Mit den Elementen auf Tuchfühlung

Wasserfälle auf den Philippinen

Noch versteckt sich unser Wasserfall hinter den gewundenen, steil aufragenden Wänden der Dschungelschlucht mit ihrer üppigen Regenwaldvegetation. Aber ein Rauschen in der Ferne hat ihn schon angekündigt und unsere Kräfte nochmals mobilisiert. Wir kämpfen uns in der Hitze weiter vorwärts. Das Rauschen verstärkt sich, wird mehr und mehr zum Tosen. 

Da endlich zeigt er sich uns und wir sehen wie sich die Wassermassen über eine überhängende Felsstufe in die Tiefe werfen und zu weißer tobender Gischt zerstieben. Unser Blick kann sich von diesem einzigartigen, unheimlichen  Naturschauspiel nicht lösen. Spritzwasser und Sprühnebel, die unter der Sonne farbenprächtige Regenbogen gebildet haben, beginnen uns einzufangen. 

In der Aufprallzone hat sich ein Tosebecken oder Pool gebildet, der mit seinem kühlen Nass zum Schwimmen herausfordert. Wir hören Rufe wie „Majestic!“- „Wonderful!“ Ganz Mutige verschwinden hinter dem dicken Vorhang des herabstürzenden Wassers in einer dunklen, von Fledermäusen bevölkerten Höhle.

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So oder so ähnlich mag die Begegnung mit einer der vielen Wasserfälle auf den Philippinen verlaufen. Und es gibt Hunderte von ihnen auf den Philippinen. Solche mit großer oder geringerer Fallhöhe, mit sanftem oder stürmisch-vertikalen Wasserablauf. Manchmal ist der Wasserumschlag gigantisch; es gibt aber auch Wasserfälle, die in der Trockenzeit zu einem Rieselfall oder Rinnsal verkümmern. Wasserläufe können bei entsprechender Felsformation gegabelt (Zwillings-Wasserfälle) oder haarförmig-gesträhnt sein. Sie können sich nach unten hin auffächern. Mitunter findet sich eine hierarchisch abgestufte Abfolge von Kaskaden mit mehr oder minder hoher Treppen. Bei Block-Wasserfällen übertrifft die Breite deren Höhe. Nicht wenige Wasserfälle sind schwerer zu erreichen, einige der Öffentlichkeit nicht oder noch nicht zugänglich.  

Wasserfälle lassen sich nach ihrer Höhe gruppieren. In Bezug auf dieses Kriterium gehört keiner der philippinischen Wasserfälle zu den weltweiten Spitzenreitern. Der Angel Fall in Venezuela mit seinen 979 Metern Fallhöhe gilt weltweit als höchster Wasserfall. Auch in Bezug auf die umgeschlagene Wassermenge kommt kein philippinischer Wasserfall an die  Khone Falls in Laos heran , die zwar nur 22 Meter hoch sind aber durchschnittlich 11.600 Kubikmeter Wasser in der Sekunde abrauschen lassen. Selbst der höchste deutsche Wasserfall – der Röthbachfall im Berchtesgadener Land -  mit seinen ca. 350 Metern übertrifft  die philippinischen Aliwagwag-Falls (Davao Oriental) mit ihren 338 Metern. Es folgen auf den Philippinen die Limunsudan (Laguna) mit 200 Metern und die Busay-Falls (Albay) mit 243 Metern.  

Ein anderes Auswahlkriterium wäre die Schönheit eines Wasserfalls. Dieses Kriterium ist jedoch stark subjektiv. Wir haben uns deshalb im nachfolgenden dafür entschieden, einige markante philippinische Wasserfälle nach geografischen Gesichtspunkten vorzustellen. Die nachfolgende, sicherlich unvollständige Auflistung ist kurz gehalten und führt uns vom Norden Luzons bis ins südliche Mindanao. An und für sich hätte jeder der angeführten Wasserfälle eine eigene Beschreibung verdient. Das würde aber hier zu starken Textwiederholungen führen, denn die meisten weisen eine reizvolle Regenwaldvegetation (zum Beispiel mit tropischen Bäumen, hochgewachsenem Bambus und Riesenfarnen) als auch einen zum Schwimmen einladenden Pool auf.    

