Die Rotangpalme - Rattanprodukte

 

Die Rotangpalme (andere Bezeichnungen: Rotanpalme, Schilffpalme, Kletterpalme, Palmrohr, Rohrliane) umfasst annähernd 600 Arten und gehört damit zu den artenreichsten Palmgattungen. Ihr Verbreitungsgebiet sind die feucht-heißen tropischen Regenwälder Afrikas, Indiens, Südostasien und Australiens. Wirtschaftlich genutzt wird insbesondere die dickstämmige Calamus-Art mit ihren mannigfachen Unterarten. Von ihr ist im nachfolgenden insbesondere die Rede.

Der schlanke – oft seilartig gewundene und dornen-, stachel- oder auch borstenbesetzte - Stängel der lianenartigen Rattanpalme ist über die gesamte Länge annähernd gleich dick. Er kann einen Durchmesser von 1-5 cm aufweisen und erreicht nach ca. zehn Jahren Wachstum etwa 30 Meter Länge. Im Extremfall wird er bis zu 200 Meter lang. Die Rotangpalme kann nicht aus eigner Kraft in die Höhe wachsen. Sie rankt sich auf der Suche nach Licht mit Hilfe von Spreizästen (Spreizklimmern) und vielen Stacheln an allen Pflanzteilen an benachbarten Bäumen hoch. Ohne die Verankerung und Verhakung an den Nachbarbäumen - insbesondere durch aus den Mittelrippen der Blätter gebildeten Geißeln - würde sie durch ihr Gewicht zu Boden sinken und dann einen Teil des sogenannten Urwaldgestrüpps bilden. Das Palmblatt ist etwa 60-80 cm lang und weist wechselständig 15-30 cm lange, eng ansitzende Fiederblätter auf, die einen zersausten Eindruck machen. Aus den weißen Blütenclustern bilden sich später erbsengroße Früchte, die zunächst eine weiß-grünlich und später eine rote Farbe annehmen.

Das Holz der Rattan-Palme setzt sich aus Hunderten von kleinen Rohren und Kapillaren zusammen. Dies führt zu den einzigartigen Grundeigenschaften des Rattan-Holzes: Leichtigkeit, Elastizität, Verwitterungsbeständigkeit (hoher Ölgehalt), Strapazier- und Biegefähigkeit. Die äußere Schicht des Stängels ist härter und dauerhafter als der innere Teil – daraus ergeben sich unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten.

Die Stängelernte erfolgt meist zu zweit in mühevoller, schweißtreibender und zum Teil schmerzhafter Handarbeit. Nicht umsonst wird die Rattan-Palme in Australien auch „wait-a-while" genannt. Ein Arbeiter steigt die Palme hoch und versucht, den in andere Bäume und Pflanzen verwickelten Spross von den Stützpflanzen abzuziehen. Ein zweiter Arbeiter zieht von unten, entfernt die Blätter und schneidet den Spross mit einem Bolo (Langmesser) in kürzere, transportable Stangen. Zumeist gelingt es nicht, den Palmstängel in einem Stück abzuziehen. Es liegt eine Untersuchung vor, wonach oft ein Drittel der verhakten Kletterpalme in anderem Pflanzgeäst unerreichbar bleibt (1). Oft werden noch vor Ort, die Rattan-Stücke mit einem Fungizid bestrichen, um Pilzbefall vorzubeugen. Der am Boden gekappte Stängel wächst schnell nach und erreicht nach 5-7 Jahren wieder seine ursprüngliche Größe.

Auf den Philippinen selbst gibt es etwa neunzig Rattan-Arten, davon ist rund ein Drittel endemisch, d.h. nur auf den Philippinen heimisch. Die Calamus-Art ist über den gesamten Inselarchipel verbreitet ist, sie hat auch die größte wirtschaftliche Bedeutung. Man nimmt an, dass ca. neunzig Prozent des einheimischen Calamus der freien Natur entnommen werden (1). Dies hat bei dem der Natur entnommenen Rattan landesweit schon zu starken Lücken im Bestand geführt. Ob die verhängten Sammelbeschränkungen und Abbaukontingente nebst Wiederaufforstungsbestimmungen der staatlichen DENR zu einer Regeneration des Naturbestandes führen, bleibt abzuwarten. Für die notwendigen Bestandskontrollen fehlt oft das notwendige Geld und Personal. Rattanbaumfarmen finden sich u.a. auf Mindanao und Mindoro. Ihre Hektar-Anbaufläche dürfte bei knapp 6000 Hektar liegen (Quelle), das ist im vergleichbaren internationalen Maßstab recht wenig. Malaysia verfügt über eine Rattan-Anbaufläche von 31.000 Hektar; der Weltmarktführer Indonesien weist neben reichen Naturbestände eine Farmfläche von 37.000 Hektar aus (2). Auf den Philippinen übersteigt die Nachfrage nach Rattan-Holz das Angebot. Die Philippinen importieren deshalb schon Rattanholz aus Indonesien, um die Arbeitsplätze in der heimischen Möbelindustrie zu sichern.

Es folgen nach der Sortierung der Stücke nach Größe, Dicke und Färbung je nach Verarbeitungszweck diverse, oft arbeitsintensive Bearbeitungsschritte. Sie können u.a. einschließen – das Wässern, Trocknen, Schälen, Schaben, Spleißen, Biegen, Färben, „Out-door"-Spezialbehandlung, Binden und Flechten der Rattanstücke und –teile. Fügen wir hier nur kurz an, dass Rattan unter Hitzeinwirkung (Dampf, Bunsenbrenner) noch weicher und elastischer wird und sich dann insbesondere für die Herstellung von Korbwaren eignet.

