Verzweiflung auch Sägemehl, Lederriemen und Ratten aß. Nach Durchfahrt der der später nach ihm benannten Meeresstrasse erreicht Magellan im März 1521 mit drei Schiffen die Küste der Insel Samar.  Da er am Tag des heiligen Lazarus eintrifft, nennt er die gefundenen Inseln „Islas de San Lazaro“ (Inseln des Heiligen Lazarus), eine durchaus freundliche Bezeichnung, hatte er doch zu einem früheren Zeitpunkt den Marianen-Inseln im Pazifik den Namen „Islas de Landrones“ („Diebesinseln“) gegeben.  

In welchem Zustand befinden sich die von ihm gefundenen Inseln, die später die Philippinen genannt werden? Der Archipel ist dünn besiedelt. Man schätzt die Einwohnerzahl bei Ankunft der Spanier auf knapp eine Million. Die Bewohner sind ethnisch stark differenziert und  leben vorwiegend in verstreuten, von einander isolierten Sippen- und Dorfgemeinschaften (barangays). Es gibt nur räumlich sehr begrenzte politische Gemeinwesen mit Häuptlingen („datus“) und erblichen Adelsvertretern an der Spitze. Auch Sklaven werden gehalten. Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung geht einer landwirtschaftlichen Tätigkeit oder dem Fischfang nach. Man stützt sich auf mündlich überliefertes Kulturgut, animistische Glaubensrichtungen herrschen vor.  Anzumerken ist jedoch, daß etwa ab 1380 der Islam im Süden Mindanaos Fuß fasst und dort ersten Sultanate gegründet werden. Der später auf den Philippinen eintreffende Legaspi sieht sich sogar genötigt, den im späteren Manila residierenden Moslem-Herrscher Rajai Suluman  zu vertreiben. 

Magellans kurzfristige Aktivitäten in  und um Cebu sind in der Literatur hinreichend gewürdigt worden. Hier reichen einige Stichworte: 

l Pakt mit Rajah Colambu  und Blutsbrüderschaft mit Häuptling Seripalda Humabon

l erste Heilige Messe, Übergabe des Santo Nino-Figur (3) und Massentaufen

l der schon nach zwei Monaten Aufenthalt durch eigene Fahrlässigkeit herbeigeführter Tod im Kampf gegen Mactan -Häuptling Lapu-Lapu.    

Stefan Zweig würdigt Magellan wie folgt: „In sichtlichem Gegensatz zu den Cortez und Pizarros, die sofort ihre Bluthunde von der Koppel lassen, barbarisch die Bevölkerung hinschlachten und versklaven … suchte Magellan von Anfang an die Einverleibung der neuen Provinzen durch Freundlichkeit und Vertrag als durch Blut und Gewalt zu erreichen … Bis zur Stunde des Todes hat Magellan jeden Pakt mit jedem Häuptling streng und loyal eingehalten; diese Ehrlichkeit war seine beste Waffe und sie bleibt sein dauernder Ruhm“ (4) . 

Gescheiterte Nachfolgeexpeditionen 

Nach  Magellans Tod übernimmt Sebastian del Cano als Generalkapitän die Führung der  verbliebenen Schiffe. Die „Conception“ wird vor der Abreise absichtlich verbrannt, da die 115 Überlebenden  lediglich zwei Schiffe führen können. Die „Trinidad“ schlägt bei ihrer  Heimkehr einen Westkurs ein, wird jedoch von den Portugiesen abgefangen. Dabei findet der größte Teil ihrer Mannschaft den Tod. Mehr Glück hat die „Victoria“, die unter ihrem Kapitän  Juan Sebastian Elcano, einem ehemaligen Meuterer, die Ostroute über Kap Horn einschlägt. 1522 trifft die „Victoria“ nach dreijähriger Schiffsreise mit nur 18 Überlebenden in Sevilla ein. Magellan erlebte die Weltumrundung zu verschiedenen Zeiten und Etappen, die „Victoria“ ist die einzige Galeone, die die Welt erstmals in einer Etappe umrundete. Die Gewürze, die sie nach Spanien mitbrachte, decken vielfach die Expeditionskosten. 

