Vermeintliche Staaten im Spratrly-Inselarchipel

 

In unserem Beitrag „Der Wettlauf der südostasiatischen Staaten um die Spratly-Inseln“ (1) sind wir schon auf die Geografie und geopolitischen Bedeutung der Spratly-Inseln eingegangen und schilderten die konkurrierenden territorialen Ansprüche und Besitznahmen  einzelner südostasiatischer Staaten.

Halten wir hier nur fest, dass sich im Bereich der westlich von Palawan befindlichen Spratly-Inseln etwa 500–600 zumeist unbewohnte Inselchen, Korallenriffe, Atolle und Felsnadeln befinden, deren Gesamtfläche unter 50 Quadratkilometer liegt. Nur sieben Hauptinseln haben eine Fläche von mehr als 0,5 km2. Sieht man von den vermuteten Ergas- und Erölvorkommen in Küstennähe ab, so kommt den Inseln und Erhebungen selbst kaum eine wirtschaftliche Bedeutung (etwas Fischerei-Wirtschaft, Guayana-Abbau) zu. Das kleine Inselarchipel erfüllt aber wichtige ökologische Funktionen und kann der strategischen Kontrolle der wichtigen Seewege in den Fernen Osten dienen. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges waren die Spratly-Inseln politisch weitgehend bedeutungslos. Das änderte sich mit dem militärischen Abzug  der Japaner von einigen Hauptinseln und den Gas- und Ölexplorationen in den sechziger Jahren. Eine 1999 veröffentlichte Liste (2) weist 78 größere Erhebungen im Spratly-Gebiet  auf. Davon sind 52 von den folgenden Staaten „besetzt“: Vietnam (24), Volksrepublik China (14), Philippinen (7), Malaysia (5), Taiwan (2). Soweit die aktuelle wirtschaftliche und machtpolitische Lage, die hier jedoch nicht im Vordergrund steht. 

Palmenbewachsene Inseln laden ja bekanntermaßen zum Träumen ein. Und vielleicht ist mit diesen Träumen auch die bizarr - schöne Vorstellung verbunden, König … „ein Königreich auf Tonga“…. oder Präsident einer Republik auf solch einem kleinen Inselarchipel zu sein. Dass eine solche Vorstellung nicht ausschließlich Fiktion ist, soll im folgenden aufgezeigt werden. Es geht dabei um von Privatpersonen proklamierte Mini-Staaten, die in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart Spratly-Inseln zu ihrem Herrschaftsgebiet erklärten. Manchmal ist dabei zu tatsächlicher Herrschaft gekommen, manchmal waren und sind die „Staaten“ auch nur Kopfgeburten oder nur vermeintlicher rechtlicher Anspruch.    

1. Das Königreich der Humanität („Kingdom of Humanity“) und die Republik von Morac-Songhrati-Meads („Republic of Morac-Songhrati-Meads“) 

1.1. Die monarchische Zeit 

1877 entdeckt der britische Handelskapitän James George Meads, der mit seinem Segelschiff „Modeste“ im südchinesischen Meer unterwegs ist, die Hauptinsel Itu Aba. Er proklamiert sich ein Jahr später zum König James I. und nennt sein kleines Inselreich „Kingdom of Humanity“ (Königreich der Humanität) (3). Der wohlwollende König James I hat eine Mission: Er will den Armen, Entrechteten und Unterdrückten in Europa in seinem Königreich eine Heimstatt bieten und er findet Zuspruch bei Flüchtigen. Das Reich zählt 1888 – seinem Todesjahr – schon etwa zweitausend Bewohner. Der Segler-König hat ein weitgehend friedliches Regime über seine Untertanen geführt. Britische und französische Seeleute konnten regelmäßig anlanden. Weitere Expansionspläne in Richtung Nord-Borneo scheitern jedoch am Widerspruch  eines einheimischen Rajahs und Kris-Piraten gefährden permanent das kleine Königreich. 