Für Bauzwecke, Möbelgestelle, Griffe, Teppichklopfer, Rohr- Kampf- und Spazierstöcke verwendet man oft die dicken, unzerteilten Stängel. Aus den dünneren Stängeln kann man zum Beispiel Körbe, Matten, Fischreusen, Reifen, Vogelkäfige und gröberes Flechtwerk fertigen. Die Rinde der Rattanpalme dient der Herstellung von feineren Flechtwerken (Möbelindustrie), Verschalungen und Schnüren. Flechtarbeiten zum Beispiel bei der Stuhlherstellung können sehr kunstvoll sein. Beliebte Flechtstrukturen, die insbesondere auch wegen ihrer Strapazierfähigkeit geschätzt werden, sind das Sechs-Schritt-Muster" oder das „Wiener Geflecht". Neue Verwendungszwecke kommen in Gebrauch. Schon wird berichtet, dass die Automobilindustrie Rattan für Sitzstreben und im Rahmen der Innenausstattung verwendet. Angeblich soll es auch schon Fahrräder geben, deren Rahmen aus Rattan gefertigt ist (3).

 

Die ca. 15.000 Möbelhersteller auf den Philippinen beschäftigen etwa 500.000 Arbeitskräfte. Weitere 300.000 Arbeitsplätze sind indirekt mit der Möbelherstellung verknüpft. Aber nur ca. drei Prozent der Möbelhersteller beschäftigen mehr als 150 Arbeitnehmer(4). Die Möbelherstellung auf den Philippinen ist mithin von Kleinunternehmen bestimmt. Insbesondere auf Cebu konzentrieren sich die Rattan-Möbelhersteller. Etwas mehr als dreißig Prozent der von den Philippinen exportierten Möbel sind aus Rattan gefertigt. Hauptabnehmerland mit 67 % Exportanteil sind die USA. Wie der philippinische Möbelexport generell, so verzeichnet auch der Export von Rattanmöbeln in den letzten Jahren eine leicht abnehmende Tendenz. So wurden 1999 noch Rattanmöbel im Wert von 112 Mio. US $ exportiert, 2002 bez. 2004 lag dieser Wert bei 96 bez. 87 Mio. US$. Für diese rückläufige Tendenz macht man den Mangel an Rattanholz aber auch die verschärfte internationale Konkurrenz (Indonesien, VR China) verantwortlich (2).

Verstärkt wird der philippinische Herstellerkreis auch dazu aufgefordert, die so genannte Wertschöpfung zu erhöhen, d.h. den Qualitäts- und Designanspruch weiter zu erhöhen und die simpleren Standardprodukte der ausländischen Konkurrenz zu überlassen. Diesen Weg ist zum Beispiel der Möbelhersteller Kenneth Cobonpue in Cebu City gegangen. Er hatte von der Mutter ein schlecht laufendes Möbelunternehmen geerbt, neue moderne Designlinien entwickelt und findet nun in der Möbelbranche internationale Anerkennung (5).

Eine deutsche Vertriebsfirma von Rattanmöbeln preist Rattan-Möbel wie folgt:

„Als exotisches Naturmaterial schafft Rattan eine gemütliche, naturverbundene Atmosphäre. Rattan zaubert den heiteren Charme eines Landhauses, das elegante Ambiente eines Luxusschiffes oder ein junges, mediterranes Wohnflair herbei – je nach den Wünschen des Käufers. Rattanmöbel sind darüber hinaus sehr kombinationsfreudig gegenüber anderen Wohnelementen, denn durch die Variationen zahlreicher Flechtstrukturen, verschiedener Furniere und Stoffen in unzähligen Designs bieten sie dem Liebhaber alle Möglichkeiten der individuellen und gesunden Wohnraumgestaltung und einen besonderen Hauch von Exotik und Abenteuer. Die Vielfalt von Formen, Farben und Qualitäten, in denen Rattan-Möbel angeboten werden, machen jedoch die richtige Auswahl nicht leicht" (6).

Wer sich hiervon per Internet überzeugen will, dem seien unter anderen folgende Produktseiten empfohlen:

http://www.ceburattan.com/ceburattan.htm

http://store.seacresttradingco.com

http://www.arisedc.com/filipino.htm

http://www.contract-furnishing.com/rattanwickerstanjay.html

http://www.woohninsel.de

© Wolfgang Bethge, 2005


(1) Philippine National Report on Bamboo and Rattan, in: http://www.inbar.int/documents/country%20report/Philippine.htm

(2) State of the Sector Report on Philippine Furniture 2004, in: http://www.policyaim.edu.ph./download/CHAMBER%200F20FURNITURE%20INDUSTRY%20REPORT%20-%202004%20%5BREAD-ONLY%5D.PDF

(3) http://www.wohninsel.de/Service/Rattanpflege/rattan.htm

(4) WINNER- TIPS-A Quick Look at the Growth of the Philippine Furniture, in: http://www.winner-tips.org/article/articleview/469/1/1b/

(5) Alexandro A. Seno, It’s A Rattan Business, in ASIA TIMES, 30.11.2001

(6) http://www.meyers-muehle.de/rattan.htm