Der Leistungskatalog
des Schönheitschirugen Dr. Lasa

Das Fernsehprogramm war mal wieder fade. Ich stemme mich aus dem Sessel hoch, doch der will mich ohne Kraftanstrengung nicht aus seinen Fängen lassen. Der Fettleibigkeit ist´s geschuldet. Ich rapple mich hoch und trolle ins Bad. Der unerbittliche Spiegel sucht mich, ich gehe ihm aber aus dem Weg. Ein eher zufälliger seitlicher Blick enthüllt dann aber doch die schauerliche Wahrheit: 

ein Doppelkinn, Faltenberge, schütteres Haar, Krähenfüße, Leberflecke, Prinz-Charles-Segelfliegerohren, nach unten gezogene Lippen und zwischen den Spargel-Ärmchen die fette Wampe.

Der Spiegel scheint mich zu hassen. „Es muss sein“, murmele ich vor mich hin und eile zum Computer, gebe die Stichworte „Cosmetic Surgery Operations, Philippines“ ein und finde in Dr. I. Carlos Laxa, Quezon City, meinen Dr. Eisenbart, meinen Retter. Er hat – durchaus mit redlichem Bemühn – in den USA studiert und ist nun in seinem Fach der Schönheitsoperationen „well-trained and highly skilled“. Sicherlich kann auch er mich,  Hasepippel, in die „Welt der Schönen und Erfolgreichen“ bringen. Und das auch noch  - pi mal Daumen - zu etwa einem Drittel der Kosten, die in den USA verlangt werden.   

Flugs rufe ich meine Frau herbei: „Dass auf den Philippinen die Sonne brennt, das Meer meistens blau ist und die Bananen auch dort krumm wachsen, das wissen wir ja schon. Wir müssten mal was anderes machen.  … Du bist doch eine Filipina - aber zum Beispiel immer noch nicht Schönheitskönigin geworden. Hier ist der Weg.“ 

„Ja, aber die Preise“, wendet meine kostenorientierte Frau ein. „Nicht so schlimm“, meine ich und wir versenken uns zunächst in das Behandlungsangebot für Männer: 

Stirn-Liftung                                                                  400 $

Plastische Ohrengestaltung  (Ear Surgery/Otoplasty):  900  $

Beseitigung Leberfleck (Mole removal) :                         230 $

Fettreduktion am Kinn  (Chin reduction)                         350 $

Brustreduktion beim Mann (Male Breast Reduction) :    1400 $  

Fettabsaugung am Bauch (Tummy Tuck):                        3300 $

Fettabsaugung ein Gebiet (?) :                                        800 $

Fettabsaugen weiteres Gebiet (?):                                  500 $ 

„Und vergiss nicht die axillary hyperhidrosis  … Ihr Deutschen seid Schwitzer“, wirft meine Frau noch ein. „Was ist denn das“, frage ich. „Eine Operation gegen Achselschwitzen“, erhalte ich zur Antwort. 800 $ für beide Achseln. „Ja aber dann suche ich für dich zum Ausgleich nach einer Riechzellenreduktion“, wende ich ein, „du riechst ja alles – außer deinem gebratenen Trockenfrisch.“ 

Später greife ich nach der Hand meiner Frau und frage ich etwas scheinheilig-versöhnlich „Willst du nicht schöne runde Kulleraugen und eine deutlichere Nase haben?“ Meine Frau runzelt die Stirn. Wir widmen uns den weiblichen Behandlungsfeldern und lesen unter anderem:  

Beide Augenlider                                                                   1200 $

Nasen-Brückenvergrößerung  (Nasal Bridge Augmentation)   800 $

Nasen-Spitzenvergrößerung  (Nasal Tip Augmentation)         500 $ 

Meine Frau rätselt, was wohl eine „Lip Surgery for „gummy smile““ (750 $) sein könne. Ich sage ihr: „Du kannst dann bis zu den Ohren lächeln und brauchst den Mund nicht mehr öffnen. Vielleicht ein so eine Art gefrorenes Mona-Lisa-Dauer-Lächeln.“  

Geflissentlich gehe ich dann über solche Sachen wie  „Buttock Lift“ (Gesäßbacken-Liftung 2500 $),   „Breast Augmentation“ ( Brustvergrößerung – je nach Einlage: 2500 – 4400 $) und „Breast Nippel Reduction“  (450 $) hinweg. Mann kann den Frauen doch nicht alles zumuten. Als gesittete Bürger suchen wir auch nicht  nach so despektierlichen Hinweisen wie „reconstruction of hymen“ oder „lengthening and enlargement of penis“.

Dein Bruder kann doch mit seinen 1,58 m nie ein Star in der Basketball- Oberliga werden“, meine ich noch einiger Zeit. „Der bräuchte längere Beine“. Doch eine Streckbrett-Behandlung lässt sich bei  Dr. Carlo Lasa nicht finden. „Der macht schon seinen Weg“, erhalte ich zur Rückantwort. Es vergeht einige Zeit. 

„Jetzt habe ich aber immer noch die eingefallenen Wangen und die Hühnerbrust“, seufze ich etwas später. „Hör auf“, meint meine Frau. „ Hast du mal den Kram zusammengerechnet? Und willst du wochenlang bandagiert wie eine ägyptische Mumie herumlaufen?“ 

„Aber wir kriegen doch bestimmt einen Mengenrabatt“, meine ich resignierend und begebe mich ins Bett.  

In der Nacht verfolgt mich ein Albtraum. Der Doktor hat meine Haut an den Plastinateur Gunther von Hagen verkauft und dieser hängt sie zur Show vor dem Kölner Dom auf. Meine Knochen – vom Fleische befreit – sind bei einer Skelett-Manufaktur in der Nähe des Manila Airports gelandet und werden nun zu einem Skelett-Gerüst für die Unterrichtung des medizinischen Nachwuchses neu aufgebaut (1). 

Schweißgebadet wache ich auf. Nein – Dr. Lasa in Quezon City, du wirst mich nicht kriegen.  


Vgl. James Hamilton-Paterson, Die Geister von Manila, Kapitel 1, 1998

© Wolfgang Bethge, 2006