Sein Sohn folgt ihm als König Georg I. (1888–1914) in der Regentschaft nach. Er wird insbesondere als Diplomat gewürdigt. Gegen die Gewährung von Hafennutzungsrechten  übernimmt England im Vertrag von Southwark (1893) die Rolle einer Schutzmacht.  

1914 nach dem Tod des Vaters übernimmt der Sohn  als König Franklin I. die politische Macht. Er tritt dedizierter  als König auf. Die südchinesische See nennt er nun entsprechend der Bezeichnung seines Königreichs „Humanity Sea“ (Meer der Humanität). Er entwirft eine Fahne für das Land, gründet eine Universität und lässt die Infrastruktur auch auf den weiter abgelegenen Inselchen weiter entwickeln. Siebentausend Bewohner zählt nun angeblich das Königreich. 1939 droht eine japanische Invasion. Nach viel Zureden entschließt sich König Franklin I. nach Australien zu evakuieren. Die unter der Leitung eines Neffen zurückgelassenen königlichen Insel-Grenadiere werden 1939 von den einmarschierenden Japanern  exekutiert.  Der in Durban kränkelnde Franklin lässt sich zeitweilig von seiner Ehefrau Michelle vertreten, die beiden Söhne Josiah und Morton kämpfen derweilen auf australischer beziehungsweise amerikanischer Seite. 1945 stirbt Franklin. Thronnachfolger soll Josiah werden, dieser will jedoch nur auf Spratly gekrönt werden. Vor seiner Abreise verstirbt er jedoch an Malaria. 

Dem zweiten sehr viel jüngeren  Sohn Morton F. Meads wird zwar 1946 der Titel eines Königs übertragen, aufgrund seines jungen Alters fungiert er aber erst später als Staatschef des „Kingdom of Humanity“. Zwischenzeitlich hat ein in Niederländisch Ost-Indien lebender Sultan mit Namen Songhrati angebliche Besitzrechte an den Inseln an die Schwester Mercedes des philippinischen Präsidenten Magsaysay weiterverkauft. Morton Meads kauft diese Rechte von der Präsidentenschwester auf, um seinen Herrschaftsanspruch stärker abzusichern. Er gründet zwei Handelsgesellschaften in Manila, um den Absatz von Mineralien und Perlen zu fördern. 1955 wird er kurzfristig in Manila verhaftet, weil man ihm die Fälschung von Briefmarken zum Vorwurf macht. 

1.2. Die Zeit der Republik 

 Ansonsten hört man lange Zeit nicht viel von ihm. Man sagt, er hätte sich in dieser Zeit auf den von Kriegsschäden und einem Bevölkerungsrückgang gekennzeichneten Inseln befunden und Gänse und Enten für den Weiterverkauf nach Saigon und Manila gezüchtet. Vielleicht bedrückt ihn auch der Gedanke, dass der Gedanke eines halb-autonomen Anschlusses an die Philippinen oder Singapur erwogen wird und der republikanische Gedanke immer stärker auf den Inseln Fuß fasst. Führer der Republikaner, die ein Königreich als historisches Relikt erachten, ist Christopher Schneider. Er gründet 1959 eine Gegenregierung und ruft die „Republic of Morac-Songhrati-Meads“ aus. 1963 fusionieren die beiden Staaten. Christopher Schneider wird Staatschef. Morton F. Meads verzichtet auf seinen Königstitel und fungiert nur noch als Botschafter bei den Vereinten Nationen, d.h. er bemüht sich (zumeist vergeblich (4)) um die internationale diplomatische Anerkennung der Republik. Die neue Fahne der Republic of Morac-Songhrati-Meads zeigt unter anderem traditionelle Yin-Yang-Embleme. 1972 kommt es zur Katastrophe. Der Staatschef und alle Kabinettsmitglieder der Republik ertrinken, als ihr Segel-Schoner in einem Taifun-Sturm bei Mindoro Island untergeht.

