Peter Rogalla, Mabutas - Der Schattenmann, Print on Demand, Nordenstedt, ISBN: 3-8334-1003–5, 17 €


„Book on Demand“-Veröffentlichungen kann man mit Skepsis begegnen. Häufig handelt es sich um Publikationen von weniger professionellen Schriftstellern, die die Qualitätsfilter der klassischen Buchverlage nicht passieren. Für Peter Rogalla gilt dies nicht. Seine auf den Philippinen angesiedelte Erzählung  „Der Schattenmann“ besticht durch eine überzeugende Verschränkung von realen und fiktionalen Handlungsabläufen, den hohen Spannungsgehalt und die gute Lesbarkeit. Ich habe die fesselnde Romanerzählung des pensionierten Hamburger Polizeibeamten, der  mit seiner Familie auf der Insel Cebu lebt, in einem Rutsch gelesen, was mir seit Erscheinen des Romans „Papillon“ von Henry Chariere von nur noch sehr selten passierte.  

Angeregt zu seiner Erzählung wurde der Autor durch eine mythologische Figur, die sich in der vielgestaltigen Sagenwelt  der Insel Cebu  findet.  Es ist der Schattenmann Mabutas, ein mächtiger Schattengott, der die Zeiten aus den Anfängen der Evolution überlebte. Er kann menschliche Gestalt annehmen, ist Herr aller Schatten und überwiegend positiv eingestellt zu den Menschen. Mabuta repräsentiert die fiktionale Ebene der Erzählung. Ihm zur Seite gestellt – teilweise als Antipoden – sind Nebenfiguren wie der aggressive Schatten Loven, die weiße Blume oder der Nachtfalke. 

Das Ensemble der durchaus irdischen Handlungspersonen verkörpern unter anderem   

  der Fischer und Trunkenbold Jelson, der zu besserer Einsicht findet

  seine Frau Virginia, die sich gegen eine feindliche Umwelt durchsetzen muss

   die kleine Tochter Sarah, die Dreh- und Angelpunkt der ganzen Story darstellt, sich aber zumeist im Dämmerschlaf befindet

    der hemmungslose Ortspolizist Al, dem Freundschaft nichts bedeutet und - totgesagt -  rächend wieder aufersteht

     sowie Sally, die Alte vom Markt, die mit den Geistern im Bunde steht und deren fleischlichen Überreste es dem Autor besonders angetan haben. 

In die ersten Teile der Erzählung geht - auch durch Bilder im Buch - das Lokalkolorit des Ortes Dulaguete stärker ein, später verschiebt sich der Handlungsschwerpunkt mehr in eine mythologische Landschaft.  

Müssen wir fürchten, dass der Schattenmann Mabutas auch zu uns kommt? Wohl nicht. Mabutas löst sich zum Ende der Erzählung durch „Allzumenschliches“ auf  –  aber warum sollen wir ihm nicht in einem Fiction-Film wieder begegnen? Der Autor hat die Vorlage für ein superbes Drehbuch geliefert. 

© Wolfgang Bethge, 2004