Dugongs (Seekühe) auf den Philippinen

Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab es Dugong-Populationen in den philippinischen Gewässern – noch zuhauf. Schon ein Lexikon des 17. Jahrhunderts zeigte sich in seinem Philippinenbeitrag besonders beeindruckt über die

"... weiberfische, weil sie an ihrem kopfe, gesichte, halse und brüsten den weibs-personen etwa gleich sehen und noch mit den männlein sich paaren. Sie sind ohngefehr so groß wie ein kalb, und ihr fleisch schmeckt wie rindfleisch . Man sie mit netzen von stricken gemacht, die so dicke sind als ein manns-finger und wann sie gefangen worden, pflegt man sie mit wurff-pfeilen todt zu  schiessen" (1).

Gemeint sind offensichtlich die Dugongs. Man schätzte das Fleisch der „Baboy-dagats“ (Meeresschweine) und stellte ihnen mit Speeren, Netzen, Harpunen oder auch Dynamit in den weiten Seegraswiesen nach.

Vom Aussterben bedroht

Heute gibt es nur noch vereinzelte Restbestände an Dugongs auf den Philippinen. Ihre Gesamtzahl ist unbekannt. Man geht aber nur noch von kleineren Beständen aus. Dugongs stehen auf der internationalen IUCN – Liste, auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Die philippinische Regierung hat Schutzbestimmungen erlassen, die das Jagen, Töten der Tiere oder den Fleischhandel unter relativ strenge Strafe stellen.  Machen wir uns mit den Tieren etwas näher bekannt.

Zur Anatomie

 Dugongs sind pflanzenfressende Säugetiere, die ausschließlich in der See leben. Der langgestreckte Körper erwachsener Tiere ist spindelförmig und kann – insbesondere bei weiblichen Tieren - eine Länge von maximal drei Metern und ein Körpergewicht von 300 kg erreichen. Insofern sind Vergleiche mit Kälbern und Kühen gerechtfertigt. Die Körperhaut ist bei erwachsenen Tieren grau, relativ dick und an einzelnen Körperpartien haarig.

Dugongs habe eine breite horizontale Schwanzflosse, die wippend der Vorwärtsbewegung dienen sowie kleinere, paddelförmige Brustflossen, die auch eine Steuerungsfunktion haben. Eine Rückenflosse fehlt. Charakteristisch ist weiterhin der runde, nach unten gerichtete Schnauze. Die muskulöse, seitlich mit dicken Quastenborsten versehene Oberlippe  kann das relativ kleine Maul abdecken.

Als Säugetiere müssen Dugongs so etwa alle drei bis vier Minuten an die Wasseroberfläche auftauchen, um Luft zu schöpfen. Der Stoffwechsel ist relativ niedrig, die Tiere bewegen sich relativ langsam, nur ausnahmsweise werden sie bis zu 20 km schnell.

Die eher scheuen, friedlichen Dugongs leben gerne in Herden in den warmen, flacheren  Gewässern der Tropen und Subtropen. Sie sind auf das Vorhandensein von Seegraswiesen angewiesen und vertilgen bis zu 25 kg Seegras pro Tag.  Sicher mit ein Grund dafür, dass es nur sehr wenige Zoos auf der Welt gibt, die Seekühe halten. Mit pfeifenden, zirpenden auch meckernden Lauten kommunizieren die Tiere untereinander.

Dugongs können ein beträchtliches Alter erreichen. Man findet in der Literatur Hinweise, dass sie bis zu 70 Jahre alt werden können. Die Reproduktionsrate ist eher klein. Sie erreichen erst ab dem neunten, zehnten Jahr die Fortpflanzungsreife und können dann – nach einer fast einjährigen Tragezeit ein Kalb werfen, das sich bis zu 18 Monate von der Muttermilch nährt.

Wir sprachen von einem eher kleineren Bestand an Seekühen auf den Philippinen. Ursachen für die starke Dezimierung der Zahl der Tiere  waren die frühere aktive, mittlerweile prinzipiell verbotene Jagd und das - unter anderem durch Verschmutzung bedingte -  kontinuierliche Verschwinden der Seegras- wiesen. Heute überwiegen eher zufällige Verluste durch Fischernetze oder Bootspropeller.

Vorkommen

Zahlenmäßig nicht näher bestimmte Populationen von Seekühen finden sich auf den Philippinen heute vor allem noch an den Küsten von Palawan, im Sulu-Archipel, den Gewässern der Inseln Ramblon und Guimares, der Ostküste Luzons (Isabela und Quezon Provinz)  sowie der Pujada Bay in Davao Oriental.

Neben relativ strengen gesetzlichen Regulierungen finden auf den Philippinen auch  von verschiedenen Organisationen durchgeführte Informations- und Schulungsveranstaltungen statt, die dem verstärkten Schutz der Tiere dienen sollen. Es gibt auch Zeitungsberichte, wonach Einheimische gestrandeten Tieren wieder ins Wasser halfen. Illegale Fänge dürften aber immer noch stattfinden.

Böse Legende

Die Seekühe hat man immer wieder Seenixen (mermaids) in Verbindung gebracht. Auch die Philippinen kennen solche Legenden, in denen die Nixen meist in verführerischer Gestalt auftreten. Es werden in der Regel Knaben und junge Männer verschleppt und verführt. Im Internet fand sich noch eine andere – wir meinen besonders infame – Legende, die zwar einen Gegenwarts-, aber sicherlich keinen Realitätsbezug hat (2).

Sie steht mit dem Bau der Brücke von San Juanico  (Samar-Leyte Region) in Verbindung. Zu Zeiten des Brückenbaus stellte Einheimische fest, dass immer mehr Kinder verschleppt wurden. Die Gerüchteküche fing an zu brodeln. Eine Legende, die eine Erklärung liefern sollte, wurde gestrickt. Sie geht etwa wie folgt:

Imelda Marcos war angeblich für den Brückenbau verantwortlich. Doch dieser verzögerte sich immer wieder. Der Legende nach soll sie in ihrer Verzweiflung einen Wahrsager konsultiert haben.  Dieser orakelte ihr, die Brücke würde erst dann fertig, wenn frisches Kinderblut auf die Brückenteile fließen würde. So wurden - der Mär zufolge - Kinder in ihrem Auftrag gekidnappt und wohl auch aufgeschlitzt.

Dann aber sah eine wütende Seenixe das blutige Geschehen und sie verfluchte Imelda Marcos. Nach dem Fluch wurde die Haut von Imelda schuppig und sie roch nach Fisch. Und dies sei der Grund, warum sie seither lange Kleider trägt und so oft wie möglich badet.

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(1) Jacob Christof Iselin, Neu-vermehrtes historisch- und geographisches   allgemeines Lexicon, Band 3, Seite 905

(2)  Quelle: http://www.filipinoforum.net/phpBB3/viewtopic.php?f=6&t=53