1.3 Die militärische Okkupation der Inseln durch Nachbarstaaten 

Es ziehen nun dunkle Wolken am Horizont der Republik auf. Die Nachricht von prospektiven Gas- und Erdölfeldern im Bereich der Spratly-Inseln in den frühen siebziger Jahren weckt das Interesse der benachbarten Groß-Staaten. Zunächst schicken sie nur Erkundungsschiffe aus, deren Mannschaften „rein zufällig“ Inseln der Republik betreten.  Zunächst die Volksrepublik China, dann  aber auch Taiwan, die Philippinen, Süd-Vietnam und Malaysia okkupieren mit  militärischen Mitteln einzelne Inseln. Die Republik verfügt über kein Militär und sieht in der Okkupation einen illegalen Angriff auf seine nationale Souveränität. Man beklagt die weitgehende Gleichgültigkeit der Großmächte gegenüber der Aggression der Nachbarstaat. 

 „Those Songhrato lucky enough to survive the invasion were forced from their homes at gunpoint. Many escaped the war zone by taking to the sea in small boats, taking with them only what they could carry” (5). (Die Songhratiner, die glücklicherweise die Invasion überlebten, wurden mit Gewehren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Viele entkamen der Kriegszone mit ihren Booten, nur mit dem Nötigsten versehen). Folgt der Darstellung der Republik-Vertreter werden die auf den Inseln Verbliebenen von fremden Mächten unterjocht, viele andere – ihre Zahl wird inoffiziell auf 6700 geschätzt – leben „in poverty“ vorwiegend in Australien in der Diaspora.  

1.4 Bemühungen der Rückgewinnung 

Eine Exil-Regierung mit Kabinettsmitgliedern in Australien kämpft weiterhin um die staatliche Eigensouveränität und internationale Anerkennung. Der Gebietsanspruch bezieht sich wohl auf alle Spratly-Erhebungen – namentlich werden genannt: Meads Island (= Itu Abu) mit der Hauptstadt Southwark (Eigenbezeichnung), Boags Atoll, Eliza Cay, Cloma Island, Tomas Islet, Bombay Castle, Coopers Cay, Goring Isle, Putney Shoal, Reschs Reef und Brakespear Shoal.  

Eine Zeitung – „die Southwark Sentinel“ – dient der Kommunikation nach innen und außen. Schon vor der Invasion bestand in Southwark eine Universität, die sich als „First Rate University“ einstufte. Sie wird jetzt als Fernuniversität fortgeführt. Man kann an ihr – angeblich kostenfrei - graduieren und auch einen Doktorhut („D.Univ.“ - „Doctor of the University“) erwerben (6) .Von Touristen, die nicht aus den USA oder Australien kommen, verlangt man (formal) ein Visa, zu zahlen in der Währung „Raal“. 

Die Exilregierung suchte in der jüngeren Vergangenheit nach „Männern und Frauen guten Willens, die Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit unterstützen und mithelfen im Kampf  für die Unabhängigkeit von Morac-Songhrati-Meads“. Für Interessenten gibt es eine Kontaktadresse zu den „Operatives of Field“ (7). Es kann jedoch keine Gewähr dafür übernommen werden, ob eine Rückantwort erfolgt. Die aktuellsten im Internet wiedergegebene Artikel der „Southwark Sentinel“ datieren vom November 2000, insofern muss offen bleiben, ob die Exilregierung derzeit noch besteht und ihren Kampf um Rückgewinnung der Heimat noch weiter fortführt.   

2. Kalayaan – Freedomland (Land der Freiheit)

Nach dem 1945 erfolgten Gebietsverzicht Japans auf die Spratly Inseln, meldet die philippinische Regierung schon 1946 vor der UNO Gebietsansprüche auf die Spratly-Inseln an. Sie verfolgt diesen Gebietsanspruch längere Zeit nicht weiter. 

