Warum die meisten Filipinos spanische Nachnamen haben

 

In vorspanischer Zeit und den frühen Jahren der spanischen Kolonisation hatten die „Indios“  (spanische Altbezeichnung für Filipinos) oft nur einen Namen, den sie auch wechseln konnten. Nahe Familienangehörige (z.B. Zwillinge) konnten unterschiedliche Namen tragen. Die Namen lehnten sich oft an Namensgebungen aus dem Bereich der Fauna ( z. B. Kalaw = Nashornvogel), Flora (z. B. Samaguita)  und Helden (z. B. Lapu-Lapu) an. Besonders beliebt waren bei den christianisierten Filipinos Heiligennamen, z. B. Santos, San Antonio oder Pedro Jose. Dies führte zu einer Art „Heiligenschwemme“. Oft lehnte man sich bei der Namensauswahl an den Kirchenkalender (z. B. Jose, Josefina)  an, viele Frauen erhielten den Namen „Maria“.  

Die spanische Verwaltung stand bei der Personenidentifikation im Rahmen von Verwaltungsakten, Steuererhebungen und Zählungen vor Identifikationsschwierigkeiten. Auch den Mönchen und Priestern viel es zum Beispiel bei Heiraten schwer die Blutsverwandtschaft zu überprüfen.   

Schließlich entschloss sich der spanische Generalgouverneur Narcisco Claverio y Zaldura 1849 per Dekret dazu, dass alle Filipinos Nachnamen anzunehmen hätten. Zu diesem Zweck wurde eine  umfängliche Namensliste – die so genannte „Clavaria-Liste“ - mit ca. 66.000 Namen erstellt. Die Namen waren vorwiegend spanischer Herkunft, es fanden aber auch von Mönchen gesammelte einheimische Namen Eingang. 

Die umfängliche Liste wurde ganz oder in Auszügen an die Provinzgouverneure geschickt, die ihrerseits in der Regel Priester und Mönche auf den Weg schickten. In den Gemeinden kamen oft nur Seitenauszüge an, so dass es vorkommen konnte, dass in einer Gemeinde allen Einwohnern nur Namen mit dem Buchstaben „T“ bei der Namensauswahl zur Verfügung standen. In der Literatur findet man auch Hinweise, dass die Bewohner im Norden der Philippinen eher Namen mit den vorderen Anfangsbuchstaben des Alphabets erhielten, während in den südlichen Provinzen die letzten Buchstaben des Alphabets verwandt wurden.  Sofern eine breitere Namensauswahl bestand, machten sich bei der Auswahl Präferenzen für bestimmte spanische Namen geltend. Besonders populär waren die Namen: Reyes, Santos, Perez, Garcias, Molines oder Lopez. Wollte man sich da ein spanisches Mäntelchen umhängen? Nicht wählbar waren jedoch Familiennamen der spanischen Hocharistokratie beziehungsweise Namen der oberen Kolonialverwalter. 

Das Dekret ließ wenige Ausnahmen bei der neuen Namensfestlegung zu. Die chinesischstämmigen Bewohner konnte ihre alten Namen behalten, weil sie in der Regel schon einen Nachnamen hatten. Man konnte auch den Altnamen behalten, wenn man nachweisen konnte, dass der Name schon über drei Generationen geführt wurde und bekannt war. In den entlegenen Provinzen - zum Beispiel in Nord-Luzon, Mindanao oder Palawan - war die neue obligatorische Namenswahl schwieriger oder kaum umzusetzen.     

Unter dem amerikanischen Kolonialregime werden die hispanisierten Vornamen oft amerikanisiert, so wird zum Beispiel aus „Jorge“ ein „George“. Auch heute bezieht man sich bei der Auswahl des Vornamens noch gerne auf amerikanische Vorbilder, zum Beispiel „Marlon“ unter Bezugnahme auf Marlon Brando. Auch der Namenszusatz „JR“ für Junior  oder die Verwendung römischer Ziffern scheint amerikanischen Ursprungs zu sein. Häufig verwendet man nach dem Vornamen auch noch einen Mittelbuchstaben wie beispielsweise bei Maria B. Reyes. Der Mittelbuchstabe verweist bei unverheirateten Frauen auf den Nachnamen der Mutter, bei verheirateten Frauen auf den Nachnamen des Vaters. 

Sehr gebräuchlich auf den Philippinen ist die Verwendung von Kosenamen (nick-names). Fast jeder Filipino hat einen „nick-name", zum Beispiel „Boy Blue“ oder „Honey Boy“ und manche erinnern in der Tat an eine Türklingel oder Türgong - wie zum Beispiel „Bing-Bong“, „Ding-Dang“ oder „Ting-Ting“.

© W. Bethge, 2004