Bösartig und gefährlich – Sandfliegen und Steinfisch

 

Wer sehnt sich nicht nach einem schönen Strandaufenthalt bei untergehender Sonne und träumt nicht davon, das farbenprächtige, exotische Leben eines Riffs näher beobachten zu können? Noch bietet der philippinische Archipel solche Möglichkeiten.

 

Aber das schöne Verweilen und Beobachten kann schnell zum nachhaltigen Alptraum werden, wenn der leicht bekleidete Wanderer am Strand zum Zielobjekt eines Generalangriffs blutgieriger Sandfliegen wird oder der Schwimmer oder Taucher versehentlich auf einen Steinfisch tritt. Zwar sind derartige Begegnungen an den Ufern des philippinischen Inselarchipels relativ selten, sie sind aber nicht auszuschließen. Deshalb können ein paar Informationen nicht schaden.

 

Die lästigen Sandfliegen

Sandfliegen (Phlebotominae) – anders lautende Bezeichnungen auf den Philippinen sind „Nik-Niks" oder „No-see-Ums" – gibt es in vielen Arten allenthalben auf der Welt, zum Beispiel auch im Süden der USA oder im Irak. Vor allem aber sind sie in den tropischen und subtropischen Zonen anzutreffen. Auf den Philippinen begegnet man den Peinigern insbesondere auf Palawan, wobei Erlebnisschilderungen sich insbesondere die Strände von Sabang, Port Barton und El Nido beziehen. Die teilweise Myriaden zählenden Schwärme werden vornehmlich in der Dämmerung und in der Nacht aktiv.

 

 

Sandfliegen erinnern eher an winzige Mücken. Sie stechen aber nicht, sie beißen. Mit nur 1-2 mm Körperlänge weisen sie nur ein Drittel der Größe von Moskitos auf, das heißt, sie können auch durch sehr engmaschige Moskitonetze schlüpfen. Auf ihrem kleinen grau-schwarzen Körper sitzen zwei weiße dicht behaarte Flügel, die in Ruhestellung V-förmig nach oben gestreckt sind. Die Fliege durchläuft an wenig spezifischen Orten die klassischen Entwicklungsphasen vom Ei über die Larve und Puppe zum flugfähigen Insekt. Temperatureinbrüche hemmen die Entwicklung. Nik-Niks sind schlechte Flieger. Sie scheuen Windbrisen und Regen und sind bei sehr kurzer, bodenorientierter Flugstrecke relativ standorttreu. Nur die Weibchen beißen, weil sie für die Produktion von Eiern Blut benötigen.

 

Der Angriff wird zunächst kaum wahrgenommen, da der Juckreiz der Bisse erst nach ca. zehn Minuten einsetzt. Einheimische werden zwar auch gebissen, sie verspüren jedoch oft keinen Juckreiz mehr. Der geplagte hellhäutige Tourist indessen wünscht sich nach dem wilden Angriff eines Schwarmes oft viele Arme, um all die juckenden Körperstellen gleichzeitig kratzen zu können. Kratzen verschlimmert jedoch oft die Beschwerden. In der Regel dauert der Juckreiz zwei bis vier Tage. Eventuell auftretendes Fieber klingt bei gutartigem Verlauf nach circa drei Tagen ab.

 

Die Beschwerden können jedoch auch über Wochen und Monate anhalten, insbesondere wenn mit dem Biss andere Erreger übertragen werden. Sandfliegen können zum Beispiel neben anderen Bakterien und Viren die winzig kleinen Leishmaniaparasiten übertragen, die sich dann unter dem Wundschorf weiter entwickeln. Die geröteten Bissstelle wandelt sich dann zum entzündeten Knötchen, das Knötchen zur Papel, die Papel zum Geschwür. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind Begleitsymptome. Die „cutaneous leishmaniasis" kann hässliche Gesichtsnarben („Pizzagesichter") hinterlassen; die unbehandelte   „visceral leishmaniasis" führt im schlimmsten Falle zu Gehirnhautentzündungen, chronischem Fieber, Knochenmarks- und Blutzellenabbau, Lähmungen, starker Abmagerung und Organschädigungen. Eine Schutzimpfung gegen das Sandfliegenfieber gibt es bislang noch nicht. Im Internet finden sich jedoch keine Hinweise, dass die angeführten schwereren Krankheitsfälle in nennenswerter Zahl auf den Philippinen aufgetreten wären.

 

Wie kann man sich vor den Bissen der „Nik-Niks" und den Folgeerscheinungen schützen? Die Hinweise reichen von „gar nicht" bis zum Einsatz schwerer Antibiotika. Im Haus werden oft dichtmaschige Moskitonetze und das Zünden von Räucherschlangen empfohlen. Ein Autor meint, dass ein Strandtuch mit einem Seitenabstand von mindestens 20 Zentimetern zum Liegenden den Einflug der Insekten verhindern könnte. Einheimische reiben sich häufig nur mit Kokosnussöl ein. Man kann das Öl auch mit einem Spritzer der Insektenabwehrmittel „Off" oder „Autan" mischen oder ausschließlich diese Mittel verwenden. Wiederum andere suchen Abhilfe durch Verwendung von mentholhaltigen Salben wie „Tigerbalsam". „Nik-Niks" sind nicht ausschließlich negativ zu sehen. Wie zum Trost wird auch berichtet, dass bei massenhaftem Auftreten von Sandfliegen die Fische besser beißen.

 

DER STEINFISCH

Der echte Steinfisch (lateinisch: Synanceia verrucosa auch „Devilfish“ genannt) gehört wie zum Beispiel der schöne Rotfeuerfisch oder der Fetzen-Drachenkopf zur Familie der Skorpionsfische, die alle Giftstacheln aufweisen. Er zählt zu den giftigsten Fischen der Weltmeere und ist insbesondere in tropischen Gewässern in einer Tiefe von 2 -30 Metern anzutreffen.

 

Er wird bis zu 40 cm lang und hat einen breiten in der Färbung variablen Körper mit stark ausgebildeten Brustflossen und mächtigem Kopf. Der Körper weist keine Schuppen auf, dafür viele Gruben und warzenartige Drüsen. Oft ist die Rückenhaut zur weiteren Tarnung mit Algen bewachsen. Charakteristische Bestimmungsmerkmale sind der wie ein U nach oben gerichtet Mund und ein seitlich gebogener Schwanz. Insgesamt 72 Stacheln schützen den Körper, 18 Flossenstrahlen weisen einen Giftsack an der Wurzel auf. Das Gift in den Flossen dient der Selbstverteidigung. Die Rückenflosse ist meistens umgelegt und richtet sich bei Erregung auf. Ihre Stachelstrahlen sind so kräftig, dass sie die Sohlen von leichten Turnschuhen durchdringen können.

 

Der relativ seltene, wenig scheue Fisch siedelt in der Riffzone und versteckt sich in Hängen, Höhlen oder Spalten. Meistens vergräbt er sich jedoch mit seinen Brustflossen fast unsichtbar im Sand, wobei ihm das Fehlen einer Schwimmblase das Liegen am Boden erleichtert. Oft sind nur die Augen sichtbar, die in Lauerstellung nach Beute Ausschau halten. In unglaublich kurzer Zeit gelingt es ihm, seine Opfer – Kleinfische und Krebse – einzusaugen.

 

Wenn Schwimmer, Schnorchler oder Taucher unbeabsichtigt im flachen Gewässer auf den getarnten Fisch treten oder ihn unvorsichtigerweise anfassen, kann es durch Druck auf den Fisch zur Giftinjektion kommen. Es handelt sich um ein Muskel- und Nervengift, das unmittelbar nach dem Stich sehr starke, heftige hämmernde Schmerzen und starke Schwellungen an der rot und blau anlaufenden Stichstelle auslöst. Sofern keine geeigneten Gegenmaßnahmen getroffen werden, können im weiteren Verlauf kaum hinnehmbare Schmerzen (stärker als Nierenkoliken), hohes Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Lähmungserscheinungen der Extremitäten und des Zwerchfells sowie Herzrhythmusstörungen einsetzen. Zwar sind Todesfälle relativ selten, sofern solche jedoch auftreten, erfolgen sie zu sechzig Prozent in den ersten acht Stunden. In Laborversuchstests starben Mäuse innerhalb von dreißig Minuten.

 

Eine recht frühzeitige Behandlung ist dringend erforderlich. Dazu gehört zunächst das Entfernen des oft abgebrochenen Stachels, die Ruhigstellung des Patienten und das schnelle Auswaschen der Wunde mit möglichst heißem Wasser (500 +), da das Eiweißgift bei Hitze zerfällt. Die Überführung in ein Krankenhaus ist unbedingt anzuraten. Die Schmerzen – Morphium hilft wenig, dahingegen Boscupan – und Lähmungen können wochenlang anhalten.

 

Es soll Aquarianer geben, die den gefährlichen Fisch in ihrem Aquarium halten. Das Exemplar wird mit ca. 120 € im Internet gehandelt.

 

Der erfahrene Philippinenkenner kennt die geschilderten Risiken, wird aber wegen ihres relativ seltenen Auftretens kaum eine Strand- oder Seewasserangstphobie entwickeln. Dafür sind die philippinischen Strände und Uferzonen in der Regel viel zu schön.

 

© Wolfgang Bethge, 2004

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