Schmetterlingsfarmen und –gärten auf den Philippinen

 

Gewiss fröhlich im Sonnenschein flatternde Schmetterlinge gehören zum poetisch-süßlichen Fundus einer romantisierenden Trivialliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts. Die zeitgenössische Poetik möchte ihn den Schmetterling kaum noch aufgreifen oder gar beschwören. Sie macht eher einen weiten Bogen um ihn. Und dennoch - ist es nicht anrührend, einen bunten Schmetterling zu sehen, der leise und scheinbar unbeschwert von Blüte zu Blüte in seinem Reich von Farben und Düften taumelt?

Umfangreiches Sightseeing Angebot

Wer auf den Philippinen weilt, der sollte sich das dortige Angebot von über 915 Schmetterlingsarten nicht entgehen lassen. Dazu muss man sich nicht unbedingt in undurchdringliche Wälder begeben. Das Sightseeing Angebot in den leichter erreichbaren „Butterfly Sanctuaries“, „Butterfly Gardens“, „Butterfly Farms“ und „Butterfly Houses“ wächst in den Touristenzonen ständig. Insbesondere Familien mit Kindern wird hier ein besonderes optisches Erlebnis geboten, das zudem noch ungefährlich ist.

Hier kann man vielleicht auch einen der größten Tagfalter, den schwarz-gelb gefärbten Magellan Birdwing (Troides magellanus) mit einer Flügelspannweite von 16 – 18 cm sehen. Imposante Größendimensionen hat auch der Atlasspinner (Attacus atlas), ein Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von 25 – 30 Zentimeter. Aber es sind vermutlich nicht die Fledermausgrößen, sondern eher die Farben und Farbkombinationen von Schmetterlingen, die den Beobachter reizen. Nicht dem bietet sich die Möglichkeit, auf die Philippinen zu reisen, um dort Schmetterlinge zu studieren. Ersatzweise ordert er vielleicht über Kataloge von „deadstock-dealern“ einige Boxen mit säuberlich aufgespannten Schmetterlingspräperaten. Er kann aber auch Briefmarken der philippinischen Post kaufen, die einige Serien mit schönen Schmetterlingsmotiven in den letzten Jahren herausgebracht hat. Vermutlich tut er der Natur mit dieser Wahl einen größeren Gefallen.

Schmetterlingszucht

Nach einem Zeitungsbericht aus dem Jahre 2010 soll es mittlerweile rund 350 Schmetterlingszüchter auf den Philippinen geben(1). Ihre Zahl wächst, weil Verdienstchancen locken.

Ein Schmetterlingszüchter muss den Lebenszyklus eines Schmetterlings – näherhin die Phasen von Ei, Larve, Puppe und ausgewachsener Schmetterling – erfolgreich steuern. In der freien Natur beträgt die Überlebensrate zwischen Ei und erwachsenem Schmetterling nur etwa 2 %. Erfolgreiche Züchter erreichen häufig eine Überlebensrate von 90 Prozent und mehr.

Die Anfangsinvestitionen sind eher gering. Vielleicht hat unser Neuzüchter ein paar Wunschschmetterlinge in der freie Natur vorgefunden oder geschenkt bekommen. Er weiß auch, welche speziellen Wirtspflanzen – Schmetterlinge sind da sehr wählerisch - für die Eiablage und das Larvenstadium in Betracht kommen und hat diese in ein vielleicht 30 Quadratmeter und drei Meter hohes umzäuntes Gehege eingebracht. Ein Schmetterlingsweibchen kann Hunderte von Eiern ablegen. Diese Eier müssen in kleinen Käfigen vor Fraß geschützt werden und werden an die jeweiligen Wirtspflanzen gesetzt. Es können alte und getrocknete Blätter oder junge Blätter, Unter- oder Oberseite der Blätter in Betracht kommen. Die gefräßige Raupenphase („caterpillar stage“) setzt  etwa zwei Wochen nach der Eiablage ein. Mehrere Häutungen folgen. Nun ist es wichtig, die Käfige sauber zuhalten und eventuell neue Wirtspflanzen zur Verfügung zu stellen. Nach etwa vier Wochen spinnt die Raupe eine Hülle („Kokon“). Es folgt die weitgehend inaktive, kurze Puppenphase. Mit dem Kopf nach unten hängt nun die Puppe regungslos an einem Blatt oder Stengel. Werden Schmetterlingspuppen exportiert, wie dies auf den Philippinen häufiger der Fall ist, so ist jetzt Eile geboten. Für den Versand darf man sich in der Regel nur wenige Tage Zeit lassen. Im Durchschnitt dauert es nur zehn Tage, bis aus einer Puppe in einer spektakulären Metamorphose ein Schmetterling schlüpft.