Es folgen 1525, 1526, 1527 von Neu-Spanien (Mexiko) aus weitere, jedoch erfolglose Expeditionen in Richtung Magellan-Strasse und philippinischer Archipel. Sofern sie den Archipel erreichen, scheitert ihre Rückfahrt nach Mexiko häufig aufgrund widriger Windverhältnisse, so dass sie Häfen der feindlich eingestellten Portugiesen auf den Molukken ansteuern müssen. Die Portugiesen protestieren gegen diese Expeditionen, weil sie davon ausgehen, daß der Archipel zu ihrem Herrschaftsbereich gehört. 

Der Vertrag von Saragossa 

1529 wird der Vertrag von Tordesillas durch den Vertrag von Saragossa revidiert, weil die Portugiesen auch ein größeres Stück (Brasilien) vom Kuchen Amerika abbekommen wollen. Die Demarkationslinie wird etwas weiter westlicher gezogen. Auch tritt Spanien seine „Ansprüche“ auf die Molukken und die Philippinen gegen eine Entschädigungssumme von 350.00 Golddukaten an die Portugiesen ab. Zehn Jahre später – aufgrund genauerer Messungen – wird festgestellt, daß Schlitzohr Karl V. den Portugiesen Gebiete verkauft hatte, die ihm gar nicht gehörten, sondern gemäß Demarkationslinie in portugisieschen Besitz standen. Der König von Portugal fühlte sich überrumpelt, während Karl V. sich noch lange über den Vertragsabschluß gefreut haben soll. Der Vertragsteil, der sich auf die Molukken bezieht, wird von den Spaniern fortan respektiert, das Interesse am philippinischen Archipel - Vertrag hin, Vertrag her - bleibt trotz vertraglichem Ausschluss unverändert. Die Spanier agieren bei den nachfolgenden Expeditionen zum Archipel nur vorsichtig und mit etwas schlechtem Gewissen. Erst wenn 1579 Philipp II. auch König von Portugal wird, klärt sich die Besitzsituation rechtlich und faktisch eindeutig zugunsten der Spanier.  

Villalobos Expedition und Namensgebung durch Bernando de la Torre 

Karl V. wünscht sich weiterhin im Zuge seiner Weltmachtpolitik einen südostasiatischen Stützpunkt auf den später so genannten Philippinen und beauftragt seinen spanischen Vizekönig in Mexiko erneut eine Expedition zu organisieren. 

Nun bricht Ruy Lopez de Villalobos 1542 mit vier Schiffen in Richtung Inselarchipel auf. Nach einem Jahr Schiffsreise landen sie im Süden Mindanaos, stoßen dort aber auf erbitterten Widerstand der „Moros“, wie die Spanier die dort ansässigen Moslems titulieren. Da sie nur „Katzen, Hunde, Ratten, graue Eidechsen und unbekannte Pflanzen“ als Nahrung finden, brechen sie eilig in Richtung Luzon wieder auf. Auf der Fahrt dorthin benennt der Mitarbeiter Bernando de la Torre die Inseln von Samar und Leyte „Islas Felipinas“ zu Ehren des spanischen Kronprinzen Philipp von Asturien. Dieser wird später zum Namenspatron des gesamten Inselarchipels. Aber auch hier weiter im Norden begegnet er auf feindliche Einstellungen der Eingeborenen und er schickt drei seiner Schiffe zurück nach Mexiko, um mehr Verpflegung und Munition zu holen. Die drei Schiffe kentern jedoch kurz nach der Ausfahrt. Nun entschließt man sich mit dem verbleibenden Schiff den Hafen von Ambonia anzusteuern, der sich in portugiesischem Besitz befindet. Mannschaft und Kapitän ergeben sich 1544 den Portugiesen und werden eingekerkert. Kapitän Ruy Lopez de Villalobos stirbt 1546 in tiefer Melancholie.  Es wird 22 Jahre dauern, bis der nächste Spanier die „Islas Filipinas“ für das Königreich Spanien zu erobern versucht. 