Nördliches Luzon 

Pinsal Falls: Größter abgestufter Wasserfall in der Provinz Ilocos nahe der Stadt Santa Maria -  Fallhöhe etwa 25 Meter - hinter dem Hauptwasserfall eine versteckte Höhle  

Stimson Falls: Wenig bekannter, nach einem amerikanischen Generalgouverneur benannter abgestufter Wasserfall mit einer Höhe von 152 Metern 

Tappia Waterfalls: Nahe den Reisterrassen von Batad gelegener etwa 20 Meter hoher Wasserfall 

Big Falls (auch. Bomol-ok Falls): 40 Meter hoher, gegabelter Wasserfall bei Sagada, den man vielleicht im Rahmen einer Trecking-Tour zusammen mit der Besichtigung der Reisterrassen und der Big Cave bucht.  

Pagsanjan Falls: Wohl bekanntester Wasserfall auf den Philippinen und stärker aufgesuchtes Touristenziel  in der Nähe von Manila (Stadt Pagsanjan ) -  nach der ersten von insgesamt elf Stromschnellen des Flusses Bumbungan nur mit schmalen Bancas (Booten) erreichbar – Gegabelter, mitten im Regenwald liegende Wasserfall mit einer Fallhöhe von ca. 30 Metern, rundem Felsenpool und einer dahinter liegenden Höhle, in die man sich per Bambusfloß hineinziehen lassen kann – die etwa einstündige Bootsfahrt zum Wasserfall bietet vielen mehr Nervenkitzel (reißender Bergfluss; Spritzwasser; hohe 100 Meter hohe, von Regenwaldpflanzen bewachsene  Felswände)  als der Wasserfall selbst.  

Südliches Luzon 

Bicol / Albay:  

Busay-Falls: Ca. 20 km von Legaspi City entfernt – letzte Strecke nur zu Fuß erreichbar- siebenstufiger Wasserfall mit einer Gesamthöhe von 243  und einer durchschnittlichen Breite von  sechs Metern – die erste Stufe hat eine Höhe von 91 , die letzte Stufe von 40 Metern – Schwimmen in der Aufprallzone nicht ganz ungefährlich  

Itbog Falls: Von einer Quelle des Mount Isarog gespeister „Zwillings-Wasserfall in der Nähe von Iriga City bezw. Buhi mit einer Höhe von etwa 12 Metern - Regenwaldumgebung 

Botong Falls: Aus einer Süßwasser- und einer schwefelhaltigen Quelle gespeister, etwa 30 Meter hoher „Zwillings“-Wasserfall in der Nähe von Sorsogon - neuere Touristenattraktion mit künstlich geschaffenem Pool   

Visayas 

Negros: Negros ist die Heimat vieler Wasserfälle. 

Casaroro-Falls: etwa 9 Kilometer von Dumaguete entfernt – in der Nähe der Stadt Valencia; Fallhöhe etwa 40 Meter - Schwimmen im Pool in der Regenzeit riskant -   Regenwaldvegetation

Quipot-Falls: in der Nähe des über 2000 Meter hohen als aktiv geltenden Vulkanberges Mount Kanlaon und der gleichnamigen, etwa fünf Kilometer entfernten Stadt Kanlaon; flaschenförmiger Zulauf; Fallhöhe etwa 100 Meter - Regenwald-Umgebung 

Wasserfälle von Sudlon: gleichfalls in der Nähe der Stadt Kanlaon; zwei Wasserfälle, die etwa 120 Meter voneinander entfernt sind und etwa 25 Meter hoch sind 

Bohol: Die Wasserfälle sind vor allem im Südwesten der Insel konzentriert.

Mag-Aso-Falls: etwa 20 km nordwestlich von Tagbiliran in der Nähe der Stadt Antiquera; abgestufter Wasserfall mit einer Fallhöhe von acht Meter 

In der Nähe gleichfalls Inambacan FallsKawasan Falls Dimia Twin FallsBusay Falls (12 Meter breit und 4 Meter hoch) 

Samar 

Amandaraga Falls: im östlichen Teil der Insel nahe Lawaan; Urwald-Trip; gesträhnter Wasserfall mit 120 Meter Höhe – weitere Wasserfälle in der Nähe 

Cebu

Kawasan-Falls: mehrstufiger Wasserfall im Süden von Cebu nahe der Ortschaft Badian - die letzte Stufe weist eine Höhe von 20 Metern auf; touristisch weitgehend erschlossen 

Mindoro:  