Körperbau

Der Außenkörper des Schmetterlings ist aus Chitin und in Kopf, Brust und Hinterleib gegliedert. Der Kopf verfügt über Fühler, Augen, die Farben wahrnehmen können und einen Saugrüssel für die Nektaraufnahme. Sechs Beine dienen der Bewegung. An der Brust setzen die zarten, großen, gestaltgebenden Vorder- und Hintefllügel an. Sie werden von relativ starken Brustmuskeln bewegt. Daß die farbigen Flügelschuppen sehr empfindlich auf Abrieb reagieren, dürfte bekannt sein. Mit einigen wenigen Ausnahmen ernährt sich der Schmetterling von Blütennektar. Die Lebensspanne eines Schmetterlings kann wenige Tage, aber auch bis zu zwei Monate betragen. In dieser relativ kurzen Phase erfolgt die Paarung und Eiablage. Dann beginnt wieder ein neuer Lebenszyklus.

Export

Schmetterlinge können als Schädlinge auftreten. Bei der Bestäubung von Blüten spielen sie eine eher untergeordnete Rolle. Es ist ihre Schönheit, die sie zu einer Handelsware machen. 2001 haben die Philippinen Schmetterlingspuppen im Wert von etwa 100 Millionen Pesos exportiert. Die Zahl der exportierten Schmetterlingspuppen betrug 1993 etwa 155.000 Stück. Die Stadt Gasan auf Maranduque ist übrigens sehr schnell zu der „Schmetterlingsstadt“ der Philippinen herangewachsen. 85 Prozent der Schmetterlings- und Puppenexporte kommen von Gazan und Orten der Umgebung.

Exportländer sind neben den Philippinen auch Malaysia, Thailand, Kenia und Costa Rica, um nur einige Länder zu nennen. Das Geschäft gilt als „high-profit business“.

Handel

Es ist unmöglich, Allgemeinverbindliches über die Schmetterlinspreise im Endhandel zu sagen. Das Angebot ist zu vielfältig und die Vetriebsschienen zu unterschiedlich. Sicherlich sind Puppen und Schmetterlinge im Land selbst billiger. Hier nur zwei Beispiele. Im Internet wird beispielsweise der große rot-schwarze Papillo Rumanzoria gerahmt zum Preis von 40 US$, der grüne Schwalbenschwanz (Papilo Palinurus) in einer Plastik-Show-Box zu 25 US$ angeboten.

Der Schmetterlingshandel war übrigens schon im viktorianischen Zeitalter sehr ausgeprägt. Das Sammeln von Schmetterlingen wurde eine Lieblingsbeschäftigung. Vom adeligen Rothschild wird berichtet, dass er über vierhundert Kolonisten und Forschungsreisende beschäftigte, die für ihn Schmetterlinge sammeln sollten.

Ein anderer Grund für die kommerzielle Zucht von Schmetterlingen sind die sogenannten Freilassungen. Es bürgert sich nicht nur auf den Philippinen mehr und mehr ein, zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten aber auch Begräbnissen Schmetterlinge freizulassen. Lebende Schmetterlinge wurden 2011 zum Beispiel am Grab des Ex-Verteidingungsministers Angelo Tomas Reyes freigelassen. Die Freisetzungen sind insofern problematisch, als man die Effekte der Freilassungen nicht kennt. Zudem dürfte es ein freigesetzter Schmetterling kaum die für seine Eiablage wichtige Wirtspflanze finden.