Zermürbt von den fortwährenden (Glaubens-) Kriegen gegen die Mauren, Türken, Franzosen, Niederländer und die „lutherischen Ketzer“ übergibt Karl V. 1555 das spanische Zepter an seinen Sohn Philipp II. und zieht sich in den letzten zwei Jahren seines Lebens in ein einsames Kloster zurück.  

Die Regentschaft von Philipp II. 

Philipp II. war ein gebildeter Mann, der den künstlerischen und geistigen Strömungen seiner Zeit durchaus aufgeschlossen gegenüber stand. Gleichzeitig war er aber auch ein fundamentaler Katholik, ein eifriger Fürsprecher der Gegenreformation, Befürworter der Inquisition und erklärter Moslemgegner. Selbst christianisierte Moslems lässt die der katholischen Religion streng ergebene Majestät von spanischem Boden vertreiben. Der düster wirkende, stets misstrauische König, der sich gerne schwarz kleidet und den man nur selten lachen sah, plant seinen Arbeitstag sehr akribisch. Er ist ein Freund der Bürokratie und hält sich einen fast undurchdringlichen Hofstaat als Schutzmauer. Da er fast alles selber entscheiden will, er in seinen Entscheidungen aber sehr zögerlich ist, verschleppen sich wichtige Entscheidungsprozesse. In seinem Arbeitszimmer, das er später kaum mehr verlassen wird, wird täglich eine Messe für ihn gehalten. Die Spanier nennen ihn „El Prudente“ (der Kluge), während Gegner ihn auch zum „spanischen Teufel“ erklären. Die ihm angetrauten Ehefrauen – aber auch die meisten Kinder - versterben früh, so daß er insgesamt viermal (u.a. Maria von England) heiratet.  

Schon bei Amtsantritt muss er feststellen, daß das Reich verwaltungsmäßig schlecht organisiert ist und wiederum in Finanznöten steckt. Wiederum werden geheime Pläne entwickelt, die Philippinen dauerhaft zu kolonisieren. Man will einen Handelstützpunkt auch im Hinblick auf attraktive China-Geschäfte, die angenommenen Landesschätze ausbeuten und – religiöse Beweggründe spielen bei Philipp II. durchaus eine Rolle – die dortigen Heiden missionieren. Sollte die Expedition den Portugiesen frühzeitig bekannt werden, dann soll das Argument vorgeschoben werden, man hole nur gestrandete und zurückgelassene Spanier aus früheren Expeditionen zurück.  

Dauerhafte Kolonialisierung durch Legaspi 

44 Jahre nach der Entdeckung der Philippinen durch Magellan erreicht Legaspi 1565 mit einer kleinen Flotte von fünf Schiff und 380 Mann den Archipel. Man muss sich diese geringe Mannschafts- bez. Militärstärke auch im nachfolgenden vor Augen halten.  Er landet bei Cebu, stößt dort aber auf den Widerstand der eingeborenen „Indios“, die zuvor mit den Portugiesen schlechte Erfahrungen machten. Er lässt die Stadt beschießen, dabei findet man die von Magellan überreichte Christusstatue Santo Nino in einem brennenden Haus wieder. Dieses „Wunder“ kommt dann den Mönchen bei ihren Missionierungsbemühungen doch sehr gelegen. 