Tamaraw Falls: etwa 15 Kilometer von Puerto Galera entfernt – leicht zugänglich; assymetrischer Wasserfall – letzte Stufe 132 Meter Gefälle  

Mindanao 

Mindanao hat besonders viele Wasserfälle aufzuweisen. Als die Stadt der Wasserfälle gilt die im Norden gelegene Stadt Iligan, in deren Nähe sich mehr als 20 Wasserfälle befinden  

Tinago Falls: in einer Schlucht versteckter 73 Meter hoher, besonders schöner  Wasserfall im Norden Mindanaos nahe Iligan - Touristen-Attraktion 

Maria Cristina Falls: gleichfalls in der Nähe der Stadt Iligan; „Zwillings“-Wasserfall mit kanalisiertem Zulauf; Fallhöhe 80 Meter; Touristen-Attraktion - teilweise kommerziell genutzt  (Energiegewinnung) 

Alalum-Falls: nahe der Ortschaft Sumilao - Fallhöhe 45 Meter 

Dodiongan Falls: ca. 15 km von Iligan entfernter 20 Meter hoher Wasserfall – touristisch erschlossen 

Limunsudan Falls: 55 Kilometer von der Stadt Iligan entfernt; zweistufiger und zweithöchster Wasserfall der Philippinen mit einer Gesamthöhe von 265 Metern – die höchste Stufe misst 122 Meter; Durchschnittsbreite: 23 Meter – in der Sekunde fließen etwa 3 Kubikmeter Wasser ab 

Aliwagwag Falls: im Südosten Mindanaos, nahe der Ortschaft Cateel  gelegener Wasserfall – der mittlerweile voll zugängliche Fall ist mit 338 Metern Gesamthöhe nicht der höchste Wasserfall der Philippinen sondern sicherlich auch einer der schönsten im Lande – bei einer durchschnittlichen Breite von etwa 20 Metern weist er insgesamt 84 Stufen mit Einzelhöhen zwischen 2 und 30 Metern auf  

 Todaya Falls: Spektakulärer 91 Meter hoher am Fuße des Mount Apo (Davao) gelegener  Wasserfall – durchschnittliche Gesamtbreite 13 Meter 

Seven Waterfalls: Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um einen 7-stufigen am Lake Sebu gelegenen Wasserfall mit einer Gesamtlänge etwa drei Kilometer; bislang ist nur die erste  (12 Meter) und die zweite Stufe (Dongon Waterfall mit 24 Metern Höhe) zugänglich – weitere touristische Erschließungsmaßnahmen geplant 

Legenden  

Wasserfälle haben von alters her die Betrachter in Bann gezogen. Kein Wunder, dass sie auch in philippinischen Legenden auftauchen. 

Der Pagsanjan-Fall soll entstanden sein, als der Vorahn Magdapio nach einer langen Zeit schrecklicher Dürre und unerhörter Gebete  in Wut über den ausgebliebenen Regen einen großen Stock gegen die Felsen schleuderte. 

Und vom Pool des Pinsay Falls in Ilicos erzählt man sich, dass er den Fußabtritt des Riesen Angalo darstelle, als dieser seiner geliebten Riesin Aran nachstellte. 

Die Maria Cristina Falls verdanken ihren Namen zwei Schwestern, die in der Nähe der dortigen Wasserfälle lebten und sich beide sehr liebten. Lange lehnten die beiden Schwestern Maria und Cristina die Heiratsangebote von Datus und Sultanen ab. Eines Tages kommt jedoch der berühmte junge Mann, der die Herzen der beiden öffnet. Indes – die beiden Schwestern wissen nicht, wen von beiden nun der junge Mann wirklich liebt. Nun nimmt die Tragik ihren Lauf.  Hintereinander stürzen sich die beiden Schwestern in den tobenden Wasserfall. Der junge Mann birgt ihre Körper, beerdigt sie in tiefer Trauer unter dem Wasserfall und benannt den Wasserfall nach den Namen der Getöteten.  

Für bewegungsarme Genießer 

 

Wasserläufe faszinieren – das haben auch findige Geschäftsleute mittlerweile entdeckt und bieten einer zahlungskräftigen Klientel künstlich geschaffene „Light“-Wasserfälle mit einem entsprechenden Resort-Ambiente zum Verweilen an. Die Labasin Waterfalls in San Pablo (Laguna Province) sind ein Beispiel für Wasserfall-Genuss ohne größere Kraftanstrengung.  

 © W. Bethge, 2008