Historische Grunddaten der philippinischen Geschichte - Teil 2

                                                            Amerikanische Kolonialherrschaft und japanische Besetzung     

                                    

10.12.

1898

Im Vertrag von Paris verkauft Spanien die Philippinen für 20 Millionen US Dollar Abfindung an die USA. Philippinische Vertreter sind an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. 

Die Amerikaner verfolgen mit dem Erwerb primär strategische Interessen. Die Philippinen sind für sie ein wichtiger Standort bei der Durchsetzung ihrer Absatzinteressen im Pazifikraum. Diese Interessen sehen sie durch andere koloniale Konkurrenten (u.a. Deutschland, Japan, Frankreich) gefährdet.  

Die neue Kolonialmacht wird aber - insbesondere in den dreißiger Jahren und hier im Gegensatz zur früheren spanischen Kolonialmacht - den Filipinos eine weitaus größere Eigenständigkeit in inneren Angelegenheiten einräumen.

 

21.12

1989

Der amerikanische Präsident McKinley beansprucht in einer Erklärung die Souveränität der USA über die Philippinen. Er verspricht eine „wohlwollende Assimilierung“ der Philippinen unter Beachtung von Rechten und Gesetzen. 

Die Annexion wird auch in den Staaten vielfach kritisiert und passiert nur mit Schwierigkeiten den amerikanischen Senat. Der amerikanische Stahlmagnat Andrew Carnegie will z. B. für 20 Millionen die Philippinen wieder für die Filipinos zurückkaufen. Auch der amerikanische Humorist Marc Twain prangert den amerikanischen Imperialismus stark an.

 

21.01.

1899

Der von den früheren amerikanischen Zusagen enttäuschte Aguinaldo beruft einen Revolutionskongress in Malolos ein. Dieser verabschiedet die „Malolos Verfassung“. Sie sieht eine Republik nach westlichem Vorbild mit einem starken Gewicht der Legislative vor. Zwei Tage später wird Aguinaldo zum Präsidenten der ersten Republik benannt. 

Die neuen Kolonialherren erkennen die Regierung des „outlaw bandit“ (gesetzlosen Banditen) nicht an. Aguinaldo warnt die Amerikaner vor kriegerischen Auseinandersetzungen.

 

04.02.

1899

Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen Amerikanern und Filipinos herbeigeführt durch einen umstrittenen Vorfall, bei dem ein philippinischer Soldat angeblich durch eine amerikanische Patrouille getötet wurde.

 

05.02.

1899

Aguinaldo erklärt den Amerikanern den Krieg. Damit beginnt der philippinisch-amerikanische Krieg (1899-1902). Die philippinischen Truppen sind schlecht bewaffnet und kämpfen vorwiegend aus dem Untergrund. Die kriegerischen Auseinandersetzungen, die insbesondere in Luzon stattfinden, werden streckenweise brutal mit Folterungen und Brandschatzungen geführt.

 

06.02

1899

Der US-Senat ratifiziert den Vertrag von Paris. Das Militär wird bevollmächtigt, das Land zu befrieden („pacification“) und die amerikanische Vorherrschaft auf den Philippinen auch mit Gewalt sicher zu stellen.

 

04.03.

1899

Die Schumann Kommission trifft in Manila ein. Sie betont nochmals die Vormachtstellung der USA, verspricht aber schon zu diesem frühen Zeitpunkt die volle Autonomie der Philippinen.

 

29.04.

1899

Der spanische Erzbischof von Manila exkommuniziert den von Aguinaldo eingesetzten Militärvikar Aglipay.  Er gründet später die von Rom unabhängige Nationalkirche „Iglesia Filipina Independiente“.

 

06.05.

1899

Mabinis Friedensgespräche mit den Amerikanern scheitern. Der amerikanische General Otis besteht auf einer bedingungslosen Kapitulation.

 

05.06.

1899

General Antonio Luna, der die philippinischen Truppen führt, wird von einem Aguinaldo-Anhänger erschossen. Aguinaldo übernimmt ab sofort das Oberkommando über die philippinischen Guerillakämpfer.

 

12.10.

1899

Die Amerikaner starten mit 126.000  Soldaten eine militärische Großoffensive. Aguinaldo geht in den Untergrund.

 

23.12.

1900

Die von Filipinos gegründete „Partido Liberal“ plädiert für einen Anschluss der Philippinen an die USA. Sie kann sich mit ihren Plänen jedoch nicht durchsetzen.

 

02.03.

1901

Die Bevollmächtigten des amerikanischen Präsidenten regieren nun „zivil“ die Philippinen. Formal endigt das Militärregime über die Philippinen. 

 

23.03.

