Rainer Werning,

Krone, Kreuz und Krieger

 - Europäische Vermächtnisse in den Philippinen -

Verlag Neuer Weg, ISBN 978-3-88021-386-9,  9 €

 

 

Der Publizist Rainer Werning ist ein ausgewiesener Kenner der Philippinen. Zahlreiche Publikation mit Schwerpunkt Philippinen belegen dies nachdrücklich. Seine neueste Veröffentlichung ist ein Taschenbuch, das die europäischen Vermächtnisse auf den Philippinen zum Inhalt hat. Es gliedert sich in einen deutsch- und einen englischsprachigen Teil. So wird auch Lesern, die nur über englische Sprachkenntnisse verfügen, ein interessanter Lesestoff geboten. Trotz des beschränkten Seitenumfangs wartet das Taschenbuch mit einer Fülle von Details auf, die bisher in der deutschen Philippinenliteratur nicht oder nur wenig bekannt sind.

Die grundsätzliche Feststellung, dass die Geschichte der Philippinen in den vergangenen Jahrhunderten maßgeblich vom spanischen Kolonialismus und dem späteren amerikanischen Imperialismus bestimmt war und vielleicht auch noch bestimmt wird, wird mit vielen Hinweisen und Belegen dokumentiert.

Rainer Werning verweist auf den frühkapitalistischen Hintergrund der portugiesischen und spanischen Gewürzexpeditionen nach Südostasien, macht aber auch darauf aufmerksam, dass es religiöse Motive waren, die den spanischen König Philipp II. letztlich bewogen, am Kolonialbesitz der rohstoffarmen Philippinen festzuhalten. Die spanische Mönchsherrschaft in den nachfolgenden Jahrhunderten wird nur kurz gestreift. Sie prägte maßgeblich das Wert- und Glaubensgefüge der Inselbewohner und diente gleichzeitig der politischen Herrschaftsabsicherung.

 Im weiteren Verlauf würdigt der Autor die klugen und weitsichtigen Ausführungen des Anthropologen Fedor Jagor hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der Philippinen. Er spricht sowohl das abenteuerliche Leben des deutschen Handelskapitäns Schück auf der Insel Jolo an und verweist auf den kommerziellen und gesellschaftlichen Aufstieg der aus Hamburg stammenden Apothekerfamile Zobel.

Breiteren Raum nehmen die grotesken Überlegungen des amerikanischen Präsidenten William Mc Kinley im Sommer 1898 ein, die zur amerikanischen Eroberung der Philippinen führten. Die amerikanische Okkupation bringt dann auch den General John Joseph Pershing ins Spiel, dessen Familie aus dem Elsass stammt. Die um die Jahrhundertwende angesetzte und unter seiner Leitung stehende amerikanische „Befriedungskampagne“ gegen die rebellierenden Moslems brachte ihm den Ruf ein, „Schlächter der Moros“ zu sein. General Pershing findet seinen Antipoden in dem amerikanischen Schriftsteller Marc Twain, dessen mutiges antiimperialistisches Eintreten Rainer Werning positiv herausstellt.

Die Person des Isabelo de los Reyes ist hier kaum bekannt. Wir erfahren in der Publikation etwas über sein Wirken als Propagandist, Publizist, Gewerkschaftsführer und Kirchengründer.

Es kommen die dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Werning berichtet von dem Wirken der philippinischen Falangisten, die vor und zu Beginn des 2. Weltkriegs von deutschen Nationalsozialisten und spanischen Franco-Anhängern unterstützt wurden.

Wenig bekannt ist, dass die Philippinen ab 1939 Zufluchtsland von mehreren Tausend Juden wurden. Die Philippinen betrieben damals eine großzügige Einwanderungspolitik. Werning würdigt in diesem Kapitel insbesondere die Hilfestellungen durch die Frieder-Brüder und das Wirken des Komponisten Herbert Zipper, der unter anderem das „Dachau-Lied“ komponierte.

Die japanische Ideologie der „Größeren Ostasiatischen Gemeinsamen Wohlstandssphäre“ wird sich angesichts der von den japanischen Truppen verübten Gräueltaten schnell als trügerisch herausstellen. Während aber viele hochgestellte Kollaborateure der oberen Gesellschaftsschicht nach dem Krieg eine Rehabilitation erfuhren, wurden viele einfache antijapanischen Hukbalahap-Kämpfer nach Kriegsende mit amerikanischer Unterstützung verfolgt. Sie hatten auch der feudalistischen Gesellschaftsordnung der Philippinen den Kampf angesagt.  

Das von Rainer Werning vorgelegte Taschenbuch wird allen an der Geschichte der Philippinen Interessierten zur Lektüre empfohlen. Die interessanten Ausführungen des Autors füllen manche Leerstelle in der deutschen Philippinen-Literatur. Erwähnen wir noch, dass der Text verständlich geschrieben ist und die Broschüre mit neun Euro ausgesprochen preiswert angeboten wird. Da nimmt man dann auch die zu kleine Schriftgröße insbesondere bei den Anhangnotizen in Kauf.

W. Bethge, 2011