Der philippinische Staatsbürger  Thomas Cloma, Rechtsanwalt und Eigentümer einer Fischflotte, hat indessen schon das Terrain schon ab 1947 sondiert.  Im Juli 1956 begründet er das Protektorat Kalayaan (Freedomsland) mit Pagasa als Hauptstadt und erhebt territoriale Ansprüche auf „53“ – zum Teil nicht näher spezifizierte  Erhebungen nebst Fischgründen. Dazu gehört u.a. die Spratly Island selbst, Itu Aba, Pagasa and Nam Yit Islands, als auch West York Island, North Danger Reef, Mariveles Reef and die Investigator Shoal. Er selbst übernimmt die Rolle eines Vorsitzenden des Obersten Rates des Kalayaan Staates. Der Entwurf einer Fahne lässt nicht lange auf sich warten.  Weitergehender eigenständige politische Ambitionen hat er offenbar nicht.  Noch im selben Jahr informiert er den philippinischen Präsidenten Garcia über die Besitznahme und er steht auch in der nachfolgenden Zeit in enger Konsultation mit Präsident Marcos. Es sieht so aus, als ob bei ihm die wirtschaftlichen Interessen überwiegen. Er trägt sich mit dem Plan, Guano-Lagerstätten abzubauen und eine Fischkonservenfabrik zu eröffnen.  

Cloma sucht von Anfang an, die Unterstützung der philippinischen Regierung, denn Taiwan, die Volksrepublik China, Südvietnam, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande protestieren gegen die Proklamation des neuen Staates. Taiwan sendet sogar Marine-Einheiten nach Itu Aba und hält die Besetzung bis zum heutigen Tag aufrecht. Die philippinische Regierung unterstützt zunächst offiziell nicht die Gründung des neuen Staates. Sie entsendet jedoch an 1968 Truppen auf einige der Inseln, um philippinische Fischer vor Übergriffen zu schützen. 1972 wird Kalayaan – nach sechzehnjährigem Bestand – offiziell an die Philippinen übertragen und im Jahr 1978 wird formal festgestellt, dass Kalayaan eine „Stadt“ der der Palawan Provinz sei. Cloma selbst fungiert ab diesem Zeitpunkt nur noch als Stadtrat. Die Gebietsübernahme wird von der philippinischen Regierung als rechtens erachtet. Man stützt sich dabei insbesondere auf das „res nullius“ Prinzip (Recht des Ersten auf Niemandsland) und bestimmte Festland-Sockel-Argumente.  Die von den Philippinen gehaltenen Spratly-Inseln zählten 1992 übrigens offiziell nur 12 Wähler – ein Hinweis auf die recht dünne Besiedlung.   

Zusammenfassend stellt sich im Falle des Kalayaan-Inselstaates der Eindruck ein, dass der Gründer langfristig nie an einen eigenständigen Staat gedacht hat. Es besteht Grund zur Vermutung, dass er nur  als Vorposten und „agent provocateur“ der philippinischen Regierung diente.  Die philippinische Post hat ihn auch mit einer Briefmarke geehrt.

3. Principality of Freedomland and Republic of Koneuwe (Fürstentum Freiheitsland und Republik Koneuwe)

Recht wenig – dennoch Illustres – weiß man von oben genanntem Fürstentum zu berichten. 1974 verhaftete die französische Polizei einen „Schwindler“, der sich großspurig Großherzog des Fürstentums Freedomland Graf Othmar di Schmieder Rocca-Forozata nannte. Die Namensgebung Freedomland deutet auf Clomas Freedomland hin, hiefür gibt es jedoch keine weiteren Belege. Der Hochstapler gab nur den Hinweis, dass sein Territorium  74 Inseln umfasse und 2000 km entfernt von Borneo läge. Die Fahne des behaupteten Fürstentums weist eine Krone und einen Albatros auf blau-weißem Hintergrund auf. Zu bemerken ist noch, dass die Namensbestandteile „Fürstentum“ und „Republik“ unter staatsrechtlichen Aspekten einen Widerspruch beinhalten. (8)

4. Die Republic of Thaumaturgy

Stellen wir vorweg fest, dass wir uns im nachfolgenden auschliesslich auf Eigendarstellungen der Republik-Repräsentanten beziehen können(9). Externes – insbesondere kritisches - Quellenmaterial scheint es nicht zu geben.

Das Wort Thaumaturgy leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet im engeren Sinn Wunder-Werk. Wer indessen glaubt, hier wären fantastische Wunderbeschwörer am Werk, sieht sich getäuscht. Auf der Homepage der Republik stellen sich planungsstarke Reißbrett-Architekten eines „neuen“ relativ abstrakten Staates vor.

Die Republic of Thaumaturgy verfügt über eine sehr ins Detail gehende Verfassung, der man die Attribute eines demokratischen Rechtsstaates sicherlich nicht absprechen kann.

Präsidentenamt, Kabinettsränge und Botschafterposten sind auch schon vergeben. Präsident ist Keith McKenzie. Als Premierminister fungiert der erst 1985 geborene Peter Graef Luckett.

 “Mr. Luckett's first attempt at micro-statecraft was the Kingdom of Tarsicia, which in the end gained a total of eleven citizens, stretching from Mississippi to Virginia and even into Greece.  After three years of existence, Tarsicia finally folded because of inactivity and the apathy of its citizens” (Mister Lucketts erster Versuch der Führung eines Mikro-Staates war das Königreich von Tarsicia, das zuletzt elf Staatsbürger aufwies, die sich in Mississipi, Viginia und sogar Griechenland fanden. Nach drei Jahren seiner Existenz wurde Tarsicia wegen der Inaktivität und Apathie seiner Bürger wieder aufgegeben.)

Geht man die Namen der Kabinettsmitglieder durch, so fallen einige deutschstämmige Namen auf. In diesem Zusammenhang sollten wir vielleicht auch erwähnen, dass der EU-Repräsentant eine Deutsche ist und es Botschafter sowohl für Nord- wie Süddeutschland gibt. Möglicherweise sind die Botschafterposten auch deshalb relativ stark aufgefüllt, weil  man auch mit Diplomatenpässen und Diplomatenprivilegien lockt.

Die Verfassung stellt den Schutz des Eigentums stärker heraus. Investitionen sind hoch willkommen. Auch wurden in den letzten Jahren 100.000 „Peace“ Bond-Papiere zu je 10 € zur Zeichnung aufgelegt.  Zeichnete man 250 Stück, so konnte man die „Thau“- Staatsbürgerschaft erwerben – die Zeichnung von 50–100 Bonds berechtigte immerhin zu einem Aufenthaltsrecht auf den SRT-Islands.

Die SRT- Islands sind vornehmlich die Spratly-Inseln, alternativ kommt auch noch die  antarktische  Deception Island in Betracht, die man weiter ausbauen will. Der Gebietsanspruch bezieht sich auf den gesamten Spratly-Archipel. Man räumt aber ein, dass alle beanspruchten Inseln von Fremdstaaten besetzt sind.  Die Ausführungen zum Spratly-Archipel selbst sind spärlich und basieren zumeist auf Fremdbeiträgen. Welche Bezüge es zur Republic of Morac-Songhrati-Meads (s.o) gibt, muss offen bleiben – immerhin greift man auch die Geschichte dieser Republik auf.

Man betont zwar einerseits, dass man die Rückgewinnung der nationale Souveränität nur mit friedlichen Mitteln erreichen will, andererseits fällt doch eine sehr detaillierte Militärplanung auf. Es besteht ein Verteidigungsministerium und ein Security Service. Eine Militärakademie ist in Planung. Schon festgelegt ist die Einführung einer allgemeine Wehrpflicht für Männer. 15 Militärprovinzen, drei „Jaeger“ Brigaden, eine Luftwaffe sowie Marine soll es geben.  

Das beanspruchte Gebiet erstreckt sich ausgehend von der Westküste Malaysias und Bruneis keilförmig in die Spratly-See hinein. Es umfasst das Louisa-Reef mit der Hauptstadt Mother Teressa City sowie 14 Inseln und Erhebungen, auf die Fremdstaaten (Vietnam: 8; Malaysia: 4; Philippinen: 2)auch Besitzansprüche erheben.

Die sehr knapp gehaltenen Erläuterungen zum beanspruchten Gebiet selbst und seinen Einwohnern lassen den Eindruck aufkommen, dass es sich bei der Republic of Thaumaturgy nur um ein Staats-Artefakt (Kunststaat) mit austauschbarem Gebietsbezug handelt.

5. Zukunftschancen ?

Kalayaan (Freedomland) wurde in den philippinischen Staat integriert und ist damit als Staat untergegangen. Das Fürstentum von Freedomland and die Republik von Koneuwe erwies sich als Erfindung eines Hochstaplers.  Ob die Republic of Morac-Songhrati-Meads noch existieret, ist  noch zu prüfen. Somit stellt sich die Zukunftsfrage eigentlich nur für die Republic of Thaumaturgy.

Auf alle wichtigen Inseln und Eilande im Spratly-Bereich haben die klassischen südostasiatische Staaten  Gebietsansprüche erhoben und sichern diese auch durch militärische Besetzungen ab. Sie werden bei wachsendem Energiehunger auch kaum auf ihre Gebietsansprüche verzichten, solange man noch 17,7 Mrd. Tonnen Gas und Öl  im Spratly-Bereich vermutet (10). Zum Vergleich – In Kuwait nimmt man nur noch eine Energiereserve von 13 Mrd. Tonnen an.

Die Republic of Thaumaturgy verfügt über kein hinreichendes militärische Potential, um dieses als Druckmittel einsetzen zu können. Die behauptete Zahl von 6700 Zwangs-Emigranten erscheint zu klein, um die Weltöffentlichkeit für eine Rückkehr mobilisieren zu können. Außerdem kann sich die Führung der Republic of Thaumaturgy auf keinen spezifischen Rechtstitel berufen, der speziell dieser Republik und ihren Verantwortlichen angestammte Souveränitätsrechte einräumt. 

Realisierungschancen für eine eigenständige Mikro-Republik im Spratly-Archipel kann man derzeit beim besten Willen nicht ausmachen. Das könnte in ferner Zukunft anders sei, wenn die Öl- und Gas-Reserven sich erschöpft haben und die Spratly-Inseln kein Wirtschaftsgut mehr, sondern nur noch windzerzauste, flache und sandige Natur wie ehedem sein werden. Vielleicht kann man sie dann wieder einige davon für wenig Geld kaufen.

© Wolfgang Bethge, 2005


         (1)  W. Bethge, Der Wettlauf der südostasiatischen Staaten um die Spratly-Inseln,

             in: http://bethge.freeage.de/spratlydeutsch. htm    

(2) http.//cat.middlebury.edu/southchinasea/macand/alfabetical.htm 

(3)   So http://The History of the Republic of Morac-Songhrat-Meads.htm

    Nach einer anderen  Quelle http://www.zyworld.com/tallini/cesidio/RepublicsoftheReefs.htm hat sich erst der Urenkel Franklin 1914 zum König krönen lassen.   

(4) Die “Republic of Morac-Songhrati-Meads“ ist bislang nur von wenigen, international weitgehend nicht anerkannten Sezzionisten-Staaten anerkannt worden, z. B. durch Eastern Turkistan, Chechen Republic Ichkeria, The Holy Empire of Reunion, Tibet oder West Sahara 

(5)   http.//www.angelfire.com/ri/songhrati/history.html        

(6)   http://www.angelfire.com/songhrati/duniv.htm 

(7)   mailto:songhrati@angelfire.com 

(8) Vgl. David Martucci, Principality of Freedomland and Republic of Koneuwe, http://fotw.fivestarflags.com/xp-s.html 

(9)   Bei unseren Ausführungen stützen wir uns auf die sehr detaillierte Homepage der Republik: http://republic-of-thaumaturgy.tk 

     (10)  http://www.american.edu/projects/mandala/TED/ice/spratly.htm