 

1901

Aguinaldo wird festgenommen. Schon eine Woche später leistet er den Treueid auf die USA und fordert seine Kämpfer auf, die Waffen nieder zulegen. Er verkündigt in diesen Tagen, dass die Freiheit der Philippinen dank der „Großzügigkeit“ der USA kommen werde. Die erste Republik der Philippinen ist damit gescheitert.

 

04.07.

1901

Die Amerikaner verkünden das Ende des amerikanisch-philippinischen Krieges, die Kämpfe einzelner Widerstandsgruppen halten aber noch - insbesondere in den moslemischen Gebieten im Süden -  bis 1913 an. 

Die Angaben über die Zahl der Opfer des unerbittlich geführten Krieges schwanken. Man geht davon aus, dass 4200 amerikanische und circa 16.000 philippinische Soldaten fielen. Die Angaben über die Opfer unter der Zivilbevölkerung - zu berücksichtigen sind auch Todesfälle durch Hunger und Krankheiten - schwanken zwischen  100.000 und einer Million. Rüdiger Siebert spricht in diesem Zusammenhang von einem „ersten Krieg à la Vietnam“. 

William Taft wird erster amerikanischer Generalgouverneur.   

 

27.09.

1901

Überraschungsangriff des philippinischen Guerilla-Kapitäns Daza auf ein amerikanisches Militärlager auf Samar, bei der die Hälfte der amerikanischen Soldaten getötet wird. 300 Marines werden daraufhin unter Brigadegeneral Smith mobilisiert. Er gibt den Befehl alle über 10-Jährigen, die Waffen tragen können, zu töten.

 

04.11.

1901

Das „Sedition Law“ (Anti-Aufwiegelungs-Gesetz) wird verabschiedet. Es sieht die Todesstrafe oder langjährige Haftstrafen für diejenigen vor, die die Unabhängigkeit der Philippinen oder die Trennung von den USA propagieren.

 

02.02.

1902

Isabelo de los Reyes gründet die erste Gewerkschaft.

 

 

1902

Verabschiedung der „Cooper Act“ durch den US-Senat. Sie sieht nach amerikanischem Vorbild eine Zweikammer-Legislative mit einem Unter- und Oberhaus für die Philippinen vor.

 

 

1903

Gouverneur Taft formuliert das Schlagwort „Die Philippinen den Filipinos“ und verspricht die Verwaltung in die Hände der Filipinos zu legen, wenn stabile Regierungsverhältnisse vorliegen. 

Er besitzt jedoch weiterhin ein Vetorecht und kontrolliert die Exekutive. In der Folgezeit werden veraltete spanische Gesetzte sukzessive aufgehoben, die Infrastruktur verbessert, das Bildungs- und Gesundheitssystem nach amerikanischem Vorbild ausgebaut und modernisiert. Etwa 600 amerikanische Lehrer auf die Philippinen gebracht. Englisch wird zur offiziellen Landessprache erklärt.

 

 

1904

Die amerikanische Zivilverwaltung erlässt ein Gesetz, wonach die die katholische Kirche den größten Teil ihres Grundbesitzes zu veräußern hat. Der Grundbesitz wird neu verteilt. Zunehmend besetzen Filipinos auch höhere Kirchenämter. Die extrem ungleiche Bodenverteilung bleibt dennoch erhalten.

 

09.01.

1906

Der „Deutsche Club“ wird in Manila gegründet. Die Mitglieder sind zumeist Geschäftsleute.

 

30.06.

1907

Erste Kongresswahlen, nachdem freie Parteigründungen zuvor zugelassen worden waren. 

Bis Kriegsende wird die als gemäßigt-konservativ geltende „Partido Nationalista“ unter Manuel Quezon und Sergio Osmena die politische Mehrheit stellen.

 

 

1908

Die „University of the Philippines“ wird gegründet.

 

 

1909

Freier Warenverkehr mit den Vereinigten Staaten mit günstigen Sonderkonditionen für den Import von amerikanischen Fertigwaren und den Export von philippinischen landwirtschaftlichen Produkten. Der Außenhandel ist weitgehend auf die USA konzentriert. Eine Industrialisierung bleibt weitgehend aus.

 

27.01.

1911

Der Mt. Taal Vulkan explodiert und tötet 1330 Personen

 

16.10.

1916

Die Demokraten regieren nun in Washington. Das „Jones Law“ wird verabschiedet, es sieht eine ausschließlich philippinische Legislative mit dem House of Representatives und dem Senat vor. Manuel Quezon (1898 - 1941) wird als Präsident des Senats und Sergio Osmena (1898 - 1961) als Sprecher des Repräsentantenhauses gewählt.

 

11.01.

1917

Erstes philippinisches Ministerkabinett, das sich primär aus Vertretern der alten Macht- und Wirtschaftselite rekrutiert.  

 

 

1918

Die Philippinen beteiligen sich an der Seite der USA am 1. Weltkrieg und senden 25.000 Soldaten nach Europa.

 

 

1925

Die ungleiche Landverteilung wird zunehmend zum Problem Streiks unzufriedener Bauern und Arbeiter. Sie setzen sich bis 1940 fort.

 

30.11.

1930

Gründung der stalinistisch orientierten  „Communist Party of the Philippines” u.a. unter der Führung von Crisanto Evangelista

 

26.10.

1932

Die „Communist Party of the Philippines“ wird vom obersten Gerichtshof als illegal erklärt.

 

24.03.

1934

US-Präsident Roosevelt billigt das „Philippine Independence Law“. Es sieht  - vor der immer versprochenen vollen Unabhängigkeit - eine zehnjährige Übergangsperiode als „Commonwealth of the Philippines“ vor.

 

14.05.

1935

Die „Commonwealth“- Verfassung wird in einem Referendum verabschiedet.

 

17.09.

1935

Bei Präsidentschaftswahlen wird Manuel Quezon zum Präsidenten und Sergio Osmena zum Vizepräsidenten gewählt.

 

15.11.

1935

Das „Philippine Commonwealth“ wird offiziell in Kraft gesetzt.  

Dieser Status beinhaltet insbesondere die innere Autonomie des Landes. Entscheidungen über Auslandshandel, Immigration und Währung bedürfen jedoch immer noch der Zustimmung des amerikanischen Präsidenten.  Das Amt des US-Generalgouverneurs wird aufgelöst. Die amerikanischen Interessen nehmen nun hohe Kommissare wahr.

 

21.12.

1935

Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und Aufbau einer eigenen Armee.

 

26.07.

1941

Die Philippinen stehen in einem Bündnisverhältnis mit Amerika. Man ist besorgt über den japanischen Expansionsdrang. 

Auf Anraten des Militärberaters des philippinischen Commonwealth Douglas MacArthur werden die philippinischen Einheiten in die „United States Army Forces in the Far East“ eingegliedert.  Die zusammenführten Truppen umfassen etwa 110.000 Mann.  

 

11.11.

1941

Wiederwahl von Präsident Quezon und Vize-Präsident Osmena.

 

08.12

1941

Unmittelbar nach der Bombardierung von Pearl Harbor (07.12.) greifen japanische Flugzeuge Manila an. Japanische Militärverbände landen im nördlichen Luzon und auf Mindanao (10.12.). Die Invasion trifft die philippinischen und amerikanischen Truppen unvorbereitet. 

General MacArthur, nunmehr Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte im Fernen Osten, zieht sich vor den heranstürmenden japanischen Truppen auf die Halbinsel Bataan zurück.

 

20.12.

1941

Präsident Quezon zieht sich mit seinem Regierungskabinett auf die Festung Corregidor Island zurück.

 

26.12.

1941

Manila wird aufgegeben. Die japanischen Truppen rücken am 2. Januar 1942 in Manila ein. Die philippinisch-amerikanische Armee zieht sich nach Bataan zurück.

 

 

1942

Exilregierung erklärt dem Deutschen Reich gleichfalls den Krieg. Der Kriegszustand mit Deutschland wird erst 1954 aufgehoben.

 

03.01.

1942

Der japanische Chefkommandeur General Homma verkündigt das Ende der amerikanischen Besetzung. Die japanischen Truppen seien gekommen, um die Filipinos von der amerikanischen Unterdrückung zu befreien. Die Philippinen sollen ein „selbstständiges Mitglied innerhalb einer ostasiatischen Wohlstandszone“ werden.  

Unbeschadet seiner panasiatischen Bekundungen verhängt er das Kriegsrecht über das Land.

 

13.01.

1942

Ein Gesetz stellt Aufwiegelung, die Zerstörung von Militäreigentum, die Trinkwasservergiftung sowie Raub und Plünderung unter Todesstrafe.

 

2.01.

1942

Die japanische Militärverwaltung beruft ein Exekutivkomitee, dem u.a. folgende japanfreundliche Politiker angehören: Jorge Vargas, Benigno S. Aquino Sr. und Jose P. Laurel

 

20.02.

1942

Präsident Quezon und sein Kabinett flüchten in die USA und bilden dort eine Exilregierung.

 

11.03.

1942

Der frühere Militärberater und nunmehrige General MacArthur - dessen Vater auch der letzte amerikanische Militärgouverneur war - begibt sich nach Australien, um dort ein höheres Militärkommando zu übernehmen. Zuvor gibt er den Filipinos das Versprechen ab: „I shall return“.

 

29.03.

1942

Es formiert sich die antijapanische, bäuerlich geprägte Partisanenbewegung „Hukbalahap“ (auch „Huk“) unter ihrem linksorientiertem  Führer Luis Taruc. Die etwa 30.000 Mann starke „Volksarmee“ verfolgt ihre eigenen Ziele. MacArthur lehnt eine Zusammenarbeit mit ihr ab, da er davon ausgeht, dass sie den Kommunismus auf die Philippinen einführen möchte. Neben der „Hukbalahap“ bilden sich auch proamerikanische Widerstandsbewegungen.

 

09.04.

1942

Die auf Bataan befindlichen amerikanischen und philippinischen Truppen unter General Edward King ergeben sich. Die Japaner schicken 80.000 gefangen genommene Soldaten auf einen „Todesmarsch“ mit anschließender konzentrationslagerähnlicher Inhaftierung. 36.000 Soldaten überleben die Tortur nicht.

 

06.05.

1942

Die Festung Corregidor mir ihren 12.000 Mann Besatzung ergibt sich den Japanern.

 

10.06.

1942

Die Exilregierung schließt sich einer UN-Resolution an, in der den  Achsenmächten der Krieg erklärt wird. Der Kriegszustand mit Deutschland wird erst 1954 aufgehoben.

 

20.09.

1943

Eine japanfreundliche Nationalversammlung wird berufen. Sie wählt Jose P. Laurel zum Präsidenten der 2. Republik der Philippinen.  

Er wird nach Kriegsende immer wieder betonen, dass er aus Notwendigkeit mit den japanischen Besetzern kollaborierte, um die deren willkürliche Herrschaft erträglicher zu machen. Eine Minderheit unter den Filipinos kollaboriert mit den japanischen Besetzern. Die Mehrheit lehnt jedoch das japanische Besatzungsregime ab.  

 

 

1943

Reisknappheit im Land. Die Marionettenregierung unter Laurel fordert eine „grüne Revolution“, um der Nahrungsmittelknappheit und den Hungersnöten zu begegnen.  

Die meisten Historiker sprechen - spätestens ab diesem Zeitpunkt - von einer beginnenden willkürlichen Schreckensherrschaft der Japaner. Sie kontrollieren 12 von 48 Provinzen des Landes.

 

01.08.

1944

Exilpräsident Quezon verstirbt in den USA an Tuberkulose. Sein Nachfolger wird der vormalige Vizepräsident Sergio Osmena.

 

20.10.

1944

General MacArthur landet mit vier Armeedivisionen und über 650 Schiffen zunächst auf der Insel Leyte. Es folgen weitere Truppenanlandungen auf Mindoro und Luzon.

 

21.09.

1944

Schwerer Luftangriff der Amerikaner auf Manila, der viele Zivilopfer fordert. Auf Druck der Japaner erklärt Präsident Laurel Amerika den Krieg.

 

04.02.

1945

Amerikanische Truppen vor Manila.  

 

22.02.

1945

Luis Taruc und andere HUK-Führer werden vom amerikanischen Geheimdienst festgenommen. Man wirft ihnen ihre kommunistische Gesinnung vor.

 

24.02.

1945

Schlacht um Manila. Es kommt zu einem unerbittlich geführten Häuserkampf mit starker japanischer Gegenwehr. Japanische Truppen verüben Massaker an der Bevölkerung. Manila gehört am Ende zu den im 2. Weltkrieg am meisten zerstörten Städten. 

Die japanischen Truppen ergeben sich. Exil-Präsident Osmena bezieht wieder den Malacanang Regierungspalast und bildet eine Regierung.

 

22.03.

1945

Marionettenpräsident Laurel sucht Zuflucht in Japan.

 

05.06.

1945

Der 1941 gewählte Kongress tagt wieder und wählt Manuel Roxas zum Sprecher.

 

05.07.

1945

General MacArthur verkündigt die Befreiung der Philippinen. Der Kriegseinsatz auf den Philippinen kostete ca. 300.000 japanischen, 60.000 amerikanischen und ungefähr 100.000 philippinischen Soldaten das Leben. Die zivilen Opfer werden auf eine Million geschätzt.

 

15.08.

1945

Nach den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki kapituliert Japan offiziell.

 

12.09.

1945

Marionettenpräsident Laurel wird in Japan verhaftet und zur Aburteilung auf die Philippinen verbracht.

 

20.04.

1946

Manuel Roxas von der Liberal Party besiegt  in einer Präsidentschaftswahl  den Amtsinhaber Osmena von der Nacionalista Party.

 

    © Wolfgang Bethge, 2007