Legaspi erobert relativ schnell Insel für Insel des philippinischen Archipels, Mindanao und die  nördlichen Kordilleren-Regionen werden jedoch Jahrhunderte später in vollen Besitz genommen. Bei seinen Eroberungen gibt er friedlichen Mitteln den Vorrang. So schreibt er 1567 an Philipp II.: „Ich denke, wenn wir Krieg mit diesen Leuten führen würden, dann hätte dies viel Schaden aber nur wenige Vorteile zur Folge“ und 1569 an den selben Adressaten  „Ich glaube, daß die Eingeborenen leicht unterworfen werden können durch gute Behandlung und freundliche Gesten“ (5)

Aber er scheut auch nicht den Einsatz kriegerischer Waffen. Dies geschieht insbesondere bei der Eroberung Manila 1571. Hier herrscht der Moslem Rajah Sulaiman. Dieser erklärt angesichts der gewaltsamen Eroberung: „Wir möchten der Freund aller Nationen sein. Aber die Spanier müssen verstehen, daß wir keinen Missbrauch tolerieren. Ganz im Gegenteil, wenn unsere Ehre verletzt wird, werden wir diese sogar mit unserem Tod verteidigen.“ Einige (moslemfreundliche) philippinische Historiker sehen in dieser Äußerung   einen ersten patriotischen Gefühlsausdruck auf philippinischer Seite und möchten, daß Rajah Sulaiman zumindest derselbe Rang wie Lapu-Lapu in der Galerie der nationalen Helden eingeräumt wird.

Briefwechsel zwischen Legaspi und Philipp II. 

Im Übrigen ist die Beurteilung der Filipinos durch Legaspi nicht immer schmeichelhaft. Wir zitieren aus seinen Briefen an Philipp II.: Es gibt extremartig bösartige, unbeständige, unaufrichtige und völlig abergläubische Leute … Bei der leichtesten Provokation erklären sie sich gegenseitig den Krieg … Die Eingeborenen sind das faulste Volk auf der Welt … Sie wollen nicht vermögend werden … ihre Untätigkeit übersteigt ihre Begierden “ (6 ). Weiter berichtet er, daß sie mit Ausnahme der Moslems leicht zum katholischen Glauben zu bekehren sind. Die schnelle umfassende Glaubensbekehrung hat sicherlich auch die Kolonisierung der Inseln erleichtert. Häufiger begegnet man der Ansicht, daß die Filipinos die koloniale Herrschaft der Spanier friedlich akzeptiert hätten. Es ist aber darauf zu verweisen, daß es während der gesamten spanischen Kolonialperiode immer wieder Erhebungen und Rebellionen an verschiedenen Orten in kleinerem Umfang gab.  

Eher enttäuschend für Philipp II. mag wohl aber gewesen sein, was Legaspi an die Katholische Majestät Philipp II. in Bezug auf die Bodenschätze der Philippinen berichtet: Mehr oder weniger Gold wird auf diesen Inseln gefunden. Jedoch wird dies Geld nicht ständig, sondern nur bei Notwendigkeit gefördert“ und in einem anderen Brief: „ Aber es gibt nur kleine Menge an Gold, weil sie keinen Häuptling haben . . Wenn die Minen ständig mit spanischer Leitung arbeiten würden, dann hätten wir immer eine große Menge an Gold … Momentan können wir nur durch Zimt Gewinn erwirtschaften“ (7). Der Schreibtradition dieser Zeit entsprechend küsst Legaspi  am Ende des Briefes „Hände und Füße“ seiner Katholischen Majestät.  

Es ist auch der Briefwechsel Philipp II. an Legaspi überliefert. Philipp lobt in einem 1568 geschriebenen Brief ausdrücklich die sensible Politik Legaspis: Ihr habt gut gehandelt und wir beauftragen euch, in der selben Art und Weise fortzufahren. Seid bestrebt, mit guten Mitteln die Eingeborenen davon zu überzeugen, dass sie Gott unserem Herrn und mir als auch Euch und den im Land wohnenden Spanier mit  Liebe und Freundschaft begegnen  … Besonders sollt ihr euch bemühen, die Indianer dieses Landes zum heiligen katholischen Glauben zu bekehren. Dies ist im Namen Gottes, unseres Herrn, und auch in meinem Namen sehr wichtig“ (8). Mit friedlichen Mitteln missioniert werden sollen auch die Moslems beziehungsweise die Moros.  Philipp II. gibt Legaspi aber ausdrücklich die Erlaubnis, diejenigen Moslems, die die Verkündigung des Evangeliums verhindern, zu versklaven und ihre Besitztümer zu beschlagnahmen. Hier zeigt sich der Dogmatismus und die Radikalität seines katholischen Denkens. Gleichzeitig initiiert er mit dieser Vollmacht den den jahrhundertelang anhaltendenden Krieg mit den Moslems.   

Trotz des später einsetzenden Galeonenhandels zwischen China und Mexiko mit Manila als Drehscheibe waren die Philippinen offenbar nicht rentabel. Die spanische Verwaltungs- und Militärbürokratie in Manila wurde in wechselnder Höhe vom Vizekönig in Mexiko subventioniert. Es ist bekannt, daß Philipp II. vom Indienrat wiederholt gebeten wurde, die Philippinen zugunsten von Brasilien aufzugeben. Ein philippinischer Historiker überliefert die von Ordensgeistlichen unterstützte Reaktion Philipp II. (9): Selbst wenn das Einkommen dieser Inseln nicht reichen würde, einen den Namen von Jesus Christus und seine Verehrung verkündigenden Eremiten zu unterstützen, würde ich weiterhin Missionare aussenden, die die Verkündigung verbreiten. Es ist nicht die Aufgabe des Königs,  nach Minen mit wertvollem Edelmetall zu suchen. Diese Äußerung belegt, daß die Kolonialisierung der Philippinen auch auf stark religiösen Beweggründen basiert.  

Der 1569 zum Generalgouverneur berufene Legaspi, der auch „El Adelantado“ (der „Vorwärtsschreitende“) genannt wird, legt im weiteren Fortgang mit nur ca. 2000 Spaniern und mexikanischen Mestizos (darunter 400 Geistliche) das Fundament für die nun 250-jährige Kolonialisierung der Philippinen. Es wird ein Verwaltungssystem aufgebaut, das nur auf der untersten lokalen Ebene den Eingeborenen gewisse Mitspracherechte einräumt. An Seeleute und Soldaten, die im Dienst der spanischen Krone stehen werden für 2-3 Jahre Encomiendas“ (Ländereien) vergeben, die zu Frondiensten und Abgaben der Eingeborenen  verpflichten. Das Spanische wird Amtssprache, die spanische Sprache wird aber nicht wie in Mittel- und Südamerika durchgängige Verkehrsprache. Familiennamen der „Indios“ werden hispanisiert. Eine Buchzensur wird 1556 eingeführt. Kein Buch in den Philippinen darf ohne Zustimmung des königlichen Indienrates und der Vertreter der Inquisition gedruckt werden.  

 Eine Schlüsselrolle bei der Verwaltung außerhalb Manilas kommt den Mönchen zu. Man spricht zur damaligen Zeit auch von einer „Mönchsherrschaft“ der Philippinen. Mönche sind auf der lokalen Ebene in Personalunion Pfarrer, Standesbeamte, Steuereintreiber, Pädagogen, Rechts- und Wahlaufseher. Die Mönchsorden häufen Landbesitz an und werden zu einem Machtfaktor im Lande. 

Generalgouverneur Legaspi verstirbt 1572 in Manila. Er soll über kein nennenswertes Vermögen verfügt haben. Sein Auftraggeber und Herrscher Philipp II muss im Verlauf seiner Regentschaft herbe Niederlagen hinnehmen. Er scheitert mit der Eroberung Englands – Untergang der spanischen Armada 1588 – und es gelingt ihm nicht, die aufständischen Niederlande zu unterwerfen. Die  vielen Kriege, die er in seiner Amtszeit führt, überfordern die Wirtschafts- und Finanzkraft des Landes und leiten den Untergang der spanischen Weltmacht ein.  

Heikles Namenserbe ? 

Wenden wir uns der Gegenwart zu. Philippinen und Filipinos sind zweifelsohne koloniale Bezeichnungen. Es gibt Staaten, die im Rahmen ihrer Unabhängigkeit zu neuen Bezeichnungen gefunden haben, zum Beispiel Namibia, Sri Lanka oder Zimbawe. Es gab und es gibt Filipinos, die sich durch diesen Namen, der den Sieg der Spanier reflektiert, stigmatisiert fühlen. Auch der Expräsident Marcos wollte die Philippinen in „Maharlika“, der Name einer Guerilla-Einheit, die er im zweiten Weltkrieg angeblich befehligte, umbenennen. Marcos konnte sich jedoch nicht durchsetzen, die von ihm in Vorschlag gebrachte Namensgebung nicht durchsetzen. Der Vorschlag galt als zu selbstbezogen. Der Historiker Nathan Quimpo (10) spricht von einem „Ego trip“ Marcos. Verständlicher ist es, wenn philippinische Moslems die Landesbezeichnung ablehnen, war doch Philipp II. ein katholischer Hardliner, der den Islam bekämpfte. „Warum benennen wir uns nach einem König, der uns zu versklaven befahl?“, fragt Alunan C. Glang. Und er fährt fort: “Warum ärgern sich Moslems, wenn sie Filipinos genannt werden? Aus demselben Grund, den Filipinos anführen würden, wenn man das Land nach dem berüchtigten japanischen General im zweiten Weltkrieg Yamashita umbenennen würde“ (11). Andererseits haben sich mittlerweile Millionen von Filipinos mit dem Landesnamen identifiziert, sind dafür in Kriege gezogen und zum Teil gestorben. Wir möchten davon ausgehen, daß sich die Landesbezeichnung für viele von ihrem ursprünglichen Namenspatron gelöst hat und nunmehr eigenständige Wertqualitäten angenommen hat. Eine Bevölkerungsumfrage könnte diese Behauptung abklären. 

© Wolfgang Bethge, in 2004

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(1)    Peter Sloterdijk, Philosophische Aspekte der Globalisierung, in:

 http://www.bdb.de/html/pg/download/rede-sloterdijk-s.pdf

(2)    Stefan Zweig, Magellan – Der Mann und seine Tat, Frankfurt, 2003

(3)     Siehe auch:  W. Bethge, Santo Nino – Symbol der Volksfrömmigkeit, in:

       http:// bethge.freepage.de/ninodt.htm

(4)    Stefan Zweig, Magellan – Der Mann und seine Tat, Frankfurt, 2003, S. 227

(5)     Legaspi´s letters from Cebu to Philipp II, in: The Spaniards first 50 years in the Philippines, 1565-1615: A sourcebook, in:   http://www.philippinehistory.net/first50/index.htm

(6)   Legaspi´s letters from Cebu to Philipp II, in: The Spaniards first 50 years in the Philippines, 1565-1615: A sourcebook, in:  http://www.philippinehistory.net/first50/index.htm

(7)     Legaspi´s letters from Cebu to Philipp II, in: The Spaniards first 50 years in the Philippines, 1565-1615: A sourcebook, in:  http://www.philippinehistory.net/first50/index.htm

(8)     Legaspi´s letters from Cebu to Philipp II, in: The Spaniards first 50 years in the Philippines, 1565-1615: A sourcebook, in:  http://www.philippinehistory.net/first50/index.htm

(9)    A short Philippine History, in: http.//www.sspxasia.com/Newsletter/2001/Oct-Dez/A short Philippine History.htm

(10)   Nathan Gilbert Quimpo, Colonial Name, Colonial Mentality and Ethnocentrism, in: KASANA, Vol. 17, No.3/4

(11)  zitiert nach: Nathan Gilbert Quimpo, Colonial Name, Colonial Mentality and Ethnocentrism, in: KASANA, Vol. 17, No.3/4