Besichtigungsorte

Mit Schmetterlingsgärten und –häusern kann man ein Hotel, einen Ort touristisch aufwerten und Touristen mehr Abwechslung bieten. Die touristische Bereicherung ist sicherlich ein Hauptgrund für die vielen Orte auf den Philippinen, an denen Schmetterlinge zu sehen sind. Allein in umd um Manila gibt es drei Parks und Pavillons (Rizal Park, Pasig City und Paranaque), die eine Besichtigung von Schmetterlingen ermöglichen. Hier eine Kurzauflistung von bekannteren Gärten und Farmen ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

- Siquor Butterfly Sanctuary. Die Einfriedung beherbergt etwa 25 Arten von Schmetterlingen.

-         Davao Butterfly House mit einem Lerngarten und mehr als 70 Arten.

-         Die Butterfly Farm in der Nähe von Puerto Princessa, die auch Schmetterlinge züchtet.

-       Simply Butterflies Conservation Center in Tubigon, Bohol. Im offenen Butterfly Garden sind über sechzig einheimische Arten frei anzutreffen. In einem eingezäunten Areal wedden mehr als zwanzig Arten gezüchtet. - Der gleichfalls auf Bohol befindliche Sagbayan Park weist ein Kuppelgebäude mit etw 18 Arten aus.

-      Neu eröffnet wurde in 2010 ein Schmetterlingsgarten im Ardent Spring Resort, Camiguin

-        Der Mount Bandilaan National Park auf Siquior Island verfügt über eine Schmetterlingsfarm mit internationalem Renommee. Sie wurde schon in den siebziger Jahren gegründet. In dem etwa 1500 m2 großen botanischen Garten werden über 50 Schmetterlingsarten gezüchtet. Es gibt hier auch ein Museum, in dem Präperate von tausenden Arten von Schmetterlingen, auch zum Beispiel von den Schweizer Alpen, besichtigt werden können.

-        Die Butterfly Farm auf der Insel Borocay verweist stolz darauf, dass unter den hier gehaltenen über 20 Arten sich auch der „Plain Tiger“, die „Scarlet Mormon“ und die „Stripped Blue Cow“ befinden.  

Schmetterlingssichtungen sollten übrigens möglichst an sonnigen Vormittagen stattfinden. Wenn sich nachmittags Bewölkung und Regen einstellt, verstecken sich oft die Schmetterlinge.

Auf das Schmetterlingsklappmesser „Balisong“ brauchen wir hier wohl abschließend nicht eingehen, da der Leser sicherlich nur in friedlichen Kreisen verkehrt und diesem Messer nie begegnen wird. Ein kleines Schmetterlingsmärchen ist für uns der bessere Abschluss.

Märchen

Am Ufer eines Sees lebte einst ein alte Frau. Vor ihrem Haus hatte sie einen schönen Blumengarten. Die in der Nähe wohnenden Fischer schätzten sie. Oft tauschten sie ihren Fisch gegen die Blumen der alten Frau ein.

Ihre Person und ihr Haus erschienen dennoch geheimnisvoll. Nachts leuchtete es manchmal hell im Haus, obwohl kein Strom verfügbar war. Es ging auch das Gerücht, dass nachts Zwerge einem dort gleichfalls anwesenden hübschen Mädchen behilflich seien.

Ein junges Paar besuchte eines Tages das Dorf. Sie waren sehr stolz und verabscheuten alles Hässliche. Zufällig kamen sie zum Garten der alten Frau. Sie traten ein und wollten einen Strauß Blumen mitnehmen. Die alte Frau verbot ihnen das. Das junge Paar gehorchte aber nicht und machte sich über die hässliche Alte lustig. Diese wollte das junge Paar nun strafen. Sie nahm einen Stock und sagte: “Da ihr nur schöne Dinge liebt, verwandle ich euch in die schönsten Insekten. Und so wurden aus dem hochmütigen jungen Paar die ersten Schmetterlinge.

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(1) Henrylito D. Tacio, Flower with wings, in: Sun Star Davao, 